Sonntag, 28. August 2022

Thementour Der Zoomkiller: TATORT Videokonferenz.



 Tatorte spielen in Thrillern eine wichtige Rolle, sie verraten etwas über den Täter, tötet er wahllos und spontan oder ist die Tat vorher genau geplant? Und dann gibt es ja auch noch den Unterschied zwischen Tatort und Fundort, auch der Fundort kann verschiedenen Zwecken dienen, entweder um die Leiche zu verstecken in der Hoffnung das sie nicht gefunden wird, oder aber sie wird an einem exponierten Ort in Szene gesetzt, damit will der Täter meist eine Botschaft senden: Seht her, hier bin ich. Ich habe euch etwas zu sagen. Ich bin intelligenter als ihr. Ich bin ein Künstler.

Die Gründe dafür sind sicherlich unzählbar und für jeden geistig gesunden Menschen nicht nachvollziehbar.

In Chris Meyers neustem Thriller 

Der Zoomkiller 

sind Tatort und Fundort identisch und es gibt Zeugen. 

Während einer Videokonferenz wird ein Mann bestialisch gefoltert und ermordet, damit kein anderer der Teilnehmer die Polizei ruft, hat er sich in all ihre Computer gehackt und zwingt sie zum Zusehen.

Eigentlich wollte ich über die Orte des Geschehens schreiben, normalerweise ist das einfach, das Buch spielt in einem oder mehreren Orten z.B. Wanne-Eickel oder Hamburg, da sucht man sich ein paar schöne Fotos heraus, beschreibt die Stadt und ein paar Sehenswürdigkeiten, vielleicht hat man Glück und der Killer hat sein Opfer an einem geschichtsträchtigen Ort abgelegt und schon hat man einen schönen Bericht. 
Jetzt habe ich aber keinen konkreten Ort an sich, den ich euch vorstellen kann. 

Natürlich gibt es physische Tatorte, die Villa des ersten Opfers Bodo z.B. oder Wiesbaden, dem Sitz des BKA, aber diese sind irrelevant für die Handlung und im Fall der Villa rein zufällig nur davon abhängig, wo das Opfer an der Konferenz teilnimmt.
Als während der Corona-Pandemie die ersten Büros geschlossen wurden und die Mitarbeiter im Homeoffice arbeiteten, etablierten sich Videokonferenzen, die soweit ich weiß einfachste und Bediener freundlichste Plattform dafür ist Zoom. Der Begriff ist wohl mittlerweile das "Tempo" unter den Anbietern von Videokonferenzen.  Für den unwahrscheinlichen Fall, dass jemand nicht mit dem Thema Videokonferenz vertraut ist. Bei einer Videokonferenz treffen sich Teilnehmer in einem geschützten virtuellen Raum, ohne dass sie ihre Wohnung verlassen müssen, man sieht sich, kann in den Gesichtern lesen, erkennt, ob jemand interessiert oder gelangweilt ist und im Fall des Zoomkillers sieht man die Leiden des Opfers ohne eingreifen zu können.
Warum es dem Täter so wichtig ist Zuschauer zu haben, erfährt man natürlich, aber ich kann euch das nicht verraten, dazu müsst ihr schon das Buch lesen.

GEWINNSPIEL 

Ich habe ausgelost

Millabluem 

herzlichen Glückwunsch, bitte melde dich bei mir.

Ich musste neu auslosen.

Gewonnen hat dieses Mal

Andrea










Verlost wird ein Exemplar von Der Zoomkiller als Printbuch.

Erzählt in den Kommentaren, ob ihr schon mal etwas Witziges oder seltsames während einer Zoomsitzung erlebt habt, oder habt ihr noch nie an einer teilgenommen?

  • Veranstalter des Gewinnspiels ist Lesenswertes aus dem Buecherhaus
  • Teilnahmeberechtigt sind alle Personen über 18 Jahren.
  • Jeder Kommentar zählt als ein Los. 
  • Das Gewinnspiel beginnt am 28. August, 8:30 Uhr, und endet am 30. August 2022, um 20:00 Uhr. Bitte meldet euch bis zum 01.09.2022 um 20 Uhr sonst muss ich neu auslosen und euer Gewinn verfällt.
  • Der Gewinner wird am 30. August ermittelt und direkt hier im Kommentarfeld bekannt gegeben.
  • Es besteht die Möglichkeit zur außerordentlichen Beendigung des Gewinnspiels wegen wichtiger Gründe.
  • Der Gewinn wird über den Ullstein Verlag verschickt. Mit Teilnahme am Gewinnspiel erklärt sich jede/r bereit, dass er/sie die Post erhalten darf.
  • Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.
  • Mitspielen darf jeder mit Postadresse in Deutschland
  • Der Gewinn kann nicht in Bar ausgezahlt werden, und ich übernehme keine Haftung bei Postverlust

Mehr zum Buch ihr auf den Seiten von.


https://einanfangundkeinende.wordpress.com

www.stephienchen.de

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Mittwoch, 24. August 2022

Diese wilde Freude in mir von Samantha Silva

 „Ich möchte nicht, dass Frauen Macht über Männer, sondern über sich selbst besitzen“,



London 1797. Die Hebamme Parthenia Blenkinsop hat schon unzählige Babys auf die Welt gebracht, aber so etwas wie im Haus von Mary Wollstonecraft hat sie noch nicht erlebt. Ein höchst unkonventioneller Haushalt, eine liebevolle, gleichberechtigte Ehe. Und vor allem Mary selbst – eine offene, liebenswerte Frau, mit der Mrs. B wie mit ihresgleichen reden kann. Doch die Geburt ist lang und schwer. Elf Tage lang kämpft Mrs. B um das Leben von Mutter und Kind. In diesen elf Tagen erzählt Mary ihrer neugeborenen Tochter ihr Leben: ihr Kampf um Frauenrechte, die Reisen, Wagnisse, Verluste und Triumphe. Und vor unseren Augen wird eine furchtlose, tief beeindruckende Frau lebendig. Nicht nur Mrs. B wird diese elf Tage nie vergessen.

Ein Buch um eine Feministin, das passt normalerweise gar nicht zu meinen Lesegewohnheiten, aber das Cover, welches das Bild einer zarten jungen Frau zeigt und vor allem der Titel haben mich gleich angesprochen, der Klappentext tat dann sein Übriges. Die Autorin Samantha Silva beschreibt in ihrem Buch das Leben der Feministin Mary Wollstonecraft, die als eines von sechs Kindern des Webers und Landwirtes Edward John Wollstonecraft auf.
Die Familie blieb nie lange an einem Ort, laut Silva war der Vater der Familie ein Trinker und Schläger, der auch vor Gewalt seiner Frau und den Kindern nicht zurückschreckte. Marys Mutter 
Elizabeth begegnet ihren Kindern mit Gefühlskälte, die schon fast an Verachtung grenzt, ihre Liebe gehört allein ihrem erstgeborenen Sohn Ned.

Mary hat nur den einen Wunsch, soviel als möglich zu lernen und niemals von einem Mann abhängig zu sein, doch zu ihrer Zeit war die Bildung junger Mädchen darauf beschränkt, Handarbeiten zu erlernen, sich in Konversation zu üben und vielleicht noch ein wenig Französisch. Doch Mary will mehr und so findet sie immer wieder Wege zu lernen. 

Die junge Frau tut alles, um ihre Unabhängigkeit zu bewahren, vor allem verwehrt sie sich dagegen zu heiraten und sich den Konventionen ihrer Zeit zu unterwerfen, zärtliche Gefühle hegt zu einer Schulfreundin und zur Illustratorin und Pädagogin Fanny Blood, mit der sie eine Schule gründet.  Nach Fannys Hochzeits mit dem Weinhändler Hugh Skeys besucht Mary die Freundin in Lissabon, um sie im Kindbett zu unterstützen, während dieser Zeit treiben ihre Schwestern Eliza und Everina die Schule in den Ruin. Fannys Tod inspirierte Mary zu ihrer ersten Novelle  Mary: A Fiction.

Mary entwickelt sich zu einer starken und unabhängigen Frau, die selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen kann. Durch ihren Verleger Joseph Johnson lernt sie viele bedeutende Männer ihrer Zeit kennen und hier bekommt ihre Unabhängigkeit erste Risse, sie verliebt sich in den Schweizer Maler Johann Heinrich Füssli kennen in den sie sich unsterblich verliebt, respektierend das er verheiratet ist sie sich nicht zu schade bei seiner Frau, um gemeinsame Zeit mit Füssli zu betteln und auch ihre zweite Liebe zu dem Amerikaner Gilbert Imlay endet unglücklich, erst in William Godwin findet sie den Partner für Leben, der sie wirklich als gleichberechtigt ansieht.

Das Buch ist eine Zeitreise in die Anfänge des Feminismus, außerordentlich interessant und durchaus auch spannend, es gewährt Einblicke in eine Zeit, die wir zumeist nur aus Geschichtsbüchern kennen und in denen wird eher nicht über die Frauen dieser Zeit berichtet.

Ich hätte mir nur noch etwas mehr Ausführlichkeit gewünscht, die Geschichte Mary Wollstonecraft bietet so viel mehr, ich habe nur einmal ihren Namen gegoogelt und war stundenlang damit beschäftigt all Querverweise anzusehen. Da das Buch aber als Rahmen die elf Tage zwischen der Geburt ihrer Tochter Mary ( die Schriftstellerin Mary Shelley ) und ihrem Tod umfasst, in denen sie ihr die wichtigsten Punkte ihres Lebens erzählt, ist der Umfang des Werkes zu verstehen.

  • Herausgeber ‏ : ‎ dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG; 1. Edition (17. August 2022)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 384 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3423290285
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3423290289
  • Originaltitel ‏ : ‎ Love and Fury
  • Übersetzung: Britta Mümmler


Sonntag, 21. August 2022

Schlaft, Kinder, schlaft (Ewert Grens ermittelt) von Anders Roslund

Regelmäßig besucht Kriminalkommissar Ewert Grens das Grab seiner verstorbenen Frau, immer sitzt er dabei allein auf einer Bank, bis zu dem Tag an dem Jenny sich zu ihm setzt und zu erzählen beginnt, von dem Tag an dem ihre Tochter verschwand und von Grab mit dem leeren Sarg den sie besucht, denn das kleine Mädchen wurde nie gefunden. 

Ewert forscht in den Polizeiarchiven nach und findet heraus, dass am selben Tag ein weiteres Mädchen spurlos verschwand, er beginnt auf eigene Faust zu ermitteln, denn die Zeit drängt, auch dieses Mädchen soll von den Eltern für tot erklärt werden, um endlich einen Schlussstrich ziehen zu können unter all das Leid, das das Verschwinden eines geliebten Kindes mit sich bringt.

Der Krimi beginnt mit einer Szene auf dem Friedhof, auf dem er Jenny kennenlernt, die Mutter eines der verschwundenen Mädchen, diese Szene macht schon neugierig auf das Buch, dann aber kommt eine weitere Person ins Spiel, von der wir immer wieder in kurzen Einschüben lesen, was sie gerade denkt, von dem Moment an, hatte ich ein Gefühl der Beklemmung, das mich nicht mehr losließ. 



Eine Hand.
Weich und gleichzeitig fest. Und die, die mich festhalten, sagen, dass ich nicht muss. Wenn ich nicht will, wenn ich lieber ganz allein hierbleiben will, dann muss ich nicht.
Mitkommen 


Roslund katapultierte mich mit diesen kurzen Sätzen mitten hinein in den Alptraum aller Eltern, allein die Vorstellung was mit Kind geschehen könnte, nachdem es doch mitging ließ mir das Blut in den Adern gefrieren. Und dann kommt alles noch viel schlimmer, der Autor gewährt seinen Lesern einen Blick in die tiefsten Abgründe der menschlichen Seele.
Im Darknet stößt Ewert mit der Hilfe des Computerspezialisten Billy auf einen weltweiten Pädophilen- Rings und kann einen der Täter in Dänemark aufspüren, auf dessen Computer findet die dänische Computerspezialistin Birte weitere Hinweise. Doch um an den Kopf des Rings zu kommen, muss Ewert jemanden in den Pädophilen-Ring einschleusen, er wendet sich an Piet Hoffmann,  eine Koryphäe auf dem Gebiet der Infiltration, eigentlich hatte Ewert versprochen sich nie wieder an Hoffmann zu wenden, doch ohne ihn gibt es keine Chance die Täter zu fassen.

Roslund hat mit diesem Buch die Ängste, die wohl alle Eltern ab und an haben und meist erfolgreich verdrängen, aus dem verborgenen geholt, er führt uns vor Augen, wie verdorben und grausam Menschen sein können, die skrupellos Kinderpornografie verbreiten und auch vor Kinderhandel nicht zurückschrecken. 
Seine Protagonisten sind die Menschen, die, die alles in ihrer Macht Stehende tun, die Täter aufzuspüren und zu stoppen. Ihre Waffen sind ihre Fähigkeiten am Computer, die es ihnen erlauben tief ins Darknet einzudringen, um gut verwischte Spuren aufzudecken, oder die es ertragen Stunde, um Stunde nach Bildern zu suchen, die das Leiden von Kindern zeigen und auf diesen Bildern kleinste Hinweise auf die Täter zu finden, wie Birte und Billy, wie man vor allem in Birtes Fall diese Arbeit ertragen kann, ohne daran zu zerbrechen, ist mir unbegreiflich.
Ewerts Fähigkeiten liegen in seiner Sturheit und in seinem Willen nicht aufzugeben, ich mochte ihn sehr, ein brillanter Ermittler, ist auf besondere Art sehr liebenswert. Piet Hoffmann ist hin- und hergerissen zwischen seinem Leben als Familienvater und dem als verdeckter Ermittler, das er eigentlich hinter sich gelassen hatte. Und doch begibt er sich in den inneren Kreis des Pädophilen Rings.

Schlaft, Kinder, schlaft ist absolut lesenswert, nicht nur, weil die Story außerordentlich spannend und gut geschrieben ist, sie zeigt uns, dass das Böse nicht irgendwo da draußen ist, sondern vielleicht näher als man denkt, in der Nachbarschaft, im Sportverein oder sogar in der eigenen Familie. 

  • Herausgeber ‏ : ‎ Ullstein Paperback; 1. Edition (28. Juli 2022)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Broschiert ‏ : ‎ 480 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3864931444
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3864931444
  • Originaltitel ‏ : ‎ Sovsågott
  • Übersetzt von: Ulla Ackermann




Samstag, 20. August 2022

Interview mit Marco Hasenkopf (Eisflut 1784)

Ich durfte im Rahmen unserer Blogtour den für den Goldenen Homer nominierten Autor Marco Hasenkopf interviewen. 

Das Interview hat mir viel Spaß gemacht und wenn ihr vielleicht ein wenig neugierig geworden seid. Marco Hasenkopf liest heute um 15.30 Uhr auf YOU TUBE.






Guten Morgen Herr Hasenkopf,

vielen Dank das sie sich meinen Fragen stellen. Ich habe mit Begeisterung ihren historischen Roman "EISFLUT 1784" gelesen.

1)Beschreiben Sie sich doch bitte zunächst einmal in einem Satz.

Ich bin jemand, der gerne ganz in die Welt einer Geschichte abtaucht und recherchiert, um bewegende Geschichten zu Papier bringt. Ich möchte unterhalten, aber mit Haltung.

2) In Ihrer Vita habe ich gelesen, dass sie sich nach dem Studium der Archäologie, Philosophie und alte Geschichte noch einmal völlig neu orientiert haben und ein Studium zum Drehbuchautor absolvierten und mittlerweile produzieren Sie Theaterstücke mit ihrem Label *districtneun* und sie schreiben Bücher. Bleibt da neben der Familie auch noch Zeit für Hobbys und wenn ja welche?

Für „klassische“ Hobbys bleibt in der Tat kaum Zeit. Die Freizeit verbringe ich mit der Familie in der Natur, im Schwimmbad oder im Zoo etc. Ich treibe Sport z. B. fahre ich gerne mit dem Rad und trainiere Kampfsport. (Anmerkung: Mein Label distriktneun schreibt sich übrigens mit k und heißt deshalb so, weil es nach dem 9. Stadtbezirk Kölns, also Mülheim, benannt ist in dem auch die Eisflut spielt.)

3) Wenn ich richtig gelesen habe, haben sie zunächst Theaterstücke und Drehbücher geschrieben, wann und warum kam der Sprung zum Buch?

Ich habe schon immer auch Prosa und Lyrik geschrieben. Aber der Fokus wandelt sich eben. In meiner Jugend habe ich sehr viel Lyrik geschrieben. Wenn ich ein Theaterstück für mein Label „distriktneun“ produzieren, schreibe ich einen Theatertext. Momentan schreibe ich hauptsächlich Prosa für Romanprojekte. Ich bin gerne vielfältig und beschränke mich auch nicht auf ein Genre.

4) Wie kamen Sie auf das Thema zu Ihrem aktuellen Roman?

Ich habe 2012 ein Literaturprojekt initiiert „Die Stadtteilschreiber von Mülheim“. In diesem Zusammenhang habe ich mich mit der Geschichte Köln-Mülheims beschäftigt und bin auf die Flutkatastrophe mit Eisgang von 1784 gestoßen. Mir war sofort klar: Das ist mein Romanstoff!

5) In Eisflut bedienen Sie sich einer angepassten Sprache, die zu der Zeit passt, in der die Geschichte spielt, hatten Sie keine Angst das Ihre Leser damit nicht immer klarkommen?

Ich glaube die Leser/innen sind sehr klug und können eine kleine Herausforderung wie eine angepasste Sprache gut nachvollziehen. Ich liebe es, wenn Literatur noch ihre Eigenwilligkeit bewahrt. Schema F gibt’s wo anders! Im Übrigen, ist wohl schwer zu bestimmen ob der Stil meines Romans wirklich der Zeit angepasst ist, da es ja keine O-Ton-Dokumente aus dem 18. Jahrhundert gibt. Es ist also wenn Sie so wollen ein fiktional-historisierender Stil, der vor allem eines vermitteln soll, dass es dem Leser/innen noch mehr Freude bereitet in die Geschichte abzutauchen.

6) Amtmann Henrik Venray und die eigenwillige Apothekerwitwe Anna-Maria Scheidt, sind beide für sich sehr interessante Charaktere, gibt es reale Vorbilder?

Ja und nein. Wie ich in meinem Nachwort in der Eisflut schreibe gab es den Wasserbauingenieur Bilgen aus Düsseldorf, der den Auftrag hatte im bergischen Städtchen Mülheim einen Damm zu errichten, während in Cöln auf dem Rathausplatz gebetet wurde.

7) Weder die Obrigkeit noch die Institution Kirche kommen in Ihrem Roman gut weg, während es heute legitim ist, die Regierung und ihre Organe zu kritisieren, kommt Kritik an der Kirche auch heute noch bei manchen Menschen nicht gut an, gab es da Reaktionen aus Ihrer Leserschaft?

Hier kommt zum Tragen, was ich vorhin erwähnte: Die Haltung zur Unterhaltung. Ich beziehe klar Position zu einer demokratisch-aufklärerischen Gerechtigkeit. Wenn man will kann man Parallelen zur Gegenwart entdecken. Gerade in der heutigen Zeit, die gerne ganz ähnlich wie 1780 als Zeitenwende bezeichnet wird, halte ich das für wichtig. Den Menschen damals ist es gelungen den Absolutismus zu besiegen. Wird es uns gelingen unsere Schwierigkeiten zu lösen? Von daher die kleine, auch ironisch gemeinte Gegenfrage: Gäbe es denn einen Grund Staat und Kirche zu loben?

8)Im Roman geht es ja teilweise sehr locker und zügellos zu, wie schwierig war die Gratwanderung zwischen interessant und reißerisch?

Mit maximal 1-2 „Sex-Szene“ (oder sind es mehr?) die ich in der Eisflut geschrieben habe, glaube ich behaupten zu können, dass es sehr viele andere Romane und Filme gibt in denen es sehr viel blutiger, sexbessener und reißerischer zugeht als bei mir  - von daher habe ich die Gefahr der Gratwanderung nie gesehen. Zur Unterhaltung zählt für mich aber auch zwingend - ich nenne es mal - aktive Handlung.

Jetzt habe ich aber auch noch ein paar allgemeine Fragen.

9) Wer darf denn als allererster ihr fertiges Buch lesen, oder auch schon die ersten Seiten?

Meine Frau Anne und meine Agentin Christine Härle.

10 Ich bin ein absolutes Cover Opfer, gefällt mir das Gesicht eines Buches nicht, nehme ich es gar nicht erst in die Hand. Haben Sie Einfluss auf die Gestaltung des Buchcovers oder wird Ihnen das vom Verlag vorgesetzt?

Das kann ich gut nachvollziehen. Der Verlag war so freundlich und hat meine Vorschläge bereitwillig angenommen. Mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden.

11) Wie sieht Ihre Präsenz im Bereich der sozialen Medien aus?

Ich habe mehrere Internetseiten – in Sozialen Medien wie facebook etc. bin ich allerdings nicht aktiv. Dafür fehlt mir die Zeit.

12) Was lesen Sie privat am liebsten, gibt es einen Lieblingsschriftsteller?

Ich lese sehr gerne historische Romane, aber auch Thriller. Jules Verne ist einer meiner absoluten Lieblingsautoren, die ich mir aus der Kindheit und Jugendzeit bewahrt habe. Aber ich lese auch gerne Belletristik und Sachbücher, vor allem über historische Themen.

13) Welche Frage wollten Sie schon immer beantworten, es hat sie nur noch niemand gestellt?

Dazu fällt mir nichts geistreiches ein.

14) Und zu guter Letzt doch noch eine Frage zu Eisflut. Wird es ein Wiedersehen mit dem Henrik Venray und Anna-Maria Scheidt geben?

Das kann ich mir vorstellen. Allerdings wird es schwierig einen ähnlich realen Hintergrund wie die Eisflut von 1784 zu finden in den ich meine Handlung einbetten könnte. Ganz so häufig ereignen sich solche Vorfälle ja dann doch nicht…

Sie sind für den Homer Literaturpreis 2022 nominiert. Was war das für ein Gefühl als Sie davon erfuhren und Wie aufgeregt sind sind Sie jetzt?

Natürlich freue ich mich sehr über die Nominierung und bin gespannt wie es weitergeht. Es ist aber nicht das erste Mal, dass ich in einer solchen Situation bin. Ich freue ich mich sehr, bleibe aber auf dem Teppich. Ich sage es mal sportlich: Wenn ich am Wettbewerb teilnehme, würde ich ihn natürlich auch gerne gewinnen und am liebsten unter den ersten drei landen!

Ich bedanke mich das Interview und auf diesem Weg auch für die tollen Lesestunden mit Eisflut.

Ich danke Ihnen ebenfalls!

Mittwoch, 17. August 2022

Sturmrot: Kriminalroman (Die Eira-Sjödin-Trilogie, Band 1) von Tove Alsterdal


Als er ein Auto für seinen Chef überführen soll, führt Olofs Weg ihn in die Nähe seines Heimatortes. Er nutzt die Gelegenheit, um sich in der vertrauten Umgebung umzusehen und sein Elternhaus aufzusuchen. Olof war seit über zwanzig Jahren nicht zu Hause, seitdem Tag an dem man ihn vierzehnjährig von zu Hause fortbrachte. Olof gestand damals den Mord und die Vergewaltigung an Line Stavred, da er noch minderjährig war, wurde er nicht angeklagt, sondern in einem Jugendheim untergebracht. 

Das Kläffen eines Hundes im Inneren des Hauses bringen Olof dazu ins Haus zu gehen, dort macht er eine schreckliche Entdeckung, sein Vater liegt ermordet im Badezimmer.

Die junge Polizistin Eira Sjödin ist in ihren Heimatort zurückgekehrt, um sich ihre an Demenz leidende Mutter kümmern zu können. Eira untersucht den Mord an Olofs Vater und stößt dabei auf Spuren, die weit zurück in die Vergangenheit zu dem Mord an Line Stavred reichen. Eira war zu der Zeit des Mordes 9 Jahre alt und erinnert sich nur vage an die damaligen Geschehnisse.

Tove Alsterdal lässt es recht ruhig angehen im ersten Band ihrer neuen Krimireihe, sie lässt ihren Lesern Zeit, die Protagonisten und die örtlichen Gegebenheiten kennenzulernen, darauf muss man sich gerade in der ersten Hälfte des Buches einlassen wollen, das fiel mir aber nicht allzu schwer, denn der Schreibstil ist sehr angenehm zu lesen, mühelos führt dieser Stil die Leser von Seite zu Seite, das Buch ist sehr angenehm zu lesen, hier gebührt sicherlich auch der Übersetzerin Hanna Granz ein Lob.

Hinter dem Bild der schwedischen Idylle, das die Autorin gezeichnet hat, liegt ein weiteres Bild und das ist sehr düster und beklemmend, nach und nach kommen immer mehr Geschehnisse aus der Vergangenheit ans Licht, Olofs Erinnerungen sind nur ein Teil davon, auch Eira deckt durch ihre Hartnäckigkeit immer mehr Geheimnisse auf die eine ganz andere Geschichte erzählen als die offizielle Version glauben machte.

Ich bin gespannt auf die weiteren Bände der Reihe. Der zweite Teil der Reihe

Erdschwarz

erscheint schon im Oktober 2022

Die Autorin Tove Alsterdal, 1960 geboren, hat als Journalistin und als Autorin für Theater und Film gearbeitet, sie zählt zu den renommiertesten schwedischen Spannungsautorinnen. Ihre Romane erscheinen in zwanzig Ländern und wurden mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Schwedischen Krimipreis 2014.


  • Herausgeber ‏ : ‎ Rowohlt Taschenbuch; 1. Edition (19. Juli 2022)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Broschiert ‏ : ‎ 480 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3499007681
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3499007682
  • Originaltitel ‏ : ‎ Rotvälta