Samstag, 7. September 2024

Abgrundtiefer Hass (Ein Mik-Kohonen-Thriller) von Helene Falk


 In "Abgrundtiefer Hass" von Helene Falk steht der Alptraum jeder Mutter im Mittelpunkt: Die fünfjährige Yanis verschwindet während eines Einkaufs in Helsinki spurlos. Glücklicherweise kann Hauptkommissar Mik Kohonen, der zufällig in der Nähe ist, den Jungen dank seiner GPS-Uhr orten. Gemeinsam mit Yanis' Mutter Annika findet er den Jungen lebend in einem abgelegenen Brunnen. Doch die anfängliche Erleichterung weicht bald Entsetzen, als neben Yanis ein jahrzehntealtes Kinderskelett entdeckt wird.

Seit dem Vorfall spricht Yanis nicht mehr und zeichnet stattdessen immer wieder Bilder eines schwarzen Vogels. Die hinzugezogene Psychologin Sofia Eriksson versucht behutsam, den verstörten Jungen zum Sprechen zu bringen. Doch die Ermittlungen geraten ins Stocken, nicht zuletzt, weil sich Yanis' Eltern gegen die Befragungen sperren. Während die Spannung zunimmt, verschwindet ein weiteres Kind auf dem Schulweg, was den Druck auf Hauptkommissar Kohonen erheblich verstärkt. Vor allem beschäftigt ihn eine Frage: Wer oder was ist „der Vogel“?

Parallel dazu wird die Geschichte von Keke erzählt, einem Mann, der in einer Einrichtung für Menschen mit Behinderungen lebt. Eigentlich freundlich und zurückhaltend, bereitet er seiner Betreuerin Elvi zunehmend Sorgen. Keke beobachtete Kinder auf einem Spielplatz, woraufhin besorgte Eltern die Polizei alarmierten. In seiner Freizeit zeichnet Keke ebenfalls schwarze Vögel, und etwas scheint ihm panische Angst zu machen. Doch was verbindet ihn mit Yanis und den mysteriösen Ereignissen?

In Rückblenden erfahren die Leserinnen und Leser zudem die tragische Geschichte von Simo, dem toten Kind im Brunnen. Seine Erzählungen schildern die schrecklichen Qualen, die er  schon lange vor seinem Tod erleiden musste. Hier ist jedoch ein kleiner Kritikpunkt angebracht: Die Sprache, in der das Kind spricht, wirkt zu reif und reflektiert für sein junges Alter. Diese Unstimmigkeit stört etwas die Authentizität des Charakters.

Helene Falk hat mit "Abgrundtiefer Hass" einen sehr spannenden Thriller geschaffen, der dadurch, dass Kinder betroffen sind, emotional noch tiefer geht. Jeder, der schon mal – und sei es auch nur für einen Augenblick – sein Kind aus den Augen verloren hat, kennt diese panische Angst, die sich im Bruchteil einer Sekunde einstellt. Dieses beklemmende Gefühl hat die Autorin eindrucksvoll eingefangen.

Ich hatte lange keine Idee, wer die Kinder entführt und in den Brunnen gesperrt hat, und vor allem nicht warum. Die Autorin lässt ihre Leser*innen lange im Dunkeln, ohne dass der Spannungsbogen über längere Zeit abflacht. Bis zum Schluss bleiben die Motive des Täters und seine Verbindung zu den Kindern unklar, was den Thriller umso packender macht.

Auch wenn dies mein erster Fall mit Hauptkommissar Mik Kohonen war, hatte ich nie das Gefühl, etwas aus dem Vorgängerband zu vermissen. Die Autorin bietet genug Informationen, um die wichtigsten Figuren und ihre Beziehungen nachzuvollziehen, sodass auch neue Leserinnen und Leser problemlos einsteigen können.


  • Herausgeber ‏ : ‎ Edition M (13. August 2024)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 336 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 2496715706
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-2496715705

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