Die Söldnerin Ghost lebt am Limit.
Der Anruf ihres Dealers verspricht einen Job, der sie zurück in den New Babylon Megaplex führt, wo Seelen in Chrom gewogen werden und holografische Geishas überhöhten Göttern gleichen. Dazu muss sie nur die Netrunnerin Amy töten. Rein. Kugel in den Kopf. Raus. Absolut easy.
Doch die Götter des Cyberspace haben andere Pläne.
In einer total vernetzten Welt, mit Neuroprozessoren im Schädel und durch Implantate übers Limit getunten Körpern schicken sie Amy und Ghost auf einen Höllenritt zwischen Realität und virtuellem Pantheon.
Und dann ist da noch diese ominöse Katze, die sich selbst Wichian Mat nennt.
Eigentlich müsste diese Rezension mit einer umfassenden Begriffserklärung beginnen, es beginnt ja schon mit dem Titel.
Shinigami
die kurze Erklärung, Shinigami sind japanische Totengeister.
Dann geht es munter weiter, Cyberspace, Cyberpunk, Netrunner usw. usw.
Im Anschluss an meine Rezension erzähle ich ein bisschen was zu dem Begriff Cyberpunk und Links zu weiteren Rezensionen und tatsächlich ist vieles im Buch, dank M.H. Steinmetz Art, die Story zu erzählen quasi selbsterklärend.
Rezension:
Ghost ist in der Gosse aufgewachsen, ihre Mutter war kaum fähig sich um ihr Kind zu kümmern, statt Schulbildung gab es Anime, die in dem Kind den Wunsch weckten eine Kämpferin zu werden. Als Soldatin in den Konzernkriegen verliert sie alle Illusionen. Bis zu dem Tag, an dem sie Amy kennenlernt, die sie eigentlich töten soll, dazu kommt es nicht, denn die beiden jungen Frauen fühlen sich stark zueinander hingezogen und Ghosts Auftraggeber hat sie verraten. Gemeinsam machen sich die Frauen auf der Suche nach den Hintermännern und dem Grund, aus dem sie sterben sollten. Bald schon erkennen die Frauen, dass sie benutzt werden wie die Figuren eines Puppenspiels. Ghost und Amy sollen die wilde KI Shinigami befreien und an den Hattori Konzern übergeben.
Doch sind die KI, die hinter dem schwarzen Eis *leben* wirklich künstliche Intelligenzen oder sind sie Götter, die sich dorthin zurückgezogen haben, nachdem sie in der Welt der Menschen nicht mehr die benötigte Aufmerksamkeit bekommen hatten, die sie brauchen, um ihre Existenz aufrechtzuerhalten. Ich war mir nie ganz sicher, welches der Wesen, denen wir begegnen, auf Algorithmen beruhen und welche uralte Götter sind, vielleicht sind sie mittlerweile auch untrennbar miteinander verbunden?
Für diese Story braucht man die Kraft sich vorzustellen wie es im Cyberspace aussieht, der eine oder andere Film aus dem Genre ist da sicher hilfreich, ebenso braucht man die Vorstellungskraft wie z.B. Ghosts Körperoptimierungen aussehen und funktionieren. Lässt man sich darauf ein, dann taucht man ein in eine Neonbunte Welt hinter deren schillernde Fassade aus Lichtern und Reklametafeln die Welt alles andere als bunt ist. Mir hat dieser Ausflug in Welt des Cyberpunks wirklich gut gefallen.
Der Begriff Cyberpunk wurde von Bruce Bethke geprägt, der US-Amerikanische Autor veröffentlichte seine erste Kurzgeschichte unter dem Titel Cyberpunk.
(Cyberpunk erzählt die Geschichte einer Gruppe von Computerkids, die sich die Zeit damit vertreiben, in dem Computernetz CityNet, was man sich wohl als eine Art Internet vorstellen muss, Unfug und Verwirrung zu stiften, ihren Lehrern Streiche zu spielen und sich zwischendurch auch einmal (The Big One) an einer Bank zu vergreifen.) In einem weiteren Roman aus dem Jahr 1995 Headcrash erhielt er dann den Philip K. Dick Award 1996. Hauptfigur ist Jack Burroughs, wieder ein Nerd, nun erwachsen, der Probleme mit seiner Mutter und einen wenig interessanten Job als Programmierer bei einer Computerfirma hat. Umso interessanter ist sein Leben in der virtuellen Welt, wo er unter dem Nick MAX_KOOL als eine Art Hacker-Samurai die Aufgabe erhält, dem Recht zum Sieg zu verhelfen, indem er in ein Unternehmen einbricht, um dort Beweise dafür zu finden, dass der Sohn des Gründers dessen rechtmäßiger Erbe ist.)
Stilprägend für das Genre ist die Neuromancer Trilogie von William Gibson. (Alles beginnt in der Stadt Chiba, in die der ehemalige Konsolen-Cowboy gereist ist, um sein Nervensystem reparieren zu lassen. Dieses wurde durch seinen ehemaligen Auftraggeber mit Hilfe eines russischen Mykotoxins so beschädigt, dass er sich nicht mehr in den Cyberspace einloggen kann.)
Gehört haben wir das Wort alle schon mal, vielleicht auch unbewusst den einen oder anderen Cyberpunk-Roman gelesen und mit aller Wahrscheinlichkeit einen Film gesehen, denn Cyberpunk ist ein Sub-Genre der Science-Fiction. In Cyberpunkromanen ist die Welt nicht sauber und steril, oft wird sie beherrscht von Großkonzernen, die die Menschen und die Umwelt ausbeuten und kontrollieren, ihnen gegenüber stehen jene, die sich gegen die Konzerne auflehnen.
Die Menschen in dieser Welt verbinden sich mit der Technik, durch Implantate entsteht eine Verbindung mit Großrechnern, jeder Schritt, jeder Gedanke wird überwacht und auch die Körper der Menschen werden modifiziert. Niemand kann sich diesen Modifikationen entziehen, sei es, weil sie durch die Machthaber, seien das nun Großkonzerne oder die Regierung, dazu gezwungen werden oder weil es notwendig ist, um ein lebenswertes Leben zu führen. Ich habe Bruchstücke eines Films im Kopf, in dem die Menschen so sehr mit Computern verbunden sind, dass sie auf jedem Schritt Werbung oder Propaganda sehen, wie mit einer VR-Brille nur ohne den heute notwendigen technischen Hintergrund. Dieser schönen neuen Welt, steht oft eine andere gegenüber, eine Welt aus Not und Elend, aus demselben Film (irgendwann fällt mir der Titel auch wieder ein) leben Menschen in Hütten aus dem Abfall der Reichen, Hunger und Kriminalität beherrschen hier den Alltag. Diese Menschen sind aus irgendeinem Grund aus dem Raster gefallen, vielleicht weil sie wertlos für die *Gesellschaft* sind, aus welchem Grund auch immer oder weil sie nicht die notwendigen finanziellen Mittel haben, manchmal verweigern sie sich aber ganz bewusst der technischen Modifikationen, sie entziehen sich der kompletten Vernetzung. Hauptprotagonisten im Cyberpunk sind oftmals Hacker.
Und jetzt nochmal die Wikipedia Erklärung zu Shinigami:
Der Begriff Shinigami entstammt nicht der traditionellen japanischen Mythologie, er entstand erst später und ist eine Zusammensetzung aus japanisch 死 shi, deutsch ‚Tod‘[1] und 神 Kami (–gami), deutsch ‚Gott oder Geist‘. Er unterscheidet sich vom westlichen Gottesbegriff und ist eher als Totengeist aufzufassen. Die Shinigami sind in der japanischen Kultur nicht als allmächtig angesehen, wie die Götter der westlichen Gottestraditionen und Mythen.
- ASIN : B09P42PMQ5
- Herausgeber : BookRix (16. Dezember 2021)
- Sprache : Deutsch

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