Montag, 8. Juni 2026

Dies irae: Tag des Zorns von Adrian Schmelzenbart


 


In Malum I

Das Böse & Madeleine

Zitat: Sie wusste nichts davon, wie es spielt und umgarnt; wie es sich tarnt, um töten zu können.

Das Böse

In Malum II 

Das Böse & Melanie 

Zitat: Aber da war nichts Lebendiges - und doch war da was.


Neun Jahre nach dem ungeklärten Mord an ihrer Tochter Madeleine zieht Dolly in das alte Haus ihres geliebten Großvaters im abgelegenen Waldviertel. Sie braucht Ruhe und hofft die Trauer um ihr endlich ein wenig loslassen zu können. Doch die Vergangenheit lässt nicht locker. Ein fremder Mann, der mit seinem scharfen, beobachtenden Blick und seinem Kleidungsstil unweigerlich an Hercule Poirot erinnert, macht rätselhafte Andeutungen und werfen bei Dolly und bei mir als Leserin viele Fragen auf.
Im Baumhaus, das ihr verstorbener Großvater einst für sie gebaut hat, leuchtet nachts plötzlich ein Licht, und dort erscheint ein Mädchen, das ihrer kleinen Madeleine auf unheimliche Weise ähnelt.

Als Dolly in der kleinen Stadt nach dem Mädchen fragt, trifft sie auf eine Mauer des Schweigens und der Ablehnung, einzig ein Mitglied des Gemeinderats begegnet ihr von Beginn an freundlich. 
Schließlich findet sie das Grab des Mädchens und lernt dort Hermi, die Schwester von Melanie, kennen. Gemeinsam wollen sie den Mörder finden, denn schnell wird klar: Der Mord an Madeleine könnte mit Melanies Schicksal verbunden sein. Immer tiefer geraten sie in ein Geflecht aus Lügen und alten Geheimnissen, das weit über die Grenzen des kleinen Ortes hinausreicht, hin zu mehreren Mädchen, die aus einem Heim im nahen Tschechien verschwunden sein sollen. Welche Verbindung besteht zwischen ihnen? Und warum will niemand darüber sprechen?

Was mir an diesem Buch besonders gefallen hat, ist die Mischung aus Krimi und Mystery. Der Autor schafft eine düstere, dichte Atmosphäre. Zwischen den Zeilen spürte ich den Zorn, die Schuld, die schweren Geheimnisse, die tief im Dorf verborgen liegen. Das ist kein reiner Rätselspannungskrimi, sondern eine Geschichte über Trauma, Verlust und die Suche nach Wahrheiten, die lange verborgen bleiben sollten.

Der Schreibstil ist teilweise fast poetisch, diese sprachliche Schönheit verleiht der Handlung eine besondere Tiefe. Die Mysteryelemente fügen sich stimmig ein und machen das Buch zu einem echten Leseerlebnis.

Manchmal hatte ich leichte Schwierigkeiten mit dem Sprachgebrauch. Einige österreichische Ausdrücke waren mir nicht geläufig. Aber der poetische Einschlag und die starke Atmosphäre des Buches haben das für mich mehr als ausgeglichen.

Ich habe dieses Buch gerne gelesen. Besonders die Verbindung aus spannender Krimihandlung, geheimnisvoller Stimmung und emotionaler Tiefe hat mich gepackt. Für Leser, die düstere Geschichten mögen, ist „Dies irae: Tag des Zorns" ein wirklich lesenswertes Buch.


  • Herausgeber ‏ : ‎ Verlag Federfrei
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 20. Mai 2026
  • Auflage ‏ : ‎ 1.
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 214 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3990743732
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3990743737

Sonntag, 7. Juni 2026

Der Rückzug: Novelle von Marko Richter-Höfer (Autor)


Steffen ist ausgebrannt. Nicht nur ein bisschen erschöpft, sondern an einem Punkt, an dem nichts mehr geht. Der Job, das Leben, der ständige Druck, all das hat ihn so weit gebracht, dass er nur noch weg will. Also zieht er mit seiner Frau Marion und seiner Tochter Tessa ins dünn besiedelte Wendland, nach Clenze. Ein Neuanfang fernab vom Lärm der Welt. Für Steffen scheint genau das die Lösung zu sein: möglichst wenig Menschen, möglichst wenig Kontakt. Selbst die kurzen Begegnungen beim Bäcker sind ihm schon zu viel. Alles andere, findet er, lässt sich schließlich auch online regeln.

Was dabei zunehmend auf der Strecke bleibt, ist seine Familie. Seine Frau, die den ganzen Neustart im Grunde allein stemmen muss. Seine Tochter, die ohnehin schon Schwierigkeiten hatte und nun bei null anfangen soll. Steffen nimmt das durchaus wahr, aber mehr schafft er nicht. Burnout ist hier kein Schlagwort, sondern ein Zustand, der ihn komplett blockiert.

Dann kippt die Geschichte plötzlich ins Unbegreifliche.

Als Steffen eines Tages allein zu Hause ist, kann er das Grundstück nicht mehr verlassen. Eine unsichtbare Barriere hält ihn fest und lässt niemanden hinein. Was zunächst wie ein rätselhaftes Phänomen wirkt, wird schnell existenziell: kein Strom, nichts zu essen, keine Hilfe. Nur noch er und dieses Eingeschlossensein.

 Ich habe beim Lesen ständig überlegt, wie das alles zusammenhängt. Meine eigene Theorie : Was, wenn genau das passiert ist, was Steffen sich unbewusst gewünscht hat? Vollkommener Rückzug. Absolute Ruhe. Nur dass dieser Wunsch plötzlich eine Konsequenz bekommt, die er nicht mehr kontrollieren kann.

Gerade diese Verbindung fand ich besonders stark. Die Barriere wirkt nicht einfach wie ein äußeres Ereignis, sondern fast wie eine physische Manifestation seines inneren Zustands. Ein Rückzug, der sich verselbstständigt hat. Während draußen geforscht, spekuliert und medial ausgeschlachtet wird, sitzt Steffen fest und wird immer schwächer. Während seine Familie sich direkt mit den Konsequenzen der Barriere auseinander setzen muss. 

Etwas Küchenpsychologie darf sein, finde ich. Für mich steckt hier ziemlich klar die Aussage drin, dass man sich aus so einem Zustand nicht einfach herausziehen kann, indem man sich komplett abschottet. Der Wunsch nach Ruhe und Abstand ist verständlich, aber wenn daraus Isolation wird, kippt etwas. Und das betrifft eben nicht nur den, der sich zurückzieht, sondern auch die, die zurückbleiben.


Ich mochte die Geschichte gerade deshalb, weil sie nicht alles erklärt. „Der Rückzug“ von Marko Richter-Höfer ist eine eindringliche Novelle über Erschöpfung, Isolation und die gefährliche Sehnsucht, einfach verschwinden zu wollen.


  • ASIN ‏ : ‎ B0H18NFG3D
  • Herausgeber ‏ : ‎ Independently published
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 8. Mai 2026
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 98 Seiten
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 979-8258327833

Samstag, 6. Juni 2026

Daedalos 18 Story Reader für Phantasik (Herausgeber: Ellen Norton, Michael Siefener, Andreas Fieberg)


Die Daedalos-Reihe war mir bisher nur vom Hörensagen bekannt, entsprechend betrat ich mit diesem Band völliges Neuland. Schon die Aufmachung des Hardcovers konnte mich jedoch sofort begeistern. Das dunkle Pink des Einbands, geschmückt mit Schwarz-Weiß-Illustrationen auf Vorder- und Rückseite, macht das Buch zu einem echten Blickfang. Dazu kommen Lesebändchen und eine insgesamt hochwertige Verarbeitung. Besonders interessant fand ich den Verzicht auf einen Klappentext, denn dadurch konnte ich vollkommen unvoreingenommen in die Geschichten eintauchen.

Beim ersten Durchblättern fielen mir außerdem die Illustrationen ins Auge. Einige erinnerten mich an die Arbeiten meines Lieblingsillustrators Aubrey Beardsley. Besonders die Illustration zu „Dissonanz“ von Dennis Staats weckte diese Assoziation. Die Zeichnungen tragen viel zur besonderen Atmosphäre des Bandes bei und sind weit mehr als bloße Dekoration. Eine Liste der Künstler, soweit bekannt findet ihr am Ende der Rezension.

Doch kommen wir zu den Geschichten selbst. Daedalos 18 widerlegt klar das Vorurteil, Kurzgeschichten seien zwangsläufig leichte Kost, die man schnell liest und ebenso schnell wieder vergisst. Alle Texte verlangen viel Aufmerksamkeit; manche erschlossen sich mir nicht sofort, aber sie alle belohnten mich mit ungewöhnlichen Ideen und eindringlichen Bildern.


Peter Schünemanns „Feuerprobe“ wirkt wie eine Ergänzung oder Weiterführung einer größeren Geschichte rund um den Brand von Schloss Weyterstedt, die mir allerdings nicht bekannt ist. Dennoch lässt sich die Erzählung problemlos ohne Vorwissen lesen. Ein Bibliothekar erhält Besuch von Bianca von Weyterstedt-Hohental, die behauptet, sich in einer Welt zu befinden, die nicht die ihre ist. Fasziniert von ihr und ihrem Geheimnis gibt er sein bisheriges Leben auf und zieht nach Weyterstedt. Besonders gelungen fand ich, dass die Geschichte genügend Hinweise liefert, um auch Lesern ohne Vorkenntnisse einen Zugang zur Handlung zu ermöglichen und gleichzeitig Neugier auf die Hintergründe zu wecken.

Deutlich düsterer geht es in Uwe Dursts „Die Wespe“ zu. Rasmus wächst bei seiner alleinerziehenden Mutter auf, nachdem sein Vater die Familie verlassen hat. Als er eines Tages früher von der Schule nach Hause kommt, hört er verstörende Geräusche aus dem Schlafzimmer und beobachtet etwas, das seine kindliche Fantasie als monströse Schlupfwespe deutet und sein Vater hat ihm das Fortpflanzungsverhalten der Wespen einst erklärt. Obwohl sich die Richtung der Geschichte bereits früh erahnen lässt, verliert sie nichts von ihrer Wirkung. Im Gegenteil: Gerade die Perspektive des Kindes und die Vermischung von Realität und Fantasie erzeugen einen Horror, der mir sehr gut gefiel.

Auch folgende Geschichten sind mir besonders im Gedächtnis geblieben:

„Lieber Gott Böse“ von Michael J. Awe stellt die Frage, ob der Tod wirklich endgültig sein muss. Marks Eltern wollen und können den Verlust ihres Kindes nicht akzeptieren und greifen in ihrer Verzweiflung zu einer drastischen Maßnahme. Erzählt wird die Geschichte aus der Sicht eines Freundes von Mark, der dabei erkennt, dass Leben und Tod untrennbar miteinander verbunden sind. Diese Geschichte ist von einer solchen Traurigkeit, dass sie mich tief berührt hat, insbesondere aus der Perspektive von Eltern.

„Ich kann warten“ von Regina Holzkämper greift ein ähnliches Thema auf und hat mir ebenfalls sehr gut gefallen. Eindrücklich zeigt sie, dass sich mit dem Tod nur begrenzt verhandeln lässt und dass jeder Wunsch, sollte er in Erfüllung gehen, seine Konsequenzen nach sich zieht.

Auf jede einzelne Geschichte einzugehen, würde den Rahmen dieser Rezension sprengen. Gerade das macht jedoch auch die Stärke des Bandes aus. Die Beiträge unterscheiden sich deutlich voneinander, sowohl stilistisch als auch thematisch. Horror steht neben Phantastik, surreale Ideen treffen auf klassische Motive, und nicht jede Geschichte ist sofort zugänglich. Dadurch entsteht eine abwechslungsreiche Sammlung, die immer wieder überrascht.

Auch wenn mich nicht jede Geschichte gleichermaßen begeistern konnte, blieb bei mir insgesamt ein sehr positiver Eindruck zurück. Gerade die Mischung der Texte hat für mich gut funktioniert und spricht sowohl Kenner der Phantastik als auch Leser an, die einfach neugierig auf ungewöhnliche Geschichten sind

Mein Fazit: Daedalos 18 ist kein Buch für zwischendurch, das man gedankenlos konsumiert. Wer jedoch Freude an anspruchsvollen Kurzgeschichten, ungewöhnlichen Ideen und atmosphärischer Phantastik hat, findet hier eine Sammlung, die zum Nachdenken anregt und noch lange im Gedächtnis bleibt. Für mich war es die erste Begegnung mit der Reihe und vermutlich nicht die letzte.

Geschichten von:

Peter Schünemann – Feuerprobe
Uwe Durst – Die Wespe
Dennis Staats – Dissonanz
Philipp Nowotny – In der Schildkrötenwelt
Andreas Fiebig – Hand in Hand
Ellen Norten – Meine Freundin ist verrückt
Gabriele Behrend – Die Erweckung durch P.R.A.Y.
Joachim Pack – Omnibus
Andrea Tillmanns – Variationen der Zeit
Michael J. Awe – Lieber Gott Böse
Regina Holzkämper – Ich kann warten
Uwe Appelbe – Die Nacht ist still, da hört man weit
Leonhard Stein – Der Gorilla

Erwerben könnt ihr das Buch direkt beim Verlag: 

Titelbild: Louis Le Bretona

Die Künstler:

daedalos #18 – ILLUSTRATIONEN


S. 11: k.A.

S. 15: Lorenz Frølich

S. 21: Alexander Gribojedow

S. 24: Max Klinger (1857–1920)

S. 31: Aubrey Beardsley

S. 35: Ernst Stöhr (1860–1917)

S. 39: Charles Robinson (1870–1937)

S. 43: Josef Fleischmann

S. 48: Albrecht Dürer (1494)

S. 55: Albrecht Dürer

S. 59/62: Honoré Daumier

S. 69: Henri Gerbault

S. 75: Otto Marcus (1863–1952)

S. 81: k.A.

S. 82: "The History of Witches and Wizards", hrsg. T. Norris, 1720

S. 84: "hourglass", engraving 1887

S. 89: k.A.

S. 101/107/108: Carlo Chiostri (1863–1939)

S. 110: Leon Gaucherel (1816–1886)

S. 115: Hieronymus Hess (1841)

S. 122: J. J. Grandville

S. 128: Franklin Booth

S. 135: Gert? Meyn.

S. 138: Daniel Vierge


Mord und Gelato: Ein Gardasee-Krimi von Elizabeth Horn


Nach den ersten drei Fällen von Fabio und Charlotte habe ich mich sehr auf die Fortsetzung gefreut. Elizabeth Horn hat mich mit Mord und Limoncello, Mord und Biscotti und Mord und Espresso bereits bestens unterhalten, weshalb ich natürlich neugierig war ob es ihr auch dieses Mal wieder gelingen würde mit ihrerStory nicht nur Spannung zu erzeugen, sondern gleichzeitig auch dieses besondere Gefühl von Sommer, Sonne und Gardasee einzufangen.

Mit dem Antritt auf seinen neuen Posten im Commissariato in Riva steht Fabio Angelotti gleich vor einigen Herausforderungen. Nicht nur, dass ihm sein Widersacher Vice Questore Colombo ein ganz spezielles Team zugewiesen hat, er muss auch bald einen Mord aufklären, der ihm so manches Rätsel aufgibt. Gut, dass ihm auch dieses Mal wieder seine Freundin Charlotte Stutz und seine rechte Hand Ispettore Manuela Pollicino zur Seite stehen. Im Gegensatz zu Colombo erkennt Fabio durchaus die Fähigkeiten seines Teams, auch wenn der Vice Questore scheinbar alle besonders schwierigen Mitarbeiter in das neue Commissariato versetzt hat. Jeder von ihnen hat seine ganz Vorzüge, nur einen würde Fabio nur zu gern möglichst schnell wieder loswerden. Dass das schneller geht als gedacht und vor allem ganz anders als gewünscht, damit konnte natürlich niemand rechnen.

Elizabeth Horn entführt uns auch dieses Mal wieder an den malerischen Gardasee und genau dort gelingt es ihr erneut, eine Atmosphäre zu schaffen, die fast schon ein wenig Urlaubsstimmung aufkommen lässt. Dabei verbindet sie das Ganze mit einer Spannung, die sich angenehm durch die gesamte Handlung zieht. So entsteht ein Krimi, der nicht nur unterhält, sondern einen auch mitten hineinzieht in die Ermittlungen rund um Fabio und sein Umfeld.

Besonders schön finde ich, dass man als Leserin schnell wieder in dieser vertrauten Welt ankommt. Wer die Reihe bereits kennt, findet sich bald wieder zurecht.Das Zusammenspiel zwischen Fabio, Charlotte und Manuela macht für mich einen großen Teil des Reizes aus. Elizabeth Horn schreibt dabei so lebendig und leicht, dass man sich beim Lesen sofort wohlfühlt, ohne dass die Spannung darunter leidet.

Auch in diesem Band ist es wieder die Mischung aus kriminalistischem Gespür, sympathischen Figuren und italienischem Flair, die mich überzeugt hat. Ich würde gern einmal mitfeiern, vielleicht auf der Hochzeit von Fabio und Charlotte?



  • Herausgeber ‏ : ‎ Servus
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 28. Mai 2026
  • Auflage ‏ : ‎ 1.
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 368 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3710403952
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3710403958

Montag, 1. Juni 2026

Raskova und die Macht der Schatten: Fantasy-Roman von Sascha Sprikut


Der Roman beginnt damit, dass Yulya eine Wurzel entdeckt. Was in unserer Welt nichts Besonderes ist, kann in Yulyas Welt eine tödliche Bedrohung bedeuten, denn Holz ist untrennbar mit den einst alles vernichtenden Schatten verbunden. Yulya wächst mit der Gabe auf, Holz spüren zu können. Als dieses Geheimnis bei der Würdigung, der sich alle jungen Erwachsenen unterziehen müssen, ans Licht kommt, flieht sie, um nicht in die Hauptstadt zur Akademie geschickt zu werden, denn die Warnung ihrer Großmutter geht ihr nicht aus dem Kopf.

"Es ist kein Geschenk.
Es ist keine Gabe.
Trau ihren Lügen nicht."

Gleichzeitig will Yulya ihre Freundin Natasha finden, die vor ihrem gewalttätigen Vater geflohen ist und möglicherweise in die Hände von Sklavenhändlern geraten ist.

Auf ihrem Weg begegnet Yulya immer wieder unterschiedlichen Menschen. Einige helfen ihr, andere verfolgen eigene Interessen und versuchen, sie davon zu überzeugen, an die Akademie zu gehen. Gerade diese Begegnungen bringen zusätzliche Dynamik in die Geschichte und zeigen, wie schwer es für Yulya ist, zu entscheiden, wem sie überhaupt noch trauen kann.

Schon nach wenigen Seiten war ich tief in dieser düsteren, ungewöhnlichen Welt gefangen. Besonders spannend fand ich die Grundidee: eine Welt, in der Holz gefürchtet wird und die Angst vor dem, was einst aus ihm kam, allgegenwärtig ist. Diese Atmosphäre zieht sich konsequent durch das gesamte Buch und sorgt für eine latente Bedrohung, die man beim Lesen ständig spürt.

Yulya als Protagonistin hat mir richtig gut gefallen. Sie ist keine klassische Heldin, sondern wirkt oft verletzlich, unsicher und getrieben, und genau das macht sie so greifbar. Ihre Gabe ist Fluch und Schlüssel zugleich, und ich mochte es sehr, wie sich nach und nach zeigt, welche Konsequenzen diese Verbindung zu den Schatten hat. Auch die Reaktionen ihrer Umwelt darauf sind glaubwürdig und teilweise erschreckend konsequent.

Die Welt selbst wirkt rau und fast mittelalterlich. Statt großer Schlachten stehen hier vor allem Flucht, Angst und moralische Grauzonen im Mittelpunkt. Auch die Einflüsse osteuropäischer Mythen geben der Geschichte eine eigene, frische Note.

Was mir ebenfalls gut gefallen hat: Die Geschichte nimmt sich Zeit für ihre Figuren und deren Entwicklung, ohne dabei an Spannung zu verlieren. Gerade die Mischung aus innerem Konflikt, äußerer Bedrohung und leisen emotionalen Momenten hat für mich sehr gut funktioniert.

Insgesamt ist Raskova und die Macht der Schatten ein düsterer, atmosphärischer Fantasyroman, der mit einer originellen Welt, starken Figuren und einer konstanten Grundspannung überzeugt.

  • Herausgeber ‏ : ‎ Edition Paashaas Verlag EPV
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 10. Mai 2026
  • Auflage ‏ : ‎ Erstausgabe
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 400 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3961742901
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3961742905