Dienstag, 28. November 2023

8 Fragen 8 Antworten: Carolin Gmyrek zu Besuch im Buecherhaus


Liebe Carolin herzlich willkommen im Bücherhaus, mach es dir gemütlich, wärst du wirklich hier würde ich dir erst einmal Kaffee, Tee und Kekse anbieten, so musst du dir die einfach vorstellen.

Ich freue mich sehr, dass du dich bereit erklärt hast mir ein paar Fragen zu beantworten. Magst du dich zunächst einmal in 5 Worten beschreiben?


Ich freue mich, hier sein zu dürfen, aber wer kann schon Kaffee und Keksen widerstehen? Wenn ich eins in den Jahren als Autorin gelernt habe, dann, dass sich die meisten mit der Selbstvorstellung schwertun. Ich bin da nicht anders. Lass mich kurz überlegen, während ich den Kaffee genieße.



5 Worte… ok… zuerst möchte ich erklären, dass ich gerade eine 5-minütige Diskussion mit meinem Mann hatte, ob ich mich nun in 5 einzelnen Worten beschreibe oder in einem Satz mit 5 Worten. Wir kamen überein, dass es wirklich die Worte werden:

Chaos, Verträumt, Zombie, Phantastik und geduldig Ungeduldig (sorry, das waren dann doch 6)



Ich habe mich über deine Arbeit natürlich schon etwas schlau gemacht und weiß, dass du nicht nur als Autorin, sondern auch als Lektorin und Herausgeberin arbeitest. 

Manuela: Die Lektorensache macht mir jetzt etwas Angst. Nachher bekomme ich das Interview mit lauter roter Farbe verzierten Fragen zurück, weil sie ungeschickt formuliert sind.

Carolin: Ach was, die Korrekturen mache ich einfach still und heimlich. Und ich nehme extra ein Grün für die Antworten der Fragen. Dann sieht es freundlich aus.

1. Welche dieser Tätigkeiten war denn zuerst da?

Zuerst war ich Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste, was wiederum aus meiner Liebe zum Buch resultierte. Geschrieben habe ich, seit ich einen Stift halten, Geschichten erfand ich, seit ich denke kann. Damit könnte man behaupten, dass die Autorin als erstes da war. Aber wenn genau sein möchte, war ich als erstes eine Herausgeberin.

Die Geschichte ist alt und oft erzählt und doch eine meiner liebsten. Ich habe Torsten Low und seinen Verlag während meiner Ausbildung bei einer Lesung zur Buchmesse in der „la petit Absintherie“ kennengelernt. Ich hörte mir sein Programm an und war begeistert. Da ich für mein Ausbildungsprojekt über eine Anthologie nachdachte, entschied ich mich, zum WGT meine Chance zu nutzen und Torsten Low meine Idee nach der Lesung mitzuteilen.

Nun, ich war ein wenig schüchtern, traute mich nicht zurecht und trank mir mit Absinth ordentlich Mut an, weshalb mein Pitch etwas lallend ausfiel.

„Herr… Herr… Low…“

„Herr Low hieß mein Vater, ich bin Torsten.“

So fing es an.

Als Herausgeberin der „phantastischen Bibliotheken“ und als Autorin einer dieser Geschichten, also kam beides irgendwie gleichzeitig.

Neben dem Studium begann ich dann mit dem Lektorieren und es wurde zu meiner neuen Leidenschaft. Ich freue mich, ein Teil von etwas Großem zu werden, zu helfen und die Freude der AutorInnen mitzuerleben. Deshalb gründete ich 2022 das Lektorat „Wechselseitig“ und machte mich 2023 hauptberuflich selbstständig.

Und damit komme ich auch gleich zur nächsten Frage.
(schenkt Kaffee nach)


2. Wie geht es dir als Autorin damit, wenn du auf ein Manuskript wartest? Ich habe am Rande mitbekommen, dass du und Lily Rautenberger gegenseitig eure Storys für Mängelexemplare 5 lektoriert hast, wie viel Strenge traut man sich da?



Ich kenne die beiden Seiten eben aus beiden Perspektiven, als Autorin und als Lektorin.

Als Autorin ist das Lektorat immer ein Zittern. Ich glaube, die Selbstzweifel kennen alle KünstlerInnen; die Angst, irgendwo versagt zu haben oder im Text nicht verstanden zu werden.

Diese Angst treibt auch mich um. Wenn ich auf ein Manuskript warte, ist das tatsächlich weniger ein Problem. Ich warte halt. Gerade in der Kleinverlagsbranche können die Zeiten sehr lang werden, weshalb ich nach der Abgabe und danach das Manuskript auch im Kopf zur Seite lege. Anders sieht es aus, wenn es zurückkommt.

Ich gestehe, ich bin keine einfache Autorin und kann schwierig werden. Vermutlich sind all diese kleinen Dinge, eben die, die mich zu einer guten Lektorin machen. Ich weiß, wo meine Probleme und Sorgen als Autorin liegen, was mich stört und versuche es besser zu machen.

Andere LektorInnen zu lektorieren, ist tatsächlich weniger ein Problem für mich. Einen Unterschied macht es nur, wenn ich mit eben diesen befreundet bin, was bei Lily der Fall ist. Dann bin ich ein wenig nervös, überlege in den ersten Sätzen jeden Kommentar zweimal, bis der Text die Überhand gewinnt, ich die VerfasserInnen ausblende und meine Arbeit mache. Ich kann es nicht mit 100%er Wahrscheinlichkeit sagen, aber ich behaupte, dass ich auch bei FreundInnen und anderen LektorInnen ebenso streng bin, wie bei meinen anderen AutorInnen. Alles andere würde ihnen nicht helfen.

3. Als Herausgeberin musst du viele Storys lesen, wie siehst du die Rolle von künstlicher Intelligenz in der Zukunft der Buchbranche, insbesondere in Bezug auf die Herausgabe, Lektorat oder sogar das Schreiben von Büchern?


Ach, das KI-Thema. Ich habe die Frage mal Chat-GPT gestellt:

Künstliche Intelligenz (KI) hat definitiv das Potenzial, die Buchbranche zu revolutionieren, insbesondere in Bezug auf Herausgabe, Lektorat und sogar das Schreiben von Büchern.

Können KIs eine Meinung haben? Ist das eine? Wenn ja, dann möchte ich gerne widersprechen. Ja, KI kann unterstützend wirken. Seit ich im VFLL bin, erhalte ich ab und an Werbungen von Entwicklern von KI-gesteuerten Rechtschreibprogrammen. Vielleicht können an dieser Stelle KIs helfen. Aber – wie eigentlich öfter genannt – Übersetzungen oder Lektoraten sehe ich keinerlei Potential. Diese Tätigkeiten brauchen – jedenfalls meiner Meinung nach – etwas menschliches, eine ehrliche Kreativität, eine Emotion, die KIs bisher noch nicht haben können. Da geht es um winzige Nuancen, um Atmosphäre zu erschaffen, Spannungen zu erzeugen und die Charaktere in Bezug zu stellen. Ich probierte es einmal aus, versuchte einen Text lektorieren zu lassen. Stil und Grammatik wurde gut erkannt, doch die Motivation der Hauptfigur war für die KI irrelevant. Ich glaube, dass Lektorat Wechselseitig noch sehr lange ohne eine KI auskommen wird und hoffe ebenso, nicht so schnell ersetzt werden zu können.Für AutorInnen kann die KI ein Ideengeber sein, ein Gesprächspartner oder Inspirator. Sie kann bei der Recherche unterstützen oder Formulierungen vorschlagen. Ich möchte jedoch nicht darüber nachdenken, dass die KI ganze Texte schreibt und diese eins zu eins übernommen werden.

Und als HerausgeberIn ist die KI ein Fluch, statt ein Segen. Ich habe erst kürzlich davon gehört, dass AutorInnen dazu übergegangen sind, KI-Geschichten eins zu eins bei Ausschreibungen einzureichen. Für mich – gestehe ich – ein Horrorszenario. Das bedeutet also, dass diese Art von Geschichte – die über einfaches Ideengeben hinaus gehen – von HerausgeberInnen und Verlagen mitbedacht, kontrolliert und somit auf der langen Liste der To-dos und Zeitfresser mitgerechnet werden müssen.

4. Deine letzte Story »Die Standuhr« in der Anthologie »Hinter den Fenstern Mängelexemplare 5« aus dem Amrûn-Verlag, hat mich persönlich an Geschichten von Edgar Allan Poe erinnert. Von welchen Autoren und Autorinnen lässt du dich inspirieren? 

Ich fühle mich tatsächlich sehr geehrt, dass meine Geschichte an Poe erinnert. Lovecraft und Edgar Allan Poe haben mich bei den Anfängen lange begleitet, mehr Poe als Lovecraft. Dazu gesellten sich Kafka, Hans Christian Andersen und Hoffmann, später Kreutzwald.

Hmm… das waren doch überraschend viele. Ich wollte doch eigentlich schreiben, dass ich das nicht so genau sagen kann.

Werden wir etwas moderner: Boris Koch steht da ganz oben auf meiner Liste, gefolgt von Ju Honisch, Janika Rehak, Faye Hell, Vincent Voss und Simona Turini.

Es gibt eine Bandbreite an AutorInnen, die auf irgendeine Weise mein Schreiben inspirieren und mit ihren Werken einen bestehenden Eindruck hinterlassen. Ich möchte aber Todorov noch hervorheben, der mich mit seiner Phantastiktheorie abgeholt hat und für mich einen Grundstein der Phantastik legte, nach der ich versuche zu arbeiten.

5. Wenn du als Herausgeberin arbeitest, nach welchen Kriterien suchst du die Geschichten aus?



Das ist eine schwierige Frage. Mein Ziel ist es, mit der Anthologie ein weites Spektrum abzudecken, sodass jeder Lesende Freude am entstandenen Buch hat – selbst, wenn er nur eine Geschichte mag. Natürlich müssen auch mir die Geschichten gefallen.


Dabei kommt es mir nicht auf Namen an. Die Texte sollten eher etwas Besonderes haben, eine tolle Idee, einen interessanten Schreibstil, individuelle Charaktere oder Emotionen, eine packende Atmosphäre und spannende Themen. Es reicht nicht, wenn es nur schöne oder schockierende Bilder sind oder eine polarisierende Wendung.

6. Hast du als Autorin bestimmte Rituale oder Gewohnheiten während des Schreibens, die dir helfen, in den kreativen Fluss zu kommen?


Nein. Tatsächlich nicht. Neuerdings mache ich mir immer eine Kerze an, wenn ich arbeite. Das bezieht sich aber nicht nur auf das Schreiben, sondern auch auf das Lektorieren. Ich glaube, ich hätte gerne ein Ritual oder eine Atmosphäre, die ich mir schaffen könnte.
Ich schreibe gerne im Garten meiner Eltern. Dann sitze ich mit einem leckeren Getränk im Pavillon, genieße die Sommerluft und das Plätschern im Teich. Ich brauche eine Tasse Tee oder Kaffee, zählt das?

Ich finde schon 





7. »Wie unterstützt du als Lektorin Autoren dabei, ihre kreativen Visionen zu bewahren, während du gleichzeitig den Text verbesserst und straffst?«


Gerade als Lektorin, die auch selbst schreibt, ist es wichtig, dass man beim Stil der KundInnen bleibt. Es sind zwei paar Schuhe, es ist nicht mein Text und so soll es auch bleiben. Meine Aufgabe ist es nicht, dass der Text mit gefallen soll oder sich meinem Schreiben anpasst, sondern das Beste aus ihm herauszuholen. Es soll ein Erlebnis für die AutorInnen, aber auch für die Lesenden werden, Spaß bringen. Es ist ein kreativer Schaffensprozess, etwas Unglaubliches, was wir schaffen.

Wie du schon sagst: Meine Aufgabe ist eine unterstützende. Ich gebe Vor- und Ratschläge, merke Problemstellen an und Helfe, wo ich kann, ob bei der Ideenfindung, wie auch bei der Formulierung.

Das geht zum einen an der Arbeit direkt am Text, als auch in Gesprächen und Chats.
Oft gebe ich noch Links oder Literaturtipps zum Nachlesen, wenn es am Handwerk etwas hapert.

Wenn ich einen Text fertig habe, erhalten die AutorInnen über zwei Wege Feedback: Zum einen durch die Kommentare und Änderungen im Text, zum anderen durch eine ausführliche Zusammenfassung.
Während der Bearbeitungsphase stehe ich jederzeit für Fragen zur Verfügung.

Dennoch, auch Lektorate sind sehr individuell.Und zu guter Letzt eine Frage an alle drei von euch ;o)


8.Und zu guter Letzt eine Frage an alle drei von euch ;o) Wie hat sich die Verlagsbranche deiner Meinung nach in den letzten Jahren verändert, und wie beeinflusst dies die Vielfalt der Buchbranche?



Über dieses Thema kann man Bücher füllen und wurden auch schon. Es gibt so viel, was diesbezüglich angesprochen werden müsste und jeder sieht es ein Stück weit anders. Die Kreativbranche – nicht nur allein die Buchbranche – ist etwas sehr Individuelles, jeder geht es ein Stück anders an. Ich glaube, es würde den Rahmen sprengen, wenn ich ausholen würde, wenn ich über all die Punkte sprechen würde, die mir auf dem Herzen liegen. (Manuela: Da werde ich Carolin einfach noch mal ausfragen müssen, das interessiert mich doch sehr)

Ich liebe die Phantstikszene, ich liebe die Kleinverlage, die sich so viel trauen, so viel Hoffnung und Mut zeigen. Und es tut mir weh, wenn der nächste aufgeben muss oder die Zeit runterschraubt, weil er sich einen Brotjob suchen muss, der seine mentalen Löffel auffrisst.
Ich möchte eigentlich nur eins: Das wir kreativen Menschen – egal welcher Kunst wir nachgehen, egal ob Selfpublishing oder Verlag – uns selbst und gegenseitig lernen wertzuschätzen. Kunst darf kosten! Und nur, wenn wir das selbst verstehen, können es auch andere.


Ich danke dir sehr für deinen Besuch und freue mich schon sehr, bald wieder etwas von dir lesen zu dürfen, kannst du dazu vielleicht schon etwas verraten? (Da habe ich doch geschickt noch eine Frage eingeschmuggelt)

Hehe… ist das Platz für Werbung? (Manuela:Wenn nicht hier wo dann?) Wunderbar. Ich habe frisch die Herausgeberschaft der Zombie Zone Germany übernommen. Zusammen mit der frischen Selbstständigkeit mit dem Lektorat „Wechselseitig“ nimmt das sehr viel Zeit in Anspruch und lässt mir kaum noch Platz für eigene Texte. Aber das heißt nicht, dass ich nicht kreativ bin. Wenn man neue Texte von mir lesen möchte, wird dies höchstwahrscheinliche im Zuge der ZZG oder des entsprechenden ZZG-Rollenspiels passieren. Also Zombies, Zombies und Zombies.

Die Zombie Zone Germany ist ein Herzensprojekt. Wir arbeiten am Rollenspiel schon viel zu lange, es drängt auf den Markt wie eine hungrige Horde. Zusammen mit Oliver Bayer, Christian Günther, Janika Rehak und den Amrûn Verlag schlurfen große Dinge auf euch zu.

Weitere Projekte sind in Planung, surrealistisch, phantastisch und Horror, doch noch unkonkret und zeitlich uneinordbar, dass ich noch keine großen Geheimnisse verraten mag. Ich bleib kreativ!

Ich persönlich liebe die ZZG Reihe aus dem Amrûn-Verlag und freue mich schon jetzt sehr darauf.
Ich habe euch eine kleine Übersicht der Arbeiten von Carolin Gmyrek zusammengestellt, und wenn ihr euch selbst ein Bild von ihrer Arbeit als Lektorin machen möchtet, ist hier der Link zu ihrer 


Bücher von und mit Carolin Gmyrek
 
Geheimnisvolle Bibliotheken ( Verlag Low, Torsten)

Ungeziefer (Verlag Low, Torsten)

Kaputter Nebel ( Amrûn Verlag)

Mängelexemplare 5: Hinter den Fenstern ( Amrûn Verlag)

Zombie Zone Germany: Die Anthologie ( Amrûn Verlag)

Zombie Zone Germany: Zirkus ( Amrûn Verlag)

Die Götter des Imperiums (Verlag Low, Torsten)




Montag, 27. November 2023

Gesichter der Furcht: Horrorkurzgeschichten von Christoph Schmuck (CreepyPastaPunch)

 


In seinem Erstlingswerk »Gesichter der Furcht« präsentiert Christoph Schmuck, bekannt unter dem Pseudonym CreepyPastaPunch, eine Sammlung von 15 bislang unveröffentlichten Kurzgeschichten, die das Genre des Horrors aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchten. Mir persönlich war der Autor bisher vollkommen unbekannt, aber gerade das weckte meine Neugier, ich freue mich immer neue Autoren kennenzulernen.

Die Geschichten in dieser Anthologie bieten einen vielfältigen Blick auf den Horror, der uns überall begegnen kann – sei es im Schlaf, auf dem Heimweg oder im Beruf. Von Gruselliteratur bis hin zu True Crime umspannt die Palette des Buches verschiedene Genres, wobei schwarze und weiße Illustrationen im Horror-Manga-Stil von Dominik Jell die Texte ansprechend ergänzen.

Auffällig ist dabei der konsequente Erzählstil des Autors, der die Geschichten durchgängig in der Ich-Form präsentiert. Obwohl mich dieser persönliche Blickwinkel nicht immer restlos überzeugen konnte, nicht alle Geschichten funktionierten am Ende so für mich, ist das Buch dennoch gut lesbar und vermittelt den subtilen Grusel, den man von Urban Legends erwartet. Einige der Grundideen schienen mir zwar bereits bekannt, doch das mindert keineswegs den Genuss der Anthologie, denn die Geschichten werden nicht einfach recycelt, sondern auf innovative Weise neu interpretiert.

Mit dem Slogan »Nichts für schwache Nerven: 15 Horrorgeschichten für Hartgesottene« wird das Buch beworben. Diese Aussage trifft sicherlich auf Leserinnen und Leser zu, die bisher wenig oder gar keine Erfahrung mit Horrorliteratur haben. Für diese Zielgruppe entfaltet die Sammlung ihre volle Wirkung. Insgesamt hat mich das Buch gut unterhalten, und ich schätze die Vielseitigkeit der Geschichten, die ein breites Spektrum des Horror-Genres abdecken. 

Ich bin gespannt auf weitere Geschichten des Autors. 



  • Herausgeber ‏ : ‎ CE Community Editions; 2. Aufl. 2023 Edition (25. September 2023)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Broschiert ‏ : ‎ 240 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3960963246
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3960963240
  • Lesealter ‏ : ‎ Ab 16 Jahren

Der Jahrestag von Stephanie Bishop ( Übersetzt von Kathrin Razum )



Selten hat mich eine Protagonistin so zwiespältig zurückgelassen, wie J.B.. Als Studentin lernt sie ihren späteren Mann Patrick kennen, der Regisseur gibt Kurse an ihrer Universität.  Auf der einen Seite beschreibt sie sich als vollkommen unsicher, sie wird rot, wenn sie spricht und wenn sie während der Vorlesungen etwas zu sagen hat, spricht sie viel zu leise. Auf der anderen Seite stolziert sie bei ihrem ersten Besuch durch Patricks Wohnung als wäre sie dort zu Hause, um sich im nächsten Moment wieder von dem viel älteren Mann bevormunden zu lassen.
Irgendwann verlieren sich beide in ihrer Arbeit, Patrick sieht seinen künstlerischen Stern sinken, während sich J.B. zu einer recht erfolgreichen Schriftstellerin entwickelt, deren neuster Roman schon vor der Veröffentlichung einen renommierten Preis bekommt.

 Um den Kopf freizubekommen, überredet J.B. ihren Mann zu einer Kreuzfahrt anlässlich ihres Hochzeitstages,  einfach mal ausspannen, keine Arbeit, keine Verpflichtungen nur J.B. und Patrick. 
Doch diese Reise endet tragisch, Patrick geht bei einem Sturm über Bord. Nach Patricks Tod sieht sich J.B. gezwungen über ihre Ehe nachzudenken und wir erfahren das nicht alles so war wie es auf den ersten Blick schien und das andere diese Ehe ganz anders wahrgenommen haben. 

Besonders beeindruckend ist das elegante Zusammenspiel von Spannung und emotionaler Tiefe in Bishops Schreibstil. Sie lässt den Leser mitfühlen, mitleiden und mitfiebern, während die Geschichte sich entfaltet und sich den Leserinnen und Leser immer neue Erkenntnisse offenbaren. Die Geschichte entwickelt eine fesselnde Sogwirkung, die mich bis zur Auflösung nicht mehr losließ. Ich musste, einfach immer weiterlesen.
 »Der Jahrestag« ist nicht nur eine spannende Geschichte, sondern wirft auch wichtige gesellschaftliche Fragen auf. Bishop thematisiert subtil die männlichen Machtstrukturen in unserer Gesellschaft und zeigt auf, wie sie jeden Lebensbereich durchdringt. Die Protagonistin muss sich nicht nur mit dem Verlust ihres Mannes auseinandersetzen, sondern auch mit der Wahrheit über die Geschehnisse von Patricks letzter Nacht.

 Es fällt mir schwer, nicht zu spoilern, nur soviel, als ich den Klappentext las, hatte ich etwas ganz anderes erwartet, mehr in die Richtung eines Liebesromans, wenn auch einem, Liebesroman der sich von der Masse dieses Genre anhebt. Was ich bekam, war das Drama einer Ehe, das erst nach und nach zutage kommt, in den Erzählungen J.B. und in dem wie andere diese Beziehung sahen, und das war sicherlich keine reine Liebesgeschichte.  Mich hat die Entwicklung tatsächlich überrascht.

Über die Autorin:
Stephanie Bishop ist eine australische Autorin und Literaturwissenschaftlerin, die in ihrem Heimatland mehrfach für literarische Preise nominiert war. Bishop unterrichtet kreatives Schreiben an der renommierten University of East Anglia und lebt in UK.


  • Herausgeber ‏ : ‎ dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG; 1. Edition (16. November 2023)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 464 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3423283467
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3423283465

Sonntag, 26. November 2023

Tatort Weihnachten: Weihnachtskrimis mit Rezepten



Die Adventszeit ist bekannt für ihre festliche Stimmung und den Genuss von köstlichen Speisen. Aber was ist, wenn man noch etwas Aufregung und Spannung in sein Weihnachtsfest bringen möchte?

Die 12 Autorinnen und Autoren haben sich zusammengefunden, um ihre Leser auf eine spannungsgeladene Reise zu den schönsten Tatorten Europas mitzunehmen. Jeder Autor steuert zudem ein weihnachtliches Rezept zu seinem Krimi bei, was dem Buch eine besondere Note verleiht.

Gisa Pauly: Heilige Familie. Tatort: Sylt.

Die Protagonistin verbringt ein stressfreies Weihnachtsfest mit ihrem Mann auf Sylt, bis sie auf einer Auktion ein Bild entdeckt, das sie vor Jahren geerbt hatte. Sie versucht alles, um das wertvolle Gemälde zurückzubekommen, was zu einer fesselnden Geschichte voller unerwarteter Wendungen führt.

Fynn Jacob: Pakjesavond. Tatort: Amsterdam

Eine kleine Unachtsamkeit zerstört die Familie eines Mannes. Die Verursacherin streitet jede Schuld ab und der Mann steht als Schuldiger da. Doch er gibt nicht auf und fasst einen perfiden Plan.

Susanne Mischke: Blackout Christmas. Tatort: Hannover.

Leonie will ihrem Mann ein unvergessliches Weihnachtsfest bescheren, eines, das alle vorigen Weihnachten, die Oliver mit seiner EX-Frau Franziska verbrachte, in den Schatten stellt. Ein Stromausfall durchkreuzt ihre Pläne.

Horst Eckert: Schnee in Übersee. Tatort: Chiemgau.


Zwei Brüder versuchen auf unterschiedliche Art und Weise das Familienunternehmen zu retten, nicht ahnend, dass ihre Mutter längst andere Pläne hat.

Beate Maxian: Leise rieselt der Tod. Tatort: Salzburg

Was gibt es Schöneres als einen Weihnachtsmarkt mit traditionellen Geschenkartikeln, die mit viel Liebe selbstgemacht sind, es duftet nach selbstgebackenen Keksen, Zimt und Glühwein. Die neue Gemeinderätin Bärbel Kohlmann, will das ändern und sie beginnt mit dem Stand von Traude, die nach 20 Jahren auf dem Markt eigentlich mit einer Ehrung rechnet.

Jan Beck: Die Schönbacher Weihnachtswuchteln. Tatort: Tirol.

Weil es selten ratsam ist, den Wunsch seiner Ehefrau auszuschlagen, verbringt der Erzähler seit 40 Jahren seine Weihnachtsferien in Tirol, erst mit seiner Familie und nun allein, er hat die Tradition zu schätzen gelernt. Weitab vom hektischen Wien das Fest im beschaulichen Schönbach zu verbringen. Doch dieses Jahr ist es vorbei mit der Ruhe und Schuld daran sind die Weihnachtswuchteln, kleines Gebäck in dem Sinnsprüche stecken.

Petra Ivanov: Die Fäden ziehen. Tatort: Zürich

Durch eine missverstandene SMS landet Peter in einer psychiatrischen Klinik. Während der Therapiestunden lernt er loszulassen und sein Leben selbst in die Hand zu nehmen, unliebsame Vorgesetzte und den Liebhaber seiner Frau loszuwerden. Ich gebe es zu, ich habe sehr schmunzeln müssen. Dies ist definitiv meine Lieblingsgeschichte.

Sabine Thiesler: Griechischer Wein. Tatort: Peleponnes.

An ihrem Urlaubsort in Griechenland erfährt Evi, dass ihr Mann Berthold sie verlassen will, die Mail- Korrespondenz, die sie auf seinem Laptop findet, ist mehr als eindeutig. Er freut sich schon darauf, gemeinsam mit seiner Freundin ein neues, sorgenfreies Leben zu beginnen. Dafür muss er nur das Haus verkaufen, doch das hat er nur auf Evis Namen eintragen lassen. Kann diese Story noch überraschend enden? Ja, auf jeden Fall.


Carine Bernard: Département Mord – Ohne die Pute wärst Du tot! Tatort: Hauts-de-France.

Die beiden kleinen Mädchen Maya und Joline hatten es nur gut gemeint, als sie die Pute, die das Weihnachtsessen sein sollte, stahlen und dem alten Mann auf dem Campingplatz brachten. Damit er an Weihnachten keinen Hunger leiden muss, dass sie ihm damit das Leben retteten, ahnten die Mädchen nicht. Doch wer trachtete Antoine Fortas nach dem Leben? Ein Fall für den Arzt Theo Prince.

Lilly Alonso: Der Weise und das Kindlein. Tatort: Mallorca
 

Bei der traditionellen Ankunft der heiligen drei Könige, waren es plötzlich nur noch zwei, der dritte verstirbt überraschend und nur eine von sechs Personen kann der Täter sein.

Marcel Häußler: Wiedersehen im Alentejo. Tatort: Alentejo, Portugal

Aus dem friedlichen Zusammensein mit seiner Familie wird es in diesem Jahr nicht für Diogo, sein ehemaliger bester Freund Fernando erbittet seine Hilfe in einem Mordfall, doch irgendetwas an Fernando kommt Diogo seltsam vor.

Luis Sellano: Portugiesische Weihnachten. Tatort: Lissabon.


Tatsächlich kenne ich den Protagonisten Henrik Falkner schon aus den Portugal Krimis des Autors und so war ich besonders gespannt auf diesen Kurzkrimi und ich wurde nicht enttäuscht. Ein Kunde verkauft Henrik ein altes Buch, das das Interesse Professors Baiaos weckt, der es ihm tatsächlich abkauft. Kurz darauf taucht ein weiterer Mann auf, der Zwillingsbruder des Verkäufers und verlangt das Buch zurück. Henrik muss das Buch noch vor Weihnachten wieder bekommen. Dieser Kurzkrimi hat einen mysteriösen Touch, der mir sehr gut gefallen hat.





Die Kombination aus spannenden Krimigeschichten und weihnachtlichen Rezepten macht dieses Buch zu einem idealen Geschenk für alle Krimi- und Weihnachtsliebhaber. Es bringt nicht nur Nervenkitzel, sondern auch kulinarische Freuden in die Adventszeit. Natürlich kann in einer Anthologie selten jede einzelne Story überzeugen, aber im Großen und Ganzen konnte sie mich überzeugen und vielleicht probiere ich auch das eine oder andere Rezept aus. 



Herausgeber ‏ : ‎ Heyne Verlag; Originalausgabe Edition (13. September 2023)
Sprache ‏ : ‎ Deutsch
Taschenbuch ‏ : ‎ 352 Seiten
ISBN-10 ‏ : ‎ 3453441974
ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3453441972



Samstag, 25. November 2023

Miez Marple und die Pfote des Todes von Fabian Navarro

 


Mein letzter Tierkrimi ist schon eine Weile her, da wird, es ja mal wieder Zeit dachte ich mir, als ich »Miez Marple und die Pfote des Todes« entdeckte. Ich hoffte auf leichte und dennoch spannende Lektüre mit einer guten Prise Humor und ich wurde nicht enttäuscht.

»Miez Marple und die Pfote des Todes« von Fabian Navarro ist ein spannender Tierkrimi, den ich innerhalb kürzester Zeit gelesen habe.  Als Tierhalterin war ich sofort begeistert von der Idee, dass die Hauptcharaktere des Buches Tiere sind. Die Katzendetektivin Miez Marple, ihr Gefährte Kater Watson und die Taube Betti bilden ein ungewöhnliches, aber sympathisches Ermittlerteam. 

Watson trägt den Fall eines verschwundenen Katzenkindes an Miez Marple heran, doch sie nimmt den Fall nicht an, Katzenkinder verschwinden nun mal aus dem einen oder anderen Grund, meist kommen sie allerdings wohlbehalten wieder heim. Brösels Eltern allerdings vermuten, dass Miez Marple nicht nach ihrem Baby suchen will, weil es aus der Streunerkolonie stammt. 

Obwohl es sich um den zweiten Teil einer Reihe handelt, konnte ich das Buch problemlos lesen, ohne den ersten Band zu kennen. Die Geschichte ist in sich abgeschlossen und die Charaktere werden ausreichend eingeführt.

Besonders gut gefallen hat mir die Vielfalt der Tiercharaktere. Katzen, Hunde, Vögel und Reptilien bilden eine interessante Gesellschaft, in der unterschiedliche Persönlichkeiten aufeinandertreffen. Dadurch wird die Geschichte sehr abwechslungsreich und unterhaltsam. Die Konflikte, mit denen sich die Tiere auseinandersetzen müssen, sind auf eine angenehme Art und Weise menschlich. Es geht um Themen wie Arm und Reich, Macht und Manipulation. Dadurch wird die Geschichte nicht nur für Tierliebhaber interessant, sondern spricht auch gesellschaftliche Probleme an.

Der Schreibstil von Fabian Navarro ist flüssig und angenehm zu lesen. Die Spannung wird konstant aufrechterhalten und durch den von mir erhofften Humor immer wieder aufgelockert, doch manchmal wirkt gerade der von mir erhoffte Humor etwas zu gewollt. 

Es gibt immer wieder überraschende Wendungen, die mich schon ziemlich früh an eine bestimmte Auflösung des Falls um das verschwundene Katzenbaby Brösel denken ließen. Hier war ich ziemlich froh über mein Talent immer den falschen Fährten, die von den Autoren gelegt werden, auf den Leim zu gehen. 

Alles in allem kann ich »Miez Marple und die Pfote des Todes« allen Tierfreunden und Krimifans empfehlen. Der Roman bietet spannende Unterhaltung und interessante Charaktere.



  • Herausgeber ‏ : ‎ Goldmann Verlag; Originalausgabe Edition (15. November 2023)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Broschiert ‏ : ‎ 224 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 344220660X
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3442206605
  • Abmessungen ‏ : ‎ 13.3 x 2.3 x 20.3 cm