Samstag, 20. August 2022

Interview mit Marco Hasenkopf (Eisflut 1784)

Ich durfte im Rahmen unserer Blogtour den für den Goldenen Homer nominierten Autor Marco Hasenkopf interviewen. 

Das Interview hat mir viel Spaß gemacht und wenn ihr vielleicht ein wenig neugierig geworden seid. Marco Hasenkopf liest heute um 15.30 Uhr auf YOU TUBE.






Guten Morgen Herr Hasenkopf,

vielen Dank das sie sich meinen Fragen stellen. Ich habe mit Begeisterung ihren historischen Roman "EISFLUT 1784" gelesen.

1)Beschreiben Sie sich doch bitte zunächst einmal in einem Satz.

Ich bin jemand, der gerne ganz in die Welt einer Geschichte abtaucht und recherchiert, um bewegende Geschichten zu Papier bringt. Ich möchte unterhalten, aber mit Haltung.

2) In Ihrer Vita habe ich gelesen, dass sie sich nach dem Studium der Archäologie, Philosophie und alte Geschichte noch einmal völlig neu orientiert haben und ein Studium zum Drehbuchautor absolvierten und mittlerweile produzieren Sie Theaterstücke mit ihrem Label *districtneun* und sie schreiben Bücher. Bleibt da neben der Familie auch noch Zeit für Hobbys und wenn ja welche?

Für „klassische“ Hobbys bleibt in der Tat kaum Zeit. Die Freizeit verbringe ich mit der Familie in der Natur, im Schwimmbad oder im Zoo etc. Ich treibe Sport z. B. fahre ich gerne mit dem Rad und trainiere Kampfsport. (Anmerkung: Mein Label distriktneun schreibt sich übrigens mit k und heißt deshalb so, weil es nach dem 9. Stadtbezirk Kölns, also Mülheim, benannt ist in dem auch die Eisflut spielt.)

3) Wenn ich richtig gelesen habe, haben sie zunächst Theaterstücke und Drehbücher geschrieben, wann und warum kam der Sprung zum Buch?

Ich habe schon immer auch Prosa und Lyrik geschrieben. Aber der Fokus wandelt sich eben. In meiner Jugend habe ich sehr viel Lyrik geschrieben. Wenn ich ein Theaterstück für mein Label „distriktneun“ produzieren, schreibe ich einen Theatertext. Momentan schreibe ich hauptsächlich Prosa für Romanprojekte. Ich bin gerne vielfältig und beschränke mich auch nicht auf ein Genre.

4) Wie kamen Sie auf das Thema zu Ihrem aktuellen Roman?

Ich habe 2012 ein Literaturprojekt initiiert „Die Stadtteilschreiber von Mülheim“. In diesem Zusammenhang habe ich mich mit der Geschichte Köln-Mülheims beschäftigt und bin auf die Flutkatastrophe mit Eisgang von 1784 gestoßen. Mir war sofort klar: Das ist mein Romanstoff!

5) In Eisflut bedienen Sie sich einer angepassten Sprache, die zu der Zeit passt, in der die Geschichte spielt, hatten Sie keine Angst das Ihre Leser damit nicht immer klarkommen?

Ich glaube die Leser/innen sind sehr klug und können eine kleine Herausforderung wie eine angepasste Sprache gut nachvollziehen. Ich liebe es, wenn Literatur noch ihre Eigenwilligkeit bewahrt. Schema F gibt’s wo anders! Im Übrigen, ist wohl schwer zu bestimmen ob der Stil meines Romans wirklich der Zeit angepasst ist, da es ja keine O-Ton-Dokumente aus dem 18. Jahrhundert gibt. Es ist also wenn Sie so wollen ein fiktional-historisierender Stil, der vor allem eines vermitteln soll, dass es dem Leser/innen noch mehr Freude bereitet in die Geschichte abzutauchen.

6) Amtmann Henrik Venray und die eigenwillige Apothekerwitwe Anna-Maria Scheidt, sind beide für sich sehr interessante Charaktere, gibt es reale Vorbilder?

Ja und nein. Wie ich in meinem Nachwort in der Eisflut schreibe gab es den Wasserbauingenieur Bilgen aus Düsseldorf, der den Auftrag hatte im bergischen Städtchen Mülheim einen Damm zu errichten, während in Cöln auf dem Rathausplatz gebetet wurde.

7) Weder die Obrigkeit noch die Institution Kirche kommen in Ihrem Roman gut weg, während es heute legitim ist, die Regierung und ihre Organe zu kritisieren, kommt Kritik an der Kirche auch heute noch bei manchen Menschen nicht gut an, gab es da Reaktionen aus Ihrer Leserschaft?

Hier kommt zum Tragen, was ich vorhin erwähnte: Die Haltung zur Unterhaltung. Ich beziehe klar Position zu einer demokratisch-aufklärerischen Gerechtigkeit. Wenn man will kann man Parallelen zur Gegenwart entdecken. Gerade in der heutigen Zeit, die gerne ganz ähnlich wie 1780 als Zeitenwende bezeichnet wird, halte ich das für wichtig. Den Menschen damals ist es gelungen den Absolutismus zu besiegen. Wird es uns gelingen unsere Schwierigkeiten zu lösen? Von daher die kleine, auch ironisch gemeinte Gegenfrage: Gäbe es denn einen Grund Staat und Kirche zu loben?

8)Im Roman geht es ja teilweise sehr locker und zügellos zu, wie schwierig war die Gratwanderung zwischen interessant und reißerisch?

Mit maximal 1-2 „Sex-Szene“ (oder sind es mehr?) die ich in der Eisflut geschrieben habe, glaube ich behaupten zu können, dass es sehr viele andere Romane und Filme gibt in denen es sehr viel blutiger, sexbessener und reißerischer zugeht als bei mir  - von daher habe ich die Gefahr der Gratwanderung nie gesehen. Zur Unterhaltung zählt für mich aber auch zwingend - ich nenne es mal - aktive Handlung.

Jetzt habe ich aber auch noch ein paar allgemeine Fragen.

9) Wer darf denn als allererster ihr fertiges Buch lesen, oder auch schon die ersten Seiten?

Meine Frau Anne und meine Agentin Christine Härle.

10 Ich bin ein absolutes Cover Opfer, gefällt mir das Gesicht eines Buches nicht, nehme ich es gar nicht erst in die Hand. Haben Sie Einfluss auf die Gestaltung des Buchcovers oder wird Ihnen das vom Verlag vorgesetzt?

Das kann ich gut nachvollziehen. Der Verlag war so freundlich und hat meine Vorschläge bereitwillig angenommen. Mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden.

11) Wie sieht Ihre Präsenz im Bereich der sozialen Medien aus?

Ich habe mehrere Internetseiten – in Sozialen Medien wie facebook etc. bin ich allerdings nicht aktiv. Dafür fehlt mir die Zeit.

12) Was lesen Sie privat am liebsten, gibt es einen Lieblingsschriftsteller?

Ich lese sehr gerne historische Romane, aber auch Thriller. Jules Verne ist einer meiner absoluten Lieblingsautoren, die ich mir aus der Kindheit und Jugendzeit bewahrt habe. Aber ich lese auch gerne Belletristik und Sachbücher, vor allem über historische Themen.

13) Welche Frage wollten Sie schon immer beantworten, es hat sie nur noch niemand gestellt?

Dazu fällt mir nichts geistreiches ein.

14) Und zu guter Letzt doch noch eine Frage zu Eisflut. Wird es ein Wiedersehen mit dem Henrik Venray und Anna-Maria Scheidt geben?

Das kann ich mir vorstellen. Allerdings wird es schwierig einen ähnlich realen Hintergrund wie die Eisflut von 1784 zu finden in den ich meine Handlung einbetten könnte. Ganz so häufig ereignen sich solche Vorfälle ja dann doch nicht…

Sie sind für den Homer Literaturpreis 2022 nominiert. Was war das für ein Gefühl als Sie davon erfuhren und Wie aufgeregt sind sind Sie jetzt?

Natürlich freue ich mich sehr über die Nominierung und bin gespannt wie es weitergeht. Es ist aber nicht das erste Mal, dass ich in einer solchen Situation bin. Ich freue ich mich sehr, bleibe aber auf dem Teppich. Ich sage es mal sportlich: Wenn ich am Wettbewerb teilnehme, würde ich ihn natürlich auch gerne gewinnen und am liebsten unter den ersten drei landen!

Ich bedanke mich das Interview und auf diesem Weg auch für die tollen Lesestunden mit Eisflut.

Ich danke Ihnen ebenfalls!

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