Donnerstag, 21. Juli 2022

Brooklyn soll mein Name sein von Eduardo Lago


 Eine Bar in den Docks von Brooklyn, bevölkert von einer Ansammlung seltsamer Gestalten, Seeleute, Einwanderer, Ausgestoßene, allesamt Heimatlose, von den Widrigkeiten der Welt an diesen Ort gespült, wo sie unter ihresgleichen ein Stück Heimat wiederzufinden hoffen. Der Kapitänstisch ist reserviert für Gal Ackerman, einen Schriftsteller, der mit dem Roman seines Lebens eine einzige Leserin zu erreichen sucht: Nadja Orlov, seine seit Jahren verschollene große Liebe. 

Brooklyn soll mein Name sein, ist die fiktive Lebensgeschichte Gal Ackermanns, der seinen Lebensmittelpunkt im Oakland einer Bar in Brooklyn, dort saß er am Kapitänstisch, beobachtete die bunt gemischte Gästeschar und machte sich Notizen und führt Tagebuch.

Nach seinem Tod, übernimmt sein Freund Nestor Chapman, der von allen nur Ness genannt wird, die Aufgabe, all diese Aufzeichnungen, die Unmengen an Notizen, Zeitungsausschnitte und Tagebücher in den Roman über Gals Leben zu verwandeln, dieser Roman hat nur den einen Zweck, er soll von Nadja Orlov, Gals großer, verschwundener Liebe und nur von ihr gelesen werden.

Wir begleiten Ness während seiner Arbeit, er trennt wichtiges von unwichtigem, die Papiermenge die Gal hinterließ war immens. Übrig bleibt ein beeindruckendes Buch, vielschichtig und meist sehr interessant, er erzählt vom legendären Chelsea Hotel in Manhattan in dem unter anderem Arthur Miller und Thomas Wolfe logierten (Wolf soll dort seinen Roman "Schau heimwärts, Engel" geschrieben haben) oder vom spanischen Bürgerkrieg. 

Brooklyn soll mein Name sein, ist ein Buch die höchste Konzentration erfordert, manchmal brauchte ich eine Lesepause in der Mitte des Buches war ich ehrlich gesagt kurz davor es abzubrechen oder zumindest eine längere Pause einzulegen, gerade wenn eine Episode nur angerissen wird, manchmal schien der rote Faden zu fehlen, am Ende allerdings erkannte ich, er war die ganze Zeit über da, nur versteckt zwischen Geschichtchen und Anekdoten. 
Das Buch allerdings ließ das nicht zu, die Geschichte hat eine kaum zu beschreibende Sogwirkung, ich musste einfach wissen, was Eduardo Lago mir noch alles zu erzählen hat und natürlich ob Nadja das Buch zu lesen bekommt.

Brooklyn soll mein Name sein, ist ein Roman über einen Roman, vielschichtig und bunt, voller Lebensfreude und Melancholie, mit authentischen Charakteren, die zwar fiktiv sind aber wohl auf realen Personen basieren, der Autor Eduardo Lago, hat einiges aus seinem eigenen Leben in sein Werk einfließen lassen. Allerdings erwähnt er auch reale Personen: Sinclair Lewis, Mark Rothko, Henry Hudson um nur einige zu nennen, die meisten davon waren mir um ehrlich zu sein unbekannt. 
Das Glossar am Endes des Buchs ist dementsprechend sehr wichtig für mich gewesen, es werden einige Ereignisse und Personen in der Reihenfolge ihres Erscheinens im Buch näher erläutert.

Ich werde das Buch sicherlich noch einmal lesen und das kann ich über die wenigsten Bücher sagen, es hinterlässt einen bleibenden Eindruck.


  • Herausgeber ‏ : ‎ Alfred Kröner Verlag; 1. Edition (1. September 2021)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 500 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 352062401X
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3520624017
  • Originaltitel ‏ : ‎ Llámame Brooklyn


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