Mittwoch, 9. November 2022

Die Vögel singen weiter von Lea Söhner


Nun sitze ich selbst unter einer Buche. Nicht zum Sterben, sondern um die Sonne zu genießen, meine Leere zu erkunden und an dich zu denken. Vielleicht auch, um ein bisschen zu weinen. Ich will dir erzählen, von mir, von dir und Resümee ziehen aus unseren schwierig schönen gemeinsamen Jahren. Doch hier im Friedwald fallen mir vor allem Geschichten vom Sterben ein. Als ob die Seelen vorbeistreiften und mir einen Wink gäben. Als ob sie mir zärtlich zuflüsterten: „Erzähl auch von mir.“ Als ob sie mir Bilder schenkten von ihrem Leben, während sie noch bei uns waren. So entfaltet sich ein Kaleidoskop aus immer neuen Bildern von Menschen, die ihren Weg zu Ende gegangen sind. Wie einzelne Perlen in den Farben von Reue, Versöhnung, Liebe und Schuld flechten sich die Erzählungen in unsere gemeinsame Geschichte ein und hinterlassen mich mit Stille und Zuversicht.


Geschichten über das Sterben zu lesen ist für mich, wenn es sich nicht gerade um Krimis oder Thriller handelt eher ungewöhnlich. Der Titel und das Cover aber sprachen mich an und ich dachte mir: Wenn es zu traurig, rührselig oder religiös wird, kann ich es immer noch abbrechen.

Da ihr diese Rezension 
lesen könnt, habe ich es nicht abgebrochen.

Eine Frau sitzt unter einem Baum in einem Friedwald und trauert um ihren Mann, mit dem sie eine lange von Höhen und Tiefen geprägte Ehe führte, sie erzählt von dem Schmerz, den sie empfand, als er starb und sie allein zurückbleiben musste, aber auch davon, dass sie nun frei sei, ein neues Leben beginnen zu können. Und sie erzählt ihm Geschichten vom Sterben anderer Menschen, denn die sind es, die ihr in dem Friedwald einfallen. Vor allem von den Menschen, die im Krieg oder danach starben. Sie erzählt von Gertrud, die als Krankenschwester ihren Dienst an der Front tut, in Blut und Eingeweiden, in Schmerz und Leid versinkt und niemals aufgibt, erst als ein Mann sie enttäuscht und sie das gemeinsame Kind abtreiben lässt, beginnt etwas in ihr zu zerbrechen, Stück für Stück, bis von der Gertrud die enthusiastisch in den Krieg zog, nichts mehr übrig blieb. Erst als sie wieder zu Hause eine Ausbildung zur Hebamme macht, heilt ihre Seele, ein Happy End aber nimmt auch diese Geschichte nicht.

Ich könnte euch jetzt von jeder der Geschichten erzählen, worum es geht, aber das werde ich nicht tun, ich versuche euch lieber zu erzählen, was ich gefühlt habe, als ich diese Geschichten las:

Trauer, Mitgefühl und manchmal auch den Schmerz, den die Hinterbliebenen fühlten, besonders Heinrichs Mutter, deren Söhne im Krieg fielen, muss sehr unter ihrem Verlust leiden, sprechen kann sie darüber nicht, denn andere haben ja noch "viel mehr verloren".

Zwischen all diesen Geschichten über den Tod, erfahren wir mehr über die Erzählerin und ihrer Beziehung zu ihrem verstorbenen Mann. Und das ist es, was dieses Büchlein so besonders macht, denn dieses Kennenlernen der Erzählerin, so nenne ich das einmal, lässt uns erleben, dass Trauer nichts Schlimmes ist, wir sollten sie zulassen, weinen und schreien, reden und schweigen, all das gehört zur Trauer dazu und nur so können wir den Verlust eines geliebten Menschen verarbeiten.

Die Vögel singen weiter von Lea Söhner hat mich nicht traurig zurückgelassen, sondern mit einem guten Gefühl, wie ich das genau benennen soll, weiß ich allerdings nicht. Jetzt kommt die Zeit, in der traditionsgemäß in Deutschland den Toten gedacht wird. Die Natur macht eine Pause und der Mensch findet vielleicht die Zeit einmal innezuhalten und zurückzublicken, auf die, die vor uns da waren, um dann mit den bald wieder helleren Tagen auch wieder nach vorn zu auf die, die noch da sind und die, die kommen werden. 

Das nehme ich aus diesem Buch mit.

  • Herausgeber ‏ : ‎ tredition (21. September 2022)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 156 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3347668995
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3347668997




Samstag, 5. November 2022

Projekt DreamWalker Die Schatten von Christoph Zachariae


Dr. Jakob Lem ist  Klarträumer, das heißt, er ist sich bewusst zu träumen und er ist in der Lage in seinen Träumen bewusst zu handeln, diese Fähigkeit will der Traumforscher nutzen, um Komapatienten in ihren Träumen aufzusuchen und sie zum Aufwachen zu bewegen. Jakobs Tochter Isabella hat es als Autistin nicht leicht, sie meidet Menschen, denn soziale Kontakte sind schwierig, für das hochsensible Mädchen, selbst zu ihrer Mutter Maude kann sie keine Bindung aufbauen. Maude versucht, in ihren Träumen mit Isa in Kontakt zu kommen, denn ihren Träumen ist Isa, frei und voller Selbstbewusstsein und sie kann ihre Gefühle ausdrücken, doch der Versuch scheitert an Maudes Unvermögen in die Enge der Schlafkapseln zu ertragen. 

Jakob beginnt Isa zu einer Dreamwalkerin auszubilden, in ihren gemeinsamen Träumen stärken sie ihre Verbindung zueinander, als Jakob selbst ins Koma fällt, macht sich Isa in der Traumwelt auf den Weg ihren Vater zu finden und zu retten.

Traumforschung, Lucide Träume, Oneironauten (Menschen, die ihre Träume gezielt beeinflussen können), das klang nach einem interessanten Thema, über das ich schon in der einen oder anderen Fantasygeschichte lesen durfte, bis dahin war mir nicht bewusst, dass auf diesem Gebiet schon seit längerem geforscht wird und da ich bisher nur Gutes über Christoph Zachariae neustes Buch
Projekt DreamWalker gehört hatte, lag es nah, es auch zu lesen, weil es sich genau mit diesem Thema beschäftigt.
Und ich wurde nicht enttäuscht, sowohl der Schreibstil des Autors als auch die Story haben mich vollends überzeugt.
Isa ist kein leichter Charakter, ihr Autismus macht ihr und ihrem Umfeld das Leben schwer, sie zu mögen ist zu Beginn nicht einfach, doch je näher ich sie kennenlernte, desto mehr schloss ich sie ins Herz. 
Die Beschreibungen der Traumwelt haben mir besonders gut gefallen, denn ich konnte mir alles sehr gut vorstellen, der Autor hat ein Händchen dafür geschriebene Worte in Bilder zu verwandeln, aber er  hat auch einen gewissen Sinn für Humor, der mir sehr gut gefällt, da er meinem eigenen nah zu sein scheint, die eine oder andere Formulierung ließ mich gleich zu Beginn schmunzeln. Nicht falsch verstehen, das Buch ist keine *lustige Fantasygeschichte,* sie ist herausfordernd und nichts für Leserinnen und Leser, die nur schnell unterhalten werden wollen, um gleich nach dem Lesen zum nächsten Buch zu greifen.  Das nächste Buch, zu dem ich greifen wollte, war der zweite Teil der Trilogie, aber da muss ich mich wohl noch etwas gedulden.
Eine Besonderheit, sind die Illustrationen, die jedem Kapitel vorangestellt sind, sie verraten nicht nur aus wessen Sicht die Geschichte gerade erzählt wird, sondern auch, ob derjenige gerade träumt oder sich in der Realität befindet. Wie? Das müsst ihr schon selbst herausfinden. Vielleicht verrät es euch ja jemand in seinen Träumen.

Mein Fazit: Ein sehr gelungener Auftakt zu einer Trilogie, ich freue mich schon auf die nächsten Bände.

  • ASIN ‏ : ‎ B09NRJT9S8
  • Herausgeber ‏ : ‎ Independently published (23. Dezember 2021)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 454 Seiten
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 979-8788316659



Mittwoch, 2. November 2022

Adler, Weibliche Kriminalpolizei, Berlin: Verdunklung 1940 von Stephan Weichert

 



Klappentext:

Berlin 1940: Alliierte Luftangriffe treffen die Reichshauptstadt, es herrscht Verdunkelung bis zum Morgengrauen. Die Männer sind an der Front, während die Frauen die Betriebe am Laufen halten, oft bis spät in die Nacht. Doch ihr Weg nach Hause wird zur Gefahr: in den dunklen S-Bahnzügen Berlins treibt ein Serienmörder sein Unwesen. Um dem Täter auf die Spur zu kommen, setzt die Polizei auf die Abteilung der weiblichen Kriminalpolizei. Kriminalassistentin Luise Adler soll den attraktiven Lockvogel spielen, doch kommt man bei den Ermittlungen nicht wie gewünscht voran. Fadenscheinig wittert der politische Apparat einen Komplott von Staatsfeinden und schnell wird klar: Es geht nicht mehr um den Fall, sondern um planmäßige Demütigung und Vernichtung all derer, die nicht ins Weltbild der Nationalsozialisten passen.





    Krimis, die kurz nach dem 2. Weltkrieg spielen, gibt es viele, Krimis, deren Handlung mitten drin angesiedelt ist, sind mir bisher wenige untergekommen. Umso gespannter war ich auf

    Adler, weiblichen Kriminalpolizei, Berlin.

    Die Straßen in Berlin sind dunkel im Jahr 1940, die Alliierten sollen ihre Ziele zum Bombardieren in der Nacht nicht ohne weiteres finden, was den Alliierten das Leben schwer macht, erleichtert einem Serienvergewaltiger sein grausames Tun.
    Als es ein erstes Todesopfer gibt, gründen Kriminalrat Lüdke und Grete Hartmann, Leiterin der weiblichen Kriminalpolizei, die Sonderkommission Quadriga.

    Die junge Kriminalassistentin Luise Adler wird als Lockvogel eingesetzt und um ihr die Aufgabe schmackhaft zu machen, bekommt sie im Gegenzug die Beförderung zur Kommissarin.

    Gemeinsam mit der Sicherheitspolizei will man dem Vergewaltiger und Mörder auf die Spur kommen, doch während die Kriminalpolizei in alle Richtungen ermittelt, wie es so schön heißt, hat sich die Sicherheitspolizei unter der Leitung von Kurt Eugen Görnitz schon längst darauf eingeschossen, dass es sich bei dem Täter um einen Staatsfeind handeln muss und agiert dementsprechend.

    Neben der verzweifelten Suche nach dem Täter, lenkt der Autor den Blick der Leserinnen und Lesern auf das, was während der NS-Zeit noch an Grausamkeiten geschah, die Zustände im Kinderheim "Knabenrettungsheim", die jedem, der sich auch nur einen Hauch von Menschlichkeit bewahrt hat, den Magen umdrehen, sind ebenso Thema wie geplante Anschläge auf das Regime. Immer wieder sind Zitate von Himmler, Goebbels oder Hitlers eingestreut, die zum Inhalt passen und das menschenverachtende Gedankengut der damaligen Machthaber widerspiegelt.

    Ich mochte an dem Buch, dass der Autor Stephan Weichert augenscheinlich gut recherchiert hat, er hat Fiktion und Wirklichkeit gut miteinander verwoben. Nicht so gut gefallen hat mir, dass die Hauptprotagonistin und ihr Kollege Zach ihre privaten und beruflichen Probleme mit Drogen und Alkohol bekämpfen.

    Der Auftakt der Reihe spiegelt die Zeit, in der sie spielt, gut wider, der Autor lässt seine Leserinnen und Leser einen Blick zurück werfen in die Abgründe der NS-Diktatur, aber natürlich auch in die Anfänge der Gleichberechtigung von Frauen im Polizeiapparat, auch wenn es bis dahin noch ein weiter Weg ist. Ich bin gespannt, wie die Reihe weitergeht.

  • Herausgeber ‏ : ‎ edition krimi; 1. Edition (19. September 2022)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 330 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3948972877
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3948972875

Dienstag, 1. November 2022

Liebe ist gewaltig von Claudia Schuhmacher

Juli wächst in einer Vorzeigefamilie auf: Die Eltern sind Rechtsanwälte, sie ist Klassenbeste. Doch in der Kleinstadtvilla herrscht das Grauen. Der Vater drillt die Kinder auf Leistung, prügelt sie und seine Frau. Juli wird älter, fordert ein Ende der Gewalt, deren Realität von der Mutter vehement abgestritten wird. Einzig ihre Geschwister und eine Maus geben Halt. Doch wie kann man sich befreien, wenn man weder den Eltern noch den eigenen Erinnerungen traut? Die Befreiung gerät zum Feldzug – gegen die Eltern und das eigene Ich. Drei Jahrzehnte folgen wir Juli, die mit aller Macht versucht, die Deutungshoheit über ihr Leben zu erlangen. Ein eindringlicher Roman über Verletzungen und eine mögliche Heilung, voller Originalität und Wärme.

Für diesen Roman die passenden Worte zu finden, ohne in Plattitüden zu verfallen, fällt mir unheimlich schwer.

Juli wächst in einer Vorzeigefamilie auf, die Eltern Anwälte, ein schönes gepflegtes Zuhause, drei Geschwister. In der Schule und im Sport läuft es für das Mädchen bestens, das Leben könnte für alle eitler Sonnenschein sein. Doch das ist es nicht, der Vater ist ein brutaler, sadistischer Schläger, der sowohl seine Frau als auch seine Kinder psychisch und physisches misshandelt, sie wissen nie, wann und warum er ein weiteres Mal über sie herfällt und ob sie die Schläge überleben. Julis Mutter streitet ab, dass die Kinder vom Vater misshandelt wurden, schließlich sei sie es gewesen, die sein Opfer war, sie verlangt von den Kindern, dass sie schweigen und besticht sie mit Geschenken und Kuchen.

Juli beginnt ein Studium in Berlin und flüchtet sich in Drogen, Alkohol und immer neuen Beziehungen, sie kann sich zwar räumlich von den Eltern trennen, emotional gelingt es ihr nicht sich zu lösen.

Ich habe mitgelitten, mit dem Kind und der jungen Frau, zu der sie sich entwickelt hat.

Dieser Roman ruft den Leserinnen und Lesern eindringlich ins Bewusstsein, welche Gewalt hinter vielen gutbürgerlichen Fassaden herrscht, entgegen der landläufigen Meinung zieht sich das Problem durch alle Gesellschaftsschichten und beschränkt sich nicht nur auf Menschen, die am unteren Rande der Gesellschaft leben müssen. 
Wer nicht selbst betroffen ist, kann sicher nicht verstehen, warum sich die Opfer der Gewalt nicht wehren, warum sie nicht gehen. Ich kann das auch nicht, ich kann nur mutmaßen, dass es sowohl finanzielle Gründe als auch emotionale hat, der Wunsch dem Täter zu gefallen und die Hoffnung, die daraus resultiert, dass vielleicht doch noch alles gut wird.

Juli ist als Charakter schwierig gezeichnet, ich konnte ihre Handlungen nicht immer nachvollziehen, auch wenn ich verstand, welcher Schaden in ihrer Seele über die Jahre der Misshandlungen entstanden sein muss, was sicherlich so manches erklärt.
Dabei schafft die Autorin eine gewisse Distanz zum Geschehen zu wahren, das ist der Sprache geschuldet, die sie ihrer Protagonistin gibt, sarkastisch und mit manchmal bissigem Humor wehrt sich Juli gegen ihren Vater und entkommt ihm doch nicht.

Ich kann dem Buch mit meinen Worten nicht gerecht werden. Das Buch muss gelesen werden, um die Gefühle nachvollziehen zu können, die ich beim Lesen entwickelte: Wut, Trauer und Hoffnung wechselten sich ab und am Ende, soviel kann ich euch verraten, siegte die Hoffnung.

Über die Autorin:

Claudia Schumacher, 1986 in Tübingen geboren, verbrachte ihre Jugend im Stuttgarter Speckgürtel. Nach dem Studium in Berlin folgten sieben Jahre in Zürich, wo sie als Journalistin und Kolumnistin arbeitete, Redakteurin bei der ›NZZ am Sonntag‹ war. Heute lebt die Autorin in Hamburg und schreibt unter anderem für ›DIE ZEIT‹.

  • Herausgeber ‏ : ‎ dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG; 4. Edition (18. Mai 2022)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 376 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3423290153
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3423290159

 




Die Wintergarten-Frauen. Der Traum beginnt: Roman (Die Wintergarten-Saga, Band 1) Charlotte Roth

 


Der Start der großen Wintergarten-Trilogie um drei Frauen und ihre Lebensträume im Paperback von der Bestseller-Autorin Charlotte Roth

Berlin in den 20er Jahren. Musik, Tanz, Zauberei, Tierdressuren, Akrobatik, Kabarett – Berlins ‚Wintergarten‘ bietet alles, was das Herz begehrt, und so manches, was anderswo undenkbar wäre. Auch die junge Nina von Veltheim ist von Anfang an fasziniert von dem Varieté. Ganz unscheinbar und auf Fotos diejenige, die man gerne mal übersieht – so wirkt sie auf den ersten Blick - aber nur, solange sie stillsteht. Sobald sie in Bewegung gerät, ist sie ein Vulkan, das sagt nicht nur ihr Zwillingsbruder Carlo, und wer sie einmal von ihrer Begeisterung für die Bühne hat sprechen hören, der vergisst sie nie wieder. So ist es denn auch kein Wunder, dass es sie aus der Uckermark ins brodelnde Berlin zieht, wo sie sich ihren Traum vom Theater erfüllen will. Doch anders als viele andere junge Frauen will sie nicht auf den Brettern stehen, die die Welt bedeuten: Sie will ganz nach oben – an die Schalthebel von Theater und Film, an denen Männer sitzen.

Ihr Weg wird nicht leicht sein – und gäbe es nicht ihre Freundinnen Jenny und Sonia, die genau wie sie das berühmte Varieté „Wintergarten“ zu ihrem Zuhause machen, könnte sie manches Mal verzweifeln.


Der erste Band der Trilogie beginnt der Nachricht, vom Tod des Freiherrn von Veltheim, dem Vater von Nina und Carlo, besonders Nina leidet unter dem Verlust des Vaters, dessen Liebling sie immer war. Doch es bleibt nicht viel Zeit zum Trauern, die Familie muss alles daran setzten, das Gut in der Uckermark zu erhalten. Auch Nina will ihren Traum von einer Karriere am Theater begraben, um ihren Teil beizutragen, doch da hat sie die Rechnung ohne ihre Familie gemacht. Allen voran Carlo ihr Zwillingsbruder, der es nicht ertragen könnte, seine Schwester unglücklich zu sehen, schickt die Familie die junge Frau nach Berlin, wo sie sich um eine Anstellung an einem der Theater bemühen soll.

Der Weg dahin ist steinig, abseits vom Glamour und der allgemeinen Aufbruchsstimmung der goldenen zwanziger Jahre, bestimmen Existenzängste das Leben der Menschen. Nina erlebt einige Rückschläge bis sie endlich eine Stelle als Regieassistentin ergattern kann, doch sie scheitert, aber Aufgeben ist keine Option und gemeinsam mit ihren Freundinnen Jenny und Sonia kämpft sie weiter um ihren Traum.

Ich mochte den ersten Band um die Frauen vom Wintergarten, die Autorin hat es geschafft das Lebensgefühl der 20er Jahre einzufangen, die Veränderungen in der Politik zwischen den beiden Weltkriegen und die Veränderungen im Denken der Menschen, von denen manche nicht wahrhaben, wollen das die Welt sich verändert und an ihrem Weltbild festhalten wollen, sie sind es die Nina und ihren Freundinnen im Weg stehen. Ich war begeistert davon, dass die Frauen sich ihre Träume nicht nehmen ließen. 
Manche Passagen waren ein klein wenig langatmig und ausschweifend erzählt, das passte für mich nicht so ganz zu den quirligen Zeiten. 

Aber alles in allem ist der 1. Band der Wintergarten-Saga durchaus lesenswert und ich bin gespannt wie es weitergeht.


  • Herausgeber ‏ : ‎ Droemer TB; 1. Edition (2. November 2022)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Broschiert ‏ : ‎ 400 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3426308843
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3426308844