Montag, 30. September 2019

Die Stille vor dem Sturm von Marina Heib

Inhalt: Der Reedersohn Sören soll die Luxusjacht seines Vaters Armin  Wendelsteins von Gran Canaria auf die Cayman Islands überführen. Gemeinsam mit seinen Brüdern Henning und Tim,ihrem Freund Mike und ihren Freundinnen, Marie, Nadine,Julia und Britt will er einen langen Segeltörn genießen.
Wie wir aus dem Klappentext schon wissen, wird es kein beschaulicher Törn. Schon von Beginn an läuft nicht alles wie geplant, einer der Söhne sagt ab, sie müssen einen Schiffbrüchigen aufnehmen und dann geschieht auch schon der erste Mord und die Spannungen die zwischen den Passagieren treten immer offener zutage.

Ich habe selten das Bedürfnis ab der Hälfte des Buches zur letzten Seite zu blättern um endlich zu erfahren was genau nun an Bord und auch außerhalb geschieht, vorrangig natürlich wer die Morde begeht und warum aber auch was wirklich zur Absage eines der Brüder führte.
Immer wieder hatte ich jemand anderen in Verdacht, ich ging sogar so weit zu überlegen ob an Bord einer Jacht nicht ein Ort wäre an dem sich jemand verstecken könnte, der am Ende des Buches dann als Täter präsentiert wird.
Ich musste mich wirklich zurückhalten, die Spannung die Marina Heib aufgebaut hat, war kaum auszuhalten.
Die Autorin spielt mit Klischees, das kann langweilen oder der Story wirklich gut tun, hier kommt der zweite Punkt zum tragen. Armin Wendelstein ist ein knallharter Geschäftsmann, wie er im Buche steht, Geld geht ihm über alles, sogar über seine Söhne, er war nie fähig ihnen die Liebe zu schenken die Kinder benötigen und die haben sich Klischeegerecht entwickelt und natürlich ist Vater Wendelstein zutiefst enttäuscht von seinen Söhnen. Das ist teilweise nicht in Worte gefasst, aber durch das was Marina Heib schreibt, spüren ihre Leser das nur zu gut. Auch die Damen an Bord, sind wie man sie sich vorstellt, eine Kindergärtnerin, die sich in der Welt der Reichen und schönen absolut nicht auskennt, eine junge Frau mit tragischer Vergangenheit die mit beiden Beinen fest auf dem Boden steht und zwei verwöhnte Frauen auf der Suche nach Geld und Ansehen.
Ihr merkt, ich nenne keine Namen, ich habe wirklich Angst zu viel zu verraten, ein falsches Wort verrät vielleicht zu viel und ich nehme euch die Spannung raus.
Mit der Auflösung hätte ich niemals gerechnet.

Mein Fazit: Ein absolut lesenswerter Thriller, der an einem ungewöhnlichen Ort spielt wodurch die Anspannung unter den Passagieren von Seite zu Seite ansteigt bis am Ende fast jeder jedem misstraut.

  • Taschenbuch: 400 Seiten
  • Verlag: Pendragon (18. September 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3865326579
  • ISBN-13: 978-3865326577




Melmoth von Sarah Perry

Inhalt: Über einen Freund bekommt die Engländerin Helen Franklin in Prag ein seltsames Manuskript in die Hände. Sie erfährt von Melmoth einer geheimnisvollen Frau, die der Legende nach die Wiederauferstehung Jesu leugnete und deshalb dazu verdammt ist einsam auf der Erde zu wandeln.
Als ihr Freund Karel scheinbar grundlos verschwindet, vertieft sich Helen immer weiter in die Manuskripte und Briefe. Je mehr sie sich damit beschäftigt desto mehr ist sie bereit an die Existenz Melmoth zu glauben und sie fühlt sich verfolgt.

Meine Meinung:
Ich hatte zugegeben meine Schwierigkeiten in das Buch einzusteigen, aber als ich mich erst einmal auf den ruhigen Schreibstil und die besondere Art die Geschichte zu erzählen einlassen konnte, lies es mich nicht mehr los. Der Autorin ist es gelungen mit ihrer Art zu schreiben eine Sogwirkung zu erzielen die den Leser mitreißt.
Zunächst glaubt man es handele ich bei Melmoth um eine klassische Schauergeschichte, bis nach und nach die Hintergründe an Tageslicht kommen. Der Leser erfährt mehr aus den Manuskripten und auch Helens Geschichte wird offenbart, ich kann euch natürlich nicht mehr erzählen nur soviel, es geht um Schuld und Reue um den Versuch Buße zu tun für Verfehlungen die man aus Bosheit oder aus Sorglosigkeit begeht.
Buße die dazu neigt zu übertreiben und an Selbstkasteiung grenzt.
Auch Helen hat, wie wir spät erfahren Schuld auf sich geladen und sie bedarf der Hilfe und der Unterstützung von Menschen die sie lieben und von denen sie nicht erwartet hat das sie ihr Sympathie entgegen bringen.
Jetzt habe ich euch doch etwas verraten, aber vielleicht macht euch das neugierig auf dieses außergewöhnlich Buch.
Mir ist es wirklich ans Herz gewachsen.

  • Gebundene Ausgabe: 336 Seiten
  • Verlag: Eichborn; Auflage: 2. Aufl. 2019 (30. September 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 384790664X
  • ISBN-13: 978-3847906643


Mittwoch, 25. September 2019

8 Fragen 8 Antworten: Ein Interview mit Cornelia Lotter

Das Gewinnspiel ist beendet Die Losfee hat ihre Arbeit getan und kann sich bis zum nächsten Gewinnspiel ausruhen
Liebe Gudrun, herzlichen Glückwunsch.


Hallo ihr Lieben, im Oktober wird im Rahmen der Frankfurter Buchmesse der dspp19 verliehen, der Preis für das beste selbstveröffentlichte Buch.
Eine der Nominierten ist Cornelia Lotter mit ihrem Buch: Gettokind, und nicht nur das ich schon einige ihrer Bücher gelesen habe, ich kenne sie auch persönlich und wir haben schon den einen oder anderen Kaffee zusammen getrunken und Kuchen gegessen, bis sie das Ländle verlassen hat um ins schöne Leipzig zu ziehen.
Die sympathische Autorin wuchs in der Nähe von Weimar auf und verließ 1984 die DDR um in Tübingen zu leben und zu arbeiten. Seit 2015 arbeitet sie als freie Autorin.
Ich habe Cornelia ein paar Fragen gestellt und sie war so freundlich diese auch zu beantworten und ihr könnt auch etwas gewinnen, dazu mehr am Ende des Interviews.


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1.Liebe Cornelia herzlich willkommen im Bücherhaus, mach es dir bequem, du kennst dich ja aus. Magst du dich für die Leser die dich noch nicht kennen kurz vorstellen? Beschreibe dich doch bitte in 5 Worten.

Ehrgeizig, kreativ, optimistisch, humorvoll, perfektionistisch


2. Vor ein paar Jahren bist du aus der schwäbischen Provinz nach Leipzig gezogen, was ich persönlich sehr schade fand, was hat dich dazu bewogen?


Ich wollte noch einmal – und zwar vor der Rente – einen völlig neuen Lebensabschnitt anfangen. Einen Abschnitt, in dem ich dem, was ich schon mein Leben lang gern gemacht habe, die Priorität zukommen lasse, die ihm zusteht: dem Schreiben.


3.Was machst du, wenn du nicht schreibst?


Ich lese sehr viel (schließlich muss ich ja wissen, was die „Konkurrenz“ so macht). Außerdem singe ich jede Woche im Kneipenchor und genieße das umfangreiche kulturelle Angebot, das sich mir hier in Leipzig bietet (Oper, Gewandhaus, Kleinkunstbühnen).


4.Wie kommen dir die Ideen zu deinen Büchern, was inspiriert dich?


Sehr häufig steht am Anfang ein Artikel in einer Zeitschrift – meist im Spiegel. Aber es kann auch ein Gedenkstättenbesuch (wie bei „Birkensommer“) sein oder ein Gespräch.



5. Du bist mit Gettokind für den Deutschen Selfpublishing-Preis nominiert. 

Zu meiner Rezension


Wie fühlt sich das an?


Da ich mich das erste Mal dafür beworben habe, fühlt es sich natürlich gut an. Es bestärkt mich, auch wenn ich (noch) nicht zu denjenigen gehöre, die vom Schreiben leben können, weiter über die Themen zu schreiben, die mir wichtig sind. Und das sind in letzter Zeit Themen aus der Zeit des Nationalsozialismus.


6. Glaubst du, dass dein Buch etwas in den Menschen, die es lesen, verändert?



Wenn man nicht hoffen würde, mit dem, was man geschrieben hat, etwas bei den Lesern zu bewirken, könnte man es auch lassen. Ich hoffe sehr, dass gerade dieses Buch etwas in Gang setzt. Das ist vor allem in der heutigen Zeit mit den aktuellen Problemen sehr wichtig.

7.Nach dem Buch ist vor dem Buch. Woran arbeitest du gerade?


Ich habe gerade einen Roman über eine Bauhaus-Keramikerin abgeschlossen. Als Nächstes werde ich einen Roman zum Thema Zwangsarbeit in Leipzig schreiben, in dem es auch eine Handlungsebene und Verknüpfungen mit der Zeit um die Wende herum geben wird.

8.Welche Frage wolltest du schon immer mal beantworten, es hat sich nur noch niemand getraut, sie zu stellen?


Da fällt mir überhaupt keine ein.


Da muss ich doch beizeiten mal nachhaken und konkreter Fragen. Oder fällt euch eine Frage ein, die wir Cornelia Lotter noch stellen können? Stellt sie jetzt und gewinnt mit etwas Glück eine signierte Ausgabe ihres Thrillers: 

Blutschuh - Ki und der gläserne Schuh: Der 7. Fall für Kirsten Stein

Also meinen Lesern ist noch die eine oder andere Frage eingefallen und Frau Lotter war so freundlich auch diese zu beantworten:

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 Fragen:
Womit verdient sie ihren lfd Lebensunterhalt? 
Gute Frage. Da ich von meinem Schreiben (noch) nicht leben kann, lebe ich von meinen Rücklagen, ohne die ich mir ein Leben als Freie Autorin gar nicht hätte „leisten“ können.

Wo ist das h in ghetto / getto geblieben?
Du hast recht, die meisten kennen noch die alte Schreibweise. Deshalb habe ich gleich vorn im Buch eine Erklärung für das fehlende H, die ich hier gern verkürzt wiedergebe: Lt. Duden-Empfehlung wird das Wort ohne H geschrieben. Außerdem wurde diese Schreibweise sowohl in der offiziellen deutschen Korrespondenz der damaligen Zeit als auch in den Schriftsätzen des Judenrats sowie der meisten persönlichen Korrespondenz verwendet.

Was ich mich immer frage: Wenn man ein Buch schreibt, steht vorher schon die ganze Geschichte fest oder entwickelt sie sich erst im Laufe des Schreibens? Und gerade bei Thrillern, wie schafft man es nur, alle losen Enden zu verbinden, sodass zum Schluss eine glaubwürdige Auflösung steht?
Gute Frage. Es gibt Bauchschreiben (ich) und Plotter (ist mir zu viel Arbeit, bevor ich mit Schreiben loslegen kann und wird mir beim Schreiben zu langweilig, wenn ich schon weiß, was als Nächstes passiert.) Bei mir steht der Grundplot (im Kopf), die Figuren (im Kopf) und wohin die Reise grob geht. Das heißt, das Thema. Außerdem perspektivische Fragen (aus der Perspektive welcher Figur erzähle ich? Gibt es mehrere Perspektiven? In welcher Zeitform erzähle ich? Schreibe ich in der Ich-Form oder in der 3. Person?) Dann fange ich an. Und während ich schreibe, entwickle ich alles. Das ist bei mir bei Thrillern und Krimis nicht anders als bei historischen Romanen. Allerdings führe ich neben dem Schreiben ein Dokument, in das ich die einzelnen Kapitel – die ich gerade geschrieben habe – mit einigen wenigen Stichworten vermerke. Da weiß ich dann genau, wo ich evtl. noch mal nachjustieren muss. Auch recherchieren tue ich immer auch neben dem Schreiben, weil gerade während des Schreibprozesses noch viele Fragen auftreten, die ich vorher gar nicht kannte. Auch dafür gibt es dann die verschiedenen Dokumente.

Wenn Ihnen unterwegs Ideen kommen, wie halten Sie diese fest? Notizbuch, Handy, Tablet?
Bei Ideen immer Notizbuch.

Bei so vielen Veröffentlichungen - waren die alle im Selbstverlag oder gab es auch welche mit Verlagshäusern?
Ich habe immer noch 8 Veröffentlichungen (7 davon unter Pseudonym) bei dotbooks, außerdem zwei in Kleinverlagen. Mein allererster Kleinverlag hat Pleite gemacht und mich ziemlich über den Tisch gezogen. Deshalb – auch weil finanziell dabei noch weniger rumkommt als im SP, möchte ich nicht mehr in Kleinverlagen veröffentlichen. Ich muss aber auch sagen, wenn ein großer Publikumsverlag bei mir anklopfen würde und vernünftige Bedingungen hätte, wäre ich sofort dort. Allerdings würde ich auch im SP weiterhin bestimmte Sachen machen wollen. Da ist man einfach herrlich unabhängig.             



Bildquelle Cornelia Lotter.de

und das Kleingedruckte, wichtig. LESEN.
Teilnahmebedingungen
- den Beitrag auf dem Blog und/oder auf Facebook kommentieren
- Teilen wäre lieb, ist aber kein Muss
- Teilnahme ab 16 (oder mit Erlaubnis der Eltern) und mit Wohnsitz in Deutschland
- Kein Ersatz, wenn der Postbote lieber selbst das Buch lesen möchte
- Der Rechtsweg ist ausgeschlossen und eine Barauszahlung nicht möglich
- Die Adresse wird nur für den Versand des Buches an die Autorin Cornelia Lotter weitergegeben
- Das Gewinnspiel steht in keiner Verbindung zu Facebook
- Teilnahme ist bis zum 29.09.2019 23:59 möglich, am 01.10.2019 wird der Gewinner bekannt gegeben. Bitte melde dich auf der hier angegeben Mailadresse oder auf Facebook.
https://www.facebook.com/lesenswertesausdembuecherhaus/?ref=bookmarks





Sonntag, 22. September 2019

Das Institut von Stephen King

Inhalt:
Das Buch beginnt mit Tim, einem ehemaligen Polizisten auf dem Weg von Tampa nach New York, wo er einen Neubeginn starten will. Als die Passagiere des Fluges gebeten werden, das einer von ihnen seinen Platz räumt, nimmt er das Angebot an und macht sich als Tramper auf seinen Weg. Zufällig landet er in DuPray, einem Kaff in South Carolina, wo er als Nachtklopfer ( Nachtwächter) arbeitet.
Kurz darauf lernen wir Luke kennen, 12 Jahre alt und angehender Student am MIT und dem Emerson College. Luke führt ein glückliches Leben, trotz seiner Hochbegabung ist er ein ganz normaler kleiner Junge, bis zu dem Tag an dem Fremde in sein Elternhaus eindringen und ihn kidnappen.
Von da an, lebt er im Institut.

Meine Meinung:
Es gibt schon viele Stimmen zu Stephen Kings neustem Werk und ausnahmsweise habe ich schon die eine oder andere gelesen, nicht um mich zu vergewissern ob es sich lohnt das Buch zu lesen, das war mir schon klar bevor ich überhaupt anfing zu lesen, schaut einfach mal selbst.
Viele empfanden den Einstieg in die Geschichte als etwas langatmig, dem muss ich allerdings widersprechen. Mit dem Einstieg wurde Tims Charakter beschrieben und der ist wesentlich für die spätere Handlung, ebenso wie der kleine Einblick in das Leben in einer kleine Südstaaten Stadt.
Wir verweilen aber nicht lange in DuPray, schnell kommt King zu seiner Hauptperson Luke und dem Grauen im Institut, das idyllisch in einem Wald liegt, irgendwo im Nirgendwo, wie es im Klappentext heißt.
Luke ist natürlich nicht allein im Institut, mit ihm leben dort noch andere Kinder, die wie er über besondere Fähigkeiten verfügen und die wie er, von den Mitarbeitern des Instituts gequält werden um diese Fähigkeiten noch zu verstärken.
Kinder in Büchern für Erwachsene, sind häufig nervig, weil die Autoren sich nicht in sie hineinversetzen können, sie beschreiben sie so wie sie sich Kinder vorstellen, nicht wie sie wirklich sind. Sie sind stark und gleichzeitig verletzlich, mutig und voller Angst. King beschreibt sie genauso,  und er legt  großen Wert darauf den Lesern ihren Zusammenhalt nahe zu bringen, das schafft er nicht nur in dem er es schreibt, sondern durch die Art wie er sie handeln lässt.
Und wieder erschuf er eine besondere Atmosphäre, die durch die Beziehungen der Kinder untereinander getragen wird, das war schon in vielen seiner früheren Geschichten, z.B. ES und Stand by Me, etwas besonderes und ein wahres Highlight.
Auch die Erwachsenen Protagonisten werden durch ihre Handlungen beschrieben und sie entpuppen sich fast durchgehend als skrupellose, teils sadistische Persönlichkeiten, als Außenstehender der nur beobachten kann, ist das was im Institut vor sich geht, die Art wie dort mit den Kindern umgegangen wird kaum zu ertragen.
Und doch, haben auch sie ihre Gründe, die ich am Ende des Buches zwar nachvollziehen konnte, für die ich trotzdem keinerlei Verständnis aufbringen kann.
King muss die Quälereien denen die Kinder ausgesetzt waren, nicht in jeder Einzelheit beschreiben, das was sich im Kopf des Lesers abspielt ist grausam genug.

Mein Fazit: Ein fantastisches Buch, eines das für schlaflose Nächte sorgt und das sagt eigentlich schon alles aus.


  • Gebundene Ausgabe: 768 Seiten
  • Verlag: Heyne Verlag (9. September 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3453272374
  • ISBN-13: 978-3453272378
  • Originaltitel: The Institute



Samstag, 14. September 2019

Märchenmorde Die (tödliche) Wahrheit. Herausgeber Andreas M.Sturm

Als Kind waren mir klassische Märchen suspekt, nicht weil sie mir zu gewalttätig waren, mir gefiel das Frauenbild einfach nicht.Also standen Märchen über Jahrzehnte nicht auf meiner Leseliste obwohl ich die Klassiker natürlich alle kenne.
Meine Neugier auf die Märchenmorde wurde durch den Klappentext geweckt, wenn ich ehrlich bin gleich durch den ersten Satz: Und wenn sie nicht gestorben sind....
Im Märchen bedeutet das, das das liebe, brave, freundliche Mädchen den Prinzen geheiratet oder das der arme Schlucker durch die Heirat mit der Prinzessin den Thron und das halbe Königreich bekam.
Und was wenn alles ganz anders war oder wenn Rapunzel heute lebt?
Zwei Abende habe ich gebraucht für die 15 Geschichten und es gab nicht eine die mir nicht gefiel, normalerweise gibt es in jeder Anthologie die eine oder andere Story, die mich nicht so begeistern kann, sei es der Schreibstil oder die Umsetzung oft sind es nur Kleinigkeiten. Hier nicht, ich bin von den Storys zu 100% begeistert. Und jetzt jammere ich auf schwindelerregendem Niveau, am Ende des Buches werden die Autoren vorgestellt, das hätte ich mir vor jeder Geschichte gewünscht.

Nun aber zu den einzelnen Geschichten, die ich euch nicht nacherzähle, nur ganz kurz reiße ich an, worum es geht.

Don Corleone von Bernd Köstering

Rumplstilzchen mal ganz anders und ohne wunderschöne Prinzessinnen,
das kam mir ja schon mal sehr entgegen und auch das Ende ist durchaus anders als gewohnt.


Der letzte Versuch von Matthias Ramtke

Ich habe schon immer vermutet das mit Schneewittchen irgendwas nicht stimmt, wie recht ich hatte erzählt Matthias Ramtke und er lässt erahnen wie grausam die Märchen waren, bevor sie kindgerecht umgeschrieben wurden.


Das Frauenhaus des alten Seeräubersvon Andreas M.Sturm

Wie war das denn wirklich mit Rotkäppchen? Lotte erinnert sich an die wahre Geschichte, die sie ihren Enkel so sicher nicht erzählen kann, aber wir dürfen sie lesen bevor sie ihnen die entschärfte Version zur Guten Nacht erzählt.


Blattschußvon Martina Arnold

Die Gier nach Schönheit trifft nicht nur Frauen und Kaiser, wobei sich die Gier zu Kaisers Zeiten auf schöne Kleider beschränkt und heute? Bodyforming ist das Zauberwort der heutigen Zeit und das hilft auch Männern, oder vielleicht doch nicht.


Stunde zum Gehenvon Björn Götze

Mit Gevatter Tod zusammen im Bus zu sitzen, ist keine angenehme Vorstellung. Nach einer Betriebsfeier passiert Michael genau das und diese Geschichte entwickelt sich zu einer meiner Lieblingsgeschichten, mein sonst nur leise schlagendes Romantikerherz wurde voll getroffen.


Der Fall Wolf gegen sieben Geißleinvon Mario Schubert

Ein guter Anwalt verhilft jedem zu seinem Recht, egal ob schuldig oder nicht, am Ende zählt was der Richter entscheidet und mal ehrlich, wer glaubt denn das eine Geiß in einen Uhrenkasten passt? 


Grit und Henrivon Connie Roters

Man kann es nicht oft genug betonen, Drogen töten und zerstören, eine sehr traurige Geschichte mit nur einem halben Happy End.


Rapunzel von Gisela Witte

Ganz anders die Geschichte eines vor langer Zeit entführten Mädchens das in einem Turm eingesperrt wurde und sicher auch mithilfe ihrer Musik, nach ihrer Befreiung ein normales Leben führen kann.

Dornröschen war ein schönes Kindvon Regine Röder-Ensika

Eine der traurigsten Geschichten im Buch, vom Schicksal eines Mädchens das sich gegen die egoistischen Eltern auflehnt und in der Großstadt ihr Glück sucht.


Der gestiefelte Katervon Franjo Terhart

Eine sehr amüsante Umsetzung des Originals, mit einem Schuss Technik aus der Science Fiction.


Judith rupft einen SchwanSwenja Karsten

Und noch eine sehr traurige Geschichte, die falsche Selbstwahrnehmung einer jungen Frau führt in eine Katastrophe.


Von einem, der auszog, das Fürchten zu lernenvon Ulrike Bliefert

Wenn ihr wissen wollt, wie es dazu kam das es bei uns doch keine Feen gibt, müsst ihr diese Geschichte unbedingt lesen.


Die Wanderungvon Andreas M. Sturm

Zu Beginn der Geschichte habe ich ja noch um die beiden Frauen gebangt, vollkommen unnötig wie sich bald herausstellte.


Gefährlicher Engelvon Uwe Wittenfeld

Was macht es mit einem jungen Menschen dem immer nur Ablehnung und Hass entgegen schlägt, und er unverhofft die Gelegenheit zur Rache bekommt?


Rosmarievon Franziska Steinhauer

Diese Geschichte trieb mir die Tränen in die Augen, ich habe selten etwas so trauriges gelesen.

Die Geschichten sind brutal, traurig, manchmal tragisch, manchmal komisch.
Bei einigen muss man zwischen den Zeilen lesen, bei anderen liegt die wahre Brutalität nicht in der Tat an sich, sondern an den Umständen die dazu führten.
Und sie sind näher an den Originalmärchen, als das was wir unsern Kindern zur Guten Nacht vorlesen, oder glaubt tatsächlich jemand das Rotkäppchen wirklich einem Wolf begegnet ist, als sie vom Wege abkam?

Die Märchenmorde bekommen von mir eine absolute Leseempfehlung.
Fortsetzung absolut erwünscht.

  • Broschiert: 280 Seiten
  • Verlag: edition krimi; Auflage: 1 (30. Juni 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3946734200
  • ISBN-13: 978-3946734208