Montag, 6. April 2026

Zwei Leben - Geliebter Feind von Astrid Korten


 Mittlerweile sind wir beim dritten Band der „Zwei Leben“ Reihe von Astrid Korten angekommen, und ich habe mich richtig auf dieses Buch gefreut. Die Geschichten lassen sich unabhängig voneinander lesen, aber sie alle eint, das die Menschen über  verschiedene Zeitebenen miteinander verbunden sind.

„Zwei Leben Geliebter Feind“ führt uns nach München in zwei Zeitebenen: 1944 und 2019. In München 2019 begegnen wir Marlene Praysang, einer 93 Jahre alten Frau, die sich lange dagegen gewehrt hat, „alt“  zu werden. Nun merkt sie, dass  sich ihr Alter nicht mehr leugnen lässt, und mit dem Alter kehren Erinnerungen zurück, die sie viele Jahre verdrängt hat. Man spürt, wie schmerzhaft diese für sie sind, und genau dort beginnt die eigentliche Geschichte.

Wir blicken zurück in die 1940er Jahre: Marlene ist eine junge Frau, die dazu gedrängt wird, den wohlhabenden Justus von Meulenbach zu heiraten, um ihre Familie vor dem finanziellen Ruin zu bewahren. Was zunächst wie eine pragmatische Lösung erscheint, gerät aus den Fugen, als ein britisches Kampfflugzeug über dem Familienanwesen abstürzt und der Pilot überlebt. Marlene versteckt ihn, obwohl sie sich damit in große Gefahr bringt. Die Erinnerungen an diese Zeit  hat sie verdrängt, da sie zu schmerzlich für sie waren.

Parallel dazu lernen wir Delphine kennen, eine junge Journalistin, die in einer alten Kommode eine  Tabakdose im doppelten Boden entdeckt. Dieser Fund weckt ihre  journalistische Neugier, und sie beginnt, Nachforschungen anzustellen. Sie schaltet eine Anzeige, hofft auf Hinweise, und so wird die Geschichte der Vergangenheit plötzlich in die Gegenwart gezogen wo sich die Wege der beiden Frauen kreuzen. 

„Zwei Leben Geliebter Feind“ ist ein historischer Roman, der mich in die Atmosphäre der Kriegszeit hineingenommen hat, ohne dass er sich in reinen historischen Fakten verliert. Was mir besonders gut gefallen hat, ist die Figurenzeichnung von Marlene. Astrid Korten zeigt sie nicht als naiv romantische Heldin, sondern als eine junge Frau mit Zweifeln, Schuldgefühlen und moralischen Nöten. Man erlebt mit ihr, wie schwer es ihr fällt Entscheidungen zu treffen, wenn jede Option andere in Gefahr bringt.

Die historische Umgebung ist dicht und atmosphärisch, ich fühlte mich hineinversetzt in diese düstere Zeit. Die Spannung wächst nicht nur aus den offensichtlichen Gefahren, sondern aus den leisen Tönen: die Angst hinter verschlossenen Türen, die unterschwellige Wut, das Schweigen an Familientischen. Man spürt, wie angespannt die Atmosphäre in solchen Zeiten ist, wo ein falscher Blick oder ein überflüssiges Wort über Leben und Tod entscheiden kann.

Sprachlich ist der Roman klar und flüssig, wie ich es von Astrid Kortens Geschichten gewohnt bin. Die Kapitel sind kurz, der Wechsel zwischen Delphine und Marlene sorgt für  einen guten Lesefluss. Wer wie ich Figuren mag, die man begleiten und kennenlernen kann, wird sich schnell in Marlene hineinfühlen. „Zwei Leben Geliebter Feind“ ist kein Krimi  aber er hat durchaus kriminale Spannung: Es geht um Verrat, Verfolgung,  und um das Risiko, dass jede Entscheidung fatale Folgen haben kann.


  • ASIN ‏ : ‎ B0GS8RR8PJ
  • Herausgeber ‏ : ‎ Independently published
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 11. März 2026
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 332 Seiten
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 979-8251583489

Sonntag, 5. April 2026

Kalt wie die Luft: Jakob Webers erster Fall von Orjan N. Karlsson


 In Bodø, einer malerischen Stadt nördlich des Polarkreises, kehrt die 19-jährige Iselin Hanssen von ihrer Joggingtour nicht zurück. Auf einem einsamen Pfad werden blutige Spuren gefunden. Kriminalkommissar Jakob Weber und seine neue Kollegin Noora Yun Sande übernehmen den Fall. Zunächst gehen sievon einer Entführung aus. Doch die Situation wird schnell brisanter, als auf der abgelegenen Insel Røst eine weitere junge Frau spurlos verschwindet. Während seiner Ermittlungen stößt Weber mit seinem Team auf einen jahrzehntealten Cold Case, der erschreckende Parallelen zur Gegenwart aufweist. Weber begreift, dass sie es mit einem eiskalten Serientäter zu tun haben, der erneut zuschlagen wird. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.



Noora Yun Sande die neue Kollegin von Kriminalkommissar Jakob Weber, wird von Oslo nach Bodø versetzt und gleich ihr erster gemeinsamer Fall hat es in sich, was zunächst wie eine Entführung aussieht entpuppt sich schnell als die Taten eines Serienkillers denn bald wird auf der Insel Røst eine weitere junge Frau vermisst und die Leiche einer seit 30 Jahren vermissten Frau wird gefunden. Schnell stellt sich die Frage ob das neue Ermittlerteam es schafft die vermissten Frauen lebend zu finden.

Der Krimi beginnt mit einem Abschnitt in kursiver Schrift, der offenbar aus der Sicht des Täters erzählt wird. Schon dieser Einstieg macht deutlich, dass das Buch nichts für zartbesaitete Leserinnen und Leser ist, und genau das hat meine Neugier geweckt. Zunächst führt der Autor Ørjan N. Karlsson die handelnden Personen ein, ohne schon zu viel von ihnen preiszugeben.


Jakob ist ein erfahrener Kriminalkommissar mit einer eigenen Geschichte, die ihn privat belastet, Noora ist jung, ehrgeizig und bringt natürlich eine andere Herangehensweise mit. Die Beiden  müssen sich erst einmal kennenlernen.Auch wenn diese Konstellation nicht neu ist macht genau das die Dynamik des Teams  interessant. In Bodø, einer Stadt nördlich des Polarkreises, wirkt das Klima und die Landschaft wie eine eigene Figur: alles wirkt rauer, kälter, bedrohlicher und verstärkt die Stimmung des Thrillers.
Jakob und Noora erkennen das sie um die Vermissten Frauen zu finden auch den Mord aus der Vergangenheit aufklären müssen,diesen Bezug zur Vergangenheit mochte ich sehr und auch das der Krimi aus wechselnden Perspektiven erzählt wird hat mir gut gefallen, so hatte ich immer das Gefühl den handelnden Personen recht nah zu sein und sie mit jedem Kapitel ein klein wenig besser kennenzulernen, mit all ihren beruflichen und auch privaten Problemen, wobei der Fokus immer auf den Ermittlungen liegt, das ist ein Punkt der mir persönlich sehr wichtig ist.
 

Insgesamt ist „Kalt wie die Luft“ für mich ein solider Start in eine neue Reihe. Es baut eine ruhige, aber spürbare Spannung auf, die sich im Laufe der Geschichte verdichtet, und es legt den Grundstein für möglichst noch intensivere Fälle mit Jakob Weber und Noora Yun Sande, es gibt am Ende noch den einen oder anderen Cliffhanger.Wer skandinavische Thriller mit einem deutlichen Lokalkolorit und einem eher nüchternen Erzählton magt ,für den ist dieser Band gut als Einstieg in eine neue Reihe geeignet.



Herausgeber ‏ : ‎ Pendragon
Erscheinungstermin ‏ : ‎ 4. Februar 2026
Auflage ‏ : ‎ 1.
Sprache ‏ : ‎ Deutsch
Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 368 Seiten
ISBN-10 ‏ : ‎ 3865329276
ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3865329271
Originaltitel ‏ : ‎ Det siste stykket Hjem

Freitag, 3. April 2026

Bestiarium Groenlandicum – Die mythischen Wesen Grönlands: Ein Kompendium von Kreaturen, Geistern und fremdartigen Erscheinungen.


Es gibt Bücher, die man in die Hand nimmt, reinschaut und sofort merkt: Das ist etwas Besonderes. Bestiarium Groenlandicum gehört dazu. Dieses sorgfältig gestaltete Buch führt in eine Welt, die uns aus Europa sonst selten begegnet. Die alte Sagenwelt Grönlands mit ihren Geistern, Schamanen und unheimlichen Wesen zwischen Eis und Meer.

Maria Bach Kreutzmann hat eine beeindruckende Sammlung zusammengestellt. Jede dieser mythischen Figuren hat ihre eigene Geschichte und ihr eigenes Geheimnis. Die Texte beeindruckten mich ebenso wie die Illustrationen. Kraftvoll, finster, manchmal poetisch und immer mit einer eigenen Schönheit.

Besonders beeindruckend war für mich, wie nah man diesen alten Erzählungen kommt. Manche Geschichten sind ruhig und zum Nachdenken. Andere lebendig oder auch grausam. Zusammen ergeben sie ein deutliches Bild einer Welt, wo Mensch und Natur eng zusammenhängen. Man spürt den Aufwand und die Wertschätzung für diese nordische Kultur.

Die Herausgeberin Maria Bach Kreutzmann, hat nicht nur die mythischen Wesen beschrieben sie hat für jedes eine kleine Geschichte beigefügt, ein besonders trauriges Wesen ist der Anngiaq, ein ungewollt geborenes Kind, das nach der Geburt getötet wurde und sich auf fürchterliche Weise rächt in dem es manchmal die nachgeborenen Kinder an inneren Blutungen sterben lässt, dabei will es eigentlich nur die ihm zustehende Liebe und Geborgenheit. Zugegeben hübsch ist es nicht und doch hatte ich wirklich Mitleid mit dem armen Wesen.





Das ist kein Buch für zwischendurch. Jede Seite macht Lust, länger zu bleiben, die Bilder zu betrachten und  die Texte nochmal zu lesen.

Ich bin total begeistert. Selten hat mich ein Buch so fasziniert. Es hat mir die nordische Mythologie nähergebracht, von der ich vorher fast nichts wusste. Jede Erzählung und jedes Bild öffnet ein neues Fenster in diese geheimnisvolle Welt. Für mich ist Bestiarium Groenlandicum ein echtes Highlight. Ich empfehle es allen, die sich von so einem besonderen Buch einnehmen lassen wollen.




  • Herausgeber ‏ : ‎ Inuit Verlag
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 9. März 2026
  • Auflage ‏ : ‎ 1.
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 160 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3690960126
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3690960120
  • Originaltitel ‏ : ‎ Bestiarium Groenlandica


Herausgegeben von Maria Bach Kreutzmann (Herausgeber), Robin Fenrir Mansa Hillestrøm (Herausgeber), Qivioq Nivi Løvstrøm (Herausgeber) und illustriert von Agust Kristinsson (Illustrator), Carina Lillegaard Løvgreen (Illustrator), Christian Fleischer Rex (Illustrator), Coco Apunnguaq Lynge (Illustrator), Jonatan Brüsch (Illustrator), Maja-Lisa Kehlet (Illustrator), Martin Brandt Hansen (Illustrator), Ujammiugaq Engell (Einleitung)






Zombie Zone Germany: Lauf oder stirb Herausgeberin Carolin Gmyrek


In der Stille nach dem Zusammenbruch wird selbst das Flüstern zu einer Herausforderung. Nicht, weil die Untoten uns hören könnten, sondern weil jedes Wort zu einem Balanceakt zwischen Vertrauen, Macht und Zugehörigkeit wird.

Die Zwölf Geschichten erzählen von Begegnungen während der Zombieapokalypse: von Fremden, die zu Gefährten werden, von Freund*innen, die sich als Feinde entpuppen, von Gemeinschaften, die Schutz bieten – und ihren Preis verlangen. Ideale, Moral und Weltanschauungen verschwinden nicht mit dem Ende der Zivilisation. Sie rücken näher. Unausweichlich. Und zwingen zu einer Entscheidung: Lauf oder stirb!

Zwischen Angst, Misstrauen und Gewalt zeigen die zwölf Geschichten aber auch das andere Gesicht der Katastrophe: Solidarität. Zusammenhalt. Menschlichkeit.
Denn selbst am Ende der Welt ist nicht alles verloren.

Mit Geschichten von Sophia Rosenberger, Helge Lange, Antonia Dorah, Manuel Zerwas, Sucy Pretsch, Till Kunze, Janika Rehak, Robert Boehm, Joshua Friedrichs, Oliver & Carolin Gmyrek, Marko Richter-Höfer und Vincent Voss

"Eine Zombieapokalpse ist selten ruhig. Jedenfalls zu Beginn." So beginnt das Vorwort zu "Lauf oder stirb" von der Herausgeberin Carolin Gmyrek. Sie ist laut, Schüsse, Schreie, Helikopter, Explosionen, doch dann wird es ruhig, die Überlebenden verstecken sich, vor den Zombies und anderen Überlebenden.

Berglandschaft vor Blauem Himmel, 2023 von Sophia Rosenberger

Dies ist eine stille Geschichte, sie erzählt von den letzten Tagen einer Malerin oder eines Malers, ich habe mich dafür entschieden das es eine Malerin ist. Sie hat sich in ihre alte Heimat zurückgezogen und sich im Haus verschanzt, versteckt hinter Bücherstapeln sieht sie Berge, Wiesen und den Himmel. Sie erzählt wie sehr sie andere Menschen vermisst, das Leben das sie mit ihren Bildern einfing. Durch ein Fenster sieht sie Wiesen, Berge und den Himmel. Zwischen Farben und Erinnerungen spricht aus ihr die Sehnsucht nach anderen Menschen, nach dem Leben, das sie einst in ihren Bildern festhielt. Sie weiß, das sie auch in ihrer Zuflucht nicht für immer sicher sein wird, der Tod kratzt buchstäblich schon an ihrer Tür. Mit ihren letzten Reserven malt sie in letztes Bild.


Operation Endzeit von Helge Lange

In seiner Kurzgeschichte Operation Endzeit entwirft Helge Lange eine spannende Vision der Apokalypse, die von Zombies, und menschlicher Gier geprägt ist. Bertram Dahlfels hat sich mit einem älteren Ehepaar auf einem abgelegenen Hof nahe des Bodensees ein vergleichsweise sicheres Refugium geschaffen. Die Lage des Hofs scheint ideal, abgelegen genug, um weder den Untoten noch plündernden Menschen zu begegnen, und doch gefährlich nah an der Zone des „Niemandslandes“, in der auf alles geschossen wird, was sich bewegt.

Auf einer seiner Erkundungstouren gerät Bertram in große Gefahr, als er von nicht gekennzeichneten Hubschraubern verfolgt und beschossen wird. Nur mit Glück und der Hilfe einer schwer bewaffneten Gruppe überlebt er. Von ihnen erfährt Bertram, das es im Rest der Welt schon Menschen gibt die nur auf den Moment warten in dem Deutschland entvölkert ist, denn ein Staatsgebiet ohne Bevölkerung kann annektiert werden, und manche beschleunigen diesen Zustand skrupellos.

Lange gelingt es eindrucksvoll, Spannung mit Gesellschaftskritik zu verbinden. Die Geschichte zeigt, dass selbst in einer Welt, die von Zombies verwüstet wurde, die menschliche Gier das wahre Übel bleibt. Besonders positiv fiel mir auf, dass die Geschichte nicht ausschließlich düster ist: Die Gruppe, der Bertram begegnet, ist tatsächlich nett, ein wohltuender Gegensatz zu vielen anderen Endzeitgeschichten, in denen Misstrauen und Verrat dominieren.

Operation Endzeit ist eine kurze, aber wirkungsvolle Erzählung, die neben Action und Atmosphäre auch zum Nachdenken über Macht, Moral und Menschlichkeit anregt.

Pandora von Antonia Dorah

Clara hat es geschafft: Sie befindet sich in einem Flüchtlingslager und wartet auf einen Transport, weg von der Apokalypse, weg von den Zombies. Doch sie hat alle verloren, die ihr jemals etwas bedeutet haben. Aus diesem Grund greift Clara zu drastischen Mitteln, um den Rest der Welt auf die Zustände und das Leid der Überlebenden in Deutschland aufmerksam zu machen, denn Hilfe von denen, die in Sicherheit leben, ist kaum zu erwarten. Der Titel der Geschichte verrät bereits, worum es geht, doch die entscheidende Frage bleibt: Zieht Clara ihren Plan wirklich durch?

Das untote Theater von Manuel Zerwas

Eine meiner Lieblingsgeschichten, ganz einfach deshalb, weil der Protagonist im Laufe der Handlung seine Liebe zum Lesen entdeckt. Aber von vorn: Zu Beginn der Apokalypse verschanzt sich der namenlose Mann in seiner Wohnung. Er hat sich ganz gut eingerichtet, Lebensmittel und Wasser reichen für die erste Zeit. Doch irgendwann regiert die Langeweile. Als der Strom ausfällt und Internet sowie Streamingdienste die Zeit nicht mehr füllen, greift er zu einem der wenigen Bücher und damit ist sein Hunger geweckt. Um an neue „Nahrung“ zu kommen, nimmt er sogar Risiken auf sich. Und ich verstehe ihn so gut, sage ich doch immer, dass ich im Fall einer Apokalypse wenigstens gegen Langeweile gut gerüstet bin.

Lauf oder stirb von Lucy Pretsch


Die titelgebende Story führt uns in die dunkle Welt der Superreichen, die selbst in der Apokalypse nicht auf ihre Belustigung verzichten wollen. Die Grundidee ist nicht ganz neu: Wehrlose Menschen werden gefangengenommen und müssen um ihr Leben laufen. Hier trifft es Wanda, sie wird entführt und findet sich plötzlich in einem Wettlauf wieder, der nur der Unterhaltung einiger Reicher dient. Ihr Ziel ist einfach "Lauf oder stirb",  denn hinter ihr lauert eine Horde Zombies.

In dieser verzweifelten Lage trifft sie Ruby, die einst zu den Reichen gehörte, aber verstoßen wurde, weil sie die Annäherungen eines mächtigen Mannes ablehnte. Zwischen den beiden Frauen entsteht eine unerwartete Verbindung. Gemeinsam kämpfen sie ums Überleben und schmieden einen Plan, um sich an denen zu rächen, die sie in dieses grausame Spiel gezwungen haben.




Der blutrote Baron von Till Kunze

Wieder einmal eine etwas längere Story. Der Maler Landor lebt zurückgezogen und malt auch während der Apokalypse. Seine Bilder sollen ein Licht in der Dunkelheit sein, und manchmal kommen andere Überlebende, um sie anzusehen oder eines gegen Vorräte zu tauschen. Eines Tages taucht ein Mann auf, der ihn einlädt, seinen Boss zu besuchen. Entgegen seines Bauchgefühls stimmt Landor zu und trifft auf einen Mann, der mit einem perfiden Plan die Elite der Menschheit ausfiltern will, um nach der Apokalypse eine neue Weltordnung zu schaffen. Was genau auf dem Anwesen des „blutroten Barons“ geschieht, verrate ich euch natürlich nicht. Nur so viel: Landor gelingt die Flucht,und er schafft es wieder zu seinem Zuhause, dort kann er eine Warnung an nachfolgende verfassen.

Der Galerist oder Ein ganz normaler Tag in der Apokalypse von Janika Rehak

Der Beginn dieser Geschichte beschreibt eine idyllische Landschaft in der Heide, Birken, Eiben, sandige Böden und den Sonnenaufgang. Doch die Idylle trügt, denn selbst hier trifft man auf Zombies. Der Erzähler blickt auf sein früheres Leben zurück, erinnert sich an Ausflüge mit seiner Familie, an eine Kutschfahrt zu den Heidschnucken, die seine Nichte Leonie stets einfach „Schafe“ nannte. Diese Erinnerung berührt ihn tief, denn nun ist es still geworden in der Heide, die Heidschnucken sind verstummt und Leonies Schicksal ist ungewiss.
So lebt er mit seiner Frau Jule allein im abgelegenen Haus und denkt an die leichteren Tage zurück, an den Pianisten Josh Maibach, dem er beim Joggen begegnet war (Tipp: In den Novellen Elegie und Elegie 2 erfahrt ihr mehr über Maibachs Schicksal in der Apokalypse). Der Protagonist ist Maler, und erst als sein eigenes Ende absehbar wird, findet er die Kraft, wieder zu seiner Kunst zurückzukehren.
Mich hat diese Geschichte sehr bewegt sie ist still, poetisch und traurig zugleich. Sie erzählt weniger vom Überleben als vom Erinnern, von dem, was bleibt, wenn alles andere verloren ist.

Kuckuck und Küken von Robert Boehm


Mit dieser Geschichte hatte ich wirklich ein Problem, und das im besten Sinne. Wotan, der Hauptprotagonist, ist alles andere als sympathisch: skrupellos, brutal und ohne Gewissen. Das Zwillingspaar Adrian und Ulrika wirkt dagegen hoffnungsvoll und optimistisch, hat sich im Moor in einem Museum eingerichtet, mit Solarstrom und Vorräten, doch ganz unschuldig sind auch sie nicht.

Ich mochte keine der Figuren und fand die Geschichte trotzdem stark. Sie regt zum Nachdenken über Moral und Menschlichkeit an und endet offen, genau richtig für eine Story, die mich bis zum Schluss innerlich hin- und herriss.

Mama von Joshua Friedrichs


Diese Story war für mich anfangs wirklich schwer zu greifen. Wer erzählt hier eigentlich, und was ist zuvor passiert? Im Mittelpunkt steht Wilhelm, scheinbar ein Kind, das schon mehrere „Mamas“ hatte, die sein Vater ihm gebracht hat, um sich um ihn zu kümmern. Im Verlauf stellt sich jedoch heraus, dass Wilhelm ein Erwachsener im Körper eines Kindes ist.

Abwechselnd lesen wir aus seiner Sicht und aus der Perspektive von Mama Nr. 4, die Wilhelm über die Zeit immer mehr ins Herz schließt und alles tun würde, um ihn zu beschützen. Die ganze Geschichte hat sich mir erst am Schluss wirklich erschlossen  und im Rückblick finde ich sie interessant und sie ist auf jeden Fall ungewöhnlich erzählt.

Hugo von Carolin  und Oliver Gmyrek

Hugo verlässt eines Tages ohne ein Wort sein Büro, keine Erklärung, kein Abschied, nur der entschlossene Schritt aus einer Welt, die ihm längst fremd geworden scheint. Er flieht aus einem Alltag, der wohl nur noch aus Routinen, Erwartungen und unausgesprochenem Druck besteht. Zuflucht findet er auf dem Hof von Otto, der ihm eine einfache Hütte überlässt und ihm den Namen Hugo gibt, denn dieser spricht nicht und irgendwie muss er ihn ansprechen. Dort führt Hugo ein einfaches Leben und versorgt im Gegenzug Ottos Ziegen.

Besuch erhält er selten, nur Otto kommt manchmal vorbei um nach dem Rechten zu sehen, als sein Besuch ausbleibt macht sich Hugo auf dem Weg zu seinem Hof und findet dort eine vollkommen veränderte Welt vor. Eine von Zombies verseuchte Welt.

Diese Story hat für mich eine klare Botschaft und die versuche ich mal in Worte zu fassen.

Hugo muss erkennen das sich grundsätzlich nichts geändert hat, in den 20 Jahren in denen er sich aus der Welt zurück gezogen hat.

Zombies funktionieren wie die Lebenden vor der Apokalypse, sie jagen nur anderen Dingen hinterher als früher. Was einst Anerkennung, Karriere oder Besitz war, ist nun zur „Jagd nach Fleisch“ geworden ein treffendes Bild für eine Gesellschaft, die ständig konsumiert, ohne innezuhalten und zu fragen, wozu das alles eigentlich gut ist.

Friedland von Marko Richter-Höfer

Diese Geschichte hat mich wütend gemacht, keine Angst nicht wegen der Geschichte an sich sondern weil das was in ihr  geschieht so nah an unserer Realität ist, in der religiöser Fanatismus Menschen dazu treibt im Namen Gottes die schrecklichsten Verbrechen zu begehen und sie sind so verblendet das sie tatsächlich davon überzeugt sind das richtige zu tun. Aber jetzt erst mal kurz zur Story. FRIEDLAND ist ein Ort an dem sich Überlebende der Apokalypse sammeln, hier leben sie in einer friedlichen Gemeinschaft, angeführt vom charismatischen Henrik. Hier darf leben wer sich einbringt in die Gesellschaft. Tim und Vanessa haben den Wunsch auch dort zu leben und das Beste für die Menschheit zu tun, dessen sie fähig sind. 
Lasst euch von dieser Story überraschen, ich habe sie geliebt trotz meiner einleitenden Worte.

Eine Weihnachtsgeschichte von Vincent Voss

Die Story fängt harmlos an, Sabine und Tina, backen Weihnachtsplätzchen, die Kinder naschen Teig und toben auf dem Hof, ein Vogel mit einem Kaninchen im Schnabel ist am Himmel zu sehen, die Männer sorgen für die Sicherheit ihrer Frauen, die sich um Haus und Kinder kümmern. Und sie stellen sicher das nur die "richtigen" Menschen vielleicht später die HEIMAT wieder aufbauen. Und auch hier sind wir wieder erschreckend nah an der Realität, was die Gesinnung dieser Überlebenden angeht. Ob die Weihnachtstage aber wirklich so besinnlich werden?
Das Ende ist ein bisschen gemein.

Alle Geschichten eint, das sie mich sehr gut unterhalten haben sie zeigen die Zombieapokalypse nicht nur als Horror , sondern als Spiegel unserer Gesellschaft.
Die Autor*innen zeigen eindrucksvoll, wie Gier, Fanatismus und Konsum auch nach dem Zusammenbruch weiterwirken-
Gleichzeitig leuchten Momente von Solidarität, Kunst und Menschlichkeit auf, wie in den poetischen Erinnerungen oder der neu entdeckten Liebe zum Lesen.

Ein starker Band für Fans von Endzeitgeschichten mit Tiefgang: Er unterhält, regt zum Nachdenken an und lässt manchmal hoffen, dass nicht alles verloren ist.


Herausgeberin: Carolin Gmyrek
264 Seiten Taschenbuch oder E-Book
ISBN 9783958694545

Mittwoch, 1. April 2026

Tainted Love: Kriminalroman von Vincent Tal


Sommer 1986 im nordhessischen Zonenrandgebiet. Die Luft flirrt vor Hitze, der Wald stirbt leise. Die Region ist ein verwunschenes Idyll, in dem Dörfer Märchennamen tragen und die Grenze zur DDR das Ende der Welt markiert. Hier leben Martin Ritter, Bibliothekar mit einem Faible fürs Fotografieren, und seine Freundin Christine Lehmann, eine scharfsichtige Journalistin. Sie sind Suchende, die sich in einer schrecklichen Nacht, in der ein kleines Mädchen verschwand, kennen- und lieben lernten.Jetzt bringt die Sonne, die seit Wochen auf die Wälder niederbrennt, in einem See einen luxuriösen Wagen ans Licht. Wer hat ihn versenkt? Was ist mit dem Fahrer geschehen? Martin und Christine suchen Antworten - und stoßen auf dunkle Zeichen von Liebe und Mord.




Im Sommer 1986 gibt ein See im nordhessischen Zonenrandgebiet ein Luxusauto frei, und die Journalistin Christine Lehmann erkennt ihre Chance auf eine echte Story um das Sommerloch zu füllen, fernab von Berichten über Kleintierzuchtvereine, Briefmarkensammler und den Protest eines Anwohners gegen einen Fahrradweg. Denn der Fund wirft Fragen auf: Wie kam das Fahrzeug in den schwer zugänglichen See? Und wo ist der Fahrer geblieben?

Auch ihr Freund Martin Ritter, passionierter Bibliothekar und Amateurfotograf, kann dem Rätsel nicht widerstehen und beginnt eigene Nachforschungen. Christine und Martin lernten sich vor sechs Jahren kennen, Christine war auf der Suche nach der kleinen Eva, die während eines Kindergeburtstages von einem Spielplatz verschwand. Martin sprach sie damals an und seitdem sind sie ein Paar, das Schicksal der Kleinen wurde nie aufgeklärt. Christine wünscht sich mehr Beständigkeit in der Beziehung, während Martin zögert,nicht aus Zweifel an seinen Gefühlen, sondern weil er familiäre Fragen aus der Vergangenheit klären muss.

Ich hatte schon recht früh einen Verdacht, hinsichtlich des Täters, das hat aber das Lesevergnügen in keinster Weise getrübt denn Vincent Tals Schreibstil fängt die Atmosphäre der 80er-Jahre wunderbar ein: die Musik, die scheinbar endlosen Sommer, die Gerüche und die unterschwellig immer vorhandenen Ängste angesichts der politischen Lage, aber auch die Leichtigkeit der Zeit. Das zeigt sich in den Szenen in denen Martin Kinder dabei unterstützt Dummheiten zu begehen, heute Undenkbar. Der titelgebende Song „Tainted Love“ von Soft Cell spiegelt sowohl die Handlung als auch das Lebensgefühl wider.



  • Herausgeber ‏ : ‎ Pfaueninsel
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 30. März 2026
  • Auflage ‏ : ‎ 1. Aufl. 2026
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 224 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3691310109
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3691310108