Wer renoviert schon als handwerklicher Volllaie ein Haus – nur mit YouTube-Tutorials? Wer macht den Fehler, wenn man schon dreimal durch den Führerschein gefallen ist und meldet sich zum Motorradführerschein an? Und zwar bei exakt jenem Fahrlehrer, der einen vor 20 Jahren so oft hat durchfallen lassen? Unser Autor!
Schlimmer geht immer, könnte man sagen – und Alexander Krützfeldt ist schon so oft auf die Nase gefallen, dass es beim Zuschauen wehtut. Dafür hat er es aber weit gebracht: zum ZeitMagazin, zur Süddeutschen Zeitung und zur Frankfurter Allgemeine Zeitung, für die er als Kolumnist schreibt. Über das persönliche Scheitern. Berührend, bedrückend, ehrlich – und wahnsinnig lustig.
Zum Beispiel über sein Haus und seine sechsstelligen Bauschulden. Da, hat ihm sein Therapeut geraten, solle man auch dankbar sein. Immerhin lerne man im Zweifel was für sein Leben! Denn die Frage ist ja nicht, warum man letztlich scheitert. Die Frage ist doch: Wie scheitert man – und was lernt man daraus? Kann man durch ständiges Scheitern nicht eine Art Superheld werden – weil einem das Scheitern neue Fähigkeiten lehrt? Weil es eine Herausforderung ist, an der man immer, oft, manchmal, wenigstens aber ab und zu mal ein bisschen persönlich wächst?
Als ich den Titel von Alexander Krützfeldts Buch "Gib mir das. Ich kann das. So, jetzt ist es kaputt." las, musste ich unwillkürlich an ein trotziges Kleinkind denken. Doch nachdem ich den Klappentext gelesen hatte, erinnerte ich mich an unsere eigenen Abenteuer mit einem renovierungsbedürftigen Haus. Ohne YouTube-Videos, aber mit einer gehörigen Portion Mut und geringen Kenntnissen im Bauwesen, haben wir ebenfalls nach dem Prinzip "Versuch und Irrtum" gehandelt. Und genau das scheint auch Alexander Krützfeldt in vielen Lebenslagen getan zu haben.
In 32 Kapiteln, die ursprünglich als Kolumnen in namhaften Zeitungen erschienen sind, teilt Krützfeldt seine Geschichten über persönliches Scheitern und das Wiederaufrappeln – und das alles auf eine humorvolle Weise, die mich mehr als einmal zum Schmunzeln gebracht hat. Sei es, dass er ein Haus zu renovieren versucht, das wohl nicht mehr zu retten ist, oder dass er seinen Kindern nach der Scheidung die Umstellung so einfach wie möglich machen möchte – Krützfeldts Erzählungen sind nicht nur unterhaltsam, sondern auch bemerkenswert offen.
Was mich an diesem Buch besonders beeindruckt hat, ist der feine Humor. Ehrlicherweise hatte ich eher einen schenkelklopfenden, derben Stil erwartet, doch stattdessen fand ich eine humorvolle, aber respektvolle Art des Erzählens. Diese unerwartete Feinfühligkeit macht das Buch zu einer angenehmen Lektüre, die nicht nur unterhält, sondern auch zum Nachdenken anregt.
Besonders gelungen ist die Art, wie Krützfeldt aus seinen Misserfolgen lernt und sie mit Humor betrachtet. Seine Geschichten sind oft alltäglich und dadurch sehr nachvollziehbar. Ob es um handwerkliches Ungeschick, Beziehungsprobleme oder berufliche Herausforderungen geht – Krützfeldt schildert diese Erlebnisse auf eine Weise, die ich als sehr authentisch empfunden habe.
Insgesamt ist "Gib mir das. Ich kann das. So, jetzt ist es kaputt." eine Lektüre, die mich nicht nur zum Lachen gebracht, sondern auch zum Nachdenken angeregt hat. Sie zeigt, dass Scheitern ein natürlicher Teil des Lebens ist und oft der erste Schritt zum Erfolg. Krützfeldts Ehrlichkeit und Selbstironie machen das Buch zu einer erfrischenden Lektüre.
- Sprache : Deutsch
- Broschiert : 274 Seiten
- ISBN-10 : 3986790608
- ISBN-13 : 978-3986790608

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen
Hier dürft ihr mir eure Kommentare hinterlassen. Bitte beachtet: DATENSCHUTZ: Mit dem Abschicken des Kommentars nehme ich zur Kenntnis und bin einverstanden, dass meine Daten gespeichert und weiterverarbeitet werden!