Mittwoch, 4. September 2024

Hof: Band 1 der Tue-Trilogie (Die Tue-Trilogie) von Thomas Korsgaard (Autor), Justus Carl (Übersetzer), Kerstin Schöps (Übersetzerin) Buch 1 von 3: Die Tue-Trilogie


Tue erzählt seine Geschichte mit einer Direktheit, die die Leserinnen und Leser unmittelbar in seine Welt hineinzieht. Es ist die Geschichte eines Jungen, der in einer heruntergekommenen, ländlichen Umgebung in Mitteljütland aufwächst – auf einem Hof, der kurz vor dem Bankrott steht. Doch es fehlt nicht nur an Geld; auch emotional werden Tue und seine beiden Geschwister vernachlässigt.

Tue berichtet ungeschönt vom harten Alltag: von seinem Vater, der manchmal gewalttätig ist und dann wieder nachgibieg versucht seinen Kindern Wünsche zu erfüllen, mir kam er hilflos und überfordert von der Situation vor. Tue erzählt von seiner Mutter, die nach dem Tod eines  Kindes in eine tiefe Depression verfällt und online spielsüchtig wird. Ebenso beschreibt er den herrischen Onkel, von dem sich sein Vater Geld leihen muss, um über die Runden zu kommen, was jedoch zur Folge hat, dass er die Kontrolle über den Hof verliert.

Tue schildert aber auch seine eigenen Schwierigkeiten: die Probleme in der Schule, das Scheitern beim Knüpfen von Freundschaften und die Tatsache, dass er sich oft selbst in brenzlige Situationen bringt. So begeht er Ladendiebstahl und stiehlt einen Scheck, den seine Familie dringend benötigt – die schwerwiegendsten seiner Verfehlungen.

Besonders eindringlich fängt Korsgaard das Leben am Rande der Gesellschaft ein, in dem jede Person vor allem mit sich selbst beschäftigt ist. Tue steht oft allein da, seine Bedürfnisse und Wünsche bleiben ungehört, seine Persönlichkeit unerkannt und unbeachtet.

Der Roman besticht durch seine schlichte, aber kraftvolle Sprache, die die karge Realität des Lebens auf dem Hof einfängt. Korsgaard verzichtet bewusst auf dramatische Wendungen oder außergewöhnliche Ereignisse. Die Dramatik entsteht vielmehr durch die alltäglichen Entbehrungen und die Stille, die das Leben von Tue umgibt. Das Leben auf dem Hof wird zur Metapher für das Aufwachsen in einer Welt, in der Zuneigung und Fürsorge Mangelware sind.

Zunächst mag man meinen, die Erzählung biete wenig Spektakuläres, doch genau darin liegt ihre Stärke. Die Einfachheit der Darstellung lässt das Ausmaß der Vernachlässigung und Isolation allmählich spürbar werden. Mit etwas Abstand wird die Tiefe und Tragik dieser Geschichte umso deutlicher. Thomas Korsgaard gelingt es, mit „Hof“ einen intensiven Einblick in das Leben eines Jungen zu geben, der trotz allem nicht aufhört, nach einem besseren Leben zu streben.

Nach dieser intensiven Lektüre freue ich mich schon sehr auf die Fortsetzung mit den Folgebänden „Stadt“ und „Paradies“, die hoffentlich ebenso kraftvoll und berührend sind.



  • Herausgeber ‏ : ‎ Kanon Verlag Berlin; 1. Edition (4. September 2024)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 288 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3985681287
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3985681280
  • Originaltitel ‏ : ‎ Hvis der skulle komme et menneske forbi


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