Anouk verlässt ihre Heimatstadt Montreal, um in einer kleinen Hütte mitten in den Wäldern von Kamouraska zu ihren Wurzeln zu finden. Fernab der Zivilisation kämpft sie täglich gegen die harten Seiten der Natur. Holz hacken, Wasser holen und immer darauf zu achten, dass der Ofen in der kleinen schlecht isolierten Hütte nicht ausgeht, bestimmen ihren Lebensrhythmus.
Die junge Frau findet langsam zu sich selbst und erkennt, was im Leben wirklich wichtig ist und natürlich kommt sie zu der Erkenntnis, dass es nicht die neusten Handtaschen oder Schuhe sind, denn diese füllen nicht die Leere, die sie in sich fühlt. Erst als sie sich einlässt auf das einfache Leben und die Schönheit, die sie umgibt, findet sie die innere Ruhe, die sie sucht.
Einzig die Einsamkeit macht ihr zu schaffen, die nur unzureichend von einem Kater, der eines Tages bei ihr auftaucht, gebrochen wird. Besonders männliche Gesellschaft vermisst sie sehr, wie sie in ihrem Tagebuch immer wieder erwähnt und gleichzeitig ist da immer die mehr als verständliche Angst das jemand in der Hütte, auftaucht den, sie nicht eingeladen hat. Bis eines Tages tatsächlich ein ungebetener Gast auftaucht.
Der Roman, ich würde das Buch eher als Novelle bezeichnen, umfasst gerade mal ca. 100 Seiten, auf denen es die Autorin allerdings mühelos gelingt, die Atmosphäre der kanadischen Wildnis einzufangen, die wunderschöne Natur und auch ihre Gefahren, die diese Natur in sich birgt. Ihre Sprache, ein großes Lob gilt hier sicherlich auch der Übersetzerin Katrin Segerer, lässt ihre Leserinnen und Lesern teilhaben an all diesen Wundern und der Zerstörung, die diese erfährt.
Das Buch ist mir definitiv zu kurz, ich hätte mir mehr gewünscht, mehr Hintergründe, warum Anouk Montreal verlassen hat, mehr aus ihrem früheren Leben und auch als im letzten Teil des Buches ein weiterer Protagonist auftaucht, bekommt dieser zu wenig Raum. In diesem Teil wird der Kampf der Umweltaktivisten in Kanada aufgegriffen. Und auch hier wäre für meinen Geschmack, mehr wirklich mehr gewesen.
Die Autorin verzichtet auf den erhobenen Zeigefinger, wie er häufig in Büchern, die sich mit der Zerstörung der Umwelt befassen, vorkommt. Sie zeigt uns eine Welt, die es zu bewahren gilt. In der Geschichte erwähnt sie einen Zug, der auf eine besondere Weise zum Sinnbild für die »Zivilisation« für mich wurde.
- Herausgeber : dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG; 1. Edition (27. Dezember 2022)
- Sprache : Deutsch
- Gebundene Ausgabe : 112 Seiten
- ISBN-10 : 3423290277
- ISBN-13 : 978-3423290272
- Originaltitel : Encabanée
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