Mittwoch, 23. Oktober 2019

Tod in der Speicherstadt von Anja Marschall


Ein toter Zollbeamter und eine verbrannte, nicht identifizierbare Leiche auf einem vermeintlichen Schmugglerschiff, führen den Rendsburger Kriminalkommissar Hauke Sötje nach Hamburg. Ein Siegelring, den der Tote am Finger trug, führt ihn in höchste Hamburger Kreise zur einflussreichen Familie Bellingrodt. Dort stößt Sötje auf eine Mauer aus Ablehnung und Schweigen. Die Bitte seiner Verlobten Sophie, sie bei der Suche nach einer jungen Frau und ihrem Kind zu unterstützen, deren Spur sich nach der Auswanderung des Kindsvater nach Brasiliens in den Armenvierteln Hamburgs verliert, erleichtert seine Arbeit nicht wirklich.


Tod in der Speicherstadt, ist eines dieser Bücher, die es mehr durch Zufall in meine Hände geschafft haben und es hatte mich spätestens nach dem Prolog. Die Geschichte spielt zum Ende des 19. Jahrhunderts, einer Zeit in der die moderne Kriminalistik noch in den Kinderschuhen steckte und sich die Macht der reichen Kaufleute gegenüber den staatlichen Organen erst langsam auflöste; noch regiert oft mehr das Geld als das Gesetz.
© Heike Stepprath (Kaffeeklappe/ Speicherstadt)

Hauke Sötje schert sich nicht um Klassenschranken, er will die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen, ungeachtet der beruflichen Konsequenzen, die seine Hartnäckigkeit für ihn haben könnte. Schon allein das ist ein sehr spannender Aspekt des Buches, hinzu kommen natürlich noch die schon erwähnten Toten, bei denen es leider nicht bleibt. Sötje hat in ein Wespennest gestochen und der oder die Mörder sind ihm auf den Fersen und gleichzeitig immer einen Schritt voraus. Zwar blieb die atemlose Spannung aus, soweit es um die Aufklärung der Todesfälle ging, es gab halt keine wilden Verfolgungsjagden, keine forensischen Erkenntnisse in letzter Minute (wie denn auch?), aber es gab eine - in meinen Augen - sehr authentische Ermittlungsarbeit Sötjens. Diese zu beobachten, ihr zu folgen und zu versuchen Sötjens Gedankengänge zu folgen, die eher kläglichen Mittel, die ihm zur Verfügung stehen, in Gedanken mit den heutigen zu vergleichen, das alles macht Tod in der Speicherstadt zu einem spannenden, historischen Kriminalroman. Leise, aber nie langweilig, wozu auch die Ermittlungen Sophies und ihre Suche nach der verschwundenen jungen Frau und ihrem Kind einen Großenteil beiträgt. Sie führt uns in die Elendsviertel Hamburgs und führt den Lesern das Schicksal vieler Frauen vor Augen, die in den Augen der gut bürgerlichen Gesellschaft Schande über sich und ihre Familien gebracht haben, weil sie vor der Ehe ein Kind bekamen. Anja Marschall lässt eine historisch belegte Figur auferstehen, die die Not der Frauen gnaden- und herzlos ausnutzte. Sie nennt sie in ihrem Buch Gertrud Wiesner, aber natürlich ist schnell klar, dass es sich um Elisabeth Wiese handelt: Die Engelmacherin von Sankt Pauli.

© Heike Stepprath ( Elisabeth Wiese.Totenmaske. Minuten nach der Hinrichtung)

Ich vergebe für das Buch eine absolute Leseempfehlung. Auch wenn ich wieder einmal mitten in eine Reihe gegriffen habe, mir fehlte aber nichts zum Verständnis. Alles was man wissen muss, wird im Laufe der Handlung wunderbar eingeflochten.

Wer mehr über den historischen Aspekt des Buches erfahren möchte. Heike vom Blog:
https://fraugoetheliest.wordpress.com/
Hat diese Seite des Buches als Schwerpunkt in ihrer Rezension beleuchtet. Was ist Fakt, was ist Fiktion?


Über weitere Bücher mit dem Ermittler Hauke Sötje und seine Verlobte Sophie, würde ich mich auf jeden Fall sehr freuen.

Wer mehr erfahren möchte und aus der Nähe von Hamburg kommt: Am Freitag, 25. Oktober um 19:30 Uhr, liest Anja Marschall im Speichermuseum Hamburg aus Tod in der Speicherstadt.

Vielen Dank an da den emons Verlag für das Rezensionsexemplar.
#zweiblogseinBuch
schaut doch mal was Heike zu dem Buch zu sagen hat:
https://fraugoetheliest.wordpress.com/2019/10/23/sotje-ermittelt-in-hamburg/

  • Taschenbuch: 384 Seiten
  • Verlag: Emons Verlag (17. Oktober 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3740806613
  • ISBN-13: 978-3740806613
  • Größe und/oder Gewicht: 13,6 x 3,3 x 20,5 cm




1 Kommentar:

  1. Ein super tolles Buch! Habe es verschlungen. Und lesen kann die Autorin! Bin begeistert.

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