Freitag, 13. September 2024

Tränengrab von Roman Klementovic


Nach einer langen und glücklichen Ehe, an deren Ende sie ihren krebskranken Mann aufopfernd pflegte, besucht Evelyn ihre Tochter Manuela, die, mit ihrem Mann Hendrik und der pubertierenden Anja, in einer kleinen verschlafenen Stadt lebt. Doch die Ruhe täuscht, ein 16-jähriges Mädchen ist verschwunden und eine grausam zugerichtete Leiche wird gefunden.

Bei ihrer Ankunft am Bahnhof beobachtet Evelyn einen Streit, zwischen ihrem Schwiegersohn und einer unbekannten Frau, die sein Auto zerkratzt. Hendrik behauptet die Frau nicht zu kennen und der Kratzer sei nicht so schlimm, überhaupt benimmt er sich seltsam und die Stimmung im Haus ihrer Tochter ist angespannt. Bald schon wächst in Evelyn ein furchtbarer Verdacht.

"Tränengrab“ von Roman Klementovic ist, wie von ihm gewohnt, sehr spannend. Der Autor ist ein Meister darin, seine Leserinnen und Leser auf falsche Fährten zu führen, und dieses Mal war es für mich besonders spannend, denn mir war keiner seiner Protagonisten wirklich sympathisch. Das mag wie ein Widerspruch klingen, aber ich brauche nicht unbedingt einen Sympathieträger, um eine Story zu mögen.  Evelyn ist eine sehr neugierige und in meinen Augen etwas übergriffige ältere Dame, die allerdings für ihre Familie und besonders für ihre Tochter und Enkelin nur das Beste will. Manuela ist vollkommen überfordert mit ihrem Job und ihrer Tochter ich hatte auch immer das Gefühl, sie hätte sich aufgegeben und steht allem was geschieht hilflos gegenüber. Anja verhält sich wie viele Teenager: abweisend, unnahbar, aufsässig und manchmal sehr unverschämt. Hendrik hat seine Midlife-Crisis mit Tattoos und einer Haartransplantation zu bewältigen versucht, und er hat Geheimnisse.

Evelyns Hartnäckigkeit bringt sie zwar in Gefahr, führt aber gleichzeitig zur Aufklärung der grausamen Morde oder ist auch sie auf einer falschen Spur?

Roman Klementovic gelingt es, die Leser in ein düsteres Szenario zu ziehen, das sowohl psychologisch als auch atmosphärisch überzeugt. Die Auflösung war wirklich überraschend, damit hätte ich niemals gerechnet.



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