Ich und Gartenarbeit, das könnte man auch kurz mit den Worten "Zwei Welten kollidieren" beschreiben, ich mag Gärten, ich liebe Blumen, ich mag selbst gezogenes Gemüse aus anderer Leute Gärten, was ich nicht, mag ist eben diese stundenlange Gartenarbeit um ein ansehnliches Ergebnis zu erzielen. Um so interessanter ist es, für mich vom Erfolg oder auch vom Scheitern von Gartenbegeisterten Menschen zu lesen und als Krimileserin habe ich dann mit großer Vorfreude zu "Keine Zeit der Garten ruft" gegriffen, denn es geht zu einem großen Teil um Giftpflanzen, ein äußerst interessantes Thema, man weiß ja nie, wozu man dieses Wissen mal benötigt. Wer weiß schon die Petersilie giftig ist oder auch Kartoffeln? Gut, das wusste ich schon, Krimis und so, ihr wisst schon. Ich habe allerdings auch viel Neues gelernt, dass sich manche Pflanzen untereinander nicht vertragen, z. B. andere dagegen immer wieder die Nähe anderer Pflanzen suchen. In meinem Minigärtchen gilt die Devise: Wachs oder stirb, in dem der Autorin Klaudia Blasl, werden sie gehegt und gepflegt, umgesetzt, gegen Wind und zu viel Sonne geschützt und natürlich werden sie jeden Morgen von Schnecken befreit, Schnecken mag ich persönlich noch weniger als Gartenarbeit. Und doch blühen auch ihre Pflanzen nicht nach ihrer Pfeife und das, obwohl sie auch schon mal in einem zum Hochbeet umgebauten Jugendstilschrank aufwachsen dürfen, ganz schön undankbar, die Pflanzenwelt.
Was ich an diesem Buch besonders schätze: Es ist kein klassischer Gartenratgeber, Klaudia Blasl erzählt vielmehr sehr persönlich und humorvoll von ihren eigenen Gartenabenteuern – mit all den kleinen Katastrophen, überraschenden Erkenntnissen und der immer wiederkehrenden Erkenntnis, dass Pflanzen eben doch ihre ganz eigenen Regeln haben, dabei wird sie immer liebevoll von ihrem Mann unterstützt, der dann eben auch mal einen Schrank opfert.
Das Buch ist nicht streng nach Pflanzenarten oder Jahreszeiten gegliedert, sondern folgt dem ganz eigenen Rhythmus der Autorin. Zum Beispiel, warum Tulpen mal als Spekulationsobjekt gehandelt wurden, dass Maiglöckchen gern mit Bärlauch verwechselt werden und dass im Klostergarten nicht nur Kräuter für den Magen, sondern auch der tödliche Schierling gezogen wurde – für den Fall der Fälle, nehme ich an. Die Pflanzen im Buch sind übrigens keine stummen Statisten. Sie haben Charakter, sind manchmal zickig, manchmal verschmust, und gelegentlich auch echte Dramaqueens und sie reden, manchmal quasseln sie auch, wie die Bohnenranke. Blasl beschreibt sie sehr liebevoll und menschlich.
Wer jetzt denkt, das Buch sei nur was für eingefleischte Gartenprofis, liegt falsch. Es eignet sich wunderbar für alle, die gern Geschichten lesen, lachen und dabei noch ein bisschen klüger über Pflanzenwissen werden wollen – ganz ohne Spaten in der Hand.
Mein Fazit: "Keine Zeit, der Garten ruft" ist wie ein Nachmittag im Garten mit einer guten Freundin – voller Geschichten, Humor, kleinen Pannen und jeder Menge überraschender Erkenntnisse.
- Herausgeber : Knaur HC
- Erscheinungstermin : 3. Februar 2025
- Auflage : 2.
- Sprache : Deutsch
- Seitenzahl der Print-Ausgabe : 272 Seiten
- ISBN-10 : 3426560313
- ISBN-13 : 978-3426560310

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