Freitag, 7. März 2025

Bis an Meer von Peggy Patzschke


Januar 1945: Nur mit dem Nötigsten am Leib und bei eisigen minus dreißig Grad muss Frieda über Nacht mit ihrer Tochter aus Schlesien fliehen. Ihr Mann Karl ist an der Front. Frieda und er haben einander versprochen, sich wiederzufinden und den Glauben an ihre Liebe zu bewahren – ohne zu ahnen, welchen Preis Frieda dafür zahlen wird.

Jahrzehnte später fragt sich ihre Enkelin, warum sie jene Bindungen, nach denen sie sich doch eigentlich sehnt, nicht eingehen kann. Woher rührt diese Angst vor Nähe? Als sie sich auf Spurensuche in ihrer Familie begibt, entdeckt sie eine dramatische Geschichte, die bis in die Gegenwart wirkt.


Ein Liebesroman? Gelesen im Bücherhaus? Das kommt bei mir eher selten vor. Aber manchmal weckt der Klappentext mein Interesse – so auch bei Peggy Patzschkes Debütroman Bis ans Meer. 


Die Handlung beginnt mit einem Tanzabend, der die Leichtigkeit und Unbeschwertheit der jungen Liebe zwischen Frieda und Karl einfängt.  Gemeinsam schweben sie über die Tanzfläche, und Frieda träumt davon, im nächsten Sommer mit Karl am Meer zu stehen. Doch diese Leichtigkeit ist nur von kurzer Dauer. Der Krieg reißt sie auseinander: Karl wird an die Front geschickt, und Frieda muss mitten im Winter mit ihrer kleinen Tochter Erika aus dem schlesischen Brieg (heute Brzeg) vor den herannahenden russischen Truppen fliehen.

Besonders berührend fand ich die liebevolle Beziehung zwischen Frieda und ihrer Tochter während der Flucht diese steht im krassen Gegensatz zu dem Verhältnis das Mutter und Tochter in späteren Jahren zueinander haben, das kann Friedas Enkelin nicht nachvollziehen. Für sie war ihre Großmutter immer ein Inbegriff von Liebe und Geborgenheit, während ihre Mutter oft erschöpft war und sagte: „Die Kraft fehlte.“ Diese Spannungen ziehen sich durch die Generationen.


Die Enkelin kämpft selbst mit Bindungsängsten. Sie beendet Beziehungen, bevor sie ernst werden, und steht schließlich vor einem Wendepunkt: An dem Tag, an dem sie von ihrer Schwangerschaft erfährt und ihr Partner ihr einen Antrag macht,beendet sie auch diese Beziehung. Erst durch Briefe, die ihre Mutter ihr widerwillig überlässt, beginnt sie zu verstehen, woher ihre Ängste kommen.


Mit vielen Zeitsprüngen erzählt der Roman die Geschichten von Frieda, Erika und der Enkelin. Die Sprünge machen das Lesen stellenweise etwas anstrengend, aber sie ermöglichen einen umfassenden Einblick in das Leben der drei Frauen. Besonders beeindruckend fand ich, wie Peggy Patzschke es schafft, die Auswirkungen von unverarbeiteten Traumata über Generationen hinweg darzustellen.

Es hat mich sehr berührt, wie authentisch und persönlich diese Geschichte ist, inspiriert von der Familiengeschichte der Autorin selbst. Die Charaktere wirken lebendig und greifbar; ich konnte ihre Hoffnungen und Enttäuschungen, das Leid, das sie erfahren mussten, förmlich spüren. Bis ans Meer ist ein Roman, der zum Nachdenken anregt, über die eigene Familiengeschichte und darüber, wie sie uns alle prägt.
Ich habe einen Lieblingsatz, ich bin halt eine hoffnungslose Romantikerin und meist ziemlich optimistisch:

"Na dann, auf ein Neues, Große. Ohne die alten Fehler, aber mit unseren alten Träumen"


  • Herausgeber ‏ : ‎ Rütten & Loening; 1. Edition (12. Februar 2025)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 445 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3352010099
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3352010095

Mittwoch, 5. März 2025

Der Schattengarten: Wie ich mein Glück im Moos fand von Christine von Brühl

 

Christine von Brühls Mann hat ein verwildertes Grundstück im Wald entdeckt und möchte darauf einen Garten anlegen. Das Gelände ist unwegsam und düster, es gibt weder Wasser noch Strom. Dafür aber Brennnesseln. Christine vom Brühl fühlt sich verloren und fremd. Ihr Mann gewinnt Regenwasser vom Dach und leitet es ins Haus. Sie bewaffnet sich mit Gießkanne und Gummistiefeln und gießt eigenhändig die Rhododendren. Das Projekt ist zu einem gemeinsamen geworden. Aber plötzlich taucht ein neuer Gegner auf. Als wären Trockenheit und fehlendes Licht nicht schon genug. Er ist mächtig, er ist der kosmische Antagonist des halbschattigen Gärtnerpaares: die Wühlmaus. – Eine Geschichte voller Naturverbundenheit, Widerstandswillen und Beziehungssinn. 

Christine von Brühl hat mit "Der Schattengarten: Wie ich mein Glück im Moos fand" einen Roman geschrieben, der auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheint. Gartenarbeit ist nichts, was Christine besonders anspricht; sie liebt Gärten eher zum Ansehen und zum Spazierengehen. Als ihr Mann ein verwildertes, schwer zugängliches Stück Land im Wald entdeckt und ohne Absprache mit ihr kauft, hält sich ihre Begeisterung in engen Grenzen. Fortan besteht die Freizeitgestaltung der Familie aus Fahrten zum Grundstück, Unkraut jäten, dem Kampf gegen Trockenheit und gegen Wühlmäuse. Während Christines Mann mit wachsendem Elan das Grundstück in einen Garten verwandelt und dabei manchmal die Familie zu vergessen scheint, braucht Christine länger, bis sie sich mit dem Stück Land verbunden fühlt.

Das Büchlein im Kleinformat umfasst gerade mal 176 Seiten, was wirklich nicht viel ist – und in kurzer Zeit ist man damit auch schon durch. Und doch hat es die Autorin geschafft, auf so kleinem Raum einen Großteil ihres Lebens zu erzählen. Wir erleben mit ihr, wie sie sich anfreundet mit dem Garten, wie ihre Gefühle dem Garten gegenüber von totaler Abneigung über Akzeptanz bis zur Gartenliebe wandeln. Der Titel "Wie ich mein Glück im Moos fand" spiegelt diese persönliche Entwicklung wider, die über die bloße Gartenarbeit hinausgeht. Es geht nicht nur um den Garten; wir erfahren zwischen den Zeilen auch, wie sie ihren Mann immer besser versteht und seine Beweggründe erforscht.

Ich mochte ihren Schreibstil, die Art, wie sie erzählt, ist locker und schnörkellos. Der humorvolle Unterton, der durch das Buch zieht, macht es zu einem unterhaltsamen Lesevergnügen. Allerdings hätte ich mir etwas mehr Tiefe gewünscht; Christine scheint alle Entscheidungen ihres Mannes recht klaglos hinzunehmen und verzichtet auf das Leben, das sie eigentlich führen wollte. Trotz dieser kritischen Anmerkung ist das Buch eine charmante und leicht lesbare Geschichte über die Entdeckung neuer Leidenschaften. Die Illustrationen von Teresa Habild sind passend zur Geschichte gewählt.





  • Herausgeber ‏ : ‎ Kanon Verlag Berlin; 1. Edition (27. Februar 2025)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 176 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3985681732
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3985681730


Dienstag, 4. März 2025

Tabakpech von Eva-Martina Weyer

"Tabakpech" erzählt als große Familiengeschichte die Jahre 1930 bis 1995 im unteren Odertal, wo die Grenzen von Preußen und Pommern, von Hochdeutsch und Platt verwischen. Das Schicksal der Menschen ist von Tabak und Tradition geprägt. Das Tabakpech, der Saft, der beim Ernten aus der Pflanze tritt, klebt schwarz an den Händen der Bauern. Im Tabak ist der Traum der Bäuerin Elfie zugrunde gegangen, Sängerin in Berlin zu werden. Sie hat sich für die Pflicht entschieden und ist nie aus dem Tabakland herausgekommen. Elfie hasst den Tabak und meint, durch ihn habe sie die Chance ihres Lebens verpasst. "Tabakpech" ist durchwoben von einem märchenhaft anmutenden Erzählton.


Als ich das erste Mal von dem Buch und der Geschichte, die es erzählt, hörte, fielen mir wieder die vielen Frauen ein, die in meiner Familie in der Zigarrenproduktion arbeiteten, sei es, dass sie zu Hause in Heimarbeit die Zigarren rollten oder in einer ortsansässigen Zigarrenfabrik. Der Tabak dafür kam immer aus weit entfernten Ländern.
Dass auch in Deutschland Tabak angebaut wurde, war mir vollkommen unbekannt. Tatsächlich brachten die Hugenotten den Tabakanbau ins Untere Odertal, wo er zu einem wichtigen Wirtschaftszweig der Region wurde. Meine Neugier war also geweckt.

1995 fährt Elfie zum Verkauf ihres Tabaks, voller Sorge, dass der Ankäufer ihre Ware als minderwertig einstuft. Während sie vor dem Gasthaus, wo der Ankäufer die Tabakbauern empfängt, wartet, lässt sie ihr Leben Revue passieren. Nach dem Tod ihrer Mutter wird 1933 sie als Fünfjährige in den Haushalt ihrer liebevollen Tante Wilmine aufgenommen. Dort wächst sie wie deren eigenen Kinder auf, mit denselben Rechten und Pflichten.

Der Tabak bestimmt das Leben der Bauernfamilien mit hugenottischen Wurzeln. Jede Wachstumsphase erfordert besondere Sorgfalt, und auf den Höfen wird jede helfende Hand gebraucht. Auch Kinder, die zur Schule gehen, müssen mit anpacken.
Mit dem Zweiten Weltkrieg brechen schwere Zeiten an. Viele Männer werden eingezogen, und nicht alle kehren zurück. Erst kommen die Einberufungsbefehle, dann oft Briefe mit Todesnachrichten oder Vermisstenmeldungen. Doch die Frauen halten zusammen und stemmen die harte Arbeit auf den Feldern. Träume zerplatzen – Elfies Wunsch, in Berlin als Sängerin aufzutreten, bleibt unerfüllt. Auch ihre Ziehschwester Grete muss den Traum, Lehrerin zu werden, aufgeben.

Eva-Martina Weyer hat mich mit ihrem Debüt beeindruckt. Ihr Erzählstil ist schnörkellos und zugleich einfühlsam. Sie beschreibt das Leben der Menschen im Odertal von 1930 bis 1995 – eine Zeit voller Umbrüche: der Zweite Weltkrieg, die Kollektivierung in der DDR, der Mauerfall und schließlich das Ende des Tabakanbaus in der Region. Anders als der Klappentext suggeriert, ist der Ton des Romans nicht märchenhaft, sondern lebendig und detailreich. Weyer zeichnet nicht nur das Porträt einer bemerkenswerten Frau, sondern auch das einer einzigartigen Landschaft und ihrer Bewohner.




Fazit: Eva-Martina Weyer überzeugt mit einem schnörkellosen, aber einfühlsamen Erzählstil, der die Menschen und ihre Zeit lebendig werden lässt. Besonders gelungen ist die Darstellung der Frauen, die trotz aller Widrigkeiten ihren Platz in der Gesellschaft behaupten. Ein lesenswerter Roman für alle, die sich für deutsche Geschichte und starke Lebensgeschichten interessieren.



Herausgeber ‏ : ‎ STROUX edition; 1. Edition (14. Oktober 2024)
Sprache ‏ : ‎ Deutsch
Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 280 Seiten
ISBN-10 ‏ : ‎ 3948065381
ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3948065386

Samstag, 1. März 2025

Choices: Die Verborgenen von Nils Nöske

„Wer willst du sein? Das ist die einzige Frage, die dir das Schicksal immer wieder stellt, wenn du mich fragst … Und allein die Tatsache, ob du in einem Moment wirklich daran glaubst, dieser Jemand sein zu können oder nicht, entscheidet am Ende darüber, ob du eine Maske aufsetzt oder ob du diese Person einfach bist.“

Heimlichkeiten, Illusionen, Lügen, Masken. Verborgen vor unseren Augen liegt eine Welt, die vielschichtiger und bedeutender für uns ist, als wir es ahnen. Doch als Pheora und Fernull durch einen Zufall einen geheimnisvollen Fund machen, beginnen sie zu erkennen, was hinter der Fassade liegt. Schon sehr bald müssen sie sich nicht nur mit dem seltsamen Wesen Cratulla herumschlagen, sondern sich auch den unheimlichen Gefahren stellen, die ihre Entdeckung mit sich bringt. Und plötzlich finden die beiden sich inmitten eines Plans wieder, von dem sie unmöglich wissen können, ob er am Ende wirklich ihr Schicksal sein soll.


Als ich das erste Mal hörte, dass es ein neues Buch von Nils Nöske geben wird, habe ich mich sehr gefreut, schließlich kannte ich seine bisherigen Bücher und mochte sie sehr. Die Verborgenen geht die Reihe Choices nun weiter. Ich muss zugeben, das Buch birgt so einige Herausforderungen, man merkt der Geschichte den beruflichen Hintergrund Nils Nöskes definitiv an und ich brauchte eine Weile bis ich mir einbilden konnte zu wissen, was der Autor mit seinem Buch sagen will.

Nils Nöske entführt uns in seinem neuesten Werk der "Choices"-Reihe in eine faszinierende Welt voller Geheimnisse und verborgener Wahrheiten. Mit den Protagonisten Pheora und Fernull tauchen wir ein in ein Abenteuer, das weit mehr ist als nur eine spannende Geschichte – es ist eine tiefgründige Erforschung der menschlichen Natur und unserer Beziehungen zueinander.

Nöske greift geschickt das zentrale Thema der Identität auf. Die Frage "Wer willst du sein?" zieht sich wie ein roter Faden durch das Buch und regt den Leser zum Nachdenken über die eigene Authentizität an. Die Charaktere ringen mit den Masken, die sie tragen, was eine packende Darstellung des alltäglichen Kampfes zwischen Selbstdarstellung und wahrem Ich bietet.
Die Entwicklung der Beziehungen zwischen den Charakteren ist besonders gelungen. Nöske zeigt eindrucksvoll, wie schwierig es sein kann, Vertrauen aufzubauen und sich anderen zu öffnen. Die Dynamik zwischen Pheora und Fernull sowie ihre Interaktionen mit dem rätselhaften Wesen Cratulla sind fesselnd und glaubwürdig dargestellt.

Was als zufällige Entdeckung beginnt, als zunächst Pheora und dann auch Fernull die Masken entdecken, die ihr Wesen und ihre Handlungen beeinflussen, entpuppt sich schnell als ein komplexes Abenteuer. Nöske verwebt geschickt Elemente von Spannung und philosophischer Reflexion. Die Gefahren, denen sich die Protagonisten stellen müssen, sind durchaus spannend, während die tieferen Fragen nach Schicksal und freiem Willen zum Nachdenken anregen.

Nöskes neuster Beitrag zur "Choices"-Reihe ist ein gelungener Mix aus spannender Unterhaltung und tiefgründiger Reflexion. Es gelingt ihm, wichtige Themen wie Vertrauen, Freundschaft und Selbstfindung in eine fesselnde Geschichte zu verpacken. Leser werden nicht nur unterhalten, sondern auch dazu angeregt, über ihre eigenen "Masken" und Beziehungen nachzudenken. Für meinen Geschmack hätte das eine oder andere etwas kürzer sein können. Nöskes Art zu erzählen ist oft reichhaltig und detailliert, was manchmal die Geduld der Leser ein wenig strapazieren könnte aber vielleicht liegt das Empfinden ganz allein bei mir, Geduld ist nicht immer meine Stärke. Trotzdem mochte ich die Geschichte sehr und ich habe sie mit wachsendem Vergnügen gelesen.


  • ASIN ‏ : ‎ B0DR7TS551
  • Herausgeber ‏ : ‎ Independently published (1. Februar 2025)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 419 Seiten
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 979-8302664266





Freitag, 28. Februar 2025

Zu Gast im Buecherhaus: Claudius Crönert



Heute habe ich den in Hamburg geborenen Autor Claudius Crönert zu Gast. Nach seinem Studium der Kunstgeschichte und Philosphie hat er sich als politischer Journalist und Literat einen Namen gemacht. 

Er ist bekannt für seine Kriminalromane und historischen Werke, darunter der mit dem Goldenen Homer ausgezeichnete Roman "Freyas Land". Unter dem Pseudonym Carl Rath veröffentlicht er ebenfalls spannende Krimis. Zu seinen weiteren bemerkenswerten Büchern zählen "Die Herren der Schwerter", "Das Kreuz der Hugenotten" und "Letzter Tanz auf Sankt Pauli".

Seine Arbeiten zeichnen sich durch eine fundierte Recherche und ein tiefes Verständnis für historische Kontexte aus, was ihm ermöglicht, komplexe Geschichten mit lebendigen Charakteren zu erzählen.

Hallo Claudius, herzlich willkommen im Bücherhaus! Es ist mir eine große Freude, dich heute hier zu haben. Ich freue mich darauf, mit dir über deine faszinierenden Romane zu sprechen und mehr über deine Inspirationen und kreativen Prozesse zu erfahren. Deine Werke haben viele Leser begeistert, und ich bin gespannt auf die Geschichten hinter deinen Büchern. Lass uns gemeinsam in die Welt deiner historischen Romane eintauchen und mehr über dein neuestes Werk "Das Erbe der Karolinger" erfahren. Kaffee, Tee und Kekse stehen bereit, bitte bedien dich.


Fangen wir ganz harmlos an:

1. Wenn du nicht schreibst, wie vertreibst du dir die Zeit?

Ich lese, treibe Sport, gehe ins Kino oder treffe mich mit Freunden.


2. Wie war dein Weg zum Schreiben? Gab es ein bestimmtes Erlebnis oder einen Moment, der dich dazu inspiriert hat, Autor zu werden?

Das Schreiben war immer in meinem Leben, ich habe schon als Kind und als Jugendlicher Geschichten geschrieben. Es gab dann Momente in meinem Leben, wo ich mir die Frage gestellt habe, ob ich ernst damit machen möchte. Wie man sieht, habe ich sie mit Ja beantwortet.


3. Welches Buch – außer deinen eigenen, das versteht sich ja von selbst– würdest du jemandem empfehlen, der sich für historische Romane interessiert, und warum?

Einen einzigen historischen Roman zu empfehlen, ist schwierig bis unmöglich. Ich nenne drei: 1. Robert Harris: „Intrige“ – ein Buch, das auf eindringliche Weise den Weg eines Menschen zur Einsicht beschreibt. 2. Madeleine Miller: „Das Lied des Achill“. Der Autorin gelingt es, eine uralte Geschichte auf ganze neue und berührende Art zu fassen. 3. Jurek Becker: „Jakob, der Lügner“. Ein Drahtseilakt zwischen Dilemma, Grausamkeit und Absurdität.


4. Du hast schon einige sehr erfolgreiche Romane veröffentlicht, wie hat dein beruflicher Hintergrund als Journalist deine Arbeit als Autor beeinflusst?


Ich habe mich immer für Fragen von Politik und Gesellschaft interessiert, im Journalismus genauso wie im Romanscheiben. Beides hat sich gegenseitig beeinflusst, würde ich sage.


5. Wie unterscheiden sich deine historischen Romane von deinen Kriminalromanen in Bezug auf Stil und Recherche?


Im Krimi ist der Stil heutiger, die Recherche geht in die Kriminalistik, die Schauplätze lassen sich leichter abgehen. Im historischen Roman ist es eine andere Art von Recherche (Museen, Literatur), und es braucht ein wenig Vorstellungskraft, um die alte Zeit heraufzubeschwören.



5. Hast du eine Lieblingsepoche, über die du am liebsten schreibst?


Nein, für mich ist es wichtig, dass ich irgendwo den Ansatz einer Geschichte erkenne, die mich interessiert, die mich packt. Das zählt mehr als die jeweilige Epoche. In diese versuche ich dann einzutauchen.



6. Und wenn wir schon bei Lieblingen sind hast du auch eine Lieblingsfigur aus deinen Romanen, die du gern treffen würdest?



Ja, Herkus Monte aus „Die Herren der Schwerter“, das heute unter dem Titel „Der Fürst des Ostens“ bei dotbooks erhältlich ist. Ich habe das Buch vor etwa fünfzehn Jahren geschrieben. Damals ist Herkus mir ans Herz gewachsen, und das hat bis heute gehalten.


7. Für Freyas Land wurdest du mit dem Goldenem Homer ausgezeichnet, dem Preis für historische Romane, hat diese Auszeichnung deine Arbeit nachhaltig beeinflusst?



Sie hat mich bestärkt und bestätigt, und das war schön.



8. Die Zeit der Karolinger ist den meisten von uns nur durch den Geschichtsunterricht bekannt, was waren die größten Herausforderungen bei der Recherche zu dem Buch?




Die zeitgenössischen Schriften über Kaiser Ludwig sind in Bezug auf die handelnden Personen nicht besonders zuverlässig. Trotzdem bezieht sich die wissenschaftliche Literatur stark auf sie. Die Herausforderung war, eigene Charaktere zu schaffen, die in die verbürgten Geschehnisse passen.


9. Magst du uns ein kleines bisschen über Das Erbe der Karolinger verraten?




Es handelt sich um eine Familien- und Erbschaftsgeschichte im Mittelalter. Kaiser Ludwig hatte drei Söhne. Nachdem einem Unfall hat er das Reich für den Fall seiner Nachfolge aufgeteilt. Dann starb seine Frau, er hat wieder geheiratet und einen weiteren Sohn bekommen. Da er auch diesem ein Erbe zukommen lassen wollte, hat er sein Testament neu gefasst. Seine Söhne aus erster Ehe waren damit nicht einverstanden. So begann ein langer, fataler Streit in der Familie. Von diesem erzählt der Roman.




Vielen Dank, Claudius, für das nette Gespräch und die Einblicke in deine Arbeit. Es war mir ein großes Vergnügen, mit dir zu sprechen und mehr über deine Werke zu erfahren. Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg und Inspiration für deine zukünftigen Projekte. Auf ein baldiges Wiedersehen!


"Das Erbe der Karolinger" erscheint am 28.02.2025 

  • Herausgeber ‏ : ‎ Lübbe; 1. Aufl. 2025 Edition (28. Februar 2025)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 816 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3757701100
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3757701109