Montag, 13. Juni 2022

Allgemeine Panik von James Elroy



 Ein Leben wie, das von Freddy Otash kann, nur an einem einzigen Ort enden: im Fegefeuer. Dort sitzt seit nunmehr 28 Jahren der kettenrauchende, trinkende, sexbesessene und alles belauschende Spürhund Hollywoods fest. Otashs Karriere füllt mehrere Leben, sein Leben mehrere Bücher: Marinesoldat im Zweiten Weltkrieg, Polizist beim LAPD, Privatdetektiv, schließlich in den Fünfzigerjahren wichtigster Redakteur des Boulevardmagazins Confidential, das die kleineren und größeren Perversionen der amerikanischen Prominenz an die Oberfläche zerrte und mit Lust der Öffentlichkeit zum Fraß vorwarf. Aber jetzt will Freddy endlich raus aus der Vorhölle, und dazu muss er die Wahrheit sagen. 

Um aus der Vorhölle zu kommen, muss Freddy Otash endlich die Wahrheit über all seine Schandtaten erzählen. 
 In den 50er Jahren wird Freddy Otash zum Chefredakteur des Confidential, als ehemaliger Polizist, der nach seiner Polizeilaufbahn als Privatdetektiv seinen Lebensunterhalt verdient, kann er seine Kontakte weiterhin nutzen, Rock Hudson, Marilyn Monroe, JFK oder James Dean, um nur einige zu nennen, kein Prominenter konnte sicher sein, dass Otash nicht ein dunkles Geheimnis ans Licht zerrte, um die Gier der Menschen nach Skandalen zu befriedigen und damit die Auflage des Confidential zu steigern. 
Freddy Otash möchte niemand zum Feind, ich glaube, ich hätte ihn nicht einmal gern zum Freund gehabt, als Star schon gar nicht, Otash nutzte jede Information zu seinem eigenen Vorteil. 
James Elroy spart auch nicht an Gewalt- und Sexszenen, man mag darüber streiten, ob die Details nötig sind, meiner Meinung nach zeigen sie auf, was für ein Mensch Freddy Otash eigentlich war. Für noch mehr Lesevergnügen sorgen die Verbrechen, die Otash "nebenbei" noch aufklärt, dass er sich dabei nicht immer an Recht und Gesetz hält, wunderte mich bei Freddy Otash Charakter nicht wirklich, dabei geht er vor wie auch bei seiner Arbeit als investigativer Journalist: Beweise werden platziert, illegale Abhöraktionen gehören für ihn zum Handwerk, er geht genauso skrupellos vor wie die Verbrecher, die er jagt und die Prominenten die ihre Gelüste um jeden Preis stillen wollen. 
James Elroy lässt seinen Protagonisten selbst seine Geschichte erzählen und dieser entlarvt sich als Unsympath allererster Güte, großspurig und angeberisch, skrupellos und in einigen Fällen sicherlich auch verlogen mochte ich ihn zu keiner Sekunde. Aber als Leser muss man die Protagonisten in einem Buch auch nicht mögen, um die Story an sich zu lieben, ich habe jede Seite des Buches genossen.

Gekonnt vermischt James Elroy Fiktion und Realität, sein Schreibstil ist zu recht legendär, auch wenn in der deutschen Übersetzung sicherlich dem Übersetzer Stephen Tree zu danken ist. 
Nicht nur die Prominenten in dem Buch sind reale Personen, auch Freddy Otash gab es wirklich, er lebte von 1922 bis 1992, nur ob alles, was James Elroy über ihn zu schreiben hat, tatsächlich der Wahrheit entspricht? 

Allgemeine Panik bekommt von mir eine absolute Leseempfehlung.

  • Herausgeber ‏ : ‎ Ullstein Hardcover; 1. Edition (27. Mai 2022)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 432 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3550201605
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3550201608
  • Originaltitel ‏ : ‎ Widespread Panic

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