Donnerstag, 29. April 2021

Schwarzwälder Morde von Linda Graze

 


Schwarzwald-Kennerin Linda Graze: originell und schlagfertig, mit einem hintergründigen neuen Fall für den unverwechselbaren Kommissar Justin Schmälzle. Genießen Sie die erfrischende Schwarzwaldluft - mit einem Hauch von Mord und Verbrechen.


Flaute im Polizeiposten Bad Wildbad. Kollege Scholz bastelt Papierflieger, Kommissar Justin Schmälzle – Veganer, Reismilch-Macchiato-Fan und Badener mit haitianischen Wurzeln – langweilt sich. Bis eine Moorleiche mit eingeschlagenem Schädel gefunden wird, bei ihr eine beträchtlichen Anzahl Goldmünzen und eine große Flasche Kirschschnaps. Schmälzle reibt sich die Hände: endlich ein neuer Fall! Aber die Frau lebte im vorletzten Jahrhundert, meldet die Pathologie. Täter tot, seufzt Schmälzle …

Wenigstens erzählt die Putzfrau des Postens von illegal verschobenen Grenzsteinen zwischen der Schnapsfabrik und der geplanten Wildbader Ferienanlage. Dann schießt jemand dem Investor der Anlage in den Fuß. Wer war das? Warum? Und bestimmt nicht immer die Vergangenheit die Gegenwart?

Zwei Fälle beschäftigen Kommissar Justin Schmälzle und seinen Kollegen Harald Scholz, da wäre zunächst einmal ein verschobener Grenzstein, Drohbriefe und der Anschlag auf einen Notar. Hinter all dem scheint der Schnapsbrenner Willi Hauck zu stecken der den Bau einer Ferienanlage in direkter Nachbarschaft unbedingt verhindern will. Und dann ist da noch die weibliche Moorleiche, die Schmälzles Interesse weckt, auch wenn die Frau sei Jahrzehnten Tot ist und auch ihr Mörder nicht mehr unter den Lebenden weilt, will er den Fall aufklären und stößt auf Verbindungen, mit denen niemand gerechnet hatte.

Ich mag Geschichten, die die Vergangenheit und die Gegenwart miteinander verknüpfen, sie haben ihren ganz besonderen Reiz und auch hier ist das der Autorin sehr gut gelungen. Die Tagebucheintragungen der jungen Frau, deren Leiche im Moor gefunden wurde, zeigen einen kleinen Einblick in das Leben der Frau und sie zeigen die Konsequenzen ihres Tuns die bis in die Gegenwart reichen und im Zusammenhang mit dem aktuellen Fall in Bad Wildbad stehen.

Auch der Schreibstil der Autorin hat mir gefallen, er ist außergewöhnlich und weit ab vom gewöhnlichen, liest man normalerweise vielleicht Sätze wie diesen:
"Schmälze sah nur einen Schotterplatz, mit Steinen,Tannen und Büschen."

liest man hier ZItat:

"Schmälzle blickte auf Schotter neben Baum vor Strauch nach Tanne hinter Stein."

Ich mag das sehr und Linda Graze hat diese Art der Beschreibungen wohldosiert eingestreut, so das es nicht ermüdet.
 Ich mochte auch die Ermittlungsarbeit, genauso stellt man sich die Arbeit der Polizei in der Provinz vor, wobei ich natürlich hoffe, dass dem nicht so ist ;o) es gibt keine wilden Verfolgungsjagden oder Schießereien, keine ernstzunehmenden Querelen unter den Kollegen. Schwarzwälder Morde ist ein ruhiger Krimi mit humorigen Elementen, der auch für zartbesaitete Leser sehr gut geeignet ist.


Leidr gibd's abr au einen Aschbegd im Buch, der mir ned so mordsmäßich gfil. Für Nedschwaba isch vieles ned verschdändlich, sie müssa so mancha Dialog zwoimol lesa bsonders die Budzkrafd vom Bolizeiboschdens schbrichd mehr als Gewöhnungsbedürfdich für norddeidsche Ohra.



Auf für alle besser verständlich:

(Leider gibt es aber auch  einen Aspekt im Buch, der mir nicht so sehr gefiel. Für Nichtschwaben ist vieles nicht verständlich, sie müssen so manchen Dialog zweimal lesen besonders die Putzkraft des Polizeipostens spricht mehr als Gewöhnungsbedürftig für norddeutsche Ohren.)

Jetzt kann man sagen, das hättest du dir denken können. Nein, da ich meine Bücher nach Cover und Klappentext auswähle und da ist das leider nicht ersichtlich. 
Natürlich ist das mehr als subjektiv und hat vielleicht nur mein persönliches Lesevergnügen etwas gestört.

Trotzdem vergebe ich für das Buch eine Leseempfehlung.

  • Herausgeber : Rowohlt Taschenbuch; 1. Edition (21. April 2021)
  • Sprache : Deutsch
  • Taschenbuch : 384 Seiten
  • ISBN-10 : 3499002086
  • ISBN-13 : 978-3499002083


2 Kommentare:

  1. Hallo Manuela,

    als Fränkin sympatisiere ich mit den Schwaben, aber Deinen Einschub im Blogbeitrag musste ich doch laut lesen, um ihn zu erfassen. Dann gings aber ganz gut :-) Schon alleine der Name Justin Schmälzle weckt bei mir die Lust, das Buch zu lesen und wenn ein bisschen Humor vorkommt, umso besser! Das Leben ist in letzter Zeit schon ernst genug.

    Liebe Grüße
    Gabi

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  2. Hallo Gabi, es ist auch recht witzig und mit dem Dialekt muss man halt leben ;o)

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