Dienstag, 29. August 2023

Schlachtensee Stories von Helene Hegemann

Klappentext:

Helene Hegemann sprengt mit luzidem Blick und großer sprachlicher Wucht sämtliche Kategorien, über die wir die Gegenwart zu begreifen versuchen.

Ein Pfau wird mit einem Golfschläger getötet und entlarvt die Doppelmoral der amerikanischen Kulturelite. Eine junge Frau will zu ihren Eltern in die österreichische Provinz fahren und verpasst immer wieder ihre Station. Ein Bad in der Wolga markiert das Ende einer zerstörerischen Beziehung. Ein Junge verliebt sich in einen anderen, während sie von fünfzig Wildschweinen umzingelt werden. Eine Snowboarderin wacht unter einer Schneedecke auf.

Es sind versehrte, kraftvolle Figuren, die Helene Hegemann durch das Buch und eine Welt wandern lässt, in der Gewalt am gefährlichsten ist, wenn sie unterdrückt werden soll, in der das Abarbeiten an Widersprüchen schmerzhaft, aber auch ein großes Vergnügen sein kann. Nach und nach setzt sich ein perfide konstruiertes Psychogramm unserer Gesellschaft zusammen, das verstörend und beglückend zugleich ist.


Helene Hegemanns Storiesammlung "Schlachtensee" ist zweifellos ein Werk, das einen nicht kaltlässt. Selten hat mich ein Buch so ratlos zurückgelassen, und dennoch kann ich nicht leugnen, dass es einen faszinierenden Einblick in die Gedankenwelt der Autorin gewährt. In den meisten Geschichten gelang es mir allerdings nicht, die Botschaften und Intentionen von Helene Hegemann zu erfassen und zu schätzen. Doch wie in jeder Sammlung gibt es Ausnahmen,  - wie beispielsweise die im Klappentext erwähnte "Pfauengeschichte". 

Die Vielfalt der Erzählungen ist beeindruckend, aber sie birgt auch ihre Herausforderungen. Der Schreibstil von Helene Hegemann ist mitunter fordernd und erfordert eine aufmerksame Lesehaltung. Dies ist jedoch gleichzeitig ein Schlüsselelement, das das Buch zu einem lohnenden Abenteuer macht. Ohne diese bewusst gewählte Schwierigkeit hätte ich das Buch vielleicht nicht bis zum Ende gelesen. Die Art und Weise, wie die Autorin mit Sprache spielt, Gedanken jongliert und Emotionen in vielschichtigen Nuancen einfängt ist durchaus beeindruckend.
Doch zurück zu den Ausnahmen - Geschichten wie die mysteriöse "Pfauengeschichte" lassen Raum für Interpretationen, ohne klare Anhaltspunkte zu bieten. Während diese und andere ähnliche Erzählungen zweifellos den Raum für persönliche Reflexion erweitern, könnten sie auch dazu führen, dass sich manche Leser verloren fühlen und nach einem stärkeren roten Faden suchen. Diese Geschichten hinterlassen ein Gefühl der Unvollständigkeit, das den Gesamteindruck trübt.



  • Herausgeber ‏ : ‎ KiWi-Taschenbuch; 1. Edition (17. August 2023)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 272 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3462005146
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3462005141


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