Donnerstag, 27. Januar 2022

Flucht von Mike Landin

 


Als Jugendlicher träumte Martin von der Flucht aus der DDR, gemeinsam mit seinen Freunden schmiedete er Fluchtpläne, die sie nie in die Tat umsetzen. Als Erwachsener arbeitet, Martin 1979 als Journalist für die parteitreue Zeitung *Das neue Deutschland* Doch diese Arbeit ist nicht, wie er sie sich erträumt hat, denn von freiem, unabhängigen Journalismus kann keine Rede sein. Berichte haben linientreu zu sein und das Regime in bestem Licht dazustellen, so auch der Bericht den Martin und sein Kollege über die Haftanstalt Bautzen schreiben sollen, eine Gegendarstellung zu den kritischen Berichten in den Westmedien. Dort trifft er unvermittelt auf seinen Jugendfreund Frank, mit der einst Fluchtpläne schmiedete und der ihm in einem kurzen Moment ein Versprechen abnimmt: Bring meine Tochter hier raus.


Flucht ist mein zweiter Roman von Mike Landin, nach seinem Debüt Rote Tränen, musste ich die Messlatte für sein zweites Buch Flucht nun doch sehr hoch hängen, schließlich war ich bis auf Kleinigkeiten begeistert von der Story. 
Eins gleich vorweg, ich kann die Messlatte jetzt noch ein klein wenig höher hängen. 

Die Zeit, in der die Geschichte ihren Anfang nimmt, ist die Zeit meiner Kindheit, einer Kindheit allerdings, die in Westdeutschland stattfand, von dem, was sich in der DDR abspielte, bekam ich also höchstens am Rande etwas mit und auch heute noch ist es für mich schwer vorstellbar so leben zu müssen. Natürlich ist mir bewusst, dass die Menschen in der DDR auch Spaß am Leben hatten, dass sie mit allem Lebensnotwendigen versorgt waren, nur fehlte halt eines der wichtigsten Güter im Leben: Die Freiheit, die Freiheit zu reisen, wohin man will und zu sagen, was man denkt und fühlt. 

Das bekommt auch Martin zu spüren, als sein Kollege nach dem Besuch in der Bautzener Haftanstalt strafversetzt wird, dieser hat einmal zu oft die Einschränkungen seines Berufs laut bemängelt. Auch Martin fühlt sich nicht wohl in seinem Land, zu gern würde er fliehen und im Westen ein neues Leben beginnen, doch das Versprechen an seinen ehemaligen Freund hindert ihn, so arbeitet er gemeinsam mit seinem Cousin und seiner neuen Freundin Paula, als Fluchthelfer bis zu dem Tag an dem er die schwangere Delphine, die Tochter Franks vor ihrem gewalttätigen Stiefbruder rettet und ihnen nur ein Ausweg bleibt, die Flucht über Ungarn in den Westen.
Ich verrate hier schon wieder viel zu viel,  die Geschichte ist aber auch vollgepackt, mit Geschehnissen, die ineinandergreifen wie Zahnräder einer gut laufenden Maschine, alles ist wichtig, eins führt zum anderen und die Spannung steigt mit jeder Seite, um im Jahr 2006 ihren Höhepunkt zu erreichen.

Durch die detailgenauen Ortsbeschreibungen hat es der Autor geschafft, dass ich mir alles sehr genau vorstellen konnte, wichtig war das für mich besonders im Zusammenhang mit der Mauer, wie gesagt als *Westkind* kannte ich diese ja nur vom Blick nach Osten und dass es Wachtürme gab, den Todesstreifen, und alles andere, was die Menschen an einer Flucht hinderte, hatte ich nicht wirklich im Focus. Ich bin beeindruckt von der Recherchearbeit des Autors, die so weit ich es beurteilen kann, wirklich sorgfältig ausgeführt wurde.
Ich vergebe für dieses Buch eine uneingeschränkte Leseepfehlung.

  • Herausgeber ‏ : ‎ BoD – Books on Demand; 1. Edition (10. Januar 2022)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 330 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3755781077
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3755781073



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