Eine Frau will ihren Mann verlassen. Nach vielen Jahren Zusammenleben und Ehe ist sie entschlossen und bestürzt zugleich: Wie konnte es nur dazu kommen? Während sie ihr Fortgehen plant, begibt sie sich in ihren Gedanken weit zurück. Da waren die rauschhaften Jahre der Verliebtheit, an der Universität, zu zweit im Ausland und später mit den kleinen Kindern, aber da gab es auch die Kehrseite – Momente, die zu Wendepunkten wurden und das Scheitern schon vorausahnen ließen. Doch ist etwas überhaupt gescheitert, wenn es so lange dauert? Julia Schoch legt frei, was im Alltag eines Paares oft verborgen ist: die Liebesmuster, die Schönheit auch in der Ernüchterung. Ein Loblied auf die Liebe.
Die Ich-Erzählerin ist noch sehr jung, als sie ihren Partner kennenlernt, der so anders ist als die Kommilitonen, er hält sich nicht an Regeln und stellt sich gern in den Mittelpunkt, aber auf zurückhaltende Weise, das ist schwierig zu beschreiben. Und immer scheint die Ich-Erzählerin die zu sein, die gibt und wartet. Sie beginnt ein Leben mit ihm, das aus Filmen zu stammen scheint, sie selbst schreibt bereits zu Beginn »Diese Erzählung erscheint mir wie eine Zusammenfassung eines Films« Mir erscheint es, als hätte sie Szenen aus Filmen und Büchern gesammelt, die sich wohl jeder für sein Leben wünscht. Da sind die Nachtfahrten über Land in einem alten Auto, die Treffen, wenn sie für das Studium weit entfernt voneinander sind, das Einrichten einer Wohnung mit Möbeln vom Sperrmüll in Paris, ausschweifende Partys bis in die Morgenstunden und natürlich will die Erzählerin Schriftstellerin werden. Mit diesen Szenen schafft sie ein Gefühl von Leichtigkeit, wären da nicht Situationen, die wieder zeigen, dass diese große Jahrhundertliebe vielleicht gar nicht so groß ist, sie ist diejenige, die weite Wege auf sich nimmt, um ihn zu treffen. Aber der Hauptgrund, warum ich an dieser Liebe von Beginn an zweifelte, war die Tatsache, dass sie nicht miteinander sprechen, sie reden zwar über die Dramaturgie von Filmen z. B., aber nicht über Probleme und beim ersten Mal auch darüber, dass sie fremdgegangen sind, aber nicht einmal der Betrug, scheint ein Grund zum Reden. Die Ich-Erzählerin zweifelt bald an der Beziehung und denkt sich Szenarien aus, wie sie sie diese beendet und dass ihr Leben vielleicht glücklicher wäre ohne ihn und doch bleibt sie, bekommt zwei Kinder und ich habe mich die ganze Zeit nach dem Warum gefragt, ohne eine Antwort zu finden.
Ich konnte nur spekulieren, was für eine Art Mensch ihr Mann außerhalb des wenigen, das sie von ihm erzählt, wohl ist. Gründe dafür, die Beziehung aufrechtzuerhalten, konnte ich in seiner Person also auch nicht finden.
Ich konnte nur spekulieren, was für eine Art Mensch ihr Mann außerhalb des wenigen, das sie von ihm erzählt, wohl ist. Gründe dafür, die Beziehung aufrechtzuerhalten, konnte ich in seiner Person also auch nicht finden.
Ein Loblied auf die Liebe
So heißt es im letzten Satz des Klappentextes, das ist dieses Buch eher nicht der Satz der besser das gelesene umschreibt, wäre wohl
Drum prüfe, wer sich ewig bindet...
Mochte ich das Buch?
Selten fiel mir die Antwort auf diese Frage so schwer, ich bin beeindruckt von der Atmosphäre, die die Autorin schafft, sie hat es auch geschafft Erinnerungen wach zu rufen u. a. an durchgefeierte Nächte und Autofahrten ohne Ziel nur um den Abschied voneinander hinauszuzögern.
Ich feiere ihren Schreibstil und ihre Wortwahl, beides macht das Buch zu einem wirklichen Lesevergnügen, dass mir die Protagonistin nicht sonderlich sympathisch war, ich mich überhaupt nicht in sie hineinversetzen konnte steht auf einem ganz anderen Blatt. Es liegt in der Natur der Sache einer Ich-Erzählung, dass die Leserinnen und Leser nur eine Seite hört, interessant wäre es zu erfahren, was der andere Partner zu sagen hat. Da es sich bei dem Buch um eine auto-fiktionale Biografie handelt, die also nur teilweise das Leben der Autorin beinhaltet, hoffe ich für sie, dass sie im realen Leben weiß, dass eine Beziehung nicht nur von der Liebe lebt, sondern dass man daran arbeiten muss, wobei mir der Begriff Arbeit im Zusammenhang mit Liebe nicht gefällt.
Vielleicht fehlt mir einfach der Vorgängerband, um die Protagonistin besser zu verstehen.
- Herausgeber : dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG; 3. Edition (16. Februar 2023)
- Sprache : Deutsch
- Gebundene Ausgabe : 192 Seiten
- ISBN-10 : 3423283335
- ISBN-13 : 978-3423283335

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