Dienstag, 2. Mai 2023

3000 Yen fürs Glück von Hika Harada

 

Kaufe ich mir dafür eine Teekanne? Eine rosa Geldbörse? Oder lade ich meine Freundinnen zum Essen ein? Kotoko, die Matriarchin der Familie Mikuriya, ist überzeugt: Wie man diese eher kleine Summe ausgibt, sagt viel über die eigene Persönlichkeit aus. Und ihre Enkelin Miho stellt fest, dass da etwas dran sein muss ...

Vier Frauen im heutigen Japan, ihre Träume und Wünsche. Ob es die erste Liebe der jungen Miho ist oder die langjährige Ehe ihrer Mutter, die Sorgen der Großmutter um ihre Rente oder die Familienplanung von Mihos Schwester – sie alle machen sich Gedanken um ihre Zukunft und fragen sich: Beeinflusst Geld unsere Persönlichkeit? Wie weit können wir unser Schicksal bestimmen? Ist es je zu spät, von vorn anzufangen?


Vier Frauen – eine Familie.

Kotoko, die Großmutter, Miho und Maho ihre Enkelinnen und Tomoko, die Mutter der beiden jungen Frauen, sie alle leben ein vollkommen unterschiedliches Leben.

Während Kotoko mit 73Jahren in Rente ist, steht Miho noch ganz am Anfang ihres Lebens und stellt gerade Überlegungen an, wie sie ihr Ziel, ein Haus zu kaufen erreichen kann und trotzdem nicht auf alles verzichten muss. Maho muss bei allem sparen, sie nimmt Lebensmittel, die nach dem Essen übrig geblieben sind, mit nach Hause, um zu sparen, sie hält das wenige Geld, das ihr Mann verdient, zusammen, um für das Studium ihrer kleinen Tochter genügend Geld an die Seite zu legen. Tomoko überlegt sich scheiden zu lassen, allerdings ist das für sie finanziell einfach nicht zu machen.

Als ich das Buch das erste Mal sah, fiel mir natürlich sofort das Cover ins Auge, das kräftige Lila bildet einen hervorragenden Kontrast zu der japanischen Winkekatze, der Naneki Neko, die in diesem Fall  mit links winkt und Kunden und Besucher anlocken soll. (Das habe ich mir gerade angelesen).

Der Klappentext tat sein Übriges, um mich neugierig auf das Buch zu machen. 

3000 Yen, das klingt nach einer großen Summe, umgerechnet sind es aber gerade an die 20 Euro. Das musste ich mir während des Lesens immer wieder bewusst machen, sonst hätten mich die hohen Summen doch sehr irritiert. 
Die Autorin erzählt aus dem Leben der 4 Frauen der Familie, die je nach Lebenssituation eine andere Motivation zum Sparen haben. Dabei erhalten die Leser und Leserinnen einen interessanten Einblick in die Kultur Japans, die sich in manchen Dingen doch sehr von der unseren unterscheidet. 

Miho bittet ihre Schwester, die vor ihrer Ehe als Anlageberaterin tätig war, um Spartipps, denn diese schafft es regelmäßig eine bestimmte Summe Geld für die Ausbildung ihrer Tochter zurückzulegen, obwohl ihr Mann als Feuerwehrmann nicht viel verdient. Einige Spartipps sind auch für Europäer nachvollziehbar:
Zuerst gilt es die Fixkosten zusammenzuzählen und dort zu schauen, wo man sparen kann, das fängt beim Handyvertrag an und endet mit den Mietkosten, die man senken kann, wenn man die Wohngegend wechselt. Aber es sind auch und vielleicht vor allem die kleinen Dinge, die hohes Sparpotential beinhalten. Der Coffee to go, das 100 Paar Schuhe, das x-te niedliche Nippes Teil, all die Kleinigkeiten, die sich am Ende des Monats als eine ansehnliche Summe herausstellen, sind es, die das Sparkonto füllen. 

Etwas raus war ich dann, als die Protagonistinnen mit größeren Summen jonglierten. Kotoko überlegt, Bargeld von einer Bank zur anderen zu tragen, um von Zinsvorteilen zu profitieren. Maho jongliert am Computer mit Aktien und anderen Dingen, mit denen sie mit kleinstmöglichem Risiko kleine Gewinne erwirtschaftet.

Ich mochte das Buch als Denkanstoß, wie man noch etwas sparen kann, ohne auf alles zu verzichten, was das Leben im materiellen Sinn lebenswert macht, auch wenn man nicht alles auf das Leben in Deutschland übertragen kann. 
Ich mochte auch die kurzen Einblicke in die japanische Kultur, da hätte ich mir allerdings noch viel mehr gewünscht, allein über das traditionelle Neujahrsessen, das Osechi hätte ich Seitenweise lesen können und dann bot es doch nur die Vorlage für einen kleinen Kochkurs den Kotoko für interessierte Japanerinnen abhält. Interessant war auf jeden Fall die Geschichte des Kakeibo, des Haushaltsbuchs, das in Japan wohl noch mehr genutzt wird als bei uns in Deutschland.
Ich hätte mir von jeder der Protagonistinnen mehr Raum gewünscht, ich hätte gern mehr über sie erfahren, abseits vom Gedanken um Geld, sogar die Liebesgeschichte Mihos mit Shohei wird davon dominiert.

Diese Mischung aus Sachbuch und Familiengeschichte war für mich vollkommen neu und zugegeben etwas gewöhnungsbedürftig, im Großen und Ganzen hat es mir aber gut gefallen.

  • Herausgeber ‏ : ‎ dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG; 1. Edition (20. April 2023)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 304 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3423283351
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3423283359
  • Originaltitel ‏ : ‎ Sanzen en no Tskaikata




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