Mittwoch, 8. April 2020

Richtung Nirgendwo: Melodys Song von Michael Dissieux

Ein Mann, allein und namenlos.
So beginnen viele Bücher und Filme und so beginnt auch  Michael Dissieuxs Dystopie Richtung Nirgendwo: Melodys Song, zwischen dem Beginn und dem Ende der meisten Bücher dieser Art liegen meist viele Seiten voller Gewalt, Angst, Blut, Tränen und auch Liebe, das ist meist kurzweilig und sorgt für mehr oder weniger flüchtiges Lesevergnügen.
Und das ist auch vollkommen OK, zu fast 100% lese ich, um unterhalten zu werden und dann ist da diese kleine Stimme in mir, die mir zuflüstert:
Lies mal anders.
Und wenn ich dann über das neue Buch eines Autors stolpere dessen Klappentext wie folgt lautet:

Drei Jahre war ich unterwegs gewesen, immer auf der Suche nach dem letzten Überlebenden. Ich kam durch Dörfer, die keine Namen mehr trugen, und Städte, die so still wie ein Friedhof waren. Ich begann zu trinken, um die Dämonen zu vertreiben, schrie, um eine menschliche Stimme zu hören und weinte, wenn meine tote Tochter in den Nächten zu mir kam. Drei Jahre blieb ich alleine.
Dann sah ich den Rauch am Horizont ...

Dann höre ich auf diese Stimme.

Der namenlose Ich-Erzähler nimmt uns mit auf eine Reise durch eine verlassene Welt. Als er am Morgen nach einer durchzechten Nacht aufwacht, ist nichts mehr wie es wahr, die Straßen sind leer, alles ist still, er ist allein und er bleibt es auch für lange Zeit und diese Einsamkeit vermittelt uns der Autor mit einer Leichtigkeit die seines gleichen sucht. Ich sah beim Lesen die leeren Straßen, die verlassenen Häuser und roch zu einem späteren Zeitpunkt den Moder und Schimmel in den leeren Häusern und ich spürte eine beklemmende Einsamkeit. Ich begleitete den Protagonisten durch die ersten Tage und stellte mir genau wie er die Frage was geschehen war,und warum gerade er überlebte und Tag für Tag um dieses Leben kämpft, um irgendwann festzustellen: Es ist egal, Antworten auf diese Frage zu bekommen würde nichts ändern. 
Aber unser Protagonist ist nicht allein, er spricht mit seinem schon lange verstorbenen Vater, sieht seine Frau und seine Tochter, riecht ihren Duft und sieht ihr Lächeln und wieder stellen sich beim Lesen Fragen: Ist er wahnsinnig geworden, sind diese Momente verständliche Reaktionen auf die Einsamkeit oder steckt mehr dahinter?
Und auch als er auf Bone, einen ehemaligen Pfarrer trifft, der mit der kleinen Melody auf dem Weg nach Jacksonville ist, stellen sich nur noch mehr Fragen, auf die es keine Antworten gibt. Und auch hier ist es wieder egal, denn auch hier würden Antworten nichts ändern.
Skin, wie sich der namenlose Protagonist nun nennen lässt, begleitet das ungleiche Paar. Zunächst herrscht Misstrauen auf beiden Seiten, das aber weicht nach und nach einer Art Freundschaft, die tiefer wird, je mehr Skin und Bone miteinander sprechen und sich ihre Geschichten erzählen und dabei kristallisiert sich tatsächlich die eine oder andere Antwort heraus.
Michael Dissieux ist ein Meister der leisen Töne, seine Geschichte trifft einen Punkt in der Seele, den man normalerweise lieber auch für sich im verborgenen lassen würde, den Punkt der uns dazu zwingt über unser eigenes Leben nachzudenken.
Meine Worte werden dem Buch nicht im mindesten gerecht, so geht es mir oft, wenn mich ein Buch besonders beeindruckt hat und ich darf euch ja nicht erzählen welche Szenen mich besonders beeindruckt haben, ihr sollt das Buch ja noch lesen.

Richtung Nirgendwo: Melodys Song bekommt von mir eine absolute Leseempfehlung, einen ersten Eindruck von der Stimmung, die dieses Buch auslöst, bekommt man bei einem genaueren Blick auf das wunderbar passende Cover wirft, das von Kathi Roestel gestaltet wurde.

Erwerben könnt ihr das Buch überall wo es gute Bücher gibt und direkt beim Verlag.


  • Taschenbuch: 388 Seiten
  • Verlag: KOVD Verlag (Nova MD); Auflage: Erstauflage (6. April 2020)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3966986078
  • ISBN-13: 978-3966986076

 



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