Dienstag, 7. November 2023

KÜSTENSTERN: Ostseekrimi - Weihnachtskrimi (Die Kommissarin auf der Insel, Band 6) von Eva Lirot


Klappentext: Eine Reihe merkwürdiger Ereignisse hält die Bewohner der Ostsee-Insel Fehmarn in Atem. Schaufensterscheiben werden eingeschlagen. Eine Bude auf dem Weihnachtsmarkt brennt. Als Nächstes wird der festlich geschmückte Baum vor dem Rathaus der Inselhauptstadt gefällt. Jedes Mal findet sich im Briefkasten der Lokalzeitung ein Bekennerschreiben, unterzeichnet von einem Mr Scrooge. Die Inselpolizei ist ratlos. Was ist der Zweck hinter diesen seltsamen Anschlägen? Ist es das Werk eines Weihnachtshassers?
Besonders verheerend wirken sich diese Taten auf die Gästezahl des frisch eröffneten Weihnachtshotels der Insel aus. Wer profitiert, fragt sich Inselkommissarin Frieda Lieken - und gerät zwischen alle Stühle, als der Verdacht auf einen alten Spezi des Polizeichefs fällt

Frieda besucht gerade mit ihrer Familie den Adventsgottesdienst als sie von ihrem Chef, Heiner Eisler, gerufen wird. In der Burger Innenstadt hat jemand gewütet, Schaufenster wurden demoliert, und die festliche Dekoration wurde zerstört. Ein Bekennerschreiben kündigt weitere Anschläge an, und der Täter nennt sich Mr. Scrooge. Frieda setzt alles daran, den Randalierer zu finden, doch in der allgemeinen Verunsicherung fällt es schwer, Fakten von Gerüchten und falschen Verdächtigungen zu trennen. Mr. Scrooge bleibt ein Phantom, dessen einziges erkennbares Merkmal ein Zylinder und ein schwarzer Umhang sind.

Auf der Suche nach dem Motiv des Täters erhält Frieda unerwartete Hilfe aus ihrer eigenen Familie. Ihr Großvater, obwohl von den Folgen eines Schlaganfalls gezeichnet, scheint eine Ahnung zu haben, wer der Täter sein könnte und warum er sich rächen will. Doch Frieda hat Schwierigkeiten, seine Botschaft zu verstehen.

Frieda entwickelte sich im Laufe der Reihe zu einer ruhigeren und gefestigteren Persönlichkeit. Sie lässt die Schimpftiraden und unqualifizierten Äußerungen ihres Chefs eher an sich abperlen und wächst weiter in ihrer Rolle als Inselkommissarin. Mit ihrem sechsten Fall auf Fehmarn ist sie definitiv angekommen auf der Insel, schätzt die Eigenheiten ihrer Kollegen und kommt auch immer besser mit den Eigenheiten ihres Vorgesetzten, Heiner Eisler, zurecht.

Eva Lirots Krimis sind immer ein Lesevergnügen, da sie ohne sinnlose Gewaltszenen auskommen und oft tiefgreifende Hintergründe beleuchten. In diesem Fall regt die Geschichte zum Nachdenken an: Haben wir den eigentlichen Sinn von Weihnachten verloren und sehen nur noch den Kommerz? Die Autorin schafft es, nicht nur spannende Kriminalfälle zu präsentieren, sondern auch relevante gesellschaftliche Themen aufzugreifen.


  • Herausgeber ‏ : ‎ Independently published (1. November 2023)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 211 Seiten
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 979-8863686950

Samstag, 4. November 2023

Himmelfahrt: Mission in den Tod von Michael Binge ( übersetzt von Katharina Naumann und Silke Jellinghaus )

 

Klappentext: Ein Berg gigantischer Ausmaße, der plötzlich mitten im Pazifik auftaucht: Der brillante Wissenschaftler Harold Tunmore steht vor dem größten Rätsel seiner Karriere. Nur zwei Personen kehrten von der ersten Expedition zurück, einer davon nimmt sich im Anschluss vor Harolds Augen das Leben. Die andere ist seine Exfrau, die Harold vor vielen Jahren im Stich ließ, als sie ihn am dringendsten brauchte. Um sie zu retten, unternimmt er mit anderen nicht weniger brillanten Geistern einen neuen Versuch, dem Geheimnis des Berges auf die Spur zu kommen. Was er erlebt, erschüttert jedoch die Grundfesten der Welt, und dem Aufstieg auf dem Gipfel folgt ein Absturz ins Bodenlose.

Im Vorwort erfahren wir, dass der Physiker Harold Tunmore  1990 verschwand, sein Bruder beschreibt dieses Verschwinden als vorhersehbar, denn Harold hatte nie eine große Bindung zu seiner Familie, sah man einmal von seiner Nichte Harriet ab, die er sehr liebte und von der er eben sosehr geliebt wurde. Für sie änderte er sein Verhalten und stieg aus seinem Elfenbeiturm herab, wie sein Bruder es nannte. Harold bleibt verschwunden, bis Benjamin 20 Jahre später einen Anruf erhält, der ihn zu einem Pflegeheim führt, in dem Harold sei Jahren lebt.

Harold hat viele Briefe an Harriet geschrieben, von denen diese allerdings nur drei erhalten hat, den Rest händigt er an Benjamin aus und wir erfahren gemeinsam mit ihm, was Harold zugestoßen ist.

Romane, die in Briefform verfasst sind, bergen für mich persönlich immer Schwierigkeiten, ich mag sie nicht wirklich, allerdings trieb mich die Neugier dazu, immer weiterzulesen und bald war mir klar, dass gerade diese Form ein wichtiges Stilmittel ist, um Harolds Gemütszustand zu beschreiben.


Der Autor Michael Binge lässt sich Zeit, damit die Handlung voranzutreiben, und steigert damit die Neugier seiner Leserinnen und Leser.  Ich weiß nicht, wie oft ich bei Sätzen wie »Das darf ich ihnen nicht sagen. Sie haben nicht die Sicherheitsfreigabe dafür«, mit den Zähnen geknirscht habe, denn warum zieht man einen Experten zurate, wenn man ihm nicht sagen will, was er wissen muss, um überhaupt einen Einblick in das Geschehen zu bekommen und damit eventuell zur Lösung des Geheimnisses beitragen kann? Das Geheimnis, dessen Lösung auf dem Gipfel eines Berges liegt, der unvermittelt aus dem Meer herausragt.

Ich könnte euch jetzt noch seitenweise von Harolds Reise auf den Berg erzählen, von seinen Beweggründen diese überhaupt anzutreten, von dem Horror, der ihn erwartet. Aber vielleicht liegt Harolds Horror gar nicht in der Reise zum Gipfel, vielleicht liegt er in seinem Inneren, in seinem Wesen, innerhalb Mauern, die er um sich errichtet hat, weil sein Verstand so anders als der anderer funktionierte und damit Angriffspunkte für Mobbing und Ausgrenzung bot, die Mauern, die erst Risse bekamen, als er seine Frau Naoko kennenlernte und gemeinsam mit ihr ein Kind adoptierte. Und vielleicht ist dieser Verstand nach einem grausamen Schicksalsschlag zersplittert?

Wer kann beurteilen, was Realität ist und was sich nur in Harolds Kopf abspielt?

Das zu entscheiden, liegt an den jeweiligen Leserinnen und Lesern. 

Ich vergebe für »Himmelfahrt« eine Leseempfehlung für alle, die etwas Besonderes suchen.

Nach anfänglichen Schwierigkeiten, die ich mit der Briefform hatte, habe ich mich darauf eingelassen und für mich beschlossen, das Buch einfach großartig zu finden, es ist ungewöhnlich und lässt viele Interpretationen zu. 


  • Herausgeber ‏ : ‎ Ullstein Paperback; 1. Edition (19. Oktober 2023)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Broschiert ‏ : ‎ 416 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3864931991
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3864931994
  • Originaltitel ‏ : ‎ Ascension





Freitag, 3. November 2023

Singularitäten von John Banville (Autor), Christa Schuenke (Übersetzer)


 Felix Mordaunt, der gerade erst aus dem Gefängnis entlassen wurde, fährt am Haus seiner Kindheit vor. Doch weder das schicke Auto noch der Name, mit dem er sich vorstellt, gehören wirklich ihm. In dem zugigen alten Gutshaus lebt eine neue Familie: die Godleys, Nachkommen des verstorbenen weltberühmten Wissenschaftlers Adam Godley, dessen Existenztheorie das Universum ins Chaos stürzte. Felix muss sich nun mit der eigenwilligen Familie Godley und deren nervösen Haushälterin auseinandersetzen. Ein ungeheurlicher Vorwurf steht im Raum: War der verstorbene Adam Godley wirklich der Urheber der Existenztheorie, oder war er ein Betrüger? 

Mit funkelnder Intelligenz und rasantem Witz lässt John Banville einige der denkwürdigsten Figuren seines Werks in einem ebenso schelmischen wie brillant konzipierten Roman wieder aufleben. 


Mein erstes Buch von John Banville, ich mochte das Cover, das in Verbindung mit dem Titel mich an ein selten vorkommendes Wetterphänomen denken ließ. Und eine fast kreisrunde, schwarze Wolke ist schon sehr selten. Der Klappentext machte mich noch neugieriger.Und dann mochte ich den Schreibstil von der ersten Seite an, die Übersetzerin Christa Schuenke hat hier einen tollen Job gemacht, sie hat mich auch am Buch gehalten, ich habe mich einfach fallen lassen und genossen, was ich las. Ich habe aber auch festgestellt, dass es besser gewesen wäre, hätte ich u. a. »Unendlichkeiten« zuvor gelesen oder ein anderes Buch aus der Feder des Autors, ich hatte immer das Gefühl mir würden viele Informationen zu den handelnden Personen fehlen. Natürlich hatte ich im Klappentext gelesen, dass John Banville die wichtigsten Personen seiner früheren Werke wieder aufleben lässt, ich dachte aber nicht, dass es mir so schwerfallen würde, eine Beziehung zu ihnen aufzubauen.  


Ich bin davon überzeugt, dass Leserinnen und Leser, die den Autor schon kennen, auch dieses Buch lieben werden, wie könnte man nicht in Anbetracht der Sprachgewandtheit und des Humors, den ich durchaus erkennen konnte. 


Ich werde wohl mindestens ein früheres Buch (Unendlichkeiten wird es wohl werden)  Banvilles lesen und mich dann nochmal an Singularitäten wagen, bevor ich es wage dieses hier zu bewerten.





  • Herausgeber ‏ : ‎ Kiepenheuer&Witsch; 1. Edition (2. November 2023)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 432 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3462003526
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3462003529
  • Originaltitel ‏ : ‎ The Singularities



Donnerstag, 2. November 2023

Alten Mann braucht niemand mehr von Kurt Oesterle


»Alten Mann braucht niemand mehr« von Kurt Osterle ist ein bemerkenswerter Gegenwartsroman, der das Alter als eine Zeit der Freiheit und Gelassenheit zelebriert. Die Geschichte dreht sich um Otto, einen fast 70-jährigen Witwer und ehemaligen Fernfahrer, der immer noch ein großer Johnny Cash-Fan ist. Auf den ersten Blick mag Otto wie ein mürrischer Zeitgenosse erscheinen, der den Mainstream meidet und sich lieber der Einsamkeit hingibt, als in falscher Gesellschaft zu ertrinken. Hierbei ist er weit entfernt von den alten weißen Männern, die sich in rechten Parolen ergehen und sich wie verspätete Pubertierende benehmen.


Kurt Osterle versteht es meisterhaft, Ottos Charakter behutsam zu entfalten und dem Leser die Gelegenheit zu geben, ihn besser zu verstehen. Anfänglich mag Otto als schwierig erscheinen, doch im Verlauf der Geschichte zeigt er auch seine verletzliche Seite. Sätze wie »Ihm fehlte nicht geliebt zu werden, ihm fehlte es zu lieben« vermitteln Ottos emotionale Tiefe und machen es schwer, sich nicht in ihn hineinzuversetzen.

Die Handlung des Romans entfaltet sich vor dem Hintergrund der Pandemie, was dem Buch eine zusätzliche Aktualität verleiht und den Leser in die damalige Zeit versetzt. Dabei zeigt der Autor auf subtile Weise, wie Menschen wie Otto mit den Herausforderungen des Alterns und der Pandemie umgehen.

Otto lernt im Laufe der Geschichte, sich selbst zu akzeptieren. Herkunft, Bildung oder Dialekt spielen keine Rolle mehr für ihn. Er entscheidet sich, nicht länger für Dinge zu schämen, die der Scham gar nicht bedürfen. Dieser Wandel in seiner Perspektive und die Selbstakzeptanz sind zentrale Themen des Buches und verleihen der Geschichte eine tief berührende Dimension. Otto ist zu alt, um sich noch länger daran zu hindern, das zu tun, was er gerne möchte. »Alten Mann braucht niemand mehr« ist eine inspirierende Lektüre, die uns daran erinnert, dass das Alter eine Zeit sein kann, in der wir unser wahres Selbst finden und leben können.

Von mir gibt es eine Lesempfehlung.


  • Herausgeber ‏ : ‎ Molino Verlag; 1. Edition (12. September 2023)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 256 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3948696543
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3948696542





Rotkäppchen lügt (Ein Grimm-Thriller 1) von Elias Haller

Klappentext: Heimtückisch, brutal und todbringend: Nora Rothmann scheint das Böse geweckt zu haben. Zuständig für Korruptionsfälle in den eigenen Reihen, ist die Sonderermittlerin beim LKA Berlin seit jeher so verhasst wie unbestechlich. Als sich ihre Nachforschungen gegen den pensionierten LKA-Präsidenten richten, löst dies eine nie da gewesene Gewaltspirale aus. Wie ein blutdürstiger Wolf zieht ein Killer durch die Hauptstadt. Er fügt seinen Opfern größtmögliche Schmerzen zu. Dabei inszeniert er seine eigene abartige Märchenversion von Rotkäppchen. Denn Rotkäppchen hat gelogen: Heimtückisch, brutal und todbringend:

Nora Rothmann ist eine Sonderermittlerin beim LKA in Berlin, deren Aufgabe darin besteht, gegen ihre eigenen Kollegen zu ermitteln, wenn diese den Verdacht auf Regelverstöße erwecken. Ihr Vorgehen ist kompromisslos, unabhängig von Rang oder Umständen, was ihr bei ihren Kollegen keine Popularität einbringt. Als sie gegen den ehemaligen LKA-Präsidenten ermittelt, erhält sie von allen Seiten den Rat, ihre Untersuchungen einzustellen. Dennoch bleibt Nora standhaft und führt eigenmächtig ein Verhör mit Tuchstein durch, welches tragischerweise in dessen Büro mit Tuchsteins Tod endet. Die Frage, ob es sich um Mord oder Selbstmord handelt, wirft einen Schatten auf Nora, und sie gerät kurzzeitig unter Verdacht.

Gleichzeitig verübt eine Person mit dem Alias »Wolf« eine Serie äußerst grausamer Morde, die sich am Märchen von Rotkäppchen zu orientieren scheinen – allerdings nicht nach der bekannten Version, in der Rotkäppchen und ihre Großmutter vom Jäger gerettet werden, denn in diesem Fall lügt Rotkäppchen. Rasch stellt sich die Frage, ob die Selbstmord- und Mordfälle in Verbindung stehen.

Zusätzlich zu diesen Ereignissen arbeitet KK Konrad König zusammen mit seiner Kollegin Manja an einem Fall, bei dem der verurteilte Kinderschänder Tremmel spurlos verschwunden ist, und nur seine Fußfessel und sein linkes Bein in seiner Wohnung zurückgeblieben sind.

Obwohl Nora Rothmann auf den ersten Blick empathielos und unnachgiebig erscheint, wird ihre Persönlichkeit durch traumatische Erfahrungen in ihrer Vergangenheit erklärt, die eine Verbindung zu den aktuellen Ereignissen zu haben scheinen.

KK Konrad König setzt alles daran, die brutale Mordserie aufzuklären, aber seine Bemühungen werden durch Noras Widerstand gegen eine Zusammenarbeit erschwert.

Die Geschichte ist wirklich komplex, mit vielen Handlungssträngen und einer Vielzahl von Charakteren, das macht den Einstieg in die Story nicht ganz leicht. Allerdings belohnt Elias Haller die Geduld von uns Lesern mit Puzzleteilen, die von den Ermittlern nach und nach an die richtige Stelle gesetzt werden. Dennoch ergibt sich jedoch nicht immer ein klares Bild, weder für die Ermittler noch für die Leserinnen und Leser und nicht alles klärt sich am Ende auf, allerdings muss man berücksichtigen, dass »Rotkäppchen lügt« der erste Teil einer Trilogie ist, und weitere Enthüllungen in den kommenden Bänden zu erwarten sind.

Dieser Thriller ist definitiv nichts für Leserinnen und Leser mit schwachen Nerven, denn Elias Haller spart nicht mit expliziten Szenen.


  • Herausgeber ‏ : ‎ Edition M (10. Oktober 2023)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 396 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 2496713231
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-2496713237