Freitag, 27. Februar 2026

Kurz vor Paris: Der kuriose Weg zur Freiheit - Eine satirische Dystopie über mutige Insekten, Vorurteile und den Kampf für Freiheit von Agga Kastell


Ich bin mit großen Erwartungen an „Kurz vor Paris“ von Agga Kastell herangegangen, nicht weil ich eine bestimmte Geschichte im Kopf hatte, sondern weil ich mich einfach auf etwas Unbekanntes, Ungewöhnliches freute. Und genau das habe ich bekommen. Eine Geschichte, die mit einer Urlaubsreise beginnt und sich dann Stück für Stück in eine abenteuerliche, manchmal beunruhigende und gefährliche Reise verwandelt, in der Menschen und Insekten Seite an Seite leben.

Kurz vor Paris treffen der Mensch Stinker, die Fliege Flymo und der Schmetterling Meiling auf die Wespe Puck, die vor den Schweden Nordos, einer faschistischen Gemeinschaft, geflüchtet ist. Sie beschließen, Puck mitzunehmen, ohne zu ahnen, in welche Gefahr sie sich damit bringen. Eigentlich wollten die drei Freunde Erfahrungen sammeln und sich Träume erfüllen: Flymo wollte den Eiffelturm sehen, den die Insekten den "lichten Turm" nennen, Meiling liebt den Duft und den Geschmack von Lavendel, und Stinker will die Originalgemälde von Monet sehen, die seine an der Strahlenkrankheit gestorbene Mutter so sehr geliebt hat. Strahlung nach einem Atomkraftunfall hat die Menschheit in großen Teilen ausgelöscht und die Insekten auf Menschengröße mutieren lassen. Seitdem leben und arbeiten sie Seite an Seite. Freundschaften zwischen den Spezies sind bei jüngeren Lebewesen nichts Ungewöhnliches. Doch nicht jeder heißt das gut. Rassismus ist auch nach dem Weltuntergang immer noch ein Thema. Auch wenn besonders die Menschen einige gute Ideen und Lebensarten von den Insekten übernahmen. Puck ist in der Gemeinschaft der Nordos aufgewachsen, im festen Glauben daran, dass ihre Spezies anderen überlegen ist und sich auf gar keinen Fall auf andere einlassen darf. Erst als sie auf die kleine Urlaubstruppe trifft, erfährt sie Freundschaft, Liebe und Zugehörigkeit in ihrer reinsten Form, ohne dass Gegenleistungen erwartet werden. So fasst sie langsam Vertrauen und kann die ganze Wahrheit preisgeben. Die Freunde beschließen, Puck zu helfen und sie nach Menorca zu bringen, auf der Insel der ungeduldigen Schwestern, wo sie in Sicherheit ihre Brut zur Welt bringen kann. Auf ihrer Reise treffen sie nicht nur auf Lebewesen, die ihnen wohlgesonnen sind, sie erfahren auch, wie weit der Einfluss der Schweden Nordos reicht und dass diese vor nichts zurückschrecken.

Als ich das Cover und den Titel des Buches „Kurz vor Paris“ das erste Mal sah, dachte ich: „Ein Liebesroman von Agga Kastell?“. Dann sah ich genauer hin, las den Untertitel, entdeckte Flymo, Stinker, Meiling und Puck sowie den Untertitel „Der kuriose Weg zur Freiheit“, und meine Neugier war geweckt. „Kurz vor Paris“ ist nicht nur eine Geschichte voller sehr humorvoller oder gefährlicher  Momente, von skurrilen Begegnungen und witzigen Dialogen, die einen immer wieder schmunzeln lassen, sondern zugleich ein klarer Appell gegen Faschismus und Rassismus, ohne je belehrend zu wirken. Agga Kastell zeigt eindringlich, wie Vorurteile auch in einer postapokalyptischen Welt überleben  und wie wahre Freundschaft über alle Speziesgrenzen hinweg entsteht und siegt. 

"Kurz vor Paris"  ist ein Buch, das unterhält, berührt und zum Nachdenken anregt ideal für alle, die Satire mit Herz und gesellschaftlicher Relevanz mögen. Wer sich auf diese kuriose Reise einlässt, wird mit einer Geschichte belohnt, die lange im Gedächtnis bleibt.



  • Herausgeber ‏ : ‎ Lindwurm Verlag
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 2. Februar 2026
  • Auflage ‏ : ‎ 1.
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 256 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3910279244
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3910279247

Mittwoch, 25. Februar 2026

Sie war es. Sie war es nicht von Nicci Cloke (Autorin), Ulrike Clewing (Übersetzerin)

Klappentext:
»Sie haben es verdient!«


Katie Coles erster Satz bei ihrer Verhaftung lässt sie innerhalb weniger Stunden zur Hauptfigur eines Skandals werden, der die Nation in Atem hält: Ist sie die eiskalte Mörderin, die vier einflussreiche Mitglieder von Londons exklusivstem Privatclub vergiftet hat? Während die Öffentlichkeit über Schuld und Unschuld urteilt, bilden sich fünf Männer ihre ganz eigene Version der Wahrheit.

Ihr Vater: sieht in ihr noch immer das unschuldige kleine Mädchen.
Ihr Jugendfreund: teilt mit Katie eine ungute Faszination für Verschwörungstheorien.
Ihr Ex-Liebhaber: verflucht den Tag, an dem er Katie verfiel.
Ihr Anwalt: ahnt, dass Katie nicht die ganze Wahrheit erzählt.
Der Journalist: wittert seine ganz große Story.

Fünf Männer. Jeder von ihnen erzählt eine andere Geschichte. Doch wer kennt das wahre Gesicht von Katie Cole?

Nicci Clokes „Sie war es. Sie war es nicht.“ ist ein Psychothriller, der mit einer ungewöhnlichen Erzählstruktur punktet. Fünf Männer, ihr Vater, ihr Jugendfreund, der Ex-Liebhaber, ihr Anwalt und ein Journalist, rekonstruieren die Geschichte von Katie Cole, die des Mordes an vier einflussreichen Clubmitgliedern angeklagt ist. Jeder von ihnen bietet seine eigene Perspektive auf ihre mögliche Schuld oder Unschuld, was dem Roman einen cleveren Rashomon-Effekt verleiht.

Zu Beginn irritierte mich dieser Stil: ein Mosaik aus männlichen Stimmen, die Katie direkt ansprechen, sie mal idealisieren, mal verdammen. Ich musste mich erst einlesen und blätterte immer wieder zurück, um den Faden zu behalten. Doch irgendwann klickte es. Genau das will Cloke zeigen: wie subjektiv Wahrheit ist, wie Wahrnehmung, Manipulation und Vorurteile Realitäten formen. Zumindest lese ich es so, und es funktioniert auf einzigartige Weise.

Katie blieb für mich bis zum Schluss ein Rätsel, und meine Sicht auf sie änderte sich mehrfach. Gerade darin liegt die Stärke des Romans, denn jeder Mann erzählt seine Wahrheit, und jedem war ich zwischenzeitlich geneigt zu glauben.

Trotz der Komplexität las sich das Buch flüssig, sobald ich  „drin“ war. Die Auflösung belohnt die Geduld, die ich  unterwegs aufbringen musste.

Insgesamt ist „Sie war es. Sie war es nicht.“ ein empfehlenswertes Buch für Leserinnen und Leser, die Thriller mit intellektueller Tiefe und narrativer Experimentierfreude schätzen. Kein Mainstream-Stoff, aber wer sich darauf einlässt, wird mit einem besonderen Lesevergnügen belohnt.

 

  • Herausgeber ‏ : ‎ Penguin Verlag
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 25. Februar 2026
  • Auflage ‏ : ‎ Deutsche Erstausgabe
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 448 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3328604731
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3328604730
  • Originaltitel ‏ : ‎ Her Many Faces

 


















Montag, 23. Februar 2026

Years and Passion von Marleen Winter

Gerlinde Falkenstein trifft während des Studiums auf den charismatischen Hubertus Bauer. Die beiden fühlen sich zueinander hingezogen. Diese Anziehungskraft beruht allerdings nicht auf romantischen oder sexuellen Gefühlen. Von Beginn an besteht eine besondere Vertrautheit zwischen dem verwöhnten Sohn einer reichen Familie und der jungen ehrgeizigen Frau, die auf keinen Fall ihre Karriere für Mann und Kind aufgeben würde. Sie realisieren bald: Sie können sich immer aufeinander verlassen, und ein Leben ohne den anderen würde viel Sinn verlieren. Sie gründen eine Immobilienfirma, die sie an die Spitze der Frankfurter Geschäftswelt bringt, nicht immer mit ethischen oder legalen Mitteln.

Ich war wirklich neugierig auf dieses Buch, der Klappentext verspricht ja eine besondere Geschichte, angesiedelt in der Hochfinanz. Mich hat gereizt, wie die starke Gerlinde mit dem dominanten Hubertus in eine Beziehung rutscht, voller Lügen, BDSM-Spielchen und schmutziger Geschäfte in der Finanzwelt. Über Jahre ist die Firma ihre gemeinsame Leidenschaft, für die besonders Gerlinde alles gibt, auch ihr Privatleben, das eigentlich gar nicht existiert. Währenddessen hat Hubertus Affären, heiratet und bekommt Kinder.

Es gab Szenen, in denen ich dachte: „Mädel, im Ernst, ahnst du überhaupt, worauf du dich einlässt?“ Das hing nicht immer mit Sex oder Liebe zusammen, auch die eine oder andere geschäftliche Aktion war mehr als grenzwertig. Und dann diese eine Szene in einem Hotelzimmer in Osteuropa und die spätere Aufklärung durch Hubertus, wie es dazu kam. Spätestens da dachte ich „Lauf, Gerlinde, lauf schnell und weit weg!“ Doch Gerlinde läuft nicht. Zu sehr bindet sie nicht nur die Leidenschaft für die Firma an Hubertus, doch dieses „Mehr“ gesteht sie sich nicht ein.

Ich verrate euch jetzt nicht noch mehr. Nur noch was mir an dem Buch gefiel.

 Besonders gut gelungen finde ich die Art und Weise, wie Marleen Winter Wirtschaftskrimi-Elemente wie illegale Geschäfte und Firmenintrigen mit der komplizierten Beziehung zwischen Gerlinde und Hubertus verknüpft. Es fühlt sich nicht erzwungen an, beides greift ganz natürlich ineinander. Ein wenig Sorge hatte ich, dass sich das Buch in Richtung einer bekannten Romanreihe entwickelt, zu viel Erotik, zu wenig Inhalt, aber diese Sorge war unbegründet. „Years and Passions“ mischt sich die intensive Beziehungsdynamik mit harten Wirtschaftskrimi-Elementen wie Firmenintrigen und Osteuropa-Deals, statt sich auf Sexszenen und Luxus-Romantik zu stützen.



Herausgeber ‏ : ‎ Pinguletta Verlag
Erscheinungstermin ‏ : ‎ 9. Februar 2026
Auflage ‏ : ‎ 1.
Sprache ‏ : ‎ Deutsch
Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 316 Seiten
ISBN-10 ‏ : ‎ 3948063699
ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3948063696

Freitag, 20. Februar 2026

Anbandelt: Gartenkrimi (Klub der Grünen Daumen) von Martina Parker


Mittlerweile sind wir beim 6. Band der Gartenkrimireihe von Martina Parker angelangt. Die Figuren sind mir inzwischen so vertraut, dass ich mich sehr auf ein Wiedersehen mit ihnen gefreut habe, und auch dieses Mal war diese Vorfreude absolut gerechtfertigt.

Kurz vor dem Osterfest wollen die Damen des Gartenclubs einen entspannten Tag im Wüstengarten verbringen und seltene Pflanzen bewundern. Stattdessen stoßen sie auf die vermeintliche Leiche von Uwe Rohbeuschl. Wie sich herausstellt, ist der Mann gar nicht tot, sondern hat nur ein paar Promille intus und ist fest davon überzeugt, von Weinberghexen angegriffen worden zu sein.

Oma Hilda protestiert derweil gegen die Schließung des örtlichen Supermarktes. Wie schön, dass sie wieder so präsent ist. Außerdem hat sie Schmetterlinge im Bauch. Die alte Dame hat sich tatsächlich verliebt, in Ludwig, dem sie bei der Demo einen Einkaufswagen gegen die Hüfte gerammt hat. Ludwig erwidert ihre Gefühle, doch ihr Glück wird überschattet von seiner Sorge um seine Schwester, mit der er sich treffen wollte, die jedoch verschwunden ist.

Vera unterstützt Marlies bei deren Ermittlungen, wird diese doch immer wieder von ihrem vorübergehenden Vorgesetzten Marvin ausgebremst, der den regulären Chef Marlies', Franz Grandits, vertritt. Vera hat wieder mit ihren Gefühlen zu kämpfen, das lenkt sie immer wieder ab. Zwischendurch stellte ich mir die Frage, ob es irgendwann doch noch zu einem Happy End mit Tom kommen wird oder wie sich ihre Beziehung zu Felix, dem neuen Tierarzt, entwickeln könnte.

Martina Parker hat es wieder geschafft, eine Fülle von Handlungssträngen, von gartenbegeisterten Abenteuern über lokale Proteste bis hin zu den dunklen Schatten einer Hippiekommune aus den 1970ern, zu einem straffen und nie verwirrenden Ganzen zu verknüpfen, ohne sich zu verzetteln. Besonders beeindruckend ist für mich immer wieder, dass sie ernste Themen wie die Ereignisse in der Sektenartigen Kommune oder dem unmöglichen Verhalten von Marvin, dem Interims-Vorgesetzten der Polizistin Marlies, mit ihrem eigenen Humor aufgreift, nie albern oder lächerlich, sondern mit einer Leichtigkeit, die Tiefe und Spannung perfekt ausbalanciert.

Die Autorin lässt die Traditionen des Burgenlandes nahtlos in die Geschichte einfließen. Das verleiht dem Roman nicht nur Lokalkolorit, sondern ermöglicht es mir auch, auf unterhaltsame Weise Neues über die Region zu lernen.


  • Herausgeber ‏ : ‎ Gmeiner-Verlag
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 4. Februar 2026
  • Auflage ‏ : ‎ 1. Auflage 2026
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 480 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3839280052
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3839280058
  • Donnerstag, 19. Februar 2026

    Thomas Hofmann & Petra Hartmann: DAS INTERGALAKTISCHE BESTIARIUM


    Was verbirgt sich hinter dem Tor des Krkt-jinn und warum verliert der Planet Light Lady seine Schwerkraft? Kann die Heimat der Regenbogenkatzen noch gerettet werden? Gibt es das sagenhafte Tier der Unordnung wirklich? Sind die irrsinnigen Prophezeiungen über das Wiedererwachen des unheiligen Urgottes Chthonio möglicherweise doch ernst zu nehmen? Und ist wirklich jeder dem Tod geweiht, der der Wurzel allen Übels begegnet?

    Das Universum hat viele Wunder hervorgebracht, aber keines ist größer als das Leben. Ein paar der ungewöhnlichsten Lebewesen aller Welten sind in diesem intergalaktischen Bestiarium zu finden. Thomas Hofmann und Petra Hartmann haben sie aufgespürt.



    Bevor ich zu den einzelnen Storys komme, erzähle ich etwas darüber, wie dieses Buch  entstanden ist. Normalerweise ist zuerst die Geschichte da und dann erst kommen die Illustrationen dazu. Das es auch anders herum geht beweisen Petra Hartmann und Thomas Hofman.  Zuerst zeichnete Hofmann seine skurrilen, intergalaktischen Kreaturen: gruselige, verspielte Wesen, die nicht niedlich, sondern eindringlich und einzigartig wirken von Sternendrachen bis zu Regenbogenkatzen, dann erst schrieb Petra Hartmann diesen Kreaturen Geschichten auf den Leib.

    Die Storys präsentieren sich als Erinnerungen eines  alten Weltraumforschers und ja ich hatte die Stimme des Tierschützers Bernhard Grzimeks  im Kopf.

    Petra Hartmann, ist eine SF- und Fantasy-Autorin, ihre pointiertenTexte passen hervorragend zu  Thomas Hofmanns,Illustrationen. Diese Kombination machen das gesamte Werk zu einem besonderen Lesevergnügen.  Die einzelnen Geschichten sind manchmal nachdenklich und sogar etwas traurig aber es gibt auch sehr humorvolle Momente. 

    Ab hier könnten sich Spoiler verbergen.