Freitag, 6. Juni 2025

Shevon: Die Flüchtlings-Chroniken I (Die Flüchtlingschroniken 1) von Michael Knabe


Klappentext: Regul beugte sich vor, bis sein Gesicht nur eine Handbreit von Shevons entfernt war. Sein Lächeln grenzte an Koketterie. „Ich werde dir jeden einzelnen Tag zur Hölle machen.“ Binnen weniger Tage bricht Shevons privilegiertes Leben in sich zusammen. Seine Heimatstadt wird zerstört und seine Familie ermordet. Auch ein ehemaliger Ziehbruder hat noch eine Rechnung offen und plant, ihn zu töten. Will Shevon der Rache entkommen, muss er sich seinem Todfeind stellen – und einer alten Schuld.



Im Mittelpunkt dieses ersten Bandes stehen Shevon, der Sohn einer wohlhabenden Familie in der Hauptstadt Raydur und Regul dem Sohn des Staatsfeindes Nuridor al Gired. Seine Familie gehört zu den einflussreichsten der Stadt. Sein Vater, der Senator Cadron al Yantor, hat nach dem Sieg über seinen Erzfeind Nuridor al Gired, einen Staatsfeind, dessen Sohn Regul als Geisel beziehungsweise Ziehsohn aufgenommen. Dieser soll mit Shevon aufwachsen und lernen, dass es auch ein anderes Leben gibt. Doch Regul ist der geborene Sadist. Jahre später kehrt al Gired aus der Verbannung zurück und greift nach der Macht. Er besiegt die Yantors und tötet Shevons Familie. Nach der Zerstörung seiner Heimat und dem Verlust seiner Familie ist Shevon gezwungen, sich als Flüchtling in einer zersplitterten Inselwelt zurechtzufinden. Der Autor konzentriert sich dabei weniger auf heroische Taten, sondern vielmehr auf die innere Entwicklung und die Herausforderungen, mit denen Shevon konfrontiert wird.

Michael Knabe hat die Welt in der seine Geschichte spielt detailliert ausgearbeitet.  Sie erinnert mich sehr an das Römische oder Griechische Reich, das beginnt schon mit der beschriebenen Kleidung und der Lebensart. Das ist in der Fantasywelt eher selten, denn die Romane sind sonst meist mittelalterlich angehaucht. Knabe legt Wert auf Grautöne statt auf klare Gegensätze, was der Geschichte eine gewisse Tiefe verleiht. Die politischen und gesellschaftlichen Strukturen sind nachvollziehbar dargestellt und wirken wirklich glaubwürdig.

Zentrale Themen der Story sind Flucht, Verlust und Identitätssuche. Knabe nähert sich diesen Themen ruhig und ohne Pathos. Seine Protagonisten handeln nachvollziehbar. Trotz der eher ruhigen Art zu erzählen spart Michael Knabe auch nicht an brutalen und blutigen Szenen. Das hat mich dann doch etwas überrascht. Fantasy-Elemente treten in den Hintergrund, stattdessen stehen zwischenmenschliche Beziehungen und die Anpassung an neue Lebensumstände im Vordergrund.
Shevon muss sich in seine neue Rolle als Flüchtling erst noch einfinden, schließlich ist er äußerst privilegiert, umgeben von Sklaven, die ihm jeden Handgriff abnahmen, aufgewachsen. Shevons Darstellung hat mir sehr gut gefallen, er wuchs mir im Laufe der Geschichte mehr und mehr ans Herz und je mehr ich ihn mochte, desto mehr verabscheute ich Regul, der sich schon früh als Sadist entpuppte, der nicht nur Tiere quälte sondern auch vor wehrlosen Menschen nicht halt machte.

„Shevon – Die Flüchtlings-Chroniken I“ ist ein ruhiger, unaufgeregter Einstieg in eine Fantasyreihe, die weniger auf große Effekte setzt, sondern auf die leisen Töne und die Entwicklung ihrer Hauptfigur. Wer Interesse an gesellschaftlich relevanten Themen in einem fantastischen Setting hat, könnte hier fündig werden. Ich mochte auch, dass der Autor in diesem ersten Band der Reihe die Personen und die Landschaft recht gut beschrieb, sodass ich mir ein gutes Bild machen konnte.


Herausgeber ‏ : ‎ Hybrid Verlag; 1. Edition (13. November 2019)
Sprache ‏ : ‎ Deutsch
Broschiert ‏ : ‎ 344 Seiten
ISBN-10 ‏ : ‎ 3946820972
ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3946820970

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