Sonntag, 9. Februar 2025

Eigentlich gut: Geschichten von Cornelia Roffler

Eine Runde von unverwechselbaren Frauen trifft sich im Kunsthaus, am See und beim Buchclub. Jede bringt etwas mit. Kuchen und Lügen, Geheimnisse und Glückskekse. Es ist alles da, und das grosse Auftischen unter dem Sonnenschirm kann beginnen. Die Reise mit ihnen führt tief ins eigentlich gute Leben und seine Geschichten.124 Seiten, das ist nicht sonderlich viel um wirklich tief in die Thematik einzutauchen, aber worum geht es eigentlich. Wir begleiten eine Gruppe Frauen verschiedenen Alters in unterschiedlichen Alltagssituationen, sie treffen sich im Museum und im Garten am See. Wobei tatsächlich der erste Teil des Büchleins nicht besonders lange im Gedächtnis bleibt, Gespräche und Gedanken die es eigentlich verdient hätten weiter vertieft zu werden, doch bevor es so weit kommt, geht man schon weiter. Das ändert sich allerdings, als die Frauen sich zu einem Buchclub zusammenfinden. Dort sprechen sie über ihre tiefsten Geheimnisse und was sich daraus ergibt, wie man mit ihnen lebt und ob man sie offenbaren sollte und wenn ja wie?Was mir besonders gefallen hat, ist der Schreibstil der Autorin. Er hat mich regelrecht durch das Buch getragen und die Geschichte auf eine sehr angenehme Weise zugänglich gemacht.Als Kritikpunkt möchte ich anmerken, dass es im Buch kurze englische und französische Sätze gibt, die meiner Meinung nach hätten übersetzt werden sollen. Nicht jeder Leser spricht diese Sprachen fließend. Ein Beispiel dafür ist ein französischer Hotelname, der im Zusammenhang der Geschichte offenbar für Erheiterung sorgt, bei mir als Leser jedoch nur Fragezeichen aufwarf, ich habe das dann übersetzen lassen. Solche sprachlichen Hürden, seien sie auch noch so klein, können den Lesefluss stören und den Zugang zu bestimmten Pointen erschweren.

Ein angenehm geschriebener Roman über eine Gruppe Frauen, deren Treffen zu tiefgehenden Gesprächen führen könnten, hätte die Autorin ihnen mehr Raum gelassen. Während der Einstieg etwas oberflächlich bleibt, gewinnt die Geschichte im zweiten Abschnitts an Tiefe und emotionaler Resonanz.


  • Herausgeber ‏ : ‎ Edition Maulhelden; 1. Edition (28. Mai 2024)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 128 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3907248112
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3907248119

Zu Gast im Bücherhaus: Iver Niklas Schwarz

 

Heute habe ich den Horrorautor Iver Niklas Schwarz zu Gast, mit zahlreichen Kurzgeschichten in renommierten Anthologien hat er sich bereits einen Namen in der Horror- und Thriller-Szene gemacht.

Seine Werke vereinen gekonnt Spannung und ein gutes Gespür für das Verborgene.


Guten Morgen Iver Niklas, herzlich willkommen im Buecherhaus, ich freue mich sehr über deinen Besuch, Kaffee, Tee, alkoholfreie Getränke und Kekse stehen bereit, bitte bedien dich.

Bevor wir zu den Fragen kommen, stell dich meinen Lesern doch kurz vor.


Hallo und vielen Dank für die Einladung! Du hast es ja schon gesagt: Ich bin Iver Niklas Schwarz und als Autor auf der eher dunklen Seite des Lebens unterwegs. Gestartet im Horror bin ich als Schriftsteller mittlerweile in allen Genres unterwegs, in denen es düster und geheimnisvoll zugeht. Mein Debütroman „Kummersee“ ist dieser Tage im Ullstein-Verlag erschienen und dürfte wohl am besten als Thriller mit Mystery-Elementen zu beschreiben sein. Davor habe ich im letzten Oktober bei dtv die Anthologie „Das Böse vor deiner Tür“ herausgegeben, in der bekannte deutschsprachige Autor:innen aus Spannung und Phantastik waschechte Horrorstorys geschrieben haben, die hier spielen, vor unserer Nase, statt irgendwo in Übersee.


1.Ich habe mich ja ein bisschen schlau gemacht und gelesen das du Archäologe und Historiker bist, wie hat das deine Arbeit als Autor beeinflusst?


Egal ob im „Brotjob“ oder als Autor: Das Verborgene und Geheimnisvolle interessiert mich. Oftmals ist die Arbeit als Archäologe gar nicht so viel anders als das Schreiben: Man entdeckt ein Fragment, ein Detail einer Geschichte. Das kann ein Knochen im Boden oder eine spannende Szene in einer Story sein. Dann fängt man vorsichtig zu graben an, bis man das große Ganze freigelegt hat. Manchmal war der Knochen nur ein einzelner Knochen und die Szene nicht mehr als eine Szene ohne Zusammenhang. Aber manchmal stößt man auf noch viel mehr, mit dem man nicht gerechnet hätte. Dann wird aus einem Knochen ein ganzer Friedhof und aus einer Szene ein Roman.


2. Gibt es einen Autor oder eine Autorin von denen du besonders beeindruckt wurdest, die dich vielleicht sogar dazu inspiriert haben Schriftsteller zu werden?


Ich müsste lügen, wenn ich das verneinen würde. Mit 11 oder 12 Jahren lag ich meiner Mutter in den Ohren, dass mir langweilig wäre und ich etwas zu lesen haben wolle. Sie schickte mich auf den Dachboden. Dort stand eine Kiste mit alten Taschenbüchern. Darunter fanden sich Schätze wie „Carrie“, „Es“, „The Stand“ und „Friedhof der Kuscheltiere“. Nicht unbedingt altersgerecht, aber ich war völlig fasziniert und habe jedes Buch von Stephen King verschlungen, das ich kriegen konnte. Das hat sogar dazu geführt, dass die Leiterin der Stadtteilbibliothek bei uns zu Hause angerufen hat, um sich zu erkundigen, ob ich all diese gruseligen, brutalen Sachen denn lesen dürfe. Bis heute halte ich Stephen King für einen begnadeten Beobachter, wenn es darum geht, wie menschliches Mit- und Gegeneinander funktionieren. Und sein Buch „Über das Schreiben“ hat mich schließlich dazu gebracht zu sagen: „Warum versuchst du das nicht auch mal?“

An dieser Stelle danke ich dem Meister Stephen King.😊


3.Wenn du nicht schreibst, womit verbringst du deine Zeit?


Wenn ich nicht schreibe oder Geld verdienen muss, bin ich ein ziemlicher Katzennarr und Sportjunkie. Zum Runterkommen lese ich viel und baue außerdem Chilis an. Ich liebe scharfes Essen! Und natürlich verbringe ich auch gern Zeit mit Familie und Freunden, am liebsten draußen in der Natur oder bei Spieleabenden.


4.Als Autor, der sich auf Horror und Thriller spezialisiert hat, was glaubst du, macht eine wirklich gruselige Geschichte aus?

Für eine wirklich gruselige Geschichte braucht man eine Hauptperson, mit der sich die Lesenden identifizieren können. Dieses Gefühl von „das-könnte-ich-sein“ ist elementar wichtig. Dann benötigt man eine Situation, die so alltäglich, harmlos und normal ist, dass man sagst: „Ja, kenn ich! Alles cool!“ Aber dann fängst du an und baust langsam Bruchstellen ein. Kleine Dinge, die nicht in Ordnung sind. Nur ganz beiläufig, nicht zu offensichtlich und nicht zu viel auf einmal. Ins Vertraute schleicht sich etwas Fremdes, Unbekanntes ein, das unsere Selbstsicherheit erschüttert. Urängste funktionieren da super. In der Eröffnungsszene von „Kummersee“ geht ein Geschwisterpaar in einem Waldsee schwimmen. Auf dem Weg zum Baden erzählt Tom seiner kleinen Schwester Lena eine Gruselgeschichte, wie der Kummersee zu seinem Namen gekommen sein soll: Einst sei im See ein Kind ertränkt worden. Lena glaubt ihm kein Wort. Aber als sie ins Wasser steigt, fragt sie sich, was unter ihr ist. Der See ist tief und ihr Blick reicht längst nicht hinab bis zum Grund … Dann streicht unter Wasser etwas an Lenas Bein entlang. Und plötzlich verschwindet der Kopf ihres Bruders in den Wellen. Aus einem sommerlichen Schwimmausflug wird ein Albtraum. Ich denke, das ist ein ganz gutes Beispiel …


5.Du hast mit Wulf Dorn die Anthologie "Das Böse vor deiner Tür" herausgegeben. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit und was war die Inspiration für das Thema?

Schon seit Jahren liege ich meinen Mitmenschen mit der These in den Ohren, dass Horror in deutschsprachigen Settings eine klaffende Lücke im Programm der großen Verlage ist. Man hat immer die Sicherheit des „großen Teichs“ zwischen Geschehen und Lesenden. Pennywise oder Pinhead setzen sich nicht ins Flugzeug, um sich deiner anzunehmen. Das wissen die Leute und das macht die Geschichten aus Übersee – so toll sie auch sein mögen – ein Stück weit weniger „gefährlich“. Darüber kam ich auf einer Party meiner Agentur mit einem Lektor ins Gespräch. Ich schlug vor, das Thema „Horror in Deutschland“ mal mit einer Anthologie zu testen. Der Lektor sagte sinngemäß: „Wenn du Namen mitbringst, mit denen sich so ein Buch verkaufen lässt, versuchen wir es.“ Auf eben jener Party waren jede Menge Autor:innen aus Spannung und Phantastik zu Gast, also habe ich ganz dreist einfach angefangen, die Leute anzuquatschen, obwohl mich als kleiner Debütant da niemand kannte. Am Ende des Abends hatte ich Sarah Bestgen, Wulf Dorn, Andreas Gruber und Uwe Laub an Bord. Zum Glück hatten die auf das Thema genauso Bock wie ich selbst! Tja, und ab da gab es dann für den lieben Oskar, eben jenen Lektor, kein Zurück mehr! Der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte.

Sehr gut gemacht, Horrorromane aus den Federn deutschsprachiger Autorinnen und Autoren findet man in den Programmen der großen Verlage viel zu selten. Aber wir haben ja auch immer noch die kleinen Verlage, die Perlen der Verlagswelt.


6. In deiner Kurzgeschichte "Kilometer 267" beschreibst du eine unheimliche Begegnung auf der A7, diese Geschichte verbindet eine alltägliche Situation mit übernatürlichen Elementen Was fasziniert dich an dieser Mischung?


Das Alltägliche „umkippen“ und ins Surreale, Mysteriöse oder gar Albtraumhafte abgleiten zu lassen, ist eine hohe Kunst, die ich bei anderen Autoren von King über Lovecraft bis Hohlbein immer bewundert habe. Das erfordert Detailreichtum, Glaubwürdigkeit und Überzeugungskraft. Du musst überzeugend lügen können, damit dir jemand abnimmt, dass deine Hauptperson nach einem Unfall auf der Autobahn in einer völlig veränderten Welt aufwacht, in der nichts mehr ist wie zuvor und eine Kreatur fern jeder Vorstellungskraft auf dich Jagd macht. Die Menschen, von denen solche Storys erzählen, dürfen keine Helden sein, keine Superermittler oder Genies. Das müssen normale Leute sein wie du und ich. Gerade das macht für mich dieses Genre an der Grenze zwischen Thriller und Phantastik so reizvoll. Es gibt da einen Schlüsselmoment, den ich unglaublich spannend finde: Wenn die Leser:innen mit ungläubigem Kopfschütteln auf deine Story blicken, du dich über ihre Schulter beugst und ganz leise in ihr Ohr flüsterst: „Und was, wenn doch?“ Das ist genau der Punkt, den ich an solchen Geschichten so sehr liebe!

7. Kommen wir zu deinem Debütroman, der Ende Januar im Ullstein Verlag erschienen ist, nach den vielen erfolgreichen Kurzgeschichten von dir, auf einer Skala von

„Hurra, der Literaturnobelpreis ist mir sicher“ bis „Ohje Ohje, ich verkrieche mich lieber“ wie geht es dir?

Haha, beste Skala ever! Aber ernsthaft: Mir geht es gut. Sehr gut sogar. Endlich, nach all den langen Stunden allein am Schreibtisch, darf „Kummersee“ hinaus in die Welt. Es ist genau das Buch geworden, das ich schreiben wollte und ich bin enorm dankbar, wie reibungslos die Zusammenarbeit mit meinem Verlag abgelaufen ist. Jetzt heißt es abwarten und grünen Tee trinken (mein liebstes Getränk). Dann schauen wir, wie „Kummersee“ so ankommt. Ich bin aber optimistisch, dass es mir gelingen wird, die Leute zu unterhalten, hinters Licht zu führen und zu überraschen.

8. Magst du uns vielleicht ein bisschen was zu „Kummersee“ erzählen?


Klar, gern! Aber statt jetzt den Klappentext herunterzubeten (den findet man ganz schnell im Netz), erzähle ich doch lieber, was nicht hinten auf dem Buchrücken steht: „Kummersee“ ist ein Roman über Trauer und Verlust, über Selbstzweifel und Zweifel an allen anderen, über Traumata und Schuld und Vertrauen. Aber vor allem geht es im Buch um die Frage, was passiert, wenn die Monster unserer Kindheit nie gebändigt und besiegt werden, sondern zusammen mit uns erwachsen werden und mitbestimmen, wie wir die Welt sehen, vor was wir Angst haben und welche Entscheidungen wir treffen. All das erleben wir aus Sicht der Hauptperson Lena und zwar live. Wir werden Zeuge, wie sie nach und nach ein gewaltiges Geheimnis aufdeckt, das in der Frage gipfelt, ob die Monster in unserem Kopf oder die außerhalb davon eigentlich schlimmer sind. „Kummersee“ ist das richtige Buch für euch, wenn ihr es atmosphärisch, düster und beklemmend mögt. Und wenn ihr dann noch Angst vor Wasser haben solltet, ist der Albtraum perfekt!

Hier kommt ihr zu meiner Rezension.


9. Nach dem Buch ist vor dem Buch. Was dürfen wir in diesem Jahr noch von dir lesen? Ist schon etwas geplant?

Tatsächlich stecke ich schon mitten in den Arbeiten zum nächsten Roman für den Ullstein-Verlag. Der kommt aber definitiv erst 2026. Viel darf ich noch nicht verraten. Nur drei Dinge: 1. Es wird keine Fortsetzung, sondern ein Stand-Alone. 2. Es wird ein dickes Buch. Und damit meine ich: wirklich, wirklich dick. 3. Es wird verdammt cool, und das nicht nur umgangssprachlich.


Ich bedanke mich für deinen Besuch und das du meine Fragen so geduldig beantwortet hast. Ich durfte „Kummersee“ mittlerweile schon lesen und bin sehr gespannt was wir in Zukunft noch von dir lesen dürfen.


Dankeschön! Vielen Dank für deine und eure Zeit und das Interesse an „Kummersee“ und meiner Person! Besucht mich gern unter folgenden Links:

https://www.iverniklasschwarz.com/

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Donnerstag, 6. Februar 2025

Es rappelt in der Kiste: Roman (Der Friedhofsgärtner, Band 1) von Thomas Krüger

 

Das Grab des Industriellen Schlagowski muss aufgelöst werden, ein Auftrag für den Friedhofsgärtner, ein Routinejob. Im Grab allerdings findet er die Überreste eines weiteren Menschen und einen Brief. Konrads Neugier ist geweckt und gemeinsam mit Martin einem Jungen aus der Nachbarschaft versucht er das Geheimnis, um die unbekannte Leiche zu lösen, kein einfaches Unterfangen nach fast 100 Jahren. Dann gibt es einen weiteren Toten, ein Mann stirbt auf dem Flug von Bogota nach Deutschland, ein Pförtner der Gerichtsmedizin wird ermordet und er bleibt nicht der einzige.

Dies war mein erster Roman aus der Feder von Thomas Krüger und so konnte ich mich ohne Erwartungen der Lektüre widmen. Krügers Schreibstil ist anspruchsvoll, allerdings manchmal auch etwas   holprig, da er zwischen langen Passagen und plötzlichen Wendungen schwankt. Es dauerte etwas bis ich mich daran gewöhnt hatte Sein Stil wirkt stellenweise etwas konstruiert, was mich manchmal etwas von der durchaus interessanten Handlung ablenkte. Der Autor hat auch mit seiner Art von Humor nicht unbedingt meinen Geschmack getroffen, das kann man ihm  nun aber nicht vorwerfen, Geschmäcker sind ja zum Glück verschieden.

Im Zentrum der Geschichte steht Konrad Leisegang, ein Friedhofsgärtner, der seine Arbeit auf dem Kölner Melatenfriedhof liebt. Dieser ruhige Ort inmitten der Großstadt ist nicht nur sein Arbeitsplatz, sondern auch Teil seiner Nachbarschaft. Eine besondere Rolle spielt der 10-jährige Martin, ein aufgeweckter Junge, der sich als wertvolle Unterstützung bei Konrads Ermittlungen erweist. Martins Mutter Amalia hat keine Einwände gegen die Zeit, die ihr Sohn auf dem Friedhof verbringt, und zwischen ihr und Konrad deutet sich eine Romanze an.Hinter den Kulissen kämpft Martin jedoch mit Mobbing durch seinen Schulkameraden Rochus Gröben, dessen Familie ebenfalls in die mysteriösen Vorfälle verwickelt ist. Die polizeilichen Ermittlungen werden von zwei gegensätzlichen Charakteren geführt: dem erfahrenen und besonnenen Kommissar Heribert Rehbein, der kurz vor dem Ruhestand steht, und dem eher unsympathisch dargestellten Jan-Philipp Freese.

Die Geschichte bietet eine spannende Grundidee, mit einem ungewöhnlichen Ermittlerduo und interessanten Schauplätzen. Krügers Schreibstil erfordert allerdings etwas Eingewöhnung, da er zwischen ruhigen Passagen und abrupten Wendungen schwankt. Während die Handlung fesseln kann, wirkte der Stil für mich an einigen Stellen zu konstruiert. Der Humor war nicht ganz mein Fall, aber das ist Geschmackssache. Insgesamt ein solider Kriminalroman mit einer besonderen Atmosphäre.


  • Herausgeber ‏ : ‎ Heyne Verlag; Originalausgabe Edition (11. Dezember 2024)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 464 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3453441982
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3453441989


Montag, 3. Februar 2025

Kummersee von Iver Niklas Schwarz

 

An einem heißen Sommertag im Jahr 1990 brechen zwei Geschwister ein Verbot: Tom und seine Schwester Lena schleichen sich zum Kummersee, einem im Wald verborgenen Gewässer im ehemaligen Grenzgebiet. Was als Ausflug zum Schwimmen beginnt, endet in einer Tragödie: Tom versucht, seine Schwester zu retten, als sie im Wasser angegriffen wird, und ertrinkt dabei. Lena überlebt - aber mit einer verstörenden Gewissheit: Irgendetwas Unheimliches lauert in den Tiefen des Sees.

Dreißig Jahre später kehrt Lena als Polizistin in ihr Heimatdorf zurück. Ihre Aufgabe: Ein Vermessungsteam zu schützen, das prüfen soll, ob der Kummersee als Atommüll-Endlager geeignet ist. Doch das Dorf stellt sich quer. Umweltaktivisten sabotieren die Arbeiten, Zimmerreservierungen werden storniert. Selbst Lenas Mutter macht keinen Hehl daraus, dass die Fremden unerwünscht sind - nicht einmal die eigene Tochter.Lena ahnt, dass die Wahrheit über den Tod ihres Bruders tief im Dunkel des Sees verborgen liegt. Und sie ist entschlossen, dieses Geheimnis zu lüften - koste es, was es wolle. Unerwartete Unterstützung bekommt sie von dem abgehalfterten Dokumentarfilmer Andi, dem besten Freund ihres verstorbenen Bruders, doch sagt er ihr die Wahrheit oder spielt Andi ein falsches Spiel?

Bisher kannte ich Iver Niklas Schwarz nur als Autor von Kurzgeschichten, daher war ich gespannt: Würde er auch einen Roman meistern können?Schwarz hält seine Leser geschickt im Ungewissen. Lange bleibt unklar, wohin die Reise geht: Führen die sorgfältig gelegten Spuren ins Horrorgenre, oder gibt es für alle Ereignisse eine rationale, wissenschaftlich erklärbare Grundlage? Beide Möglichkeiten erschienen mir durchaus plausibel.Der Autor gewährt uns Einblicke in Lenas Vergangenheit. Seit ihrem traumatischen Erlebnis wird sie von Albträumen geplagt und muss den Spott anderer Kinder ertragen. Auch ihre Eltern bieten dem Kind wenig Halt – der Vater trinkt, die Mutter zeigt kaum Zuneigung. Einzig bei ihrer Nachbarin Marlies und deren Sohn Andi findet Lena Verständnis. Diese Rückblenden erhellen Lenas Verhalten in der Gegenwart und machen es nachvollziehbar.

Die Charaktere im Roman sind überzeugend und vielschichtig dargestellt. Ihre Persönlichkeiten wirken realistisch und lebensnah, sodass man sich vorstellen kann, ihnen im Alltag zu begegnen. Allerdings sind nicht alle Figuren sympathisch – besonders die Dorfbewohner haben etwas Unheimliches an sich, das bei den Lesern ein gewisses Unbehagen auslöst.

Ich schätze auch den Schreibstil des Autors, der mit seinen bildhaften Beschreibungen lebendige Szenen in meinem Kopf entstehen ließ. Das Dorf, seine Bewohner und natürlich der Kummersee nahmen klare Formen an, als wäre ich selbst vor Ort. Gleichzeitig hielt mich die spannende Geschichte bis kurz vor dem Ende im Ungewissen darüber, welchem Genre sie eigentlich zuzuordnen ist – eine fesselnde Mischung, die das Buch zu einem wahren Lesevergnügen machte.

Und die Antwort auf meine Eingangsfrage, lautet »Ja, er kann«


  • Herausgeber ‏ : ‎ Ullstein Taschenbuch (30. Januar 2025)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 544 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3548069150
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3548069159


Sonntag, 2. Februar 2025

KÜSTENLIST: Ostseekrimi - Inselkrimi (Die Kommissarin auf der Insel 11) von Eva Lirot


Mittlerweile sind wir schon beim 11. Band der Reihe um die Kommissarin Frieda Lieken den ich genießen durfte. Wobei genießen bei dem Thema doch relativ war. In einem Altenpflegeheim wurde ein Pfleger angegriffen und lebensgefährlich verletzt, es gibt einen Zeugen, doch dieser ist nicht auffindbar. Frieda ermittelt im Altenheim und stößt auf eine Mauer des Schweigens und auf einen Heimleiter, der nicht nur ihr sofort unsympathisch war, dieses Mal holt sie sich ihren Vorgesetzten Eisler mit ab Bord, obwohl sie es normalerweise vermeidet den Choleriker bei Befragungen dabeizuhaben, scheint es dieses Mal eine gute Idee, denn Eislers Mutter lebt ebenfalls in dem Heim und keine schönen Worte oder eine gute Ausstattung würden ihn davon abhalten sicherzustellen das es ihr gut geht. Der Täter schweigt und auch die Bewohner und das Pflegepersonal scheinen etwas zu verheimlichen. Während Frieda noch auf der Suche nach dem Motiv ist, versteckt sich der Zeuge mit seiner Familie in einer Scheune, es ist bitterkalt, die Kinder frieren und verstehen genauso wenig wie die Ehefrau, warum sie sich verstecken. Hier darf ich euch nicht zu viel verraten.

Frieda selbst, muss sich mit einer Frage beschäftigen, deren Antwort ihr komplettes Leben auf den Kopf stellen könnte, hier bin sehr gespannt, ob sich da im abschließenden Band noch etwas ergibt.

Eva Lirot thematisiert hier wieder einen Aspekt unserer Gesellschaft, den wir gern verdrängen, solange es uns nicht direkt betrifft. Wie gehen wir mit den alten Menschen um? War es früher normal, dass sie in der Familie bleiben konnten, hat sich das im Laufe der Zeit grundlegend geändert, und das liegt nicht daran, dass man sich nicht kümmern möchte, es ist aus vielen Gründen schlicht unmöglich. So hoffen wir darauf, dass die Lieben gut und liebevoll versorgt werden. Doch was, wenn das nicht der Fall ist? Wer hört auf die Betroffenen, wer glaubt ihnen, wenn sie überhaupt noch in der Lage sind sich zu artikulieren?

Eva Lirot bleibt in „Küstenlist“ ihrem charakteristischen Stil treu. Mit ihrem flüssigen und fesselnden Schreibstil zieht sie das Publikum sofort in die Handlung hinein. Wie in den vorherigen Bänden nutzt sie geschickt kurze Kapitel und wechselnde Erzählperspektiven, um die Spannung kontinuierlich aufrechtzuerhalten. Besonders gelungen ist der Wechsel zwischen Friedas Ermittlungen und der prekären Lage des untergetauchten Zeugen, der der Geschichte zusätzliche Dynamik verleiht.

Gleichzeitig beeindruckt Lirot erneut mit ihrer Fähigkeit, gesellschaftlich relevante Themen wie die Problematik der Altenpflege einfühlsam und realitätsnah in die Kriminalhandlung zu integrieren. Dabei gelingt es ihr, zum Nachdenken anzuregen, ohne belehrend zu wirken.

Auch in diesem Band zeigt sich ihre Stärke in der lebendigen und glaubwürdigen Charakterzeichnung. Die Entwicklung der Beziehung zwischen Frieda und ihrem Vorgesetzten Eisler verleiht der Handlung zusätzliche Tiefe und macht Lust auf mehr.

Mit „Küstenlist“ beweist Eva Lirot ihr Talent, gesellschaftskritische Themen mit spannenden Kriminalfällen und vielschichtigen Figuren zu verbinden. Der elfte Band der Reihe bereitet gekonnt auf einen Abschluss vor, weckt aber gleichzeitig Wehmut darüber, dass diese Reihe vielleicht bald zu Ende geht. Aber wer weiß, vielleicht ist Friedas Geschichte doch noch nicht auserzählt und auf Fehmarn schläft das Verbrechen ja nun wirklich nicht.


  • ASIN ‏ : ‎ B0DJSZZG5D
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Dateigröße ‏ : ‎ 5342 KB
  • Gleichzeitige Verwendung von Geräten ‏ : ‎ Keine Einschränkung
  • Text-to-Speech (Vorlesemodus) ‏ : ‎ Aktiviert
  • Screenreader ‏ : ‎ Unterstützt
  • Verbesserter Schriftsatz ‏ : ‎ Aktiviert
  • X-Ray ‏ : ‎ Nicht aktiviert
  • Word Wise ‏ : ‎ Nicht aktiviert
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 217 Seiten