Mittwoch, 27. November 2019

Tod in der Bibliothek von JB Lawless

Inhalt:
Der beliebte Pfarrer Father Tom Harkins liegt eines Morgens mit durchschnittener Kehle tot in der Bibliothek von Ballyglass House, dem Stammsitz der Familie Osborne.  Detektive Strafford aus Dublin soll den Fall untersuchen, möglichst diskret wie er aus höchsten Kreisen zu hören bekommt.
Die Ermittlungen gestalten sich schwierig, aus der Familie scheint niemand so recht als Täter infrage zu kommen und das Haus war über Nacht verschlossen. Für Strafford beginnt eine mühselige Suche nach Motiv und Täter.

    Dieser historische Krimi benötigt wieder einmal zwei Blogeinträge. Hier findet ihr die spannenden Aspekte und bei Frau Goethe liest, wird wie gewohnt das Augenmerk auf den historischen Aspekt gelegt. #zweiblogseinbuch für eine umfangreiche Betrachtung von historischen Krimis. 
    Da stellt sich natürlich die Frage. War es spannend?


Meine Meinung:

War es spannend?
Ja war es, aber anders als erwartet. Mir stellte sich schnell nicht mehr die Frage nach dem: Wer war der Täter? Oder warum wurde Father Tom Harkins ermordet. Viele hatten ein Motiv, auch wenn mir das mehr so nebenbei bewusst wurde, das muss man selber lesen glaube ich, um es zu verstehen, verraten kann ich es nicht.
Strafford arbeitet mit den Mitteln seiner Zeit und die sind eher begrenzt, außer Fingerabdrücken steht ihm nichts an forensischen Methoden zur Verfügung. Also beschränken sich seine Ermittlungen auf Gespräche, die nichts mit Verhören wie wir sie aus Krimis normalerweise kennen, zu tun haben, er lädt die Personen nicht vor, sondern besucht sie in ihrer gewohnten Umgebung und erfährt so einiges über den ermordeten Priester, allerdings lässt uns der Autor nicht an den Gedankengängen Straffords teilhaben, sodass die finale Auflösung für meinen Geschmack zu überraschen war.
Das Buch spielt in Irland zu einer Zeit als Protestanten und Katholiken noch viele Konflikte untereinander zu lösen hatten, ich bin nicht gut genug mit der Materie vertraut, um darauf näher einzugehen, ob es realistisch ist, das sich ein Kirchenoberhaupt in die Ermittlungen der Polizei einmischt und nach Möglichkeit versucht, alles was geschah zu vertuschen. Vorstellbar ist es allerdings. Strafford sperrt sich nur halbherzig gegen diese Einmischung, mit aristokratischer Zurückhaltung um es mal so auszudrücken. Etwas mehr Biss hätte ihm gutgetan, so blieb seine Person etwas blass.
Tod in der Bibliothek war also ein durchaus spannendes Lesevergnügen, zwar mehr in der Frage, ob ich mit meiner Vermutung zum Motiv recht hatte, aber auch das führte bei mir dazu, dass ich das Buch nicht aus der Hand legen wollte.




  • Taschenbuch: 368 Seiten
  • Verlag: KiWi-Taschenbuch (10. Oktober 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3462052489
  • ISBN-13: 978-3462052480

Montag, 25. November 2019

Wintertöchter Die Gabe von Mignon Kleinbeck


Als bei Marie auf dem abgelegenen Julianenhof im Winter 1940, die Wehen einsetzen, begehen sie und ihr Mann einen folgenschweren Fehler. Toni soll Maries Ziehschwester, die Hebamme Barbara holen und kehrt nie zurück.
Marie bringt ihre Tochter Anna allein zur Welt und erkennt, dass die Kleine die Gabe besitzt.
Fortan lebt Marie mit ihrem Kind allein auf dem Hof, unterstützt wird sie von Barbara, die ebenfalls die Gabe besitzt und Anna darin unterweist, diese einzusetzen und sich gleichzeitig davor zu schützen.
Ihr merkt, ich rede etwas drum rum, was genau die Gabe ist, das sollt ihr natürlich selbst herausfinden.


Sieht man das Cover und liest die ersten Sätze des Klappentextes: Die Forstau- ein kleines, verborgenes Berdorf am Fuße der österreichischen Tauern. Drei Frauen - Barbara, die selbstbewusste Hebamme. ...
könnte man einen simplen Heimatroman erwarten, herzergreifend und kitschig, der vielleicht eine tragische Liebesgeschichte vor den Kulissen der österreichischen Berge erzählt, gewürzt mit Intrigen innerhalb einer sturen und in der Vergangenheit verhafteten Dorfgemeinschaft.
Nur dann geht der Klappentext weiter...
Ihre schwermütige Ziehschwester Marie und Anna, das Kind mit der besonderen Gabe, die sowohl Geschenk als auch Fluch bedeutet...
Und da fing meine Fantasie an zu arbeiten, wie äußert sich die Gabe? Was macht dieses Kind so besonders? Sind es übernatürliche Kräfte oder ist sie einfach nur besonders intelligent und hat einen langen, schweren Weg vor sich bevor sie entsprechend ihren Fähigkeiten gefördert wird? Wir dürfen nicht vergessen das Anna in den 40er Jahren geboren wird, zu spät für Hexenglauben und zu früh für Mädchen und Frauen an eine berufliche Karriere zu denken.
Die Geschichte der Frauen wäre auch ohne Annas und Barbaras  Fähigkeiten etwas Besonderes, denn Mignon Kleinbeck verschont ihre Leser mit den klassischen Zutaten eines Kitschromans, sie erzählt von Barbara, Marie und Anna als hätten sie genau so gelebt. Ihr Schicksal mit allen Höhen und Tiefen, mit Freud und Leid, ist absolut realistisch geschildert, ich hatte klare Bilder vor Augen, sei es die tief verschneite Landschaft, das Leben auf dem Julianenhof oder auch dem Leben im Dorf,
während des 2.Weltkriegs genauso wie die kleinen Glücksmomente, wenn z. B. Anna erkennt das die Freundschaft zu Mathis, einem jungen Mann aus dem Dorf, sich zu mehr entwickelt.

Oftmals hat man Lieblingsprotagonisten, die eine Person, die einem besonders ans Herz wachsen, hier konnte ich mich nicht entscheiden, mal war mir Marie am nächsten, die junge Frau kommt nicht zur Ruhe, immer wieder schlägt das Schicksal erbarmungslos zu. Dann wieder war es Barbara, die selbstbewusst und immer beherrscht der ruhende Pol ist, sie weiß immer was zu tun ist, zu einer anderen Zeit oder an einem anderen Ort wäre aus ihr sicherlich eine erfolgreiche Ärztin geworden, das ist ihr auch bewusst, aber sie hadert nicht, sie liebt ihren Beruf und die Menschen um sich herum und sie ist diejenige die mit einer kleinen Aktion einen weiteren großen Schritt aus der traditionellen Frauenrolle heraus macht.
Ja und Anna? Sie ist ein Kind, wie könnte man Kinder nicht mögen.


Ich bin sehr gespannt, wie es mit den Wintertöchtern weiter geht, zu meinem Glück sind die beiden Folgebände
Die Kinder
und
Die Frauen
schon erschienen.

Wintertöchter - Die Gabe, bekommt von mir eine absolute Leseempfehlung.

  • Taschenbuch
  • Verlag: pinguletta Verlag (20. November 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3981767853
  • ISBN-13: 978-3981767858















Samstag, 23. November 2019

Waldesgrab von Lene Schwarz


Nach dem Unfalltod seiner Frau lebt Leon allein mit seiner Tochter Thea, das Mädchen scheint den Verlust der Mutter endlich halbwegs verarbeitet zu haben und bereitet sich auf ihr Abitur vor und der ehemalige Spitzenkoch fühlt sich in einem kleinen, idyllischen Gasthof Am Quellbach am richtigen Platz. Eine große Hilfe ist ihm da Marlene, die beste Freundin seiner Frau.
Bis Leon unweit seines Arbeitsplatzes eine  makaber hergerichtete Leiche findet, in der Brust der Toten wurde ein Quarzstein drapiert, der Leon an ein lang verdrängtes Geheimnis erinnert.
Nach einem weiteren Leichenfund in Leons Umfeld, gerät er nicht nur in den Focus der polizeilichen Ermittlungen er muss sich auch der Frage stellen, wer sein Geheimnis kennt.
Leon macht sich auf die Suche nach dem Mörder, denn er will unbedingt verhindern, dass der Wald sein Schweigen bricht.

Die Autorin Lene Schwarz hält sich nicht mit langem Vorgeplänkel auf, schon auf den ersten Seiten konfrontiert sie den Leser mit dem Anblick einer grausam zugerichteten Leiche, die sie sehr detailliert beschreibt.
Nach und nach gibt die Autorin das Geheimnis des Waldes preis und damit auch Leons Geheimnis, in Rückblicken wird die eine oder andere Frage beantwortet und neue aufgeworfen und sie präsentiert immer wieder neue Verdächtige, bzw. die meisten der Protagonisten sind von vornherein so, konstruiert das man ihnen allen die Taten zutraut. Ich zumindest habe so ziemlich jedem im Quellbach wenigstens eine Beteiligung an den Taten zugetraut.
Um so überraschender war dann das Ende. Aber bis dahin war ich gefangen in der düsteren Atmosphäre der Harzer Wälder.

  • Taschenbuch: 416 Seiten
  • Verlag: Rowohlt Taschenbuch; Auflage: 1. (19. November 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3499000695
  • ISBN-13: 978-3499000690







Freitag, 22. November 2019

Zonenrandkind von Tim Boltz



Die 80er Jahre im hessischen Zonenrandgebiet. Hier lebt Frank Breuning. Als Teenager hat man es nicht einfach mitten in der Provinz, die einzige Zerstreuung besteht aus nachmittäglichen Treffen an der örtlichen Tischtennisplatte und Ausfahrten mit dem frisierten Mofa. Und am Samstag ist Kehrwoche.

Wir begleiten Frank, Franky, wie er genannt werden will durch seine Jugendjahre und das ist durchaus unterhaltsam, obwohl ich kaum einen Unterschied zu meiner Jugendzeit in den 80ern erkennen konnte. Hätte der Autor nicht hin und wieder etwas von Zonenrandförderung oder Wochenendausflügen an die nahe innerdeutsche Grenze geschrieben, es wäre mir nicht aufgefallen, dass der Wohnort und die Lebensumstände Frankys sich in irgendeiner Weise von denen Millionen anderer Teenager zu der Zeit unterscheiden.
Aber lasse ich die meiner Meinung nach nicht vorhandenen besonderen Umstände außer acht, habe ich mich  amüsiert.
Tim Boltz gewährt einen recht tiefen Einblick in das Seelenleben eines pubertierenden männlichen Jugendlichen, die haben es schon nicht leicht die armen Jungs. Hormon geplagt flüchten sie in dumme Sprüche und Dosenbier und wundern sich das die Mädchen in ihrem Alter nicht auf sie stehen. Zum erwachsen werden gehört die Erweiterung des Umfelds, ich weiß nicht wie ich das ausdrücken soll. Je älter man wird, desto weitere Kreise zieht man, um Erfahrungen zu sammeln. Ich finde das die Ausflüge der Jungs, die sich im Laufe der Zeit ihren Möglichkeiten entsprechend, immer mehr ausdehnen ein schönes Sinnbild dafür sind.
Bevor ich das Buch begann, hatte ich ein wenig bedenken, das der Autor die Jugendzeit Frankys verklärt oder ob er jammert, was sein Protagonist alles verpasst hat. Nicht von beidem gab es in dem Buch. Tim Boltz hat ein realistisches Bild einer Jugend auf dem Land geschildert, einer Jugend ohne Facebook, dafür mit Klatsch und Tratsch an der Tischtennisplatte und ohne Fast Food aber mit billigem Bier. Und vor allem Rituale an die man sich auf dem Dorf zu halten hat, will man nicht ausgegrenzt werden, also kaum anders als heute nur die Plattform hat sich geändert, vom Dorfplatz zu Facebook.
Ich hätte mir ein wenig mehr Zonenrandgefühl gewünscht, nichtsdestotrotz ist das Buch ein humorvoller Rückblick auf die 80er Jahre.

Und das ist eine weitere Stimme zum Buch:

https://laberladen.com/zonenrandkind-von-tim-boltz/


  • Taschenbuch: 304 Seiten
  • Verlag: Tinte & Feder (17. September 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 2919805746
  • ISBN-13: 978-2919805747


Donnerstag, 21. November 2019

Schwarzer Leopard, roter Wolf von Marlon James


Der Klappentext verspricht mit Schwarzer Leopard, roter Wolf eine Trilogie über das märchenhafte Afrika, das unvermeidlich an Tolkien, George R.R.Martin und Black Panther erinnert.
Und so hatte ich mich auf ein Fantasy Epos gefreut, auf ein Buch das mich mit nimmt in ein mir vollkommen unbekanntes Land, womit ich nicht  die Geografie des Landes meine, sondern  seine Literatur. Ganz kurz hatte ich, entgegen meiner sonstigen Gewohnheit in die Leseprobe geschaut und war beeindruckt vom Schreibstil des Autors, hier ist sicherlich auch der Übersetzter zu erwähnen, Stephan Kleiner hat wohl einen guten Job gemacht.
Die Sprache in dem Buch ist beeindruckend, fast schon poetisch, die Erzählfreude des Autors war es dann auch, die mich am Buch hielt. In diesem Punkt stimme ich dem Klappentext zu, der James Marlon mit George R.R. Martin vergleicht, der ebenso gern erzählt.

Ich habe lange gebraucht um auch nur Ansatzweise in die Geschichte zu kommen, zu oft ließ mich James Marlon etwas verwirrt zurück, der eine oder andere Handlungssprung ist ja absolut OK, aber hier war es mir auf jeden Fall zu viel.
Mit wenigen Worten den Inhalt zu beschreiben ist für dieses Buch absolut unmöglich, dazu müsste ich viel tiefer in die Mystik und Legenden Afrikas eingehen als ich selbst verstanden habe.
Ganz kurz angerissen: Der Erzähler bekommt den Auftrag einen Jungen zu aufzuspüren, der vor 3 Jahren verschwand. Wegen seiner besonderen Fähigkeiten wird der Erzähler der Sucher genannt. Wir begleiten ihn auf einer langen Reise und begegnen dabei Gestaltwandlern, Vampiren und Hexen.

Ich habe lange gebraucht, bevor ich mich dazu bewegen konnte eine Rezension zu schreiben und ich weiß immer noch nicht, was ich von diesem Buch halten soll. Es ist teilweise brutal und abstoßend, der Autor scheut nicht vor genauen Beschreibungen von Gewalt auch von sexueller Art zurück, an manchen Stellen wollte ich das Buch abbrechen und nie wieder aufschlagen und ich bin wirklich nicht zart besaitet. Auf der anderen Seite war ich fast verliebt in die Sprache Marlon James, die mich auch durch die langatmigen Seiten führte, die auf 800 Seiten nicht ausblieben.