Montag, 6. Januar 2025

Zu Gast im Bücherhaus Nils Nöske. Acht Fragen Acht Antworten Ein Interview

Hallo Nils, herzlich willkommen im Bücherhaus, ich freue mich sehr über deinen Besuch. Schön, dass du dir die Zeit für dieses Gespräch nimmst. Auf deiner FB-Seite läuft gerade ein Gewinnspiel, ich habe mir erlaubt am Ende des Interviews den Link dazu anzuhängen.

Kaffee, Tee, alkoholfreie Getränke und Kekse stehen bereit, bitte bedien dich.
Für diejenigen, die dich noch nicht kennen, beschreibe dich doch mal in fünf Worten.


Hallo Manuela, vielen lieben Dank, dass ich hier sein darf. Ich nehme gerne einen Ingwer-Tee, vielleicht ein Glas Cola und die Kekse musst du wahrscheinlich irgendwann vor mir in Sicherheit bringen.

Ich in fünf Worten. Gut, dass wir mit den schweren Fragen anfangen. Ich würde sagen: Nachdenklich, Liebevoll, Neugierig, Philosophisch, Geschichtenliebhaber.



Ich kenne deine beiden Bücher »Die Mächtigen« und »Die Besessenen«
aus der Choices Reihe und wie du weißt, mochte ich beide sehr
und bevor wir nun zu deinem neuen Buch »Die Verborgenen« kommen, habe ich noch ein paar andere Fragen.

1) Was hat dich ursprünglich dazu inspiriert, Schriftsteller zu werden, und wie hat sich deine Leidenschaft für das Schreiben im Laufe der Jahre entwickelt?

Tatsächlich habe ich in der Pubertät angefangen zu schreiben, um meine echt bedrückenden und schwierigen Gefühle irgendwie sortieren zu können. Ich habe vor allem Gedichte geschrieben, bei denen die Leute heute fragen: Ging es dir nicht gut? Nein, mir ging es in meiner Jugend stellenweise echt nicht so wirklich gut. Aber diese Gedichte waren nie dafür gedacht, irgendwann veröffentlicht zu werden.

Gleichzeitig hatte ich schon immer eine Faszination für Geschichten. Durch Geschichten können wir Erfahrungen machen und Lernen, ohne uns selbst direkt in bestimmte Situationen zu begeben. Das macht jede Geschichte auf ihre ganz eigene Weise wertvoll, finde ich. Und darum habe ich nach und nach neben Gedichten auch selbst immer mehr Geschichten geschrieben. Auch diese handelten größtenteils von den Lektionen der Geschichten um mein eigenes Leben herum. Ich wollte irgendwie anschaulich verpackt weitergeben, was ich in der Welt sah. Und irgendwann, so mit 18 Jahren, hatte ich plötzlich eine Idee, die so groß war, dass sie nie in eine Kurzgeschichte gepasst hätte, und so stark, dass sie mich tatsächlich durch den Aufwand eines ganzen Buches durchbringen konnte. Das waren „die Besessenen“.
Aber ich glaube, ich nutze einmal die Chance, um auch mehr über dich und deine Geschichte zu erfahren. Wann hast du gemerkt, dass Bücher deine Leidenschaft sind? Welche Geschichte hat dich damals in den Bann der Buchwelt gezogen?

HUCH, OK, dann beantworte ich eben auch ein paar Fragen.
Ich habe mit 10 Jahren angefangen, fast alles zu lesen was mir zwischen die Finger kam, aber welche Bücher das waren, kann ich gar nicht mehr sagen, wohl alles was die Leihbücherei hergab.



2) Welche Autoren oder Bücher haben dich am meisten beeinflusst und warum?


Ich glaube, wie bei vielen anderen auch, war mein erstes richtiges Buch „Der kleine Hobbit“ von J.R.R. Tolkien. Und ich war extrem gefesselt von den Abenteuern, von den verschiedenen Charakteren und den seltsamen Kreaturen. Das hat definitiv Teile meines Schreibstils mitgeprägt und meine Fantasie angeregt.
Meine beiden Lieblingsbücher kamen aber viel später und kurz hintereinander in mein Leben. Und sie kamen in einer Phase, in der ich genau für diese Bücher einfach unglaublich offen war. „Der Pfad des friedvollen Kriegers“ von Dan Millman hat einige meiner eigenen Erkenntnisse über das Leben genau zur richtigen Zeit untermauert und bestärkt. Und „Ismael“ von Daniel Quinn hat das Ganze auf einer gesamtgesellschaftlichen Ebene noch mal unheimlich gut ergänzt.

Und meine Kurzgeschichten-Sammlung „Die Suche – Mein Weg zum Glück“ ist zum Beispiel eine Menge von diesen beiden Büchern geprägt worden. Und auch in „den Mächtigen“ spürt man unterschwellig schon recht deutlich ihre Einflüsse, wenn auch besser verschleiert. (Wie alles in „den Mächtigen“, hinten herum und in Rätseln verpackt ...)
Wie ist das bei dir? Wenn man so viel liest wie du, muss es unglaublich schwierig sein, DIE Lieblingsbücher oder -Autor*Innen zu benennen, oder?

Ach so schwierig ist das gar nicht, nachdem ich Jahrelang alles gelesen habe, von Angélique über Honoré de Balzac, ich weiß aber bei vielen gar nicht mehr worum es ging, bekam ich meinen ersten Stephen King geschenkt ES, und jetzt lese ich immer noch fast alles aber "Der Meister schreibt. Ich lese. Das ist der Deal.

3) Wenn du nicht an deinen Geschichten arbeitest oder deinem Beruf nachgehst, was machst du dann?

Es gibt Zeiten, wo ich nicht an Geschichten arbeite? Nein, irgendwie arbeite ich ja immer an einer Geschichte, und sei es nur meine eigene Lebensgeschichte. Auch im Beruf höre ich unglaublich viele beeindruckende Geschichten und erlebe selbst welche nebenbei. Im Privaten gibt es derzeit eine Menge Umbruch und zuletzt auch relativ viel Chaos, was zwar hart ist und viel Aufmerksamkeit zum Ordnen brauchte, aber auch irgendwie lehrreich und inspirierend war.

Und wenn ich mal zwischendurch ein bisschen Freizeit für mich habe, spiele ich gerne sehr handlungslastige Videospiele oder arbeite an meiner Pen&Paper-Rollenspiel-Kampagne, die ich seit Jahren leite. Rollenspiel ist schon immer eins meiner wertvollsten Hobbies gewesen. Therapie unter dem Deckmantel einer fantastischen Gruppenaktivität. Und ich habe das Glück seit vielen Jahren mit der vermutlich besten Rollenspiel-Gruppe der Welt spielen und gemeinsam Geschichten erzählen zu dürfen. Grüße an David, Marc, Jan und Thorben.
Und du? Was tust du, wenn du nicht gerade Bücher liest und Autor*Innen bei der Arbeit unterstützt?

Wenn ich nicht lese kümmere ich mich, seit die Kinder aus dem Haus sind, um meinen mir Angetrauten, die Katze und das Haus (das von allen dreien am meisten liebe braucht, es ist halt schon betagt) das hat auch eine eigene Rubrik hier auf dem Blog.😆


4) Gibt es ein bestimmtes Thema oder eine Botschaft, die du in deinen Geschichten immer wieder vermitteln möchtest?


Zumindest eine Sache gibt es, die immer wieder als Thema auftaucht. Das ist aber auch nicht verwunderlich, weil dieses Thema am Ende in fast allen Geschichten der Welt zu allen Zeiten immer auftaucht, aufgetaucht ist und weiter auftauchen wird.

Der Titel der Reihe „Choices“ ist eigentlich verdammt einfallslos, weil so gut wie jedes Buch der Welt ein Teil dieser Reihe sein könnte. In jeder Geschichte geht es immer um Entscheidungen, weil es im Leben immer darum geht. Klar "passieren" uns auch manchmal einfach Dinge, aber es sind unsere Entscheidungen, die danach bestimmen, wie es weitergeht. Und die Wichtigkeit der eigenen Entscheidungen versuche ich gerne, zumindest hier und da, in meinen Büchern herauszuarbeiten.
Als Psychologe interessiert mich natürlich ziemlich, ob es Themen gibt, die dich besonders ansprechen oder bewegen. Und, wenn du es teilen magst, ob du dir erklären kannst, woran das liegt.

Schwierige Frage, ich lese ja hauptsächlich um mich zu unterhalten, was nicht heißt das ich meine Augen vor Problemen verschließe, aber das ich jetzt gezielt zu Büchern mit bestimmten Themen greife, kann ich nicht sagen, ich lasse mich meist überraschen und vom Klappentext verleiten.

5) Und jetzt zu "Die Verborgenen". Verrätst du uns ein klein wenig aus dem Inhalt und warum mussten wir so lange darauf warten?


Warten musstet ihr so lange, weil mein Leben so wild war, dass ich immer wieder Ausreden gefunden habe, mich nicht intensiv auf Verlagssuche zu begeben. Das Manuskript liegt ja seit 2016 in meiner Schublade. Es gab irgendwie immer was, was ich noch vorher erledigen wollte.

Aber ich habe mir jetzt gesagt, dass es niemals den perfekten Zeitpunkt geben wird und habe mich dann für eine Eigen-Veröffentlichung auf Amazon entschieden, um das Warten nicht durch mehr Verlagssuche weiter zu verlängern. Und dann hatte ich ja auch ewig kein Cover. Und niemanden, der meine Idee dafür kostengünstig nach meinen penibel genauen Vorstellungen umsetzen konnte. Ich war tatsächlich kurz davor, es mit meiner groben Skizze als Cover zu veröffentlichen, als sich Alexander Kühnemund bereit erklärte, mir ein anständiges Cover zu gestalten. Vielen Dank an ihn an dieser Stelle, denn ich bin absolut glücklich und zufrieden mit seiner Arbeit.
In „Choices – Die Verborgenen“ geht es um Pheora und Fernull, die erst eine Beziehung hatten, dann gute Freunde waren und nun gerade keinen Kontakt mehr haben. Eine ziemlich wilde Verbindung also. Beide sind psychisch vielleicht schon vorher nicht ganz so gesund aufgestellt gewesen, aber das hat sich seit dem Kontaktabbruch jetzt auch nicht unbedingt verbessert.
Und nun kommt ein bisschen Magie ins Spiel, als Pheora eine magische Maske findet, die ihr helfen kann, ihr Schicksal zu beeinflussen und ihre Wünsche zu erfüllen. Ach ja, und sie kann dadurch die magischen Feenwesen wahrnehmen, die im Dienste des ewigen Schicksals im Verborgenen existieren. Doch natürlich kommt so eine praktische Maske auch nicht völlig ohne jeden Preis ...
Und worauf freust du dich denn genau bei dem Buch? Was erinnerst du, warum du die ersten beiden gut fandest?


Ich freue mich darauf zu erfahren wie sich das neue Buch von den ersten beiden unterscheidet, wie sich dein Schreibstil entwickelt, natürlich aber in erster Linie auf eine spannende und unterhaltsame Story.Warum ich die ersten beiden gut fand: Das würde hier den Rahmen sprengen aber man kann es in meinen Rezensionen nachlesen. 
https://tinyurl.com/yphmzj5f
https://tinyurl.com/mr2jv4d5


6) Deine "Choices"-Reihe mischt Fantasy- und Science-Fiction-Elemente. Wie balancierst du diese Genres in "Die Verborgenen"?


Haha, gar nicht? Ich habe es mir da ein bisschen einfach gemacht, indem das Buch in einem anderen Land und in einem relativ kleinen Städtchen meiner „Welt der Entscheidungen“ spielt.

Eichmoor ist ungefähr auf dem technischen Stand eines Dorfes der späten 80er, würde ich sagen. Aber nagel mich nicht darauf fest, es kann hier und da auch mal etwas weniger modern oder auch moderner sein. Eben so, wie es für die Geschichte passend erschien.

Einen Großteil der Zeit spielt es aber für die Handlung keine Rolle. Ich glaube, man könnte sich überwiegend auch ein ziemlich mittelalterliches Setting vorstellen, ohne allzu oft verwirrt zu werden.
Und jetzt wieder du: Welche Settings bevorzugst du denn so in den Büchern, die du liest? Oder was muss ein Setting mitbringen, um dich zu überzeugen?

Auch da bin ich nicht festgelegt,die Grundidee muss mich erst mal neugierig machen.


7) In deinen früheren Werken spielten moralische Fragen eine wichtige Rolle. Welche ethischen Dilemmas erwarten die Leser in "Die Verborgenen"?


Ich habe ein bisschen das Gefühl, dass „Die Verborgenen“ da ein wenig subtiler und irgendwie auch persönlicher ist als die Vorgänger. Es geht viel darum, wer wir sein wollen und wie sehr wir uns manchmal verbiegen, um unsere Bedürfnisse und Sehnsüchte zu befriedigen. Und auch darum, was das mit uns, unserem Leben und unserer Umwelt macht.
Ich weiß gar nicht so genau, welches ethische Dilemma dahinter steht. Vielleicht kannst du mir das sagen, wenn du es gelesen hast. Das würde mich dann tatsächlich sehr interessieren.



8) Nach dem Buch ist vor dem Buch, woran arbeitest du gerade?

Ich bin derzeit an den Neu-Planungen des nächsten Choices-Romans. Ich hatte den vor Jahren schon mal grob konzipiert, aber in meinem Leben ist so viel passiert, dass ich die Handlung gerne neu ausrichten möchte. Ich habe super viel erlebt und gelernt, das gut zu dem Thema passt. Der Arbeitstitel ist „Choices – Die Flammenden“.

Dazu arbeite ich parallel ein bisschen daran, die ersten beiden Bücher für eventuelle Neu-Veröffentlichungen zu überarbeiten. Aber das hat Zeit und würde ich auch nur tun, wenn die Nachfrage sehr hoch sein sollte.
Hast du irgendwelche Wünsche für mein nächstes Buch? Ein Wort, das ich einbauen soll? Ich habe jeweils in den Mächtigen („Quietscheentchen“) und auch in den Verborgenen („Regenbogenfahrrad“) ein zufällig von jemandem ausgewähltes „Auftragswort“ unterbringen müssen. Das ist eine kleine schreiberische Herausforderung für mich. Du hast jetzt und hier die Gelegenheit mir ein „Auftragswort“ für die Flammenden zu geben. Welches soll es sein, Manuela?

Wirklich spontan fällt mir da: Endoplasmatische Retikulum ein

Zum Abschluss: Was erhoffst du dir, dass die Leser aus den moralischen Fragen in "Die Verborgenen" mitnehmen? Wie möchtest du, dass sie diese ethischen Dilemmata in ihrem eigenen Leben reflektieren?


Das ist das Schöne, ich hoffe gar nicht so viel. Ich habe meine Charaktere, die verschiedene Sichtweisen und Standpunkte für mich aussprechen. Und daraus können die Leser – vermittelt durch ihr eigenes Leben – sich eine Meinung bilden. Und das werden sie vermutlich auf die für sie gerade perfekt geeignete Weise tun. Zumindest zum aktuellen Zeitpunkt perfekt geeignet. Ich muss also nichts mehr tun oder auf einen Ausgang hoffen. Ich kann mich zurücklehnen und darf gespannt abwarten, was ihr Leser daraus macht und was ihr mir dann zurückmeldet. Die Zeichen sind gesetzt, den Rest macht „das ewige Schicksal“ und jedes Wesen selbst, wie Cratulla sagen würde, den du sehr bald kennenlernen darfst.


Vielen Dank für dieses aufschlussreiche Gespräch. Es war wirklich faszinierend, einen tieferen Einblick in deine Arbeit und Gedankenwelt zu bekommen. Ich wünsche dir viel Erfolg mit "Die Verborgenen" und bin schon sehr gespannt auf deine zukünftigen Projekte.

Danke, dass ich hier sein durfte und vielen Dank auch für die Stückchen deiner Geschichte, die du so offen mit mir geteilt hast. Ich habe mich sehr gefreut, dass ich ein Interview mit dir führen durfte. Ich fürchte nur, du brauchst jetzt neue Kekse.
Liebe an dich und an alle, die das Interview dann lesen!

Hier ist noch der Link zu dem Gewinnspiel:
https://www.facebook.com/NilsNoeskeAutor/posts/pfbid02rqqt2aRHkuaCfE3kWNvjY9mNTVqjbpRYyeg7ZN4jh7wnUiBE2UYRmRfVXPUXdGctl

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