Montag, 14. Juli 2025

Was wir bereit zu geben sind von Katharina Glück


Katharina Glück entwirft in Was wir bereit zu geben sind eine Welt, in der das Leben selbst zur knappen Ressource geworden ist. Auf den ersten Blick wirkt alles geordnet: soziale Sicherheit, medizinische Versorgung, moderne Wohnungen, nachhaltige Mobilität. Doch dieses Gleichgewicht hat einen hohen Preis – ein neues Leben darf nur entstehen, wenn ein anderes dafür geht.

Diese Grundidee bleibt im Kopf. Sie wirft Fragen auf, die über die Handlung hinausgehen: Wie weit darf eine Gesellschaft gehen, um Stabilität zu sichern? Wann wird Fürsorge zu Kontrolle? Und was geschieht mit Menschen, die in diesem System keine „richtige“ Entscheidung treffen können oder wollen? Die von Glück entworfene Welt ist nicht spektakulär überzeichnet – sie wirkt leise, fast vernünftig. Genau das macht sie so verstörend.

Im Zentrum steht Emma, die ein gutes Leben führt , verheiratet mit Amal der Schwester der Schwester des bekannten Moderators Mo Ahmadi führt, der in einem Fernsehinterview gerade sein 7. Kind und die Spenderin des Anteilschein vorstellt, durch den er erst ein weiteres Kind bekommen darf,denn es gilt: Nur wenn ein Mensch stirb darf ein neuer geborenen und die Regeln dafür sind klar geordnet. Nach der Ausstrahlung taucht Emmas Kindheitsfreundin Nora , die illegal schwanger ist, auf und fordert Hilfe von Nora. Damit  beginnt für Emma eine Phase des Zweifelns: Ihre Überzeugungen, Beziehungen und ihr Verständnis von Verantwortung geraten ins Wanken. Ihre Entwicklung ist nachvollziehbar – sie handelt zunächst eher aus Schuldgefühl als aus Überzeugung.

Nora war mir von Anfang an unsympathisch. Ihre Haltung, ständig Forderungen zu stellen, ohne selbst Verantwortung zu übernehmen, erschwerte es mir, Mitgefühl für sie zu entwickeln. Sie erwartet Hilfe, schiebt die Schuld für ihre Situation auf andere und bleibt dabei erstaunlich passiv. Trotz ihrer schwierigen Lage konnte ich keinen Zugang zu ihr finden. Gerade diese Distanz hat meine Wahrnehmung von Emma noch einmal geschärft – eine Figur, die trotz aller Zweifel bereit ist, Verantwortung zu übernehmen und für Nora Risiken einzugehen.

Emma hilft Nora, ins Alte Land zu fliehen – einen Ort, an dem andere Regeln gelten.


Bemerkenswert ist die differenzierte Darstellung der beiden Welten: Auf der einen Seite ein kontrolliertes, wohlhabendes Land, das Sicherheit bietet – solange man sich an die Regeln hält. Illegale Schwangerschaften werden jedoch streng verfolgt. Auf der anderen Seite das „Alte Land“, das mehr Freiheit, aber auch Unsicherheit und Mangel mit sich bringt. Glück verzichtet auf eindeutige Urteile. Es gibt kein „richtiges“ System, keine einfache Lösung. Das lässt Raum für eigene Überlegungen – über Werte, Kompromisse und den Preis von Sicherheit.

Fazit

Was wir bereit zu geben sind ist kein lauter Roman, aber einer, der nachwirkt. Er stellt unbequeme Fragen und verzichtet auf einfache Antworten. Wer sich auf diese Geschichte einlässt, findet eine ruhig erzählte Dystopie, die zum Nachdenken anregt – unaufdringlich, aber eindringlich.



  • Herausgeber ‏ : ‎ Amrun Verlag
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 6. März 2024
  • Auflage ‏ : ‎ 1.
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 218 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3958695434
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3958695436

Samstag, 12. Juli 2025

Nirgendwann. Plan B war auch Mist von Mac Conin


Nirgendwann. Plan B war auch Mist – eine Geschichte über Mut, Hoffnung und Neuanfänge

Jo steht vor dem Nichts: Jobs weg, Wohnung weg. Aufgeben kommt für sie aber nicht infrage – denn da sind noch ihre Geschwister, die sie nicht ganz allein lassen will, mit ihrem cholerischen Vater und einer Mutter, die sich in den Alkohol flüchtet. Nachdem ihr ekelhafter Chef Freddi sie wieder einmal angrabscht und sie deshalb auch noch den letzten Job schmeißt, und ihr Vermieter wegen Mietschulden das Schloss der Wohnung austauscht 1500 Euro sind dann doch zu viel, findet Jo vorübergehend Zuflucht bei Carlo.

Carlo erfüllt das Klischee eines Computer-Nerds perfekt: schüchtern und mit nur rudimentären Sozialkontakten. Die beiden lernen sich kennen, als Carlo das Moloko aufsucht – das Café, in dem Jo zuletzt gearbeitet hat. Er bewundert ihre effiziente Arbeitsweise – Effizienz ist genau sein Ding.

Die Geschichte wird aus unterschiedlichen Perspektiven erzählt, unter anderem aus der des Büdchens – dem kleinen Kiosk, an dem sich früher die Bewohner des Viertels trafen, um Gesellschaft zu haben, Nachrichten und Tratsch auszutauschen. Diese Passagen verleihen dem Buch eine ganz eigene Atmosphäre. Das Büdchen ist wie ein stiller Beobachter, der die Veränderungen im Viertel und im Leben der Menschen kommentiert.

Jo wollte ich trotz aller Sympathie manchmal schütteln. Statt sich Hilfe zu suchen, um finanzielle Unterstützung zu bekommen, zieht sie sich buchstäblich die Decke über den Kopf. Aber Jo ist nett. Wirklich nett – nicht so, wie das Wort heutzutage manchmal gebraucht wird. Selbst wenn es schwierig wird, lässt sie sich das nicht anmerken. Sie bleibt nach außen fröhlich, selbst als sie Lebensmittel schnorren muss, um nicht zu hungern.

Als Carlo sie mit seinem älteren Nachbarn Hänsel bekannt macht, der allein kaum noch zurechtkommt, kann sie ihm helfen und Hänsel hilft ihr, er bietet ihr einen Ausweg aus ihrer prekären Situation an, auch für ihre Geschwister Hella und Pete. Hier fiel mir das alte Sprichwort ein: „Wie es in den Wald ruft, so schallt es heraus.“

Hänsel, der alte, eigenbrötlerische Nachbar, ist für mich das emotionale Herzstück des Romans. Schon beim ersten Zusammenstoß mit Jo war mir klar: Diese beiden werden sich wieder begegnen – und es wird sie beide verändern. Wie sich ihre Beziehung entwickelt – langsam, mit viel Misstrauen, aber auch mit leisen, ehrlichen Momenten – hat mich sehr berührt. Hänsel ist kein einfacher Mensch, aber gerade das macht ihn so authentisch und liebenswert. Die Szenen zwischen ihm und Jo gehören für mich zu den stärksten im Buch.

Die Erzählung vermittelt Hoffnung und den Mut zu Neuanfängen, indem sie zeigt, wie Jo trotz zahlreicher Rückschläge immer wieder Wege findet, weiterzumachen. Auch wenn ihre Situation zu Beginn ausweglos erscheint, bleibt im Verlauf der Geschichte stets ein Gefühl von Zuversicht spürbar. Jo gibt nicht auf, nimmt Hilfe an und entdeckt neue Möglichkeiten – selbst wenn diese anders aussehen als erwartet.

Die verschiedenen Perspektiven, besonders die des Büdchens als stiller Beobachter, unterstreichen, dass Veränderungen und unerwartete Wendungen zum Leben gehören, aber auch immer Raum für einen neuen Anfang und Hoffnung auf Besserung lassen. So entsteht ein authentisches Bild davon, wie Hoffnung auch in schwierigen Zeiten bestehen bleibt, ohne die Realität zu beschönigen.



  • Herausgeber ‏ : ‎ kontrabande Verlag, Köln
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 25. April 2025
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 403 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3911831188
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3911831185

Walther Stonet zu Gast im Bücherhaus. Ein Interview


Herzlich willkommen im Bücherhaus lieber Walther, ich freue mich dich heute hier begrüßen zu dürfen und dir ein paar Fragen zu stellen. Ich habe eine kleine Auswahl an Getränken und Snacks bereitgestellt: Currywurst und Brezeln, Trollinger und Berliner Weiße, natürlich aber auch Alkoholfreies, Kaffee und Kekse. Bitte bedien dich.

Jetzt zu den Fragen:


Du schreibst unter dem Pseudonym Walther Stonet. Was steckt hinter diesem Namen und warum hast Du Dich für ein Pseudonym entschieden?

Spannend, dass Du das zuerst fragst. Du bist damit nicht allein. Wenn ich lese, ist das die erste Frage. Wie immer gibt es bei mir eine Geschichte, sogar mit zwei Kapiteln. Das „Walther“ ist mein Redakteurskürzel in Mannheimer Morgen und Rhein-Pfalz gewesen. Während des Studiums war ich freier Regionalreporter. Der Vorname ist übrigens fast zehn Jahre älter als das Internet.
„Stonet“ ist ein Ehrentitel, den mir die Redaktion einer Literaturzeitschrift gab. Wer die Buchstaben ein bisschen wirft, kommt rasch darauf, dass sich dahinter „Sonett“ versteckt. Diese Gedichtform ist meine große Poesie-Leidenschaft. Es gibt sogar einen ganzen Sonettband von mir, und in jeder Lesung gibt es zur Auflockerung Kriminalsonette auf die Ohren.


Deine Kriminalromane um Graf Brühlsdorf spielen im Südwesten Deutschlands. Was macht diese Region für Dich als literarischen Schauplatz so besonders?

Als ich – im Gespräch mit meiner Mutter – den Helden meiner Krimis ausgeheckt hatte, wusste ich, dass er an den Tübinger Halbhöhenlagen eine Villa hat, vor der er aus ins Neckartal schauen kann. Er muss außerdem über ziemlich große Geldmittel verfügen, damit mein Konzept aufgeht.
Ich bin ja ab und an in Tübingen und kann die Villa vor mir sehen.

In Deinen Werken sind aktuelle Themen wie Cyberkriminalität und Digitalisierung sehr präsent. Wie bringst Du Dein IT-Wissen in Deine Romane ein? Und was hältst du als Autor und ITler von der sogenannten KI?

Das mit der Dramatisierung technischer Themen, vor allem wenn sie Dinge betreffen, die stofflos, also das Gegenteil von Handfest, sind, stellt mich immer wieder vor neue Herausforderungen. Ich habe durchaus verschiedene Mittel gewählt und hoffe sehr, dass mir dieses kleine Kunststück immer wieder gelingt.
Brühlsdorfs Team gebraucht die KI in ihren Spielarten, als wäre das selbstverständlich. Die Kripo ist bei Weitem noch nicht so weit, und das liegt auch am Rechtsrahmen, der dem Privaten mehr Rechte einräumt als der Polizei. Wenn Journalisten Terroristen mit einer Bild-KI finden können, die die Kripo gesetzlich nicht verwenden darf, dann ist etwas nicht in Ordnung.


Was unterscheidet Deine Brühlsdorf-Krimis von anderen Regionalkrimis?

Weil sie keine sind? Nun, das stimmt natürlich nicht. Sie sind schon sehr schwäbisch eingefärbt. Manche der Nebenrollen basieren auf Menschen, die in der Region leben oder gelebt haben. Über Tübingen und die Region Tübingen-Reutlingen-Stuttgart sowie Hohenzollern weiß ich sehr viel, und das kann man auch immer wieder nachlesen.
Allerdings reichen die Krimis stets über die Region hinaus. Auch das ist Absicht. Die Cybergefahr ist nichts Regionales. Sie ist weltumspannend – genau wie das Verbrechen.

Du schreibst nicht nur Krimis, sondern auch Lyrik, Essays und Science-Fiction. Wie gelingt Dir der Wechsel zwischen den verschiedenen Genres?

Dafür gibt es kein anderes Rezept als Tun und Üben. Wenn ich in den Flow komme und ein Thema habe, geht das sogar parallel. Das heißt, ich schreibe einen Brühlsdorf-Krimi, ein paar Sonette, einen Essay über die KI und einen SF-Roman nebeneinanderher.

Gibt es einen Moment in Deiner bisherigen Autorenlaufbahn, der Dir besonders in Erinnerung geblieben ist?

Mein erster Verlagsvertrag hat mich sehr berührt.

Wie erlebst Du die Resonanz Deiner Leserinnen und Leser? Gab es Rückmeldungen, die Dich besonders bewegt haben?

Mich erstaunt immer wieder, wie unterschiedlich auf die Bücher reagiert wird. Auf Lesungen und Messen gelingt schließlich auch der für mich wichtige persönliche Kontakt. Bisher war dieser überwiegend positiv, aber ich habe dennoch viel aus der Rückkopplung lernen dürfen. Wenn man schreibt, ist man im Tunnel. Nie weiß man genau, ob ein Manuskript oder ein fertiges Buch am Ende gelingt oder nicht.

Du bist Herausgeber des Online-Magazins „zugetextet.com“. Wie wichtig ist Dir die Förderung junger Literatur und der Austausch mit anderen Schreibenden?

Zugetextet.com ist etwas Besonderes, weil es Blog und Print vereint. Gerade arbeiten die Redaktion und ich an der Bewertung der letzten Ausschreibung „Glauben versus Wissen“. Wir sind gespannt, mit welchen Texten – Prosa und Lyrik – uns die Autorinnen und Autoren überraschen werden.
Anschließend kommt der Polly-Preis (Preis für politische Lyrik) dran, bei dem über 500 Einsendungen mit bis zu drei Gedichten auf uns warten. Das wird ein hartes Stück Arbeit.


An welchen Projekten arbeitest Du gerade, und worauf dürfen sich Deine Leserinnen und Leser in Zukunft freuen?

Der vierte Brühlsdorf „Chiemsee Morde“ ist in der Zielgeraden. Der Umschlag steht. Jetzt kommt die finale Korrekturrunde. Im Herbst wird er erscheinen. Der Buchhandel und die großen Player werden ihn führen.

Ebenfalls fertig ist eine Krimi-Satire in drei Teilen, die in meiner Heimatstadt spielt. Sie durchläuft gerade die nötigen Korrekturen und das Lektorat. Natürlich schreibe ich außerdem an mehreren Projekten. Ein weiterer SF-Band wird demnächst begonnen werden, und der fünfte Brühlsdorf nimmt langsam Formen an. Schließlich entsteht der erste Band einer Cosy-Crime-Reihe. Wie dieses Konzept aufgenommen werden wird, bin ich wirklich sehr neugierig.

Und zu guter Letzt: Welche Frage wolltest du schon immer beantworten, es hat sie aber noch niemand gestellt?

Wann schläfst du eigentlich?

(Ich bin noch voll berufstätig und führe zwei Dienstleistungsunternehmen, habe Frau, Kinder, Enkel und Streuobstwiesen
. 😊)

😂 Mit der Frage habe ich ja nun überhaupt nicht gerechnet. 

Ich danke dir für deinen Besuch und wünsche dir weiterhin viel Erfolg mit deinen Büchern und weiteren Projekten.


Hier seht ihr die bisher erschienen Bücher um den Kriminalhauptkommissar a.D. Graf Brühlsdorf.


Meine Rezension zum 1. Band, Tatort Glashaus, findet ihr hier.





Freitag, 11. Juli 2025

Shinigami - Burning Chrome: Cyberpunk Short Storys von M.H.Steinmetz

 


Bevor ich auf die Kurzgeschichten eingehe, kurz ein paar Worte zum Genre:

Cyberpunk bedeutet für mich vor allem der Blick in eine Zukunft, in der Technik allgegenwärtig ist – aber nicht unbedingt zum Vorteil aller. Es geht um riesige Städte voller Neonlicht und Schatten, um Menschen, die sich mit Konzernen, künstlicher Intelligenz und Überwachung herumschlagen. Oft stehen Außenseiter im Mittelpunkt, die irgendwo zwischen Hightech und Hoffnungslosigkeit ihren Platz suchen. Cyberpunk erzählt nicht nur von coolen Gadgets, sondern auch davon, wie Gesellschaft und Individuum unter dem Druck von Fortschritt und sozialem Abstieg leiden. Wer auf düstere Atmosphäre, starke Kontraste und Gesellschaftskritik steht, ist hier genau richtig.


Mit Shinigami – Burning Chrome legt M.H. Steinmetz eine Sammlung von Kurzgeschichten vor, die mich sofort zurückversetzte in die mittlerweile vertraute Cyberpunk-Welt von New Babylon. Ich kenne bereits wohl fast alle bisherigen Bücher des Autors und so habe ich viele der Figuren direkt wiedererkannt. Besonders gefreut hat mich das Wiedersehen mit Razor und Maiko – ihre Geschichten wurden bereits ausführlicher in den gleichnamigen Heftromanen beim Schund-Verlag erzählt. 

Was die Anthologie für mich auszeichnet, ist die konsequente Atmosphäre: Steinmetz gelingt es, auch im kurzen Format die düstere Spannung Babylons spürbar zu machen. Der Kontrast zwischen technologischer Überhöhung und existenzieller Verlorenheit zieht sich durch alle Erzählungen und verleiht ihnen eine eindringliche Tiefe. Die Schauplätze wirken greifbar, die Figuren sind präzise gezeichnet, und trotz der kompakten Form bleibt jede Story nachvollziehbar und in sich schlüssig.Die Sprache, die M.H.Steinmetz verwendet ist, derb und manchmal auch ziemlich vulgär, damit muss man umgehen können. 

Interessant ist auch, was einzelne Protagonisten über sich sagen, ein Aspekt der mir die handelnden Personen noch etwas näher gebracht hat.

Wer das Steinmetz-Universum kennt, entdeckt zahlreiche Anspielungen, Entwicklungen und Perspektivwechsel auf die vorigen Bände– für Neuleser*innen bietet die Sammlung zugleich einen zugänglichen Einstieg.

Shinigami – Burning Chrome ist für mich eine atmosphärisch dichte Erweiterung der New-Babylon-Reihe – vielschichtig, stilistisch pointiert und unbedingt empfehlenswert für alle, die sich in düsteren Cyberpunk-Szenarien zu Hause fühlen.


Das Coverdesign der Shinigami-Reihe stammt von Azrael ap Cwanderay, der bereits für die Gestaltung der Umschläge der Vorgängerbände verantwortlich war. Seine Arbeiten zeichnen sich durch einen eigenständigen, atmosphärischen Stil aus.Durch die konsequente Zusammenarbeit mit Azrael ap Cwanderay erhalten alle Bände der Shinigami-Reihe ein einheitliches und wiedererkennbares Erscheinungsbild.



  • ASIN ‏ : ‎ B0F2HX4DM2
  • Herausgeber ‏ : ‎ Independently published
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 25. März 2025
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 169 Seiten
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 979-8300565176
  • Lesealter ‏ : ‎ 16–18 Jahre

Der Totengräber und die Pratermorde von Oliver Pötsch


Oliver Pötsch führt uns in seinem neusten Buch wieder nach Wien, diesmal in das Jahr 1896. Schon nachdem ich das letzte Buch beendet hatte, freute ich mich auf einen neuen Fall mit Augustin Rothmayer, Leopold von Herzfeldt und Julia Wolf – das Wiedersehen fühlt sich inzwischen an wie die Rückkehr zu alten Freunden. Umso größer war die Spannung, mit welcher Geschichte Oliver Pötsch dieses Mal aufwartet – und ich wurde nicht enttäuscht.

Augustin Rothmayer, der Totengräber mit viel Herz und feinem Gespür für das Morbide, steht erneut im Mittelpunkt. Besonders faszinierend fand ich seine Zusammenarbeit mit Professor Hofbauer: der ihn bei der Arbeit an seinem neuen Buch ‚Was uns die Toten erzählen‘ unterstützt. Rothmayer führt erste forensische Experimente mit Fliegen und Maden durch – ein ungewohntes, aber überaus spannendes Detail, das zeigt, wie sich die Wissenschaft langsam in die Ermittlungsarbeit vorwagt. Gleichzeitig ringt Rothmayer mit seiner Rolle als Ziehvater der 15-jährigen Anna, das Mädchen steckt mitten in der Pubertät und macht mit ihrer Eigenwilligkeit Augustin das Leben manchmal ganz schön schwer.

Auch Inspektor Leopold von Herzfeldt überzeugt wieder auf ganzer Linie. Mit seiner Grazer Beharrlichkeit und Offenheit für neue Methoden bringt er frischen Wind in die Wiener Polizeiarbeit. Julia Wolf steht ihm als kluge und selbstbewusste Partnerin zur Seite – sie lässt sich nicht einschüchtern, weder von Vorgesetzten noch von gesellschaftlichen Konventionen. Das Zusammenspiel der drei Hauptfiguren funktioniert wunderbar und zeigt, wie gut sie sich ergänzen: Rothmayers Lebenserfahrung, Herzfeldts moderne Ansätze und Julias Mut bilden ein starkes Team, trotz ihrer zwischenzeitlichen Trennung, da war ich, obwohl ich nicht viel für Liebesgeschichten in Krimis übrig habe, doch etwas enttäuscht, die beiden gehören doch irgendwie zusammen.

Der Fall selbst beginnt spektakulär: Zwei Zauberkünstler sorgen in Wien für Furore – der Amerikaner Banton im Ronacher, der Große Bellini im Prater. Doch bei der berühmten Illusion der „zersägten Jungfrau“ kommt es zur Katastrophe – die Assistentin stirbt vor den Augen des Publikums. Was zunächst wie ein tragischer Unfall wirkt, entpuppt sich bald als der erste Mord einer ganzen Serie. Die Ermittlungen führen tief in eine Welt aus Täuschung, Eitelkeit und Abgründen hinter der Bühne, die Pötsch mit viel Liebe zum Detail und einer Prise düsterem Flair beschreibt.

Pötsch gelingt es erneut, das Wien der Jahrhundertwende atmosphärisch dicht und lebendig zu zeichnen. Der Wandel der Zeit – zwischen Aberglauben und aufkommender Kriminaltechnik – wird ebenso greifbar wie die sozialen Spannungen im alten Wien. Gerade dieser Kontrast macht den Reiz der Reihe für mich aus. Fingerabdrücke gelten noch nicht als Beweismittel, vieles basiert auf Intuition und Erfahrung – und dennoch: Die Moderne klopft schon deutlich an. Die Spannung wird durch überraschende Wendungen und die dichte Atmosphäre konstant gehalten, so kam es dann wieder einmal zu dem bekannten Phänomen: Eine Seite noch und noch eine und schon graut der Morgen.😅

Für mich war Der Totengräber und die Pratermorde ein spannendes Leseerlebnis. Der Kriminalfall ist vielschichtig und klug konstruiert, die Figuren sind vertraut, entwickeln sich aber weiter, und das Setting rund um die magische Bühnenwelt verleiht der Geschichte eine besondere Note. Ein echter Höhepunkt der Reihe – und ich freue mich schon jetzt auf das nächste Buch.


  • Herausgeber ‏ : ‎ Ullstein Paperback
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 26. Juni 2025
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 544 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3864932254
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3864932250