Dieser Roman hat mich von Anfang bis Ende gefesselt. Maria Borchardt steht vor den Trümmern ihres Lebens, und doch findet sie die unerschütterliche Kraft für einen Neuanfang, der ihr letztlich mehr beschert, als sie je für möglich gehalten hätte.
Seit jenem schrecklichen Weihnachten im Jahr 1976 ist Maria nicht mehr dieselbe Frau. Der Moment, als die Polizei an ihrer Tür klopfte und der Staatsanwalt den Durchsuchungsbeschluss vorlegte, markierte einen tiefen Einschnitt in ihrem Leben. Die Enthüllung, dass ihr Mann Hanns Borchardt in betrügerische Machenschaften verwickelt war, erschütterte ihre Welt. Doch Maria hat keine Zeit, sich selbst zu bemitleiden. Sie muss aus eigener Kraft ihr Leben neu aufbauen, und sie ist nicht allein.
Klaus Schröder, der Familienanwalt, war schon immer an ihrer Seite, und auch jetzt tut er alles, um ihr zu helfen. Ihre Tochter Hanna geht indessen ihren eigenen ungewöhnlichen Weg, indem sie sich als Regisseurin von Aufklärungsfilmen versucht. Ihr Sohn Holger gerät immer tiefer in die Fänge der RAF. Währenddessen sucht die Clubbesitzerin Lea Stern in Israel nach Antworten.
Dieser zweite Band der Diologie umfasst beeindruckende 480 Seiten, auf denen so viel passiert, dass eigentlich genug Stoff für mindestens ein weiteres Buch vorhanden wäre. Caren Benedikt lässt die 70er Jahre aufleben und gewährt ihren Leserinnen und Lesern einen faszinierenden Einblick in diese Zeit der sexuellen Aufklärung, der Emanzipation der Frauen und der RAF. Ich persönlich erinnere mich noch an Fahndungsfotos der Baader-Meinhof-Bande, aber nicht an den Schrecken, den sie verbreiteten.
Besonders beeindruckend fand ich die Art und Weise, wie die Frauen der Familie ihr Schicksal in die eigenen Hände nehmen. Sie vermeiden es, sich erneut in Abhängigkeiten zu begeben, und gehen unkonventionelle Wege. Manchmal ging mir die Handlung zwar etwas zu schnell voran, bedenkt man, dass das Buch nur 480 Seiten hat. Ich hätte gerne noch länger an ihrer Seite verweilt.
Besonders mochte ich die Entwicklung, die Maria durchgemacht hat. Von einem verwöhnten und gleichzeitig unterdrückten Luxusweibchen wandelt sie sich zu einer aufstrebenden Geschäftsfrau, die auch privat auf ihre Bedürfnisse achtet. Ihre Kinder Hanna und Holger hingegen sind Kinder ihrer Zeit, sie werden mit den sich ändernden gesellschaftlichen Normen erwachsen.
Insgesamt hat mir dieses Buch sehr gut gefallen, genauso wie der erste Teil. Die Autorin Caren Benedikt hat in ihrem Nachwort viele Einblicke in ihre Recherchearbeit gegeben, was äußerst spannend war und die Neugier geweckt hat, sich noch mehr über die 70er Jahre zu informieren. Diese Zeit war nicht nur bunt und schrill, sondern auch voller Umbrüche und persönlicher Entwicklungen. »Club Paradies Im Licht der Freiheit« ist ein Roman, der mich tief berührt und nachdenklich gestimmt hat. Ich vergebe gerne eine Leseempfehlung.
- Herausgeber : Blanvalet Verlag; Originalausgabe Edition (13. September 2023)
- Sprache : Deutsch
- Broschiert : 480 Seiten
- ISBN-10 : 376450773X
- ISBN-13 : 978-3764507732

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