Sonntag, 21. Mai 2023

Und dann verschwand die Zeit von Jessie Greengrass









Auf einer Anhöhe abseits einer kleinen Stadt am Meer liegt das High House. Dort leben Grandy und seine Enkeltochter Sally sowie Caro und ihr Halbbruder Pauly. Das Haus verfügt über ein Gezeitenbecken und eine Mühle, einen Gemüsegarten und eine Scheune voller Vorräte – die Vier sind vorerst sicher vor dem steigenden Wasser, das die Stadt zu zerstören droht. Aber wie lange noch? 


»High House« so heißt das Anwesen auf dem Hügel, oberhalb eines kleinen Dorfes, das vier Menschen ein Zuhause bietet, während rings herum die Welt im wahrsten Sinne des Wortes versinkt. 
Da sind Sally und ihr Großvater Grandy, der in der Gegend aufgewachsen ist und sich im Winter um die Häuser der Feriengäste kümmert, er bringt Sally alles bei, was man über das Leben am Meer und über Gartenarbeit wissen muss.
Caro und ihr jüngerer Bruder Pauly sind die Kinder der Umweltforscherin Francesca, die gemeinsam mit ihrem Mann für den Erhalt der Umwelt kämpft und dabei scheinbar die Kinder aus den Augen verliert. 
Francesca hat High House geerbt und sie bittet Grandy sich um das Anwesen zu kümmern, das über einen großen Obst- und Gemüsegarten, einen Gezeitentümpel und einen eigenen Wald verfügt.
Jessie Greengrass` Roman ist in meinen Augen etwas ganz Besonderes, eindringlich erzählt sie davon, wie wenig sich die Menschen dafür zu interessieren scheinen, dass die Klimakatastrophe kaum noch aufzuhalten ist, sie leben ihr Leben, Katastrophen finden in den Nachrichten statt, weit weg und die Bilder sind schnell wieder verdrängt.<br />Sie beschreibt das Leben, das jeder von uns gerade führt. Sei es, weil wir denken, dass der Einzelne sowieso nichts ändern kann oder weil er leugnet, dass der Klimawandel überhaupt stattfindet.
Dann liegt ihr Hauptaugenmerk allerdings auf dem Leben auf »High House«, die vier lernen miteinander zu leben, einander zu helfen und mit den immer größer werdenden Schwierigkeiten genügend Lebensmittel zu finden und mit der Einsamkeit zu leben.
Abwechselnd erzählen Sally, Caro und Pauly von ihrem Leben auf High House und dabei erfahren wir auch viel über ihr Gefühlsleben, von den glücklichen Momenten bis zu denen tiefster Verzweiflung. Sie müssen Entscheidungen treffen, die auf den ersten Blick herzlos scheinen, doch im Rückblick mehr als verständlich sind.
Besonders Caro ist mir im Laufe der Geschichte ans Herz gewachsen, sie wurde schon früh von ihren Eltern alleingelassen, die durch die Welt reisten, um diese zu retten, sie lassen Pauly in Caros Obhut, dass sie Caro, die selbst noch nicht erwachsen ist, damit vielleicht überfordern, scheinen sie dabei zu übersehen. So ist es nicht verwunderlich, dass das Mädchen bei ihrer Ankunft auf High House, erst einmal zusammenbricht. Im Rückblick lässt sich sagen, dass Caros und Paulys Eltern ihr privates Glück vergeblich opferten. 
Andererseits, wenn niemand kämpft, haben alle schon verloren.I
ch kann mir kaum vorstellen, was Francesca gefühlt hat, als sie ihr bewusst wurde, dass die Katastrophe nicht mehr aufzuhalten ist, dass sie dann aber alles tut, um ihre Stieftochter und ihren kleinen Sohn in Sicherheit zu bringen, ist sicherlich für alle Eltern nachvollziehbar. />Für mich istUnd dann verschwand die Zeit,eines der wichtigsten Bücher des Jahres.

Jessie Greengrass`Dystopie unterscheidet sich grundlegend von anderen, sie verzichtet fast vollständig auf die sonst üblichen Szenarien von Plünderern oder sich gegenseitig bekämpfenden Überlebenden, die Bewohner des High House werden nie von anderen Menschen bedroht. Solche Szenarien braucht die<br />Geschichte allerdings auch nicht, die Atmosphäre ist auch so beklemmend genug.The High House" ist eine äußerst ergreifende Lektüre, die eine dystopische Vision der Zukunft vermittelt. Die Autorin vermittelt äußerst akkurat die Welt der Charaktere und ihre Verbindungen zueinander.


Herausgeber: Kiepenheuer&Witsch

Sprache: Deutsch

ISBN: 978 346 200 1969

Übersetzt von: Andrea O'Brien







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6 Kommentare:

  1. Schönen guten Morgen!

    Auf den Roman bin ich auch schon aufmerksam geworden und ich glaube, das könnte was für mich sein.
    Ob ich mich grade mit der Thematik befassen möchte ist wieder was anderes. Ich denke, das muss noch eine Weile warten, aber es klingt definitiv sehr fesselnd.
    Das Klima ... einerseits denke ich, auf der Erde gab es schon immer ein wechselndes Klima, allerdings denke ich schon auch, dass wir mit unserem Verhalten einiges zur Beschleunigen für einen Wandel eintragen.
    Und klar, man denkt sich: was kann ich als einzelner tun? Und dennoch tu ich was ich kann. Ich hab kein Auto, reise nicht, achte beim Einkauf darauf, wo was herkommt etc. aber das ist ein Tropfen auf dem heißen Stein.
    Ein sehr weitreichendes Thema, bei dem viele Umdenken müssen, grade wenns um die großen Sachen geht (wie Container Schiffe zum Beispiel). Ich bin gespannt wohin uns das alle noch führen wird.

    Liebste Grüße, Aleshanee

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    1. Geht mir ganz genauso, wir hatten bisher ein Gasauto und jetzt ein klitzekleines Elektroauto, das zum größten
      Teil mit eigenem Solarstrom geladen wird, beim Einkaufen achten wir auch darauf wo was herkommt und dass es möglichst nicht in Plastik verpackt ist, mein kleiner Garten ist ein Insektenparadies. Das hilft alles nicht viel, aber steter Tropfen höhlt den Stein.

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    2. Ja, nur hab ich das Gefühl, diese vielen Tropfen sind einfach zu wenig...
      Aber anders möchte ich es trotzdem nicht machen, ich hab da selber ein viel zu schlechtes Gewissen und Gefühl dabei. Außerdem braucht man vieles oft gar nicht. Das merkt man erst, wenn man drauf verzichtet :) Also zumindest geht es mir so ...

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    3. Geht mir auch so, aber trotzdem tun wir was wir können. Mehr bleibt uns ja nicht

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    4. Das ist richtig. Aber ich möchte mich dennoch nicht von den vielen negativen Gefühlen runterziehen lassen.
      Es tut nicht gut und wir beeinflussen mit unserem Tun immer auch unser Gegenüber und je positiver wir sind, umso positiver färben wir auf andere ab.
      Ich bin so jemand, bei dem das Glas immer halbvoll ist ;)

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    5. und das was man positives für die Umwelt tut, beeinflusst vielleicht auch andere, die dann auch so handeln. Und dann ist es wie mit dem kleinen Stein der ins Wasser fällt und Kreise zieht.

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