Gottdemenz. Das Wort ließ mich aufhorchen als ich den Klappentext las. Wie geht jemand damit um, das an das er wirklich und wahrhaftig glaubt nicht mehr verkünden zu können.
Eike geschieht genau das, sie bringt keinen Psalm und kein Gebet mehr über die Lippen.
Um den Kopf freizubekommen und zur Ruhe zu kommen fährt sie in ihren Heimatort in dem ihr Vater als Pastor arbeitet, schon lange hofft er, dass seine Tochter eines Tages seine Stelle übernimmt. Doch auch zu diesem Schritt konnte sich Eike nicht durchringen, sowenig wie dazu sich komplett auf ihren Freund Jan einzulassen.
Schon bald wird klar, dass Eikes Sprachlosigkeit eher nichts mit ihrem Glauben zu tun hat.
In Eikes Familie fehlt jemand, ihr Bruder, auf dem alle Hoffnungen der Eltern ruhten, kam vor einigen Jahren bei einem Badeunfall ums Leben, diesen Verlust hat noch niemand in der Familie überwunden. Was das Unglück angeht, sind sie alle sprachlos und Eike kann sich nicht lösen von dem Druck, unter den sie sich selbst stellt. Es dauert eine Weile und Eike muss erst einige Stationen durchlaufen, bis sie zulassen kann, sich mit dem Tod ihres Bruders auseinanderzusetzen und damit auch mit ihrem eigenen Leben. Was will sie wirklich? Und wer ist Eike?
Die Tochter, die Pastorin, die Frau an Jans Seite?
Nimmt man das schwierige Thema Glauben aus der Geschichte, bleibt die Suche einer jungen Frau nach sich selbst, die Suche nach dem Sinn ihres Lebens. Sie muss lernen, dass sie nicht dazu da ist, die Bedürfnisse und Hoffnungen anderer zu erfüllen, erst dann kann sie anderen Menschen helfen.
Tamar Noort spielt mit den Worten, eine Metapher folgt auf die nächste, die verwesende Maus auf der Fensterbank in der Wohnung ihres Freundes, der Papagei, der Jan hasst und ihn bei jeder Gelegenheit angreift. Sogar die Kirche in ihrem Heimatort droht einzustürzen.
Meine Deutschlehrerinnen- und Lehrer hätten dieses Buch geliebt, soviel Interpretationsspielraum, was die Autorin uns mit ihrem Buch sagen will, wie die Beziehungen der Protagonisten untereinander unter der Oberfläche aussehen.
Dabei verliert sie sich nicht in schönen Worten, nicht alles, was Eike erlebt, löst sich in Wohlgefallen auf, sie muss auch schwierige Entscheidungen treffen, die nicht immer die richtigen sind.
Die Ewigkeit ist ein guter Ort, regt zum Nachdenken an und ist durchaus lesenswert.
- Herausgeber : Kindler Verlag; 1. Edition (19. Juli 2022)
- Sprache : Deutsch
- Gebundene Ausgabe : 304 Seiten
- ISBN-10 : 3463000342
- ISBN-13 : 978-3463000343

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