Dienstag, 1. Juni 2021

Das letzte grüne Tal von Mark Sullivan

 


Ukraine, März 1944: Es ist tiefer Winter, als Adeline und Emil Martel mit ihren beiden kleinen Söhnen vor der Roten Armee fliehen müssen. Als Deutsche sind sie in ihrer Heimat nicht mehr sicher und es bleibt ihnen nichts Anderes übrig, als sich auf den beschwerlichen Weg gen Westen zu begeben. Der aber wird von den Nazis kontrolliert. Emil, der als Soldat Gräueltaten der SS miterlebte, muss weiter um die Sicherheit seiner Familie fürchten. Besonders, als Adeline einer Jüdin bei der Flucht hilft und sie alle in Gefahr bringt. Doch Emil und Adeline, geleitet von ihrem Glauben aneinander, gehen ihren Weg gemeinsam – immer weiter Richtung Westen …

Als sich im Winter 1944 die deutsche Armee  aus der Ukraine zurückzieht, schließen sich ihnen tausende von Deutschen an deren Vorfahren im 18. Jahrhundert dem Ruf Katharina der Großen gefolgt sind und sich niederließen um als Bauern, Händler und Handwerker ihr Auskommen zu finden. Waren sie schon vor dem Krieg Repressalien ausgesetzt verschlimmerte sich ihre Lage zusehends, alle Wolgadeutschen wurden Pauschal als Kollaborateure verfolgt und zu tausenden nach Sibirien deportiert. Um diesem Schicksal zu entgehen und ihren Kindern eine bessere Zukunft zu ermöglichen schließen sich Adeline und Emil Martel gemeinsam mit ihren Eltern einem Flüchtlingstreck in den Westen an, der von deutschen Truppen geschützt wird, die sich auf dem Rückzug befinden.
Emil weiß von den Gräultaten der Deutschen und würde sich am liebsten allein mit seiner Familie auf den gefährlichen Weg machen, doch die vorrückende Sowjetarmee macht das unmöglich.
Adelina träumte von einem grünen Tal, in dem ihre Familie ihr Auskommen finden, dieser Traum, Emils Worte,* Geh soweit nach Westen wie du kannst, ich finde dich* als sie getrennt werden und ihr unerschütterlicher Glaube an Gott halten die junge Frau aufrecht.
Ich mochte Adeline und Emil, das junge Paar hält unverbrüchlich an ihrer Liebe fest und die Liebe zu ihren Kindern gibt ihnen die Kraft ihren Weg nach Westen in das letzte grüne Tal immer weiter zu gehen.
Die Reise ist beschwerlich, Hunger, Kälte, die Angst vor der Roten Armee und vor einer ungewissen Zukunft sind ihr ständiger Begleiter. Nicht jeder der sich auf diesen Weg begab, erreichte das Ziel.
Die Familie trifft auf Menschen, die ihnen helfen und auch auf solche die ihnen schaden wollen, da kommen wir zu einem der wenigen Kritikpunkte, die ich für dieses Buch habe, jeder Protagonist hat seine vorgegebene Rolle, es gibt keinerlei Überraschungen, weder zum positiven noch zum negativen, die Guten sind gut, die Bösen böse. So ist das Leben aber nicht, es gibt Zwischentöne und Grauzonen, die Sullivan aber komplett auslässt.
Aber meine positiven Gefühle zu diesem Buch überwiegen, es regt zum Nachdenken an und dazu sich mit diesem Teil der Geschichte zu befassen. Mir war z.B. nichts über den Holodomor, der Tötung durch Hunger in den 1930iger Jahren in der Ukraine bekannt. 

Mark Sullivan schreibt in seinem Vorwort, das ihm nach Unter Blutrotem Himmel gesagt wurde, er würde keine weitere so intensive Geschichte finden und lange Zeit hätte er das wohl auch geglaubt, bis er durch Zufall auf die Geschichte der Familie Martel stieß. Deren Weg von  Friedenstal ( heute Tryhrady) in der südlichen Ukraine über Moldawien, Rumänien, Ungarn, die Tschechische Republik, Polen und Deutschland nach Bozeman in Montana führt. Sullivan erzählt eine eindringliche Geschichte, die auf wahren Ereignissen beruht, allerdings musste der Autor auch auf seine eigene Vorstellungskraft zurückgreifen, um Lücken zu schließen, dies machte er allerdings auf sehr behutsame Weise, die Erlebnisse der Flüchtlinge erfordern keine weiteren Ausschmückungen, sie sind erschütternd genug.

Das letzte grüne Tal bekommt von mir eine absolute Leseempfehlung.

  • Herausgeber : Tinte & Feder (11. Mai 2021)
  • Sprache : Deutsch
  • Taschenbuch : 619 Seiten
  • ISBN-10 : 2496705638
  • ISBN-13 : 978-2496705638
  • Originaltitel : The Last Green Valley
  • Übersetzer: Peter Groth



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