Dienstag, 1. März 2022

Artemis von Charlotte Charonne


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Ein Mädchen wird brutal vergewaltigt. Noch während die toughe Rubina Hiller und der charmante Simon Peick in dem Fall ermitteln, werden ihre Verdächtigen kurz hintereinander Opfer von Verstümmelungen. Ein Vergeltungsschlag? Oder stammt der Täter aus dem Drogenmilieu? Als ein weiterer Mann verstümmelt aufgefunden wird, suchen die beiden Kommissare Hilfe bei einer engagierten Journalistin. Doch dann eskaliert die Lage völlig und plötzlich schwebt jeder in Lebensgefahr, auch die Kommissare selbst.
Es gibt sie noch, die Bücher, die man an zwei Abenden durchliest, oft handelt es sich dann dabei um eher leichte Unterhaltung, die genauso schnell vergessen ist, wie gelesen.
Dann gibt es aber auch noch Geschichten, die neben Unterhaltung auch noch viel Stoff zum Nachdenken liefern und genau so ein Buch hat uns die Autorin Charlotte Charonne geschenkt.

Die sechzehnjährige Paula wird auf dem Heimweg Opfer einer brutalen Gruppenvergewaltigung, vollkommen traumatisiert kann sie sich nicht an die Täter erinnern, so ihre Aussage gegenüber den ermittelnden Beamten Rubina Hiller und Simon Peick, die von der Staatsanwältin Johanna Neumann persönlich mit der Aufklärung der Tat beauftragt wurde, Johanna ist eine Freundin der Familie und Paula hatte den Abend bei ihr verbracht.
Als das Opfer einer Verstümmelung ins Krankenhaus eingeliefert wird, sieht zunächst niemand einen Zusammenhang zwischen den Taten. Erst als ein junger Mann am Ort von Paulas Vergewaltigung festgenommen wird, erkennen Ruby und Paula eine Verbindung.
Die Gruppe, die das junge Mädchen vergewaltigt, entspricht dem Klischeebild, das leider viele von uns von Flüchtlingen haben, " Alles Kriminelle" so hört man es leider immer noch viel zu oft und im ersten Moment könnte man sozusagen im Affekt auch zustimmen, nur man darf auf keinen Fall vergessen, dass es sich hier nur um eine kleine Gruppe handelt, die frustriert, gelangweilt und ohne jede Perspektive für die Zukunft, verrohen und nicht vor den schlimmsten Straftaten zurückschrecken. Genauso wenig wie auf Gewalt verzichtet wird, wenn "gute deutsche Bürger" die Sache in die Hand nehmen.
Es gibt keine Entschuldigung für ihr Verhalten, für Straftaten gibt es niemals Verständnis meinerseits. Meine Überlegungen gehen da eher in die Richtung darüber nachzudenken, was getan werden müsste, um Straftaten jedweder Art zu verhindern. 

Als Leser erfährt man schnell, dass die Verstümmelungen der Männer mit der Vergewaltigung Paulas zusammenhängen und auch wer sie durchführt, die Hintergründe dazu bleiben allerdings lange im Dunkeln und ich kann es euch nicht erzählen, das heißt ich kann euch auch nicht erzählen, was ich zu diesem speziellen Thema denke, denn das wäre viel zu viel verraten.
Ich bin grundsätzlich gegen Selbstjustiz, im richtigen Leben, hier in dieser Geschichte, war ich zu 100 % auf Seiten der geheimnisvollen Rächerin und fast hätte ich mir gewünscht, sie käme davon, das wiederum würde in diesem Fall noch viel mehr Schaden anrichten.
Habe ich schon geschrieben, dass ich hier viel zu wenig über den Inhalt des Buches erzählen darf, um euch nicht des Lesevergnügens zu berauben? 
Charlotte Charonne hat mit Artemis einen wahren Pageturner geschaffen, dieses Wort benutze ich selten, wie ich anfangs schon erwähnte fallen diese bei mir meist unter die Kategorie "schnell gelesen, schnell vergessen". In den eher seltenen Fällen, in denen "Pageturner" zwar schnell gelesen, aber lange nicht vergessen sind, breitet sich während des Lesens ein Gefühl in mir aus, mal ist es Angst, mal Freude, in diesem Fall wechselten sich Wut, Ohnmacht und Mitgefühl immer wieder ab.

Ich empfehle dieses Buch für jeden, der mehr als seichte Unterhaltung sucht.

  • Herausgeber ‏ : ‎ edition krimi; 1. Edition (21. Februar 2022)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 470 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3948972591
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3948972592

Sonntag, 27. Februar 2022

Die Kräutersammlerin von Heidrun Hurst

 


Eine junge Frau auf der Suche nach der Wahrheit - ein einfühlsamer und mystischer Schwarzwaldkrimi aus dem Mittelalter. Schiltach im Kinzigtal, 1343: Heilerin und Kräutersammlerin Johanna entdeckt im Wald ein totes Mädchen, offenbar ein Opfer von Wölfen. Doch einige der Verletzungen passen nicht zum Biss eines Raubtiers. Johanna beschließt, der Sache auf den Grund zu gehen, und findet in dem jungen Flößer Lukas einen Verbündeten. Haben die Leprosen, die zurückgezogen im Wald leben, etwas damit zu tun? Oder der geheimnisvolle Einsiedler? Und was hat es mit dem fahrenden Spielmann auf sich, der immer wieder unerwartet auftaucht? Als ein weiteres Mädchen verschwindet, werden die Nachforschungen für Johanna lebensgefährlich .


Seit dem Tod ihrer Mutter, lebt Johanna allein in dem Städtchen Schiltach, ihren Lebensunterhalt verdient sich die junge Frau als Kräuterheilerin, sie kennt sich mit den verschiedensten Kräutern aus und sie weiß ebenso wie sie Wunden und Verletzungen behandeln kann, bei denen Kräuter allein nicht helfen. Johanna wird in dem kleinen Ort geachtet und gemocht.
Als sie im Wald die Leiche eines jungen Mädchens findet, deren Körper seltsame Male aufweist, glaubt sie nicht, dass Wölfe für ihren Tod verantwortlich sind.

Der Einstieg in das Buch fiel mir wirklich leicht, sowohl der Prolog als auch die ersten Kapitel sind sehr spannend, dazu kommt ein Schreibstil der es mir schwer, machte das, Buch wieder aus den Händen zu legen. Die ruhige Erzählweise der Autorin macht das Buch zu einer sehr angenehmen Lektüre, sie lässt ihren Leserinnen und Lesern Zeit ihre Protagonisten, allen voran natürlich Johanna und die Örtlichkeiten kennenzulernen, ebenso anschaulich erzählt sie von den Sitten und Gebräuchen der damaligen Zeit. Wir schreiben das Jahr 1334, das Leben ist hart in Schiltach, viele Familien leben von der Flößerei, ein gefährlicher Beruf, wie gefährlich erleben wir am Beispiel Symons, dem Johanna nach einem Unfall ein Loch in den Schädel bohren musste, um sein Leben zu retten. Das mag auf den ersten Blick sehr weit hergeholt sein, aber solche Operationen wurden durchaus auch schon im Mittelalter durchgeführt. Was mit Johanna geschehen wäre, wenn ihre Patienten nicht überlebten, darüber kann ich nur spekulieren.
Weitere Protagonisten sind der junge Flößer Lukas, der sich sehnlichst wünscht Johanna für sich zu gewinnen, seine Chancen stehen allerdings eher schlecht, denn Johanna will ihre Unabhängigkeit entgegen aller Traditionen nicht aufgeben. Clewin ein reisender Spielmann, dessen Rolle etwas undurchsichtig ist, er scheint einfach nur verliebt in die junge Heilerin, hartnäckig wirbt er um Johanna, die seinem Charme allerdings widerstehen kann, im Gegensatz zu fast allen anderen. Und dann ist da noch Ida und ihre ständige Begleiterin, das Mädchen wird vollkommen verwahrlost und stumm im Wald gefunden und da niemand anderer sie aufnehmen will, erbarmt sich Johanna. Hier erzähle ich euch nicht mehr, es ist so schön von der besonderen Beziehung Idas zu ihrer ständigen Begleiterin und später auch zu Johanna zu lesen, das muss jeder für sich selber erlesen. 
Eigentlich wäre Johannas Geschichte für sich schon spannend genug, aber da ist ja auch noch das tote Mädchen aus dem Wald und dann verschwindet noch ein Mädchen auf dem Weg zu einer neuen Anstellung.
Dass beide Fälle zusammenhängen, wird dem Leser schon bald klar, die Aufklärung wer hinter den Taten steckt und was seine Motivation dazu ist, ist so grausam, allein die Vorstellung davon dreht sensiblen Gemütern sicherlich fast den Magen um.
Ich mochte auch den Schluss, denn die Entscheidungen, die getroffen wurden, sind absolut nachvollziehbar, alles andere wäre dann doch zu märchenhaft gewesen, wer das Buch gelesen hat, wird wissen, was ich meine, wer noch das Vergnügen vor sich hat, wird es verstehen.
Begebt euch also gern auf eine Reise in den Schwarzwald, da ich nicht weit entfernt lebe, war es besonders interessant von Städten und Dörfern zu lesen in denen ich schon war.





  • Herausgeber ‏ : ‎ Emons Verlag (22. August 2019)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 336 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3740806370
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3740806378


Samstag, 26. Februar 2022

Fuchsmädchen von Maria Grund

 


Eisige Kälte herrscht an jenem Sonntag auf der Insel vor der Küste Schwedens, als man die Leiche eines jungen Mädchens in einem verlassenen Kalksteinbruch entdeckt. Das Verstörende an dem Fall: Die Tote hat eine unheimliche Fuchsmaske bei sich. Ermittlerin Eir bleibt nichts anderes übrig, als sich auf die Zusammenarbeit mit ihrer neuen Kollegin Sanna einzulassen. Denn nur Tage später ist eine weitere Frau tot – und auch in ihrer Wohnung finden sich Hinweise auf eine Maske. Ein eiskalter Serienmörder hinterlässt eine blutige Spur auf der Insel und muss gestoppt werden. Doch mit Schrecken erkennt Eir, dass nicht nur das nächste Opfer vor dem Killer retten muss – auch Sanna birgt ein dunkles Geheimnis und droht, vom Strudel ihrer Vergangenheit in den Abgrund gerissen zu werden


Zunächst sieht alles nach Selbstmord aus und Kriminalkommissar Bernhard Hellkvist, hätte nichts dagegen, wenn sich sein erster Eindruck bestätigen würde, damit wären die Ermittlungen abgeschlossen und er könnte nach Hause gehen, der Kommissar, kann seine Pensionierung kaum noch erwarten.

Anders seine Kollegin Sanna, sie schaut genauer hin und glaubt nicht daran, dass sich das Mädchen das Leben genommen hat, gemeinsam mit ihrer neuen Kollegin Eir, die als Ersatz für Bernhard auf die Insel kommt, nimmt sie die Ermittlungen auf.
Dann geschieht ein Mord und die Ermittlerinnen erkennen, dass die Fälle zusammenhängen und dass sie ein Geheimnis aus der Vergangenheit lüften müssen, um weitere Morde zu verhindern.

Sanna und Eir sind Ermittlerinnen mit Ecken und Kanten, manchmal zu eckig und kantig für meinen Geschmack, beide haben eine Last zu tragen, die sie, wären sie schwächere Charaktere, wären sie sicherlich schon zerbrochen.
Ich mag das nicht sonderlich, aber die Autorin schafft eine Gratwanderung zwischen nervenden Ermittlern, deren private Probleme weit im Vordergrund stehen und deren professionelle Arbeit. Schon allein dafür gebührt ihr Respekt.
Und dann sind da ja auch noch die Toten, deren Schicksal es aufzuklären gilt. 
Maria Grund legt viele falsche Fährten, denen ich jedes Mal bereitwillig folgte, um festzustellen, dass sie mich wieder in die Irre geführt hat. Das ist pures Lesevergnügen. Nach und nach kommen die Zusammenhänge ans Licht und je mehr Detail ich erfuhr, desto mehr zog mich die Story in ihren Bann. Schuld, Bestrafung und Rache, mit diesen drei Worten beschreibt man den Grundgedanken der Story schon ganz gut.

  • Herausgeber ‏ : ‎ Penguin Verlag; Deutsche Erstausgabe Edition (24. Januar 2022)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Broschiert ‏ : ‎ 416 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3328107053
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3328107057
  • Originaltitel ‏ : ‎ Dödssynden


Freitag, 25. Februar 2022

Der Fluch des Ritters Anastasius präsentiert von Lucian Caligo (eine Anthologie)

 


Nach einem verlorenen Zweikampf erwacht Anastasius in seinem Sarg. Schnell wird ihm klar, dass er tot ist. Anders als die Ghule in den Sagen besitzt er jedoch seinen Verstand. Aber wie ist er in diesen Zustand geraten?

Fünfzig Jahre lang durchstreift Anastasius die Lande, beseelt von dieser einen Frage. Dabei muss er sich Hexen, Geistern und anderen Gefahren stellen. Immer verfolgt von Menschen, die in ihm nicht mehr als ein Ungeheuer sehen. Bis er an einen Magier gerät, der ihm eine Möglichkeit eröffnet, Erlösung zu finden. Gelingt es Anastasius, sich von seinem Fluch zu befreien, bevor sein vermoderter Körper den Dienst versagt?

Ghule kannte ich bisher nur aus den John Sinclair Groschenromanen und hatte ein ganz anderes Bild vor Augen, wie sie aussehen und wie sie sich verhalten, bis ich Anastasius kennenlernte. Anastasius Schicksal ist, abgesehen von der Unsterblichkeit, ein anderes als das seiner Namensvetter, während diese dumpf, schleimig und menschenfressend Friedhöfen auf ihre Opfer warten, hat Anastasius nach seinem Tod seine Menschlichkeit bewahrt, sein Verstand funktioniert einwandfrei und auch Gefühle sind ihm nach wie vor nicht fremd, einzig die fortschreitende Verwesung seines Körpers, der trotz oder wegen seines Todes an Stärke gewonnen hat macht ihm zu schaffen.
In fünf Geschichten lernen wir Anastasius näher kennen.

Der Fluch des Ritters Anastasius von Lucian Caligo

Die Titelgebende Geschichte erzählt davon wie es geschehen konnte das sich Anastasius vom strahlenden Ritter in glänzender Rüstung zu einem Ghule wandelte und ist damit natürlich die wichtigste Story, davon abgesehen ist sie wirklich gut geschrieben. Ich werde nicht näher auf den Inhalt der Geschichte eingehen, zu schnell wäre zu viel erzählt. Das Ende dieser Geschichte lässt viel Raum für Spekulationen und auch für die Hoffnung auf eine Fortsetzung.  Und für mich blieb die Frage: Was bleibt von Anastasius, wenn sein Körper komplett zerfallen ist?

Die weiteren Geschichten erzählen davon, was Anastasius nach seinem Tod erlebt.

Familienbande über den Tod hinaus von Tanja Kummer

Anastasius trifft auf die Geisterfrau Rita, die ihm einen sicheren Unterschlupf anbietet und als Gegenleistung dafür seine Hilfe für ihren Sohn und dessen Familie erbittet. Anastasius erschrickt zunächst als er der Geisterfrau begegnet, ein doch recht amüsanter Gedanke denn schließlich ist er ein Untoter, wenn zu dieser Zeit auch noch nicht sehr lange. Der Ghul muss allerdings  erkennen, das Rita nicht ganz ehrlich zu ihm ist.

Der Ritter und die Dame von Heike Schrapper

Meine Lieblingsgeschichte in dieser Anthologie.
Anastasius trifft auf die junge Isabeau, die, wie sie behauptet, gerade noch so Wegelagerern entkommen konnte und nun auf dem Weg in die nächste Stadt ist. Um sie nicht zu verschrecken und ihr mit seinem Anblick Angst zu machen, erfindet Anastasius einen Fluch um sie daran zu hindern ihn anzusehen, er ahnt nicht das auch sie nicht ganz ehrlich ist.
Die beiden verstehen sich gut und die Sympathien, die sie füreinander hegen sind so natürlich beschrieben, es ist eine Freude das zu lesen. Als ich mit der Geschichte begann dachte ich zuerst: 

Jetzt kommt es: Tragische Liebesgeschichte.

*Sie verliebt sich trotz allem in ihn und nach langen Jahren des Glücks muss er zusehen wie sie stirbt*

Bin ich froh das dem nicht so war ;o)

Spoiler, es geht nicht anders.

Leider zählt immer noch der erste optische Eindruck, die beiden haben sich ja gegenseitig keine Chance gegeben sich wirklich kennenzulernen aus Angst den anderen durch seinen Anblick zu verschrecken, beide haben wohl auch recht, aber sie sind ja auch in Ausnahmesituationen.

Aber wie oft Menschen sich etwas nicht trauen etwas zu tun was sie gern möchten, nur weil ihr Aussehen nicht dem Schönheitsideal entspricht, dazu müssen sie ja nicht entstellt sein, ein paar Pfunde zu viel, eine schiefe Nase, zu große Füße...

Wie viele Freundschaften wohl nicht geschlossen wurden, weil irgendwas am Aussehen nicht passte?

Zwischen Feuer und Vollmond von Eva von Kalm

In dieser Geschichte trifft Anastasius auf eine Hexe die ihm verspricht für eine Nacht ein ganz normales Leben führen zu können, zu lachen, zu tanzen, einmal noch glücklich sein. Dafür muss er für sie Aufgaben erledigen, deren Zweck er zunächst nicht versteht, bis es fast zu spät ist.

Ich kann ihn so gut verstehen. Normalität vermissen wir erst, wenn wir sie verloren haben. Außerdem zeigt uns Anastasius was Ehre wirklich bedeutet, fernab von dem wofür der Begriff so häufig missbraucht wird.


Die Gnade des blinden Sehers von Sabine M. Schmid

Der Bettler, auf den Anastasius in dieser Geschichte trifft, vergilt ihm seine Güte mit einem Traum, aus dem der Ritter einige für ihn sehr wichtige Erkenntnisse ziehen kann und mit ihm die Leserinnen und Leser, denn diese Geschichte lässt viel Spielraum für eigene Gedanken. Ich mag sie sehr.


Fünf Geschichten, fünf Autoren, ein Thema

Jede von ihnen konnte mich auf ihre Art überzeugen und ich hätte nichts dagegen weitere Geschichten aus Anastasius Leben zu lesen und vielleicht zu erfahren, was geschieht, wenn sein Körper komplett zerfallen ist, dieser Gedanke bewegt mich ja schon seit der ersten Story.


  • ASIN ‏ : ‎ B09RH169RK
  • Herausgeber ‏ : ‎ Independently published (28. Januar 2022)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 100 Seiten
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 979-8409255671









Blogtour "Töchter der Speicherstadt" von Anja Marschall

 


Die Rolle der Frau im 19. Jahrhundert.


Das Idealbild der deutschen Frau im Bürgertum war klar definiert: Sie kümmert sich um die Familie, den Haushalt und repräsentiert an der Seite ihres Ehemanns auf den von ihr organisierten Gesellschaften und sie unterhielt die Gäste mit kultivierten Gesprächen und Hausmusik. Als Gegenleistung lebte sie meist frei von finanziellen Sorgen.





Frauen wird der Status als autonomer Mensch verweigert, es fehle ihnen Objektivität und Urteilsvermögen, überhaupt seien Frauen naturgemäß nicht so intelligent wie Männer, sie könnten nicht mit Geld umgehen und natürlich fehlt es ihnen an körperlicher Kraft. Frauen müssen beschützt und behütet werden, ihre natürliche Rolle ist die der Mutter und Hausfrau, sie hat das Leben des Mannes im eigenen Heim so angenehm wie irgendwie möglich zu machen, in allen Belangen. Sie ist schlicht rechtlos, über alles kann ein sogenannter Geschlechtsvormund bestimmen und auch gegen körperliche Gewalt vonseiten ihres Ehemanns ist sie nicht geschützt.
Nun saßen diese Frauen nicht untätig in ihren Salons und warteten auf die Rückkehr des Hausherrn, sie hatten oft  einen großen Haushalt zu führen. Es gab Bälle und Abendessen  zu organisieren, auf denen von den Herren Geschäfte abgeschlossen wurden, dazu war es wichtig, dass die Frauen sich in den richtigen gesellschaftliche Kreisen bewegten, so manche Karriere in der Politik und der Wirtschaft wurde auf einer Teegesellschaft unter den Damen angeschoben. 

Der Großteil der Frauen kann allerdings von einem bürgerlichen Leben nur träumen, sie müssen arbeiten, um die Familie zu ernähren und schuften als Dienstmädchen, Wäscherinnen und in den neu entstehenden Fabriken, um die meist zahlreichen Kinder satt zu bekommen, doch auch sie sind der Willkür und oftmals der Gewalt ihrer Männer rechtlos ausgeliefert.





Als die Hauptprotagonistin im Buch "Die Töchter der Speicherstadt" Maria kurz nach deren Eröffnung im Jahr 1888 alles über den Kaffeehandel lernt, bzw. lernen darf, denn auch für sie wird gelten, dass sie nur mit der Erlaubnis ihres Mannes einer Arbeit nachgehen darf, arbeiten Frauen in der Speicherstadt unter menschenunwürdigen Bedingungen z.B. als Kaffeeverleserin auf den Kaffeeböden.(1889 protestierten sie für Verkürzen der Tagesarbeitszeit auf 9 Std., Mindeststundenlohn von 25 Pfennig (das war die Hälfte der niedrigsten Männerlöhne im Hafen), Verbot des Säckeschleppens (Gewicht ca. 80 kg), Eindämmen des Strafgeld-Unwesens: pro Tag sollten nicht mehr als 10 Pfg. Erhoben werden dürfen (strafbar waren z.B. lachen, singen, manchmal auch reden).



Das sind die Fakten in Kurzform, es gibt viele Bücher zur Rolle der Frauen, ihrer Rechte und Pflichten und je mehr und tiefer man sich mit dem Thema beschäftigt, desto mehr wird klar, dass noch viel Arbeit bis zur vollständigen Gleichberechtigung vor uns liegt.

Alle weiteren Themen und Links zur Blogtour:

21.02.2022 Auf einen Kaffee bei Jasmin von Buch-leben
22.02.2022 Ein Rundgang durch die Speicherstadt bei Ullas Leseecke
23.02.2022 Figurenvorstellung bei Kunterbunte Bücherreisen
24.02.2022 Die Handlungsorte bei Angéliques Leseecke
25.02.2022 Frauen im Kaiserreich bei mir
26.02.2022 Interview mit Anja Marschall bei Heike von Frau Goethe liest.






Doch nun zum Buch:
Als die junge Brasilianerin Maria erfährt, dass ihr Vater die heimatliche Kaffeeplantage verkaufen will, bricht für sie eine Welt zusammen, sie ist auf der Plantage aufgewachsen und der Gedanke daran diese zu verlassen ist für sie unerträglich. Als sie den potenziellen Käufer Johann Behmer kennenlernt und dieser um ihre Hand anhält, stimmt sie nach kurzem Zögern nicht nur aus rationalen Beweggründen zu, sie hat sich in den viel älteren Mann verliebt, der ihr das Versprechen gibt, sie immer als gleichwertig zu sehen. Maria geht mit ihrem Mann nach Hamburg, wo ihr nicht nur die norddeutsche Kälte zu schaffen macht,  auch in der Villa der Familie herrscht ihr Gegenüber eisige Kälte. Ihre Schwägerin Gertrud führt ein strenges Regiment, ihr Leben ist davon bestimmt, die richtigen Kontakte zu knüpfen, um ihrem Mann Alfons den Weg in eine fulminante Karriere zu ebnen.

Die Töchter der Speicherstadt, ist nicht das erste Buch der Autorin, welches ich gelesen habe, allerdings ist es das erste, mit dessen Hintergrund ich mich im Vorfeld so intensiv beschäftigte. Und so waren mir die Orte, die die Autorin Anja Marschall beschreibt, recht vertraut.
Auch die Personenbeschreibungen waren sehr realistisch, Anja Marschall lässt uns in die Salons der gehobenen Gesellschaft blicken und in die katastrophalen Lebensbedingungen in den Armenvierteln des reichen Hamburgs, dessen Senat mit der stetig wachsenden Bevölkerung vollkommen überfordert ist, dies beschreibt sie anschaulich mit der Cholera Epidemie im Jahr 1892, der in Hamburg mehr als 8000 Menschen zum Opfer fielen.

Maria fällt es nicht leicht sich in Hamburg einzugewöhnen, alles ist fremd und kalt und bis auf ihren Mann Johann heißt sie niemand willkommen. Für ihre Schwägerin, sie ist die *Wilde*, die sich in den Damensalons nicht zu benehmen weiß und die, das ist wohl das schlimmste, ihrem Mann einen Erben schenken könnte, der das Erbe der eigenen Kinder bedroht. Doch Maria beißt sich trotz aller Lügen und Intrigen durch. 

Mehr zum Inhalt mag ich euch natürlich nicht erzählen, das würde euch des Vergnügens berauben selbst einzutauchen in die Welt des Kaffeehandels und vor allem in Marias Geschichte.
Mit dem Beginn des 1. Weltkriegs endet der erste Band um die Töchter der Speicherstadt, der mit dem großen Brand in Hamburg 1842, der zwischen dem 5. und 8. Mai große Teile der Altstadt zerstörte. 
Und jetzt verrate ich euch noch, was ich an diesem Buch besonders mochte, jeder historische Fakt der erwähnt wurde, hielt meiner  eigenen Recherche stand, und damit gewann auch Marias Geschichte an Glaubwürdigkeit.

Ich vergebe sehr gern eine absolute Leseempfehlung

Autorin: Anja Marschall

Genre: Historisch
Version: eBook und Taschenbuch
erschienen: 24. Februar 2022
Seiten: 464
Altersempfehlung: Erwachsene
Herausgeber ‏ : ‎ Piper Taschenbuch