An einem ganz normalen Sommertag in Deutschland heulen plötzlich die Sirenen.
ABC-Alarm
Die namenlose Erzählerin schafft es noch rechtzeitig in einen nahegelegenen Bunker in einer vor kurzem noch wegen Bauarbeiten gesperrten U-Bahn-Station. Dort unten werden alle einer entwürdigenden Entkontaminierung unterzogen, niemand weiß, wie es weitergeht. Die Stimmung schwankt zwischen Angst und Hoffnungslosigkeit. Schutzraumwart Heinz-Theo Krollek teilt die Menschen in Gruppen ein Blau, Tot, Gelb und Grün und er erklärt die Regeln, unter denen sie in der nächsten Zeit leben müssen, und geregelt ist alles von der Essensausgabe, bis zu den Ruhezeiten und der Nutzung der sanitären Anlagen, doch wie es draußen aussieht oder wie es weitergeht, kann auch er nicht sagen, vielleicht weiß er es auch nicht. Krollek rekrutiert einzelne Personen zur Unterstützung, Ärzte, Handwerker und auch unsere Ich Erzählerin, die vor wenigen Stunden noch bei der Post gearbeitet hat, wird herangezogen, sie soll als Gruppenführerin für die Durchsetzung der Regeln sorgen und das die Menschen ruhig bleiben. Erstaunlich schnell fühlt sie sich in die Rolle ein.
Die Story hat ein sich immer verstärkendes Gefühl der Beklemmung in mir ausgelöst.
Es ist kein plötzlicher Schreck, sondern eine Anspannung, die sich langsam steigert, Seite für Seite. Manches habe ich mit angehaltenem Atem gelesen, ich bin mit der fast allgegenwärtigen Angst vor einem Atomschlag aufgewachsen, die Erinnerung daran kam mit der Lektüre daran zurück.
Ulrike Serowy nahm mich mit hinunter in den Schutzraum, in die Enge, die stickige Luft, den Gestank vieler Menschen, die Türen, die sich hinter den Menschen schließen.
Dabei geht es weniger um die Katastrophe draußen, sondern um das, was im Bunker geschieht: Macht, Anpassung, Angst und Kontrolle. Beim Lesen habe ich mich immer wieder gefragt, wie ich selbst reagieren würde. Würde ich mich einordnen und Regeln befolgen, oder würde ich versuchen, dagegenzuhalten?
Die Erzählerin ist mir nahegekommen, trotz des eher distanzierten Schreibstils der Autorin, weil sie gezwungen ist, Verantwortung zu übernehmen, obwohl sie vorher ein ganz gewöhnliches Leben geführt hat. Mit ihr habe ich gespürt, wie eng und drückend es unter der Erde wird. Die Vorstellung, dass mein Alltag von einem Moment auf den anderen so enden könnte, hat mich sehr beschäftigt.
„Im Schutzraum“ führt mir vor Augen, wie schnell Sicherheit zur Fassade werden kann und wie stark der Verlust von Freiheit und Würde wiegt. Dieses bedrückende Gefühl bleibt zurück, leise, aber eindringlich.
Interessant sind auch die Erklärungen Peter Zilligs von der Geschichtswerkstatt Kalk e.V. über den Zivilschutzraum in Kalk, in dem Ulrike Serowys Story spielt. Wirklich beruhigend ist das allerdings nicht, soviel kann ich verraten.
- Herausgeber : Edition Outbird
- Erscheinungstermin : 15. Oktober 2025
- Auflage : 1.
- Sprache : Deutsch
- Seitenzahl der Print-Ausgabe : 72 Seiten
- ISBN-10 : 3948887934
- ISBN-13 : 978-3948887933




