Donnerstag, 10. Oktober 2024

Wohnverwandtschaften von Isabel Bogdan

 

Ein Roman über eine Wohngemeinschaft, in der vier Menschen unterschiedlichen Alters aus unterschiedlichen Motiven zusammenleben und feststellen: Freunde sind manchmal die bessere Familie.

Constanze zieht nach der Trennung von ihrem Lebensgefährten in die Wohngemeinschaft von Jörg, Anke und Murat. Was zunächst als Übergangslösung gedacht war, entpuppt sich als zunehmend stabil. Da ist Jörg, dem die Wohnung gehört und der eine große Reise plant; Anke, die als mittelalte Schauspielerin kaum noch gebucht wird und plötzlich nicht mehr die einzige Frau in der WG ist; und Murat, der sich einfach keine Sorgen machen will und dessen Lebenslust auf die anderen mitreißend und manchmal auch enervierend wirkt. Constanze sorgt als Neuankömmling dafür, dass sich die bisherige Tektonik gehörig verschiebt. Alle vier haben ihre eigenen Träume und Sehnsüchte und müssen sich irgendwann der Frage stellen, ob sie eine reine Zweck-WG sind oder doch die Wahlfamilie.

In diesem virtuos komponierten, lebensklugen und humorvollen Roman kommen reihum vier grundverschiedene Menschen zu Wort, die jeweils auf ihre Weise ihre Lebensentwürfe neu justieren müssen.


 In Isabel Bogdans neuestem Roman Wohnverwandtschaften lernen wir vier ganz unterschiedliche Menschen kennen, die zusammen in einer WG leben. Gleich zu Beginn ihrer gemeinsamen Geschichte entwickeln sie eine besondere Beziehung zueinander, auch wenn die Neue in ihrer Runde, Constanze, gar nicht auf Dauer bleiben will. Sie zieht ein, weil sie sich Hals über Kopf von ihrem Freund getrennt hat und einen Platz zum Wohnen braucht. Doch schon bald wird sie Teil der besonderen Dynamik, die ihre Mitbewohner verbindet: Murat, der leidenschaftlich und köstlich kocht; Jörg, der sich auf eine große Reise vorbereitet; und Anke, die Schauspielerin, die kaum noch Angebote erhält und ein wenig eifersüchtig auf Constanze wird.


Die Beziehungen zwischen diesen Charakteren werfen wichtige Fragen über Freundschaft und familiäre Bindungen auf. Die Geschichte zeigt, wie sich Beziehungen in einem gemeinsamen Lebensumfeld entwickeln  und ob solche Verbindungen wie eine Wahlfamilie wirken können. 

Sie gehen so liebevoll und freundlich miteinander um, dass es mehr als herzerwärmend ist – ein Ausdruck, den ich zuvor noch nie für eine Geschichte verwendet habe. Auch wenn das Zusammenleben  schwieriger wird, weil einer von ihnen  Hilfe braucht, stehen sie füreinander ein.

Die Autorin hat einen ganz besonderen Schreibstil; sie ließ mich an den Gedanken und Gesprächen ihrer Figuren teilhaben. Die wechselnde Erzählperspektive hatte zudem einen großen Einfluss auf meine Wahrnehmung. Sie ermöglichte es mir, die verschiedenen Charaktere und deren innere Gedanken aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu sehen, was zu einer tiefen, emotionalen Verbindung führte. Die  Verbindung des Schreibstils mit der wunderbaren Geschichte macht Wohnverwandtschaften zu einem ganz besonderen Lesevergnügen. 

Fazit:
Isabel Bogdans Wohnverwandtschaften ist eine warmherzige Erzählung über Freundschaft und Zusammenhalt in einer WG – berührend und sehr lesenswert.


  • Herausgeber ‏ : ‎ Kiepenheuer&Witsch; 1. Edition (10. Oktober 2024)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 272 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3462004190
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3462004199

9 Fragen 1 Interview mit Jol Rosenberg


Hallo Jol, herzlich willkommen im Bücherhaus, mach es dir bequem, Kaffee, Tee und Kekse stehen bereit, bedien dich bitte.

Magst du dich für die Leserinnen und Leser, die dich vielleicht noch nicht kennen, kurz vorstellen, bitte?


(Bild mit freundlicher Genehmigung von Jol Rosenberg)


Ich bin Jol Rosenberg und schreibe charakterbetonte Science-Fiction. Ich beschäftige mich damit, wie zukünftige Techniken oder Entwicklungen einzelne Personen und Gesellschaften beeinflussen, und baue daraus spannende Geschichten. Außerdem betreibe ich einen queerfeministischen Buchblog mit SF-Schwerpunkt.




Fangen wir doch ganz harmlos an:


1. Welche Schullektüre hat dich begeistert oder wahlweise, welche fandest du besonders schrecklich?

Schullektüre … hmm. Ich erinnere mich daran, dass „Käuzchenkuhle“ mich berührt hat. Obwohl ich gar nicht mehr weiß, worum es darin ging, erinnere ich mich daran, dass es eine Szene im Wald gab, in der ich mich verstanden fühlte.

Oh, das kenne ich, ich habe auch schon viele Bücher gelesen, die mir immer noch positiv im Gedächtnis sind, obwohl ich keine Ahnung vom Inhalt mehr habe. 


2. Hast du eine*n Lieblingsautor*in?


Bislang mochte ich alles von Becky Chambers, auch wenn mich „To be taught, if fortunate“ nicht so vom Hocker gerissen hat wie die anderen Bücher. Ich bin absolut Fan der Murderbot-Serie von Martha Wells, konnte aber mit anderen Texten von ihr nichts anfangen. Ähnlich geht es mir mit Judith und Christian Vogt oder Lena Richter: Manches mochte ich sehr, anderes weniger. Ich bin wohl eher Fan von Texten als von Autor*innen.



3. Was hat dich dazu inspiriert, Schriftsteller*in zu werden, und welche Themen liegen dir besonders am Herzen?


Wie so vielen anderen ist mir das Schreiben passiert. Ich habe mir nie ausgewählt, dass ich das jetzt will, es überkam mich immer wieder. Thematisch sind mir Hoffnung und Utopien wichtig. Einfach weil ich ganz oft Bücher lese, die ich sprachlich enorm mag, deren Düsterkeit und Hoffnungslosigkeit mich aber sehr bedrücken. Da möchte ich gern ein Gegengewicht schaffen: sprachlich schöne Bücher mit viel Beziehung (und gern auch ein wenig Action), mit Figurenentwicklung und vor allem Hoffnung.


4. Kannst du uns einen Einblick in deinen Schreibprozess geben? Arbeitest du nach einem bestimmten Schema oder lässt du dich von deinen Ideen leiten?


Kein Schema. Wenn sich das einschleicht, versuche ich, mich davon frei zu machen. Ich beginne meist mit einer Szene, oft auch mit einer Figur. Und die lasse ich dann loslaufen, gedanklich oder schon schreibend, bis mir klar wird, worum es geht. Ganz viel davon muss ich später verwerfen, weil erst, wenn ich meine Figuren gut kenne, der eigentliche Text losgeht und ich plotten kann. Das Thema wird mir dann oft erst im Arbeiten klar und daraufhin überarbeite ich den Text dann, reichere ihn an und specke ihn an den Stellen ab, an denen ich ins Schwafeln gekommen bin. Ich probiere immer mal wieder aus, wie ich meinen Arbeitsprozess besser gestalten kann, aber letztlich ist es immer ein Ringen.



5. Wie entwickelst du deine Charaktere?


Die sind erstmal einfach da. Aber natürlich taugen sie dann nichts. Ich muss eine Weile mit ihnen leben, sie kennenlernen, sie in verschiedene Situationen schicken. Manchmal spaziere ich lange mit ihnen herum, bis sie mir genug verraten. Ich fertige Figurenbögen an, denke über sie nach, interviewe sie, spreche mit anderen darüber. Ich beleuchte sie kritisch auf Klischees und Ismen (und finde immer einige), überlege, ob die einen Sinn für den Text haben, oder bearbeitet werden können. Dann komme ich irgendwann an den Punkt, an dem ich denke: Die Figur ist rund. Fertig. Und natürlich verändert sie sich dann trotzdem weiter.


6. Welche Autor*innen oder Werke haben deinen Schreibstil und deine Themenwahl am meisten beeinflusst?


Das ändert sich immer mal wieder, je nachdem, welche Texte mich besonders berühren. Oft lese ich ja Texte zu Themen, die mich ohnehin interessieren. Die oben Genannten spielen da eine wichtige Rolle. Aber auch teilweise Filme: Etomi beispielsweise ist von „Logan’s Run“ inspiriert. Den habe ich als Kind gesehen („Flucht ins 23. Jahrhundert“) und dann dreißig Jahre lang verdaut. ;) Mein Roman biegt in eine völlig andere Richtung ab als der Film, aber die Grundidee, die ist von dort. Oft weiß ich das aber gar nicht mehr so genau, wo meine Ideen herkommen.


7. Inwiefern fließen deine Erfahrungen als Psychotherapeut*in in deine literarische Arbeit ein?


Ich glaube, dass es eher das gleiche Interesse ist, das zu beiden Berufen geführt hat: das Interesse für Menschen und Beziehungen, für das, was Menschen bewegt und trägt. Und vielleicht hat mich mein Beruf als Psychotherapeut*in eine gewisse Demut gelehrt, die auch in meine Texte einfließt. Aber möglicherweise wünsche ich mir das auch nur …



8. Du beschäftigst dich mit futuristischen Themen. Wie siehst die Zukunft der Menschheit, und welche Botschaften möchtest du durch deine Geschichten vermitteln?



Die Texte machen ja nicht immer, was ich möchte. Das finde ich ganz wichtig: dass sie lebendig sind und nicht pädagogisch. Aber wenn ich mir etwas wünschen darf, dann ist es, dass meine Texte Mut machen. Nicht zuckergussmäßig, sondern in der Auseinandersetzung mit Ängsten und Sorgen, in dem Vertrauen darauf, dass wir gemeinsam zurecht kommen können, mit dem, was geschehen muss. Auch im Hinblick auf den Klimawandel. Dass wir uns trauen, hinzusehen und daraus Änderungen abzuleiten, die möglichst viele Leute mitnehmen. Dass wir uns trauen, groß zu denken und all den tollen Ideen, die es ja bereits gibt, Raum zu geben.


9. Kannst du uns einen Ausblick auf kommende Projekte oder Bücher geben? Gibt es Themen oder Genres, die du noch erkunden möchtest?


Als nächstes kommt die von mir herausgegebene Anthologie „Psyche mit Zukunft“, die auf dem BuCon Premierenlesung hat. Das ist eine Sammlung von SF-Kurzgeschichten rund um das Thema psychische Gesundheit und Krankheit. Dann, vermutlich 2025, kommt der zweite Teil von „Das Geflecht“, ein Roman rund um die Frage, wie ein utopisches Leben gestaltet werden kann. Das ist gar nicht so leicht, denn natürlich haben die Beteiligten verschiedene Ideen dazu, was eigentlich utopisch ist.

Mit meinem Genre bin ich zufrieden, auch wenn ich mir wünsche, mehr Leser*innen jenseits des SF-Stammpublikums zu erreichen. Ich glaube, dass meine Texte dafür auch geeignet sind, solange Menschen Lust haben, sich auf einige phantastische Elemente einzulassen. Letztlich schreibe ich immer Beziehungsgeschichten.

Mein Herz schlägt für Roboter- und Androidenfiguren und ich träume davon, einer solchen Figur ein ganzes Romanprojekt zu widmen. Bislang ist aber keine Idee dazu rund genug, um wirklich in einen Roman zu fließen, sodass es zu dem Thema „nur“ eine Handvoll Kurzgeschichten gibt.

Das neue Buch wird am 19.10.2024 auf dem BuCon vorgestellt: 14:00 - 14:55 Uhr, Kegelbahn
Anthologie "Psyche mit Zukunft". Saskia Dreßler, Aiki Mira, Marie Meier, Nicole Hobusch, Jol Rosenberg. Lesung. Trigger: Mental-Health-Themen

Vielen Dank, dass du meine Fragen so geduldig beantwortet hast. Ich freue mich darauf, dich auf dem kommenden BuCon zu treffen.

Vielen Dank für das Interview. Ich freu mich auch!






Mittwoch, 9. Oktober 2024

Die vergessenen Kinder von Emily Gunnis

 

Klappentext: Sussex 1985: Holly Moore führt ein trostloses Leben im düsteren Waisenhaus Morgate. Für ein wenig Zuneigung würde die einsame Teenagerin alles tun. Als sie einem jungen Mann begegnet, der sich aufrichtig um sie zu sorgen scheint, keimt Hoffnung in ihr auf.

2015: Jo Hamilton blickt auf eine lange Karriere bei der Polizei zurück. Als die Leiche eines jungen Mädchens entdeckt wird, holt sie ein Cold Case wieder ein, der sie nie losgelassen hat: Handelt es sich bei dem Fund um Holly Moore, die damals spurlos verschwunden ist? Und was ist mit dem anderen Mädchen aus dem Waisenhaus, dessen Tod ebenfalls nicht aufgeklärt wurde? Im Zuge der Ermittlungen wird Jo klar, dass sie sich der furchtbaren Schuld stellen muss, die sie damals auf sich geladen hat.


Ich hatte zwar schon von Emily Gunnis gehört, aber bisher noch nichts von ihr gelesen. "Die vergessenen Kinder" hat mich jedoch sofort durch sein ansprechendes Cover und den vielversprechenden Klappentext angesprochen. Die Geschichte dreht sich um Jo Hamilton, eine Polizistin, die kurz vor ihrer Pensionierung nach 40 Jahren im Dienst steht. Nur noch fünf Tage bleiben ihr, bis sie in den wohlverdienten Ruhestand geht, als ein Leichenfund sie an den Beginn ihrer Laufbahn zurückführt.Jo hat all die Jahre nie vergessen, dass sie Holly und Daisy damals ins Waisenhaus gebracht hat, und sie ist nie darüber hinweggekommen, dass Holly spurlos verschwand. Jo beginnt auf eigene Faust zu ermitteln, gegen den Widerstand ihre direkten Vorgesetzten Carl, der sie aus dem Fall und aus dem Revier drängen will.


Jo wird als Anfängerin zu einem Einsatz wegen häuslicher Gewalt gerufen, der in einer Katastrophe endet. In diesem Vorfall kommen die Eltern von Holly und Daisy Moore ums Leben, und Jo bringt die beiden Mädchen ins Morgate House, ein Waisenhaus, in dem die Kinder unter der strengen Hand der Betreiber leiden.


Nach Holly verschwinden schien es, als würde niemand ernsthaft ermitteln, ebenso wenig wie in Gemmas Fall, die ebenfalls in Morgate House lebte , deren Tod als Selbstmord abgetan wurde. Emily Gunnis erzählt die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven und spannt einen Bogen bis ins Jahr 1944, als Jos Mutter Olive als Meldefahrerin für das Militär tätig war und sich in den Kanadier Samuel verliebte. Auch Olives Geschichte wird erzählt, ebenso wie die von Holly und ihrer Schwester Daisy sowie Jo und Gemma. Durch Rückblenden fügen sich die Ereignisse allmählich zu einem klareren Bild zusammen.


Leider hatte ich recht schnell einen Verdacht, wer hinter Hollys Mord und dem vermeintlichen Selbstmord steckt. Die Autorin vermittelt eindrucksvoll die Verhältnisse bei der Polizei zu einer Zeit, als es noch ungewöhnlich war, dass Frauen im Polizeidienst theoretisch die gleichen Rechte und Pflichten hatten. Auch das Leben der Kinder in Waisenhäusern wird eindringlich dargestellt; sie wurden oft abgeschoben und vergessen und waren Erwachsenen auf Gedeih und Verderb ausgeliefert.


Fazit:Emily Gunnis’ „Die vergessenen Kinder“ überzeugt mit einer vielschichtigen Handlung und einer eindringlichen Darstellung von Missständen in Waisenhäusern und der damaligen Polizeiarbeit. Die verschiedenen Zeitebenen und Perspektiven fügen sich gekonnt zu einem Gesamtbild zusammen, auch wenn sich die Auflösung des Falls teilweise früh erahnen lässt. Die emotional packende Geschichte bleibt durchweg spannend und berührt mit ihren starken Charakteren und der Auseinandersetzung mit vergangenen Schuldgefühlen.


  • Herausgeber ‏ : ‎ Heyne Verlag (11. September 2024)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 448 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3453274962
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3453274969
  • Originaltitel ‏ : ‎ The Girls Left Behind

Freitag, 4. Oktober 2024

Morgen war ein schöner Tag von Christian Eckl.

 


Politthriller und ich, sind bisher keine wirklichen Freunde, aber Satire mag ich sehr, dies war auch der Grund warum ich mich an Christian Eckls Roman »Morgen war ein schöner Tag« gewagt habe und ich wurde nicht enttäuscht.

„Morgen war ein schöner Tag“ entführt uns in ein alternatives Deutschland, das von der Wiedervereinigung und politischen Umbrüchen geprägt ist. Was, wenn man 30 Jahre Weltgeschichte unschuldig hinter Gittern verpasst und dennoch im Zentrum des Geschehens stand? Diese spannende Frage stellt der Roman, der nicht nur ein fesselnder Thriller, sondern auch eine Satire auf politische Machtspiele ist.

Der Protagonist Berthold Grün, 1989 durch eine politische Verschwörung inhaftiert, verbringt 30 Jahre im Gefängnis. Die kurzen, nach Datum strukturierten Kapitel machen das Buch angenehm lesbar. Nach seiner Entlassung trifft Berthold auf Lina, die ihm hilft, seinen Platz in der neuen Welt zu finden – eine berührende Wendung.

Der Roman zeichnet sich durch satirische Elemente aus, insbesondere in der Darstellung des russischen Präsidenten als früheren KGB-Agenten. Die teils humorvollen Protokolle des DDR-Politbüros setzen einen kritischen, satirischen Ton, der die düstere Thriller-Atmosphäre auflockert und die politischen Machtstrukturen hinterfragt.

Vergangenheit und Gegenwart verwebt der Autor geschickt: Während Berthold unschuldig für eine Mordserie verurteilt wird, steigt ein früherer KGB-Agent zur mächtigen Figur in Russland auf. Die Handlung reicht bis in die höchsten politischen Kreise, wobei die satirischen Elemente die kritische Auseinandersetzung mit internationalen Machtspielen verstärken.

Fazit: „Morgen war ein schöner Tag“ ist ein brillanter Polit-Thriller, der durch seine Kombination aus Verschwörungsgeschichte, Kriminalfall und politischer Satire überzeugt. Wer nicht nur Spannung, sondern auch scharfsinnige Kommentare zur deutschen und internationalen Politik schätzt, wird diesen Roman sehr mögen.


  • Herausgeber ‏ : ‎ Christian Eckl (Nova MD); Erstauflage (26. März 2024)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 340 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3989423991
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3989423992

Donnerstag, 3. Oktober 2024

Das Vermächtnis des schwarzen Katers: Eine Katernovelle von Constatin Dupien

 

»Ich halte den Atem an und lausche gebannt. Klackende Tatzen malträtieren die Bodendielen über mir. Die Vibrationen dringen bis in mein Innerstes.«

Cozy Horror trifft auf Schwarze Romantik. Inspiriert von der Kult-Erzählung The Black Cat (Der schwarze Kater) von Edgar Allan Poe.

Gefangen im Zyklus des schwarzen Katers.
In den düsteren Gassen erscheint der einäugige schwarze Kater Pluto wie ein Schatten, der das Unheil in sich trägt.
Er taucht überall dort auf, wo sich Verfall, Leid und Tod zu einer Abwärtsspirale der menschlichen Psyche vereinen.

Unter der Macht seines leuchtend blauen Auges werden Raum und Zeit bedeutungslos. Die Grenzen von Wirklichkeit und Wahnsinn verwischen.


Katzen – für manche sind sie treue Gefährten, für andere mysteriöse Unheilsbringer. Edgar Allan Poe hat einem solchen Kater in seiner Erzählung "Die schwarze Katze" ein literarisches Denkmal gesetzt. Die vorliegende Novelle, in mehreren Akten erzählt, ist eine Hommage an eben dieses Werk.


Die Geschichte beginnt mit einem Mann, der vor einer schwarzen Katze in den Keller des Hauses seines Großvaters flieht. Dort stößt er auf eine Mappe mit Notizen, in der Handschrift seines Großvaters. Diese Aufzeichnungen enthüllen die beunruhigende Präsenz eines einäugigen Katers, der das Schlimmste im Inneren der Menschen zum Vorschein bringt. Die Katze scheint nicht nur eine Kreatur des Unheils zu sein, sondern auch ein Spiegel, der den Menschen ihr wahres Ich vor Augen hält – ihr schlechtes Gewissen, ihre innersten Dämonen. Kein anderer „Gott“ ist in ihrer Welt neben diesem unheilvollen Wesen geduldet.

Die Frage nach Gut und Böse ist in dieser Novelle nicht leicht zu beantworten. Ist Pluto, der schwarze Kater, die Verkörperung des Bösen, besessen von Dämonen? Oder sind es die Menschen selbst, die durch ihre Taten die wahre Bedrohung darstellen? Immer wieder lässt der Blick aus dem leuchtend blauen Auge der Katze die Realität verschwimmen, während die Figuren sich im Angesicht ihrer eigenen Schuld und Verzweiflung offenbaren.

Die Novelle hat mir gut gefallen, vor allem aufgrund ihrer düsteren Atmosphäre und der tiefen psychologischen Ebenen. Jede Episode ist kurz, aber prägnant und lädt zum Nachdenken ein. Wer Geschichten mit einem Hauch von schwarzer Romantik und surrealem Horror schätzt, wird hier voll auf seine Kosten kommen.


  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 74 Seiten
  • ISBN-Quelle für Seitenzahl ‏ : ‎ B0DGYPNYZV