Ich bin mit großen Erwartungen an „Kurz vor Paris“ von Agga Kastell herangegangen, nicht weil ich eine bestimmte Geschichte im Kopf hatte, sondern weil ich mich einfach auf etwas Unbekanntes, Ungewöhnliches freute. Und genau das habe ich bekommen. Eine Geschichte, die mit einer Urlaubsreise beginnt und sich dann Stück für Stück in eine abenteuerliche, manchmal beunruhigende und gefährliche Reise verwandelt, in der Menschen und Insekten Seite an Seite leben.
Kurz vor Paris treffen der Mensch Stinker, die Fliege Flymo und der Schmetterling Meiling auf die Wespe Puck, die vor den Schweden Nordos, einer faschistischen Gemeinschaft, geflüchtet ist. Sie beschließen, Puck mitzunehmen, ohne zu ahnen, in welche Gefahr sie sich damit bringen. Eigentlich wollten die drei Freunde Erfahrungen sammeln und sich Träume erfüllen: Flymo wollte den Eiffelturm sehen, den die Insekten den "lichten Turm" nennen, Meiling liebt den Duft und den Geschmack von Lavendel, und Stinker will die Originalgemälde von Monet sehen, die seine an der Strahlenkrankheit gestorbene Mutter so sehr geliebt hat. Strahlung nach einem Atomkraftunfall hat die Menschheit in großen Teilen ausgelöscht und die Insekten auf Menschengröße mutieren lassen. Seitdem leben und arbeiten sie Seite an Seite. Freundschaften zwischen den Spezies sind bei jüngeren Lebewesen nichts Ungewöhnliches. Doch nicht jeder heißt das gut. Rassismus ist auch nach dem Weltuntergang immer noch ein Thema. Auch wenn besonders die Menschen einige gute Ideen und Lebensarten von den Insekten übernahmen. Puck ist in der Gemeinschaft der Nordos aufgewachsen, im festen Glauben daran, dass ihre Spezies anderen überlegen ist und sich auf gar keinen Fall auf andere einlassen darf. Erst als sie auf die kleine Urlaubstruppe trifft, erfährt sie Freundschaft, Liebe und Zugehörigkeit in ihrer reinsten Form, ohne dass Gegenleistungen erwartet werden. So fasst sie langsam Vertrauen und kann die ganze Wahrheit preisgeben. Die Freunde beschließen, Puck zu helfen und sie nach Menorca zu bringen, auf der Insel der ungeduldigen Schwestern, wo sie in Sicherheit ihre Brut zur Welt bringen kann. Auf ihrer Reise treffen sie nicht nur auf Lebewesen, die ihnen wohlgesonnen sind, sie erfahren auch, wie weit der Einfluss der Schweden Nordos reicht und dass diese vor nichts zurückschrecken.
Als ich das Cover und den Titel des Buches „Kurz vor Paris“ das erste Mal sah, dachte ich: „Ein Liebesroman von Agga Kastell?“. Dann sah ich genauer hin, las den Untertitel, entdeckte Flymo, Stinker, Meiling und Puck sowie den Untertitel „Der kuriose Weg zur Freiheit“, und meine Neugier war geweckt. „Kurz vor Paris“ ist nicht nur eine Geschichte voller sehr humorvoller oder gefährlicher Momente, von skurrilen Begegnungen und witzigen Dialogen, die einen immer wieder schmunzeln lassen, sondern zugleich ein klarer Appell gegen Faschismus und Rassismus, ohne je belehrend zu wirken. Agga Kastell zeigt eindringlich, wie Vorurteile auch in einer postapokalyptischen Welt überleben und wie wahre Freundschaft über alle Speziesgrenzen hinweg entsteht und siegt.
- Herausgeber : Lindwurm Verlag
- Erscheinungstermin : 2. Februar 2026
- Auflage : 1.
- Sprache : Deutsch
- Seitenzahl der Print-Ausgabe : 256 Seiten
- ISBN-10 : 3910279244
- ISBN-13 : 978-3910279247




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