Dienstag, 5. Dezember 2023

Der Donnerstagsmordclub oder Ein Teufel stirbt immer zuletzt von Richard Osman

 

Der vierte Band des »Donnerstagsmordclubs«, mit dem Titel »Ein Teufel stirbt immer zuletzt« von Richard Osman, entführt die Leser erneut in die charmante Welt der Clubmitglieder Elizabeth, Joyce, Ron und Ibrahim. Ihr Weihnachtswunsch nach einem Jahr ohne Mord wird rasch zunichtegemacht, als der Antiquitätenhändler Kuldesh Shamar ermordet wird. Der Verdacht liegt nahe, dass er in illegale Machenschaften verwickelt war, ein verschwundenes Kästchen voller Heroin, wirft weitere Fragen auf.

Inmitten einer teuflischen Schar von Dealern, Betrügern und Ganoven setzt der Donnerstagsmordclub alles daran, den Mörder zu entlarven. Und nebenbei versuchen die liebenswerten Clubmitglieder Mervin, einen pensionierten Schulleiter davon zu überzeugen, dass seine litauische Internet-Verlobte Tatjana nicht real ist und nur darauf aus ist, ihm sein Geld aus der Tasche zu ziehen.

Die Charaktere des Donnerstagsmordclubs sind mir inzwischen ans Herz gewachsen. Ihr Humor, ihre gegenseitige Unterstützung und die tiefe Zuneigung füreinander machen sie zu einer liebenswerten Truppe. Der Kriminalfall wird auf ihre gewohnt humorvolle Art gelöst, und selbst die Verbrecher wurden mir fast sympathisch.

Besonders berührend ist die Darstellung der persönlichen Herausforderungen der Clubmitglieder. Elizabeths aufopferungsvolle Pflege ihres an Alzheimer erkrankten Mannes Stephen, rückt emotionale Themen ins Zentrum. Joyce und Ibrahim erinnern sich an vergangene Lieben, während Ron, starrsinnig wie er ist, sein Liebesglück auf die Probe stellt.

Die Auflösung des Kriminalfalls, der selbst die Polizei vor Rätsel stellt, erfolgt auf erwartet humorvolle Weise. Der Donnerstagsmordclub beweist erneut seine detektivischen Fähigkeiten, indem er Hinweise und Fakten wie ein Puzzle zusammensetzt. Richard Osman schafft es, Spannung, Humor und emotionale Tiefe in diesem vierten Fall geschickt miteinander zu verweben, was das Buch zu einem unterhaltsamen Leseerlebnis macht.


  • Herausgeber ‏ : ‎ List Hardcover; 3. Edition (30. November 2023)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Übersetzt von: Sabine Roth
  • Broschiert ‏ : ‎ 432 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3471360514
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3471360514
  • Originaltitel ‏ : ‎ The Last Devil To Die



Sonntag, 3. Dezember 2023

8 Fragen 8 Antworten. Constantin Dupien zu Besuch im Buecherhaus



Heute darf ich Constantin Dupien im Bücherhaus begrüßen, Constantin lebt und arbeitet in Leipzig und ist als Autor und Herausgeber tätig, am Ende des Interviews findet ihr eine Liste seiner bisherigen Werke.


Herzlich willkommen im Bücherhaus, Kaffee, Tee und Plätzchen (Wir sind in der Adventszeit, da heißen Kekse Plätzchen) stehen bereit, aber, vorab das obligatorische:


Beschreibe dich bitte in 5 Worten.


Hi Manuela,

herzliche Grüße aus der wunderschönen Buchstadt Leipzig. Ich freue mich auf den Austausch mit dir.

Puh …

Na gut, ich versuche es. Bekomme ich bitte auch Schrift in grün, so wie zuletzt Carolin Gmyrek? (Das krieg ich hin😀)

Herzblutmensch • sanftmütig • reflektiert • Vanillekipferl-Leckermaul • Sportjunkie (geht Vanillekipferl backen)


1. Die Anthologie „Mängelexemplare 5: Hinter den Fenstern“ und „Mängelexemplare 5: Am Ende der Zeit“ wurden von dir herausgegeben. Welche Herausforderungen gab es dabei, eine Anthologie in zwei Teilen herauszugeben?

Die größte Herausforderung bei der fünften Ausgabe der Mängelexemplare war es, die beiden unterschiedliche thematischen Ansätze – Horror trifft Erotik und Horror trifft Dystopie – in einem Gesamtkonzept zusammenzuführen, das in sich stimmig und trotz aller Komplexität leicht zugänglich ist.
Die Bücher können unabhängig voneinander gelesen. Aber durch eine beide Bände umspannende Rahmenhandlung sowie das ein oder andere verbindende Element offenbaren sich alle Geheimnisse erst, wenn man beide gelesen hat. Die Reihenfolge ist dabei übrigens unwichtig.

Dass am Ende wirklich alles so geklappt hat, wie ich es mir zweieinhalb Jahre lang vorgestellt und darauf hingearbeitet habe, ist vor allem auch ein großer Verdienst von Stefan Cernohuby.

Wir haben gemeinsam den Metaplot konzipiert. Außerdem hat er bei Mängelexemplare: Am Ende der Zeit als Co-Herausgeber ganz viele wichtige Impulse beigesteuert und mich auf Augenhöhe unterstützt.

An dieser Stelle:

Vielen Dank, lieber Stefan.



2. Warum hast du die beiden Bücher überhaupt getrennt, eine Anthologie-Dilogie ist ja eher ungewöhnlich?


Die Mängelexemplare-Reihe hebt sich über alle Ausgaben hinweg durch ihre liebevolle und experimentierfreudige Umsetzung von der Masse ab. In den Vorgängerbänden haben wir bereits einige coole Dinge eingebaut, wie zum Beispiel handgeschriebene Einleitungen der Autor*innen zu ihren Geschichten, mit Tusche gemalte Illustrationen, kontextbezogene Fotografien sowie handschriftlich verfasste Lyrik. Und hey, Mängelexemplare: Heimgesucht ist eine Novellen-Anthologie! 


Ich glaube, solche Details und Besonderheiten haben dazu beigetragen, dass die Mängelexemplare in der Phantastik-Szene trotz siebenjähriger Veröffentlichungspause noch immer ein Begriff sind.

Dass Mängelexemplare 5 am Ende eine Dilogie geworden ist – noch dazu mit einer übergreifenden Rahmenhandlung – war zu Beginn (die ersten Überlegungen gab es bereits zur Leipziger Buchmesse 2017) gar nicht geplant gewesen. Ursprünglich stand das übergeordnete Motiv Horror trifft Erotik im Fokus. Der Rest hat sich mit der Zeit entwickelt.


Und: Eine Konzept-Anthologie-Dilogie herauszugeben, finde ich einfach nur cool. Es passt zudem wunderbar zu den Mängelexemplaren, die gängigen Konventionen zu durchbrechen.


Props gehen hier an den Amrûn Verlag, der in jeder Sekunde hinter dem Projekt stand, obwohl wir uns mit der Veröffentlichung so weit weg vom Mainstream bewegen, dass die großen Verkaufszahlen wohl leider ausbleiben werden. Trotz großartiger Geschichten und einem professionellen Herangehen.



3. Wie hast du die Geschichten ausgewählt, die in den Anthologien aufgenommen wurden und was macht für dich eine herausragende Kurzgeschichte im Horrorbereich aus?


Es gab keine offene Ausschreibung. Alle Autorinnen und Autoren, die in den neuen Mängelexemplaren vertreten sind, erhielten eine persönliche Anfrage von mir (und wurden teilweise so lange belagert, bis sie endlich „Ja!“ gesagt haben).

Es sind langjährige Familienmitglieder an Bord, wie etwa Lisanne Surborg, Vincent Voss, Jana Oltersdorff und Stefanie Maucher. Alle vier waren schon in der ersten Mängelexemplare-Anthologie vertreten.
Dazu gekommen sind neue Kolleginnen und Kollegen, deren Werke ich sehr schätze, wie etwa Faye Hell und Sonja Rüther – beides unglaublich wortstarke Autorinnen und sehr liebe Menschen (darf ich das über dich sagen oder killt das dein Image, Faye?)

Außerdem ist es mir wichtig, noch nicht etablierten Schriftsteller*innen eine Bühne zu bieten.

Die Geschichte Idas Augen von Sanjina Karma ist großartiger psychologischer Body Horror mit queeren Charaktären.
Es ist kaum zu glauben, dass dies eine ihrer ersten Veröffentlichungen ist. Ich wünsche Sanjina, dass sie bald ein größeres Publikum erreicht.

Unsere Lektorin des Vertrauens, Lilly Rautenberger, steuert gleich zwei Kurzgeschichten und ein Gedicht bei. Ihre Story für Mängelexemplare: Hinter den Fenstern ist so tiefgründig emotional, düster und berührend, dass ich nach dem ersten Lesen erst einmal eine Pause benötigt habe, um die Schwere zu  verdauen. 

(Vanillekipferl spendiere, vorsicht heiß. Lillys Geschichte "Fasern" ist eine meine Lieblingsstorys in dem Buch.)


4. Als Autor hast du nicht nur Kurzgeschichten, sondern auch Romane veröffentlicht. Wie unterscheidet sich dein Herangehen beim Schreiben von kürzeren Formaten im Vergleich zu längeren Werken?

Egal ob Kurzgeschichte oder Roman – ich bin leider schrecklich unstrukturiert, sprunghaft und lasse ich vom sanftesten Windhauch ablenken. Ich überarbeite Textstellen bzw. Kapitel schon lange, bevor die Rohfassung fertig ist, und das bis zur (vermeintlichen) Perfektion.
Gerade bei langen Texten ist das tödlich und insgesamt wahrscheinlich der Hauptgrund, weshalb mein Veröffentlichungstempo der Bewegungskraft einer Schnecke gleicht.

Deshalb zwinge ich mich seit diesem Jahr dazu, nach festen Strukturen zu arbeiten:

Schreiben, wenn möglich, vor der Arbeit

Schreiben schlägt Social Media (haha, guter Witz …)

Erst schreiben, dann redigieren

Intensive(re)s Plotten

Pomodoro Timer zum konzentrierten Arbeiten

Tracking all meiner Autoren-Aktivitäten (daher weiß ich, dass ich zu viel auf Social Media rumschleiche)

Wenn ich diese Dinge weiter beherzige, wird noch in diesem Jahr die Rohfassung meines nächsten Romans fertig.


5. "Das Vermächtnis: Ruf der Dunkelheit" ist ein gemeinschaftliches Projekt mit Vincent Voss. Kannst du uns mehr darüber erzählen, wie die Idee für diesen Roman entstanden ist und wie ihr die Charaktere und die Handlung gemeinsam entwickelt habt? Sind da auch mal die Fetzen geflogen?

Der Roman basiert auf einer wahren Begebenheit. Wir thematisieren den historisch verbrieften Weihnachtsfrieden 1914 an der Westfront des 1. Weltkrieges. In diesem Setting wird im Roman eine jahrhundertealte und urböse Macht geweckt, die durch die Schützengräben wabert und ihre langen Finger bis in die Gegenwart ausstreckt.

Wir nutzen hier übernatürlichen Horror, um zu erklären, was rational gar nicht zu fassen ist:

Der Krieg ist etwas Abscheuliches, Grausames. Und wie schlimm muss es sein, sich, nachdem man das Weihnachtsfest zusammen verbracht hat, am Tag darauf wieder mit tödlicher Gewalt begegnen zu müssen?

Wir haben die Protagonisten des Buches strikt aufgeteilt. Die Handlung ist dann ganz organisch entstanden, indem wir uns abwechselnd die Kapitel zugesendet und jeweils auf das Geschriebene des anderen reagiert haben. Anstatt uns zu streiten, haben wir uns einfach immer fiesere und bösartigere Hindernisse in den Weg gelegt, die es zu überwinden galt.

Eigentlich eine ganz witzige Herangehensweise, oder?

Und irgendwie ist daraus tatsächlich ein ganzer Roman entstanden. Das hat uns beiden so viel Freude bereitet, dass wir dieses Experiment wohl ein zweites Mal wagen werden.


(Stellt mehr Kipferl hin. Oh da freue ich mich sehr drauf, aber hoffentlich nicht wieder 8 Jahre bis zum gedruckten Buch 😀)



6. Welche Herausforderungen siehst du derzeit in der Buchbranche?

Die Buchbranche konkurriert zum einen mit den Streaming-Anbietern, die ohne Pause mit neuen aufwendig produzierten Inhalten locken und aufwandslose Abend- und Wochenendunterhaltung bieten.

Zum anderen gibt es so viele Veröffentlichungen, dass es einzelne Autorinnen und Autoren schwer haben, herauszustechen. Im Buchhandel finden in aller Regel vor allem die Großen der Großverlage statt.

Sichtbarkeit zu bekommen und damit letzten Endes auch Verkäufe, ist eine riesige Herausforderung.



Das Thema KI darf ja irgendwie nicht fehlen. ;o)

7. Glaubst du, dass KI die Art und Weise, wie Bücher geschrieben, veröffentlicht und konsumiert werden, verändern wird?

Ja, absolut.

Ich glaube, dass es bereits jetzt sehr viele Veröffentlichungen gibt, die zu großen Teilen mit einer KI erzeugt wurden.
(Furchtbar oder?) Wer gut prompten kann und eine smarte Herangehensweise hat, erzielt bereits jetzt echt gute Ergebnisse. Noch muss der Mensch Hand anlegen, aber es wird nicht mehr lange dauern …

Lektorat, Korrektorat, Übersetzungen und vor allem Illustrationen und Hörbuchproduktionen werden es schwer haben, auf lange Sicht gegen die KI Bestand zu haben.

Hier müssen wir uns als Gesellschaft die Frage stellen, ob wir das alles so wollen. Und Autorinnen und Autoren müssen für sich herausfinden, ob ihnen die Chance auf schnellen Ruhm (und/oder schnelles Geld) wichtiger ist, als sich die Sporen durch harte Arbeit und fleißiges Üben zu verdienen.

Übrigens kann ich mir in unserer schnelllebigen Zeit auch gut vorstellen, dass maßgeschneiderte KI-Zusammenfassungen von Romanen durchaus ihren Platz finden werden. Ein Buch kennen und mitreden können, ohne es gelesen haben zu müssen – ich glaube, dass genug Leute wirklich so ticken.


8) Als Autor hast du vermutlich eine Menge Zeit mit dem Lesen anderer Werke im Horrorbereich verbracht. Gibt es bestimmte Autoren oder Bücher, die einen nachhaltigen Eindruck auf dich hinterlassen haben und vielleicht auch deine eigene Schreibweise beeinflusst haben?

Ganz ehrlich: Ich lese nicht so viel Horror. Ich mag die ganze Bandbreite der Phantastik und darüber hinaus viele andere Genres.

Meine Lieblingsautoren sind Georges Simenon, Edgar Allan Poe und S. S. Van Dine. Im Horrorbereich ist es ganz klar Vincent Voss. Aktuell lese ich zudem sehr gerne Bianca Iosivoni, Anabelle Stehl und Boris Koch.

Wichtig für mein Lesevergnügen sind entweder ein super spannender Plot oder interessante Figurenkonstellationen und fein gezeichnete Charaktere.

Ich danke dir sehr für deinen Besuch und ich hoffe bald wieder etwas von dir lesen zu dürfen. Steht gerade etwas in den Startlöchern?

Ich danke für die Gelegenheit und die wirklich spannenden Fragen. Wir kennen uns nun schon viele Jahre, das erste Mal sind wir uns 2016 auf einer Lesung in der Suppenbar begegnet, oder? Danke für deinen Support über all die Jahre.
 

(2017 war es, wenn ich nicht irre, mein erster Messebesuch, aber Suppenbar stimmt, du hast gemeinsam mit Vincent Voss gelesen. Ich habe zu danken für all die tollen Geschichten von dir und deinen Autoren Kolleginnen und Kollegen)

Meine Novelle "Der Spuk auf Lakewood Manor"steht in den Startlöchern für den Handel. Eine erste kleine Auflage, die der Verlag für eine Lesung produziert hat, ist bereits ausverkauft.

Noch in diesem Jahr erscheint ein weiteres Buch im Mängelexemplare-Kosmos. Mängelexemplare: Das Familienvermächtnis bringt die besten Geschichten aus den ersten vier Bänden in komplett überarbeiteter Form zusammen, ergänzt um vier neue Erzählungen. Unter anderem ist eine Kurzgeschichte von mir dabei und erstmals alle drei Teile von Ein Schattenmärchen von Michael Marrak.
(Das muss ich ja auch wieder haben😂)

Für 2024 habe ich mindestens einen Roman und eine Novelle auf der Uhr.

(Ich fange dann schon mal Büchergeld zu sparen, aber ich weiß das es sich lohnen wird)

Hier ist die versprochene Liste mit Büchern von und mit Constantin, zu vielen davon findet ihr eine Rezension hier auf dem Blog.

Werke von Constantin Dupien:

Eigene Veröffentlichungen:
Der Spuk auf Lakewood Manor (2023, KOVD Verlag)
Das Vermächtnis: Ruf der Dunkelheit (2023, Nectu Verlag)
In Blut und Liebe (2013, Amrûn Verlag)

Zwischen 2013 und 2017 einige Beiträge in Anthologien

Als Herausgeber:

Mängelexemplare 5: Hinter den Fenstern (2023, Amrûn Verlag)
Mängelexemplare 5: Am Ende der Zeit (2023, Amrûn Verlag)
Mängelexemplare 4: Heimgesucht (2016, Amrûn Verlag)
Mängelexemplare 3: Haunted (2015, Amrûn Verlag)
Mängelexemplare 2: Dystopia (2014, Amrûn Verlag)
Mängelexemplare und andere makabre Geschichten (2013, Edition Lepidoptera)

Samstag, 2. Dezember 2023

Der Spuk auf Lakewood Manor von Constantin Dupien (Eine Kurzgeschichte)







Der alternde Meisterdetektiv Preston folgt gemeinsam mit seinem Freund und Schriftführer John Denton, seinem Auftraggeber Sir Arthur Denton, nach Lakewood Manor, einem auf einer einsamen Insel im Meer gelegenen Herrenhaus. Auf dem Familiensitz tragen sich seit einiger Zeit mysteriöse Ereignisse zu. Preston allerdings beeindrucken weder die flüsternden Stimmen noch die mit Blut geschriebenen Botschaften an den Wänden, er glaubt an irdische Motive für die Vorkommnisse.

Kann Spuren von Spoilern enthalten.

Vom Mann, der mit zwei Flaschen Whiskey den Untergang der Titanic überlebte: In kuriosen Anekdoten durch die Weltgeschichte von Giles Morton

 

Der britische Historiker Giles Milton nimmt uns mit auf eine unterhaltsame Reise durch die Geschichte, in der skurrile Anekdoten und unerwartete Wendungen an der Tagesordnung sind. Im Vorwort erzählt Giles Milton von seiner Arbeit in diversen Archiven, bei der er sich durch Briefe und Dokumente wühlt, um eben diese Geschichten zu finden.

Einige dieser Anekdoten kannte ich schon, wie die von dem nächtlichen Besucher der Queen, der 1982 sogar zweimal in den Buckingham-Palast einbrach und es einmal sogar bis ans Bett der Queen schaffte. Aber es gibt auch kleine Randnotizen der Geschichte, die es nicht bis in die Weltpresse geschafft haben.

Der Eiffelturm in Paris zog den Neid des englischen Patrioten Edward Watkins auf sich, der es sich zum Ziel setzte, einen noch höheren Turm zu bauen.Watkins rief einen Wettbewerb ins Leben. Der beste Entwurf sollte mit 500 Goldmünzen prämiert werden. Die Entwürfe allerdings waren alle nicht umsetzbar. Am Ende setzte sich ein Entwurf durch, der fast eine exakte Kopie des Eiffelturms war. Allerdings wurden die Arbeiten nie beendet und die Bauruine, die im Volksmund »Watkin’s Folly« genannt wurde, wurde 1907 gesprengt.

Natürlich erzählt Giles Milton auch von den schlimmsten Verbrechern. Wer wusste schon, dass Adolf Hitler wohl neben Eva Braun noch ein Verhältnis mit der Engländerin Unity Mitford hatte? Gerüchteweise hat sie ein uneheliches Kind Hitlers zur Welt gebracht. Dass Hitler allerdings vermutlich durch seine Drogensucht impotent war, lässt nur zwei Schlüsse zu, das Gerücht ist nur ein Gerücht oder eines der Mittel, die ihm von seinem Leibarzt Dr., Theodor Morell, verabreicht wurden, hat funktioniert. Welches das war, erfahrt ihr, wenn ihr das Buch lest.

Durch seine intensiven Archivrecherchen stieß der Autor immer wieder auf Geschichten, die nicht nur spannend und erheiternd sind, sondern manchmal auch ein tiefes Gefühl des Befremdens hinterlassen. Ich wusste oft nicht, ob ich lachen oder weinen sollte, die eine oder andere Anekdote hat mich wirklich traurig gestimmt, aber meist habe ich mich wirklich amüsiert. 
Ich kann für dieses Buch eine Leseempfehlung abgeben, für alle die sich für Geschichte interessieren, aber auch für jene die Geschichte bisher langweilig fanden, denn es sind die kleinen Randnotizen die ihr Leben einhauchen.



  • Herausgeber ‏ : ‎ Benevento; 2. Edition (23. Dezember 2020)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Übersetzt von: Katja Bendels
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 292 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3710900778
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3710900778
  • Originaltitel ‏ : ‎ Fascinating Footnotes from History

 




Freitag, 1. Dezember 2023

Adelsspross (Die Erste Tochter)von Katharina Maier


»Die erste Tochter (Adelsspross)« von Katharina Maier entführt ihre Leser in eine Welt, die fernab unserer Vorstellungskraft liegt. Auf einem fremden Planeten, geprägt von beeindruckender Hochtechnologie und durchzogen von patriarchalen Machtstrukturen, erleben wir die fesselnde Geschichte von Mynrichwy Neoly.



Mynrichwy die ich im folgenden Myn nennen werde, wächst in einer liebevollen und für die Verhältnisse auf ihrem Heimatplaneten sehr liberalen Familie auf. Ihr Vater Eftnek Neoly, der Erbe einer angesehenen Adelsfamilie, ist ein gefeierter Künstler, der sich mehr von seiner Frau Lys beeinflussen lässt, als es sich in der patriarchalen Gesellschaft geziemt. Ihren Brüdern Mudmal und besonders dem älteren Vairryn, der sie heimlich unterrichtet, ist sie voller Liebe verbunden. Myns Leben ist unbeschwert, bis Asnuor zum Oberpriester gewählt wird, er bestreitet die Lehre, dass die Göttin Lchnadra gemeinsam mit dem Vater – Gott Wy, die göttliche Einheit erschaffen hat. Ebenso will er die Rechte der Frauen noch weiter beschneiden und den Einfluss derer, die an die göttliche Einheit glauben. Myn währenddessen beobachtet still die Veränderungen, die auf Singis und in ihrer eigenen Familie vorgehen.

Das ist jetzt nur ein kurzer Abriss von dem, was in dem etwas mehr als 300 Seiten starken Buch geschieht.

Der Erzählstil der Autorin ist sehr interessant, mal lässt sie die »Dame Tod« erzählen, die wir im Prolog kennenlernten, dann wieder Myn und manchmal ist es mir tatsächlich nicht ganz klar geworden, wer mir die Geschichte erzählt. Es kam aber nie dazu, dass ich den roten Faden verlor.

Die Welt, welche die Autorin sich erdacht hat, scheint nur auf den ersten Blick absolut fremdartig, ich sehe viele Parallelen zu unserem Leben. Wenn Religionsgemeinschaften zu viel Macht bekommen, schadet das meist in erster Linie den Frauen. So wie es Katharina Maier in ihrer Geschichte auch beschreibt, dann ist es nur ein kleiner Schritt von »Frauen sollen nicht allein auf die Straße gehen« zu dem, was am Ende dieser Geschichte angedeutet wird. 
Neugierig geworden? Ja ich auch. 
Wenn die Autorin die Städte und Landschaften beschreibt, hatte ich immer Bilder von antiken orientalischen Städte im Kopf, das mag daran liegen, dass ich kurz zuvor Bilder aus der usbekischen Stadt Samarkand gesehen hatte. Im krassen Gegensatz dazu stehen die technologischen Errungenschaften. Reisen zu anderen Planeten und Holografische Bildübertragung um nur zwei zu nennen.

Katharina Maier hat es geschafft, das ihre Protagonisten in meinem Kopf lebendig wurden, sei es nun Myn, das Mädchen konnte ich tatsächlich in mein Herz schließen oder auch Asnuor, der machtgierige Oberste Priester und seinen Gehilfen Sna, der die Bezeichnung Nchorr (kleiner Wurm) verdient wie kein zweiter. 


Diese Geschichte zu lesen ist nicht ganz einfach, das allerdings liegt einzig und allein an den wirklich komplizierten Namen und Bezeichnungen. Am Ende des Buches gibt es noch ein WER ist WER, in dem die Verwandtschaftsverhältnisse und die Beziehungen der handelnden Personen erklärt werden, obwohl das für mich gar nicht so kompliziert war. Uein WAS ist WAS, das war für mich schon hilfreicher, die Bezeichnungen sind so kompliziert, dass ich mir gar nicht alles merken konnte und gern auf dieses Verzeichnis zurückgriff.


Insgesamt ist »Die erste Tochter (Adelsspross)« von Katharina Maier eine anspruchsvolle, und lohnenswerte Lektüre, die die Lesenden in eine faszinierende Welt entführt und zum Nachdenken über gesellschaftliche Strukturen anregt. Ich bin also schon sehr gespannt darauf wie es weiter geht mit Myn darum ist es gut das auch der zweite Teil der Reihe schon bereit liegt.



  • Herausgeber ‏ : ‎ epubli; 3. Edition (10. September 2019)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 336 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3750202095
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3750202092