Sonntag, 18. September 2022

Das ewige Licht von Notre-Dame von Claudius Crönert


 Nach dem Tod seiner Mutter kommt Pierre 1237 für die Lehre als Baumeister nach Paris. Hier gerät er sogleich in den Bann der größten Kathedrale, die er je gesehen hat: Notre-Dame de Paris. Als der dortige Baumeister stirbt und Pierres Lehrherr Jean sein Nachfolger wird, kann Pierre sein Glück kaum fassen. Auch, weil er fortan an der Seite der schönen Bildhauerin Agnes arbeiten wird. Doch Baumeister Jean wird sein Erfolg nicht gegönnt und die Neider intrigieren. Als es zu einem schrecklichen Unfall kommt, steht Pierres größte Bewährungsprobe bevor: Kann er Jeans Vision von Höhe und Licht Wirklichkeit werden lassen?

Die Cathédrale Notre-Dame de Paris oder kurz Notre Dame ist eines der berühmtesten Wahrzeichen Paris, der Bau dieser imposanten Kathedrale begann schon 1163 und dauerte fast 200 Jahre, in Claudius Crönerts Roman Das ewige Licht von Notre -Dame dürfen wir den Bau eine kurze Zeit begleiten. 

Pierre kommt nach dem Tod auf den Wunsch seiner Stiefmutter als Lehrling in den Haushalt des Baumeisters Jean des Chelles, der den Bau einer Kirche in Saint-Denis als Baumeister betreut. Pierre ist dreizehn, als sein Vater ihn in die Obhut eines Fremden gab und da hatte ich tatsächlich erwartet, dass wir nun über seinen Leidensweg lesen werden, doch zu meiner großen Freude war das nicht der Fall, zwar ist sein Lehrherr nicht gerade der freundlichste Mensch auf Erden, er ist schweigsam und oft in sich gekehrt, aber niemals gewalttätig oder gemein, seine Frau Nathalie behandelt den Jungen vom ersten Tag an als gehörte er schon immer zum Haushalt, einzig Agnes die Tochter des Hauses steht ihm etwas feindselig gegenüber, die Gründe dafür klären sich aber später. Auf der Baustelle  lernt er viele verschiedene Gewerke kennen, vom Mörtel mischen bis zum Zusägen des Bauholzes über Steinmetzarbeiten, sein Lehrherr setzt ihn überall ein und er lernt die Besonderheiten der einzelnen Gruppen kennen, von den meisten wird er gut behandelt, nur manchmal stößt er auf Ablehnung, aber auch hier bleibt der Autor im Rahmen und zeichnet ein realistisches Bild einer Baustelle 

In Pierre wächst immer mehr der Wunsch danach, selbst ein Baumeister zu werden und eines Tages den Bau der Cathédrale Notre-Dame de Paris zu leiten. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg und der ist geprägt von Neid und Intrigen. 
Zunächst einmal übernimmt Jean den Bau Notre Dames als der bisherige Baumeister stirbt, seine Vision von einer lichtdurchfluteten Kathedrale überzeugt die Bauherren, Pierre kann sein Glück kaum fassen, er darf als Lehrling mit seinem Meister auf Baustelle seiner Träume arbeiten und ein klein wenig zu diesem Glück trägt auch die Tatsache bei, dass auch Agnes, Jeans Tochter als Bildhauerlehrling, dort arbeitet.

Vieles an der Geschichte hat mich überrascht, da wäre zum einen, dass auch Frauen auf den Baustellen arbeiteten, und zwar nicht als Köchin oder Wäscherin, sondern als Handwerkerinnen, sie schnitten Holz, mischten Mörtel, sie behauten Steine und vieles mehr. Dennoch musste Agnes viel Überzeugungsarbeit leisten, um ihre Eltern davon zu überzeugen, dass sie Bildhauerin werden will, sie haben eine andere Zukunft für ihre Tochter vor Augen, Heiraten, Kinder bekommen und einem Haushalt vorstehen, das soll ihr Schicksal sein. Erst als Jean die Stelle als Baumeister bekommt und damit dieses spezielle Gefühl verspürt, das einen durchströmt, wenn ein Traum sich erfüllt, versteht er den Wunsch seiner Tochter.

Claudius Crönert hat einen gut recherchierten Roman geschaffen, der Fiktion und Realität gekonnt verwebt, die Baumeister  Jean des Chelles und Pierre de Montreuil sind historische Persönlichkeiten, über deren wirkliches Leben nicht allzu viel, bekannt ist, sodass Crönert genug Spielraum hatte, um ihnen ein Leben zu schenken, das zwar fiktiv, aber dennoch sehr gut vorstellbar ist.

Mein Fazit: Ein sehr lesenswerter Roman, der mich dazu gebracht hat, mich mit den verschiedenen Baustilen zu beschäftigen, ich liebe es, wenn Geschichten mich nicht nur gut unterhalten, sondern mir auch noch etwas beibringen.

  • Herausgeber ‏ : ‎ Ullstein Taschenbuch; 1. Edition (1. September 2022)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 464 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3548066437
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3548066431


 

2 Kommentare:

  1. Hallo und guten Tag,

    ich finde es gut, wenn Geschichte und eigene Vorstellungen sich zu einer neuen Geschichte vermischen können/dürfen.
    Denn letztendlich keine von uns dabei und somit muss nicht alles nur schlimm auch in dieser Zeit gewesen sein....und wenn es die Lust auf Baustile weckt, die jeder heute noch bewundern kann...ist das doch ein toller Sache oder?

    LG..Karin..

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