Roland Baines ist noch ein Kind, als er 1959 im Internat der Person begegnet, die sein Leben aus der Bahn werfen wird: der Klavierlehrerin Miriam Cornell. Roland ist junger Vater, als seine deutsche Frau Alissa ihn und das vier Monate alte Baby verlässt. Es ist das Jahr 1986. Während die Welt sich wegen Tschernobyl sorgt, beginnt Roland, nach Antworten zu suchen, zu seiner Herkunft, seinem rastlosen Leben und all dem, was Alissa von ihm fortgetrieben hat.
Roland wächst als Sohn eines britischen Armeeoffiziers in Libyen auf, und wird mit elf Jahren von seinen Eltern zurück nach England auf ein Internat geschickt und McEwan erzählt uns von da ab aus Rolands Leben. Immer vor dem Hintergrund historischer Ereignisse.
Das Buch beginnt mit dem sexuellen Übergriff seiner Klavierlehrerin während einer Unterrichtsstunde. Dieses erste Kapitel ist der Schlüssel zu allen Entscheidungen, die Roland ab dem Zeitpunkt trifft. Roland ist unstet, er reist viel, vermeidet Bindungen und hat den Kopf voller Pläne, von denen er kaum einen ausführt.
Das ändert sich erst als er Alissa trifft, sie heiraten und bekommen ein Kind, doch das Glück währt nicht lange. Nur wenige Monate nach der Geburt verlässt Alissa ihn und das neugeborene Kind.
Dieses Erlebnis verändert Roland, er übernimmt Verantwortung für seinen Sohn Lawrence, der Struktur und Verlässlichkeit in sein Leben bringt. Und dann ist da noch Daphne, man kann sagen, sie ist die Frau, die sein Leben am längsten begleitet, als Freundin und Geliebte.
Ich muss zugegeben an dieses Buch kam ich nur durch Zufall und wie es so ist, hat mir dieser Zufall einige sehr angenehme Lesestunden beschert. Allerdings habe ich eine Weile gebraucht für dieses Buch, ich habe es immer mal wieder zur Seite gelegt und das hat mir gezeigt, dass ich viel zu selten zu den Größen der Literatur greife. McEwan beschenkt seine Leser mit diesem Werk, das einige biografische Züge aufweist. Der mit vielen Preisen für englische Literatur ausgezeichnete Schriftsteller überzeugt durch seine Wortwahl.
Seite 2
»Er konnte die blöde Stelle auf der Seite sehen, ehe er sie erreichte; und es geschah, ehe es geschah, der Fehler kam ihm entgegen, die Arme ausgestreckt wie eine Mutter, bereit, ihn an sich zu drücken, immer derselbe Fehler, der ihn abholen kam, wenn auch ohne Hoffnung auf einen Kuss.«
Von der Handlung selbst war ich nicht immer zur Gänze überzeugt, manches war mir zu langatmig geschrieben. Zwar wurde das meist wettgemacht durch den wunderbaren Sprachstil, sodass ich den Roman über ein Leben vor den gesellschaftlichen und politischen Ereignisse der letzten Jahrzehnte, zu 80 % genießen konnte.
Und wie so oft und viel zu selten erwähnt, gebührt auch für dieses Buch dem Übersetzer ein großes Lob.Bernhard Robben ist es gelungen, die Seele des Buches einzufangen und nicht nur die Worte von einer Sprache in die andere zu übersetzen.
- Herausgeber: Diogenes; 1. Edition (28. September 2022)
- Sprache: Deutsch
- Gebundene Ausgabe: 720 Seiten
- ISBN-10: 3257072139
- ISBN-13: 978-3257072136
- Originaltitel: Lessons
- Übersetzung: Bernhard Robben
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