Montag, 31. März 2025

Stammzellen von Alina Lindermuth


Der Klappentext hat mich neugierig gemacht, und ich wurde nicht enttäuscht. Stammzellen spielt in einer Welt, in der die Klimakrise eine seltsame Wendung nimmt: Eine neue Krankheit namens "Dendrose" sorgt dafür, dass Menschen sich in Bäume verwandeln. Das Phänomen, "Klimadendron" genannt, steht im Zusammenhang mit menschlichen Eingriffen in die Natur.

Im Mittelpunkt der Geschichte steht Ronja, eine junge Ärztin aus der kleinen Stadt Farnburg. Sie arbeitet in einem "Dendro-Team" und kümmert sich um Betroffene der Krankheit sowie deren Familien. Auf einer Zugfahrt lernt sie Elio kennen, einen Sprachwissenschaftler, und verliebt sich in ihn. Ich fand die Beziehung zwischen Ronja und Elio allerdings etwas seltsam. Ihre Interaktionen wirkten auf mich oft befremdlich und nicht immer nachvollziehbar. Ohne den Hinweis im Klappentext hätte ich nicht erwartet, dass sie ein Paar werden.

Die stärksten Momente des Romans sind für mich die Szenen, die sich direkt mit der Krankheit befassen. Besonders eindringlich fand ich die Szene im Garten von Elios Eltern: Sie geben Ausländern die Schuld an der Krankheit und glauben, dass diese sie eingeschleppt und verbreitet hätten. Ronja versucht zu erklären, dass es dafür keine wissenschaftlichen Beweise gibt, doch ihre Argumente stoßen auf taube Ohren. Diese Situation erinnerte mich stark an die Corona-Pandemie, wo es ebenfalls Menschen gab, die für logische Erklärungen nicht zugänglich waren.

Ein weiterer berührender Moment ist ein Hausbesuch Ronjas bei einer Familie ohne Garten oder Geld für ein eigenes Grundstück. Sie kann nur ein Gefäß für die Umpflanzung anbieten – eine Übergangslösung auf dem Balkon. Die emotional stärkste Szene des Buches war für mich jedoch der Moment, als Ronja und Elio ihre Tochter an die Krankheit verlieren. Diese Tragödie hat mich sehr berührt und ist wohl etwas, das alle Eltern nachvollziehen können.

Ich hätte mir insgesamt mehr Auseinandersetzung mit den ökologischen und politischen Aspekten des Themas gewünscht. Der Roman konzentriert sich stark auf die persönlichen Geschichten der Figuren, was zwar sehr intensiv ist, aber die größeren Zusammenhänge nur am Rande behandelt.

Lindermuths Schreibstil hat mir gut gefallen. Sie beschreibt Beziehungen und Gefühle sehr einfühlsam und macht die ungewöhnliche Geschichte dadurch glaubwürdig. Die Mischung aus realistischen und fantastischen Elementen funktioniert für mich richtig gut.

Stammzellen überzeugt mit einer originellen Idee und viel emotionaler Tiefe. Der Roman zeigt eindrucksvoll, wie abstrakte Bedrohungen durch den Klimawandel plötzlich ganz konkret und persönlich werden.




  • Herausgeber ‏ : ‎ Kremayr & Scheriau; 1. Edition (12. März 2025)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 312 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3218014468
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3218014465

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