Dienstag, 10. Januar 2023

Die leuchtende Republik: Roman von Andrés Barba

 

Dichter grüner Regenwald, tropische Trägheit: San Cristóbal ist eine verschlafene lateinamerikanische Provinzstadt, bis eines Tages wildfremde Kinder von der anderen Seite des schlammig-breiten Eré-Flusses dort einfallen und die Ruhe stören. Niemand kennt sie. Niemand weiß, woher sie kommen. Niemand versteht ihre Sprache. Sie haben Hunger, sie stehlen, sie jagen den Menschen Angst ein.

Die Bewohner von San Cristóbal stehen zunehmend unter Druck: Wie lange wollen sie dem Ganzen tatenlos zusehen? Wie unschuldig sind Kinder? Darf man Böses mit Bösem vergelten?

Ein Mitarbeiter der Sozialbehörde erzählt rückblickend von 32 Kinder, die vor 20 Jahren in San Cristóbal auftauchten. Niemand kennt diese Kinder oder weiß, woher sie kommen, niemand weiß, wohin sie in der Nacht verschwinden. Sie reden wenig und wenn dann in einer Sprache, die nur sie verstehen. Zuerst sind es nur wenige Kinder, die betteln und stehlen, dann werden es immer mehr. Und sie werden immer aggressiver. 

Vielleicht muss man die Kultur und die Lebensumstände in südamerikanischen Ländern und anderen Ländern, in denen Straßenkinder zum normalen Stadtbild zu gehören, verstehen, um das Verhalten der Erwachsenen diesen Kindern gegenüber begreifen zu können. Da tauchen kleine Kinder zwischen 9 und 13 Jahren, in der Stadt auf, die offensichtlich ohne Eltern sind, um die sich niemand kümmert und niemand reagiert. Ein halbherziger Versuch des Erzählers scheitert, weil er sich gegen ein überraschend gewalttätiges nicht behaupten kann.
Erst als Kinder aus wohlbehütetem Elternhaus verschwinden, mehren sich die Stimmen, die 32 Kinder zu suchen.

Aber worum geht es eigentlich wirklich in diesem Roman? 

Wenn ich ehrlich bin, ich weiß nicht, was der Autor Andrés Barba mir vermitteln will, denn dass er nicht einfach nur um eine Geschichte um der Geschichte willen erzählt, glaube ich nicht. Ich bin mir sicher, er hat eine Botschaft, nur welche hat sich mir nicht offenbart. Ich kann jetzt spekulieren, dass es um den Verlust der kindlichen Unschuld geht, um die Gleichgültigkeit der Erwachsenen Kindern gegenüber, wenn es nicht die eigenen sind. Oder geht es vielleicht darum, dass Kinder eher in der Lage sind gleichberechtigt und friedlich miteinander zu leben, als Erwachsene? Das letzte kann aber, wegen der Handlungen der Kinder nicht sein.

Ich hatte auch mit der Art und Weise, wie die Geschichte erzählt wird, meine Schwierigkeiten. Tagebuchartig erzählt der Mitarbeiter der Sozialbehörde von den Vorkommnissen. Erzählt er direkt von den Kindern, ist die Geschichte durchaus interessant, erzählt er von Dokumentation, Fernsehbeiträgen und ähnlichem verkehrt sich das leider ins Gegenteil. Wobei ich hier natürlich nur für mich sprechen kann, andere mögen die Art und Weise wie die Geschichte der 32 Kinder erzählt wird, lieben.
Die leuchtende Republik ist eines dieser Bücher, von denen ich hoffe, eines Tages mit jemandem sprechen zu können, der verstanden hat, was der Autor damit sagen will.



  • Herausgeber ‏ : ‎ Luchterhand Literaturverlag; Deutsche Erstausgabe Edition (14. September 2022)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 224 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3630875998
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3630875996
  • Originaltitel ‏ : ‎ República Luminosa



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