Mittwoch, 22. August 2012

Das Maikäfermädchen von Gina Mayer


  • Verlag: Rütten & Loening
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-13: 978-3352008436
  •  

Klappentext:
„Maikäfer flieg – der Vater ist im Krieg“ Sommer 1945. Deutschland liegt in Trümmern, von Düsseldorf sind nur noch Ruinen übrig. Die Hebamme Käthe Mertens leidet unter der Trennung von ihrem Mann Wolf, der im Krieg verschollen ist. Eines Nachts taucht eine junge Frau bei ihr auf. Ingrid ist schwanger und völlig verstört. Sie will Käthe nicht sagen, wer der Vater ihres Kindes ist, sondern summt immer nur die Melodie von „Maikäfer flieg“. Käthe zögert nicht lange, sie hilft Ingrid, indem sie in einer halb zerstörten Arztpraxis eine Abtreibung vornimmt. Ingrid verschwindet nach dem Eingriff spurlos, aber wenige Wochen später erscheint ein anderes junges Mädchen bei Käthe, das ebenfalls schwanger ist. Zusammen mit ihrer Freundin Lilo beschließt Käthe, bedrängten Frauen zu helfen – trotz der Gefahr, als „Engelmacherin“ im Gefängnis zu landen. Dann taucht Ingrid wieder auf, erneut schwanger, und beginnt Käthe zu erpressen. Die berührende Geschichte zweier Frauen im unmittelbaren Nachkriegsdeutschland – ein Roman über Suche, Wahrheit und die Kraft, sein Leben zu meistern.

Meine Meinung:
Düsseldorf 1945, der Alltag der Menschen wird beherrscht von der allgegenwärtigen Not, der Angst vor dem was die Zukunft bringt und auch vor den Schatten der Vergangenheit.
Käthe arbeitet als Hebamme, mehr schlecht als Recht ernährt sie ihr Beruf, ihre Patientinnen haben selber kaum genug zum Leben, nur ihr Glaube und die Hoffnung auf ein Wiedersehen mit ihrem Mann Wolf, den sie in Kriegsgefangenschaft wähnt halten sie aufrecht. Dann geschieht etwas, das ihr Leben unwiederruflich ändert, eine junge Frau,Ingrid, spricht sie an und bittet um eine Abtreibung, eine ungeheuerliche Bitte in einer Zeit in der Kirche und auch Staat Abtreibungen verdammen und Engelmacherinen  im Gefängnis landen. Trotzdem stimmt Käthe zu, die Aussicht auf die Bezahlung die ihr eine Mahlzeit verspricht sind zu verlockend. Ingrid die nach dem Eingriff verschwindet, summt immer wieder die gleiche Melodie *Maikäfer flieg, der Vater ist im Krieg*
Käthe die sich eigentlich schwört so etwas nie wieder zu tun, schließlich will sie Leben bringen und nicht nehmen, dennoch tut sie es wieder als Ingrid eine neue Patientin schickt und auch weitere Frauen werden nicht abgewiesen, der Hunger ist größer als die moralischen Bedenken. Als sie Lilo trifft, eine Freundin aus früheren Tagen, richten die beiden Frauen sogar eine Art Klinik ein. Lilo scheint auf den ersten Blick ein klein wenig herzlos zu sein, nur darauf bedacht Profit zu machen, schaut man genauer hin, sieht man allerdings, das sie alles was sie tut, für ihre Familie tut, ihren Mann der seelisch schwer angeschlagen aus der Kriegsgefangenschaft zurück kehrt, ihre Teenie Tochter die über die Stränge schlägt und den halbwüchsigen Sohn, der Kohlen und Kartoffeln klaut um der Familie zu helfen.
Die Autorin, schafft eine bedrückende Atmosphäre die dem Leser einen sehr realistischen Einblick in die damalige Zeit erlaubt, sie lässt wenig Platz für Hoffnung, für den berühmten Lichtschein am Horizont im Gegenteil, über lange Strecken des Romans versank man mit den Hauptpersonen im täglichen Kampf ums überleben, jeder ist sich selbst der Nächste, zum Teilen ist nicht genügend da, zum Trost spenden fehlt die Kraft.
Sämtliche Figuren des Romans sind sehr lebendig geschildert, sie haben Tiefgang und Seele, fast jede ihrer Handlungen ist nachvollziehbar.
Ich habe das Buch sehr gern gelesen, es hat mir unter anderem dazu verholfen froh und dankbar zu sein, das ich in einer Zeit lebe, in der das was ich brauche vorhanden ist und das Frauen weitgehend selbst über ihr Leben bestimmen können.

Vielen Dank an den Verlag Rütten & Loening, für das Rezensionsexemplar

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Hier dürft ihr mir eure Kommentare hinterlassen.