Montag, 4. August 2025

Aus der Welt von Fabula Ensis: DESADE und Lillith Korn

 

Das Buch beginnt mit einer Reihe von Begriffserklärungen – zu Cyberpunk, der Technologie aus der Welt von Fabula Ensis, Beschreibungen der Städte und Landschaften der Welt. Ebenso wird beschrieben, welche Themen in dem Buch behandelt werden: Es geht um Macht und Kontrolle, Rebellion und Freiheit. Der Zusammenhang von Cyberpunk und japanischer Mythologie wird erklärt und noch einiges mehr. Wichtig dabei sind auch die verschiedenen Clans und ihre Besonderheiten.

Und dann sind da noch die Kurzgeschichten, die einen Vorgeschmack darauf geben, was Leserinnen und Leser in den  Romanen erwartet. In Erinnerung bleibt vor allem die Geschichte „Tribut“: Jingen ist Mitglied der Death Guard, einer Elitetruppe, die aus Mitgliedern der einzelnen Clans besteht. Sein Auftrag: die Exekutierung aller sich im Nahrungsbeschaffungsgebiet aufhaltenden Personen. Jingen wünscht sich eigentlich nichts mehr, als ehrenhaft im Kampf zu sterben, aber das würde Saruh, der Tengu-Dämon, der ihn beherrscht, nicht zulassen.

Oder die Geschichte von Kuro, mit dem Titel „Grausamkeit“, dessen Eltern durch einen Selbstmörder mit in den Tod gerissen wurden, der sich auf diese Art von dem Dämon befreien wollte. Dieser Dämon hat es mit letzter Kraft geschafft, sich der schwangeren Frau zu bemächtigen und sie bis zur Geburt des Kindes am Leben zu halten. Als Kuro zur Welt kommt, ist er missgestaltet, und seine Adoptiveltern nehmen ihn nur aus Pflichtbewusstsein dem Clan gegenüber auf. Das Kind wird gehänselt und verspottet, nur seine Mutter schenkt ihm vermeintlich Liebe – bis sie unerwartet schwanger wird. Dies ist eine der traurigsten Geschichten.

Die Reihenfolge der Geschichten wirkt manchmal etwas zufällig: So lernen Leserinnen und Leser Jin und den weißen Fuchs Byakko in „Bündnis“ kennen und erfahren erst in „Verbundenheit“, wie die beiden zueinandergefunden haben. Das kann beim Lesen zunächst verwirrend sein.

Jeder Abschnitt wird durch zahlreiche Illustrationen ergänzt, die immer wieder neue Details und Aspekte der Welt offenbaren. Dadurch wirkt das Kompendium abwechslungsreich und lädt dazu ein, auch nach dem Lesen später noch einmal hineinzuschauen.

Fazit:
Das Kompendium bietet einen vielseitigen, sachlichen Einblick in die Welt von Fabula Ensis. Besonders die Mischung aus Lexikon, Weltbeschreibung, Kurzgeschichten und Illustrationen macht neugierig auf die kommenden Romane.

Sonntag, 3. August 2025

Küstenfels Die Kommissarin auf der Insel Band 13 von Eva Lirot


Ich freue mich immer, wenn ein neuer Band aus der Frieda-Lieken-Reihe erscheint und natürlich musste ich auch Küstenfels, den mittlerweile 13. Band der Reihe sofort lesen. Und wurde nicht enttäuscht. Die Geschichte startet scheinbar harmlos mit einem jungen Paar, das seinen Urlaub auf Fehmarn genießt. Die Sonne scheint, das Meer glitzert – doch dieser Eindruck wird jäh durchbrochen, als sie beim Spaziergang einen Mann entdecken, der an einem Baum hängt und mit dem Tod ringt. Dank ihres beherzten Eingreifens wird er in letzter Sekunde gerettet, erinnert sich aber an nichts – außer an eine geheimnisvolle Melodie, die ihn fortan verfolgt.

Schon wenige Tage später gibt es ein weiteres, diesmal tödliches Opfer am selben Ort. Für Inselkommissarin Frieda Lieken beginnt ein Wettlauf mit der Zeit. Die Insel ist in Aufruhr und ihr Chef Heiner Eisler tobt, aber das kennen wir ja schon.😀

 Frieda muss tief in die Vergangenheit der Insel blicken und recherchiert im Inselarchiv, doch auch dort findet sie keine Hinweise auf den Henker.

"Manchmal versteckt sich das Entscheidende nicht in den Akten, sondern in den Lücken" orakelt die Archivarin Dörte Riemann. 
Vielleicht ist die Geschichte um den Henkersbaum doch nur Märchen?

Die Ermittlungen treten also weiterhin auf der Stelle, denn Hinweise sind rar. Frieda hofft auf Spuren im Haus des letzten Opfers, dort wird sie selbst niedergeschlagen. Dabei hat der Henker schon sein nächstes Opfer im Visier, wird Frieda es rechtzeitig schaffen es zu retten?

Das verrate ich euch jetzt natürlich nicht.


Besonders gelungen finde ich, wie die Autorin die Legende vom „traurigen Henker“ in die Handlung einbindet: Angeblich richtete dieser vor über hundert Jahren seine Opfer an genau jenem Baum, an dem jetzt die Gehängten gefunden werden. Durch diese Verbindung zwischen Inselgeschichte und aktuellem Geschehen entsteht eine richtig beklemmende, leicht gruselige Atmosphäre, die genau meinen Geschmack getroffen hat. 

 Ich mag Friedas Entschlossenheit und Empathie, die sie als Ermittlerin greifbar und sympathisch machen und natürlich ihre immer spürbare Liebe zu den Großeltern. Die Schauplätze auf der Insel sind stimmungsvoll eingefangen, und die Krimihandlung bleibt bis zum Schluss spannend.

Fazit:
Ein düsterer und packender Inselkrimi, der gekonnt Vergangenheit und Gegenwart verbindet – mit einer starken Ermittlerin und einer Prise Gänsehaut. „Küstenfels“ liest sich spannend und atmosphärisch bis zur letzten Seite. Für mich eine klare Empfehlung an alle Krimifans!


Die den Schnee fürchten: Thriller (Bjørk Isdahl, Band 1) von H.S. Palladino


Der Roman beginnt mit einer beängstigenden Szene. Eine Person ist angekettet und eingeschlossen von Schnee sie ist sich vollkommen bewusst, dass sie sich nicht selbst helfen kann, sondern warten muss, bis sie befreit wird. Das beschreibt schon sehr gut die Stimmung, die im Krimi vorherrscht, und der Einstieg macht im Zusammenhang mit dem Klappentext neugierig auf die Story.

Die eigentliche Story beginnt mit einem Anruf.

Die ehemalige Profilerin Bjørk Isdahl arbeitet mittlerweile als Wut-Coach, nachdem sie auch mit der Arbeit in einer Drogenberatungsstelle gescheitert ist. Sie versucht, ihren Klientinnen und Klienten zu helfen, ihr Leben in den Griff zu bekommen, und bräuchte doch selbst Hilfe. Bjørk leidet unter wiederkehrenden Albträumen. Der Anruf ihrer ehemaligen Klientin Azora, die sich mit ihr treffen will und die sie zunächst abwimmeln will, doch ein Satz Azoras ändert ihre Meinung:

„Ich weiß, wieso du Albträume hast.“

„Die den Schnee fürchten“ punktet an erster Stelle mit seiner besonderen Stimmung: Das winterliche Norwegen wird intensiv und bedrohlich beschrieben, sodass man die Kälte förmlich spürt. Die Protagonistin Bjørk Isdahl ist differenziert gezeichnet – ihr Bruch mit der Vergangenheit, die psychischen Narben und ihre ruppige Art waren manchmal etwas nervig, ihre Probleme sind vielleicht etwas zu überspitzt, doch die Autorin H. S. Palladino schildert ihre Kämpfe mit Schuld, Albträumen und den eigenen Grenzen gut, nur weil mir Bjørk nicht sehr sympathisch war, blieb sie mir leider etwas fremd, auch ihre Motivation für das, was sie tat, konnte ich nicht immer nachvollziehen, ändert das nichts an der meiner Meinung nach guten Erzählweise der Autorin.

Kritisch sehe ich allerdings die Dramaturgie des Romans. Der Einstieg ist spannend, im Mittelteil allerdings verliert sich die Handlung zeitweise in psychologischen Beschreibungen und Rückblenden, das lässt das Lesevergnügen doch etwas schwächeln. Manche Passagen wirken konstruiert oder zu verschachtelt – insbesondere das Spiel mit Realität und Traum sorgt gelegentlich für Verwirrung, ohne wirklich zusätzliche Spannung zu erzeugen. Wer einen klassischen, stringenten Thriller erwartet, wird vermutlich enttäuscht; hier überwiegen psychologische Tiefe und die Auseinandersetzung mit persönlichen Problemen.
Nichtsdestotrotz gelingt es dem Buch, immer wieder überraschende Wendungen einzubauen und ganz zum Schluss den Bogen zum Anfang überzeugend zu schließen. Für Leserinnen und Leser, die Skandinavien-Krimis mit Mut zu psychologischer Komplexität suchen, ist der Roman definitiv empfehlenswert. Wer jedoch großen Wert auf einen rasanten Plot legt, sollte seine Erwartungen anpassen. Insgesamt ein atmosphärisch dichter und eigensinniger Auftakt – mit kleinen Schwächen, aber Potenzial für kommende Bände.

4 von 5 Sternen

  • Herausgeber ‏ : ‎ Blanvalet Taschenbuch Verlag
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 13. Dezember 2023
  • Auflage ‏ : ‎ Deutsche Erstausgabe
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 448 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3734112710
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3734112713
  • Originaltitel ‏ : ‎ Den som frykter snøen

Freitag, 1. August 2025

Blogger für HOMER 2025

 


Auch in diesem Jahr kürt der Verein HOMER Historische Literatur die besten historischen Romane des Jahres 2024 aus vielen wunderbaren und sorgfältig recherchierten Romanen wurden 10 für die Shortlist ausgewählt. Die wir die "Blogger für Homer" euch in den Wochen bis zur Preisverleihung am 11.Oktober vorstellen werden. Es erwarten euch spannende Beiträge, Interviews und Rezensionen. Die teilnehmenden Blogger sind.

Alexandra vom Blog Mein Lesebuch | Im Nordwind | Miriam Georg | Rowohlt Taschenbuch
Anke vom Blog Svanvithe | Tankred Adler und Dolch | Michael Römling | Rowohlt Taschenbuch
Anya vom Blog Bücher in meiner Hand | Mord im Stadtpalais | Beate Maly | Emons Verlag
Carmen vom Blog CARMENS BÜCHERKABINETT | Herzschlag der Toten | Ralf H. Dorweiler | Goldmann Verlag
Dorinne vom Blog The nerdy bookbird | Die Templer | Daniel Wolf | Goldmann Verlag
Patricia vom Blog Nicht ohne Buch | Captain Nelson | Mac P.Lorne | Knaur TB
Sabine vom Blog Buchmomente | Henriette - Ärztin gegen alle Widerstände | Sabine Trinkaus | Gmeiner
Tanja vom Blog Nicht ohne Buch | Mord im Böhmischen Prater | Beate Maly | Emons Verlag
Verena vom Blog K11 | Die Muse des Teufelsgeigers | Sina Beerwald | atb

Und ich werde euch am 11.08. Das Buch: Die weisse Stunde von Alex Beer aus dem Limes verlag vorstellen.
Ich wünsche euch viel Spaß beim Entdecken der Bücher, ihrer Autoren und natürlich der Blogger für Homer.

Verlorene Träume von Astrid Korten


Ich habe schon viele Romane von Astrid Korten gelesen und war deshalb besonders gespannt auf „Verlorene Träume“ – nicht zuletzt, weil der Klappentext sofort meine Neugier geweckt hat. Ich kenne ihr Psychothriller und schätze sie sehr und schon nach wenigen Seiten war mir klar: Diese Geschichte hebt sich spürbar von anderen Werken der Autorin ab.

Was mich besonders beeindruckt hat, ist die Art, wie Korten auf zwei Zeitebenen erzählt und beide gekonnt miteinander verwebt – mit einer Leichtigkeit, die nie konstruiert wirkt. Im Mittelpunkt steht Lilly Falkenberg, eine Journalistin aus München, deren scheinbar unspektakulärer Museumsbesuch zum Beginn einer sehr persönlichen Spurensuche wird. Ein Ballkleid, eine russische Gräfin und zahlreiche verborgene Lebensfäden: Aus diesen Zutaten entsteht keine reißerische, sondern eine ruhige und dichte Familiengeschichte.

Lilly ist geprägt vom Verlust ihrer Großmutter, bei der sie aufgewachsen ist – sie war ihr Ankerpunkt, ihre Wärmequelle im Leben. Trost findet Lilly zunächst bei Max, der jedoch in einer komplizierten Ehe festhängt und sich nur dem Kind zuliebe nicht trennt, wie er ihr in schönen Worten erklärt. Lillys Freundin und Kollegin Coco begegnet der Affäre mit realistischer Distanz und rät Lilly, aus ihren Träumen aufzuwachen. Als Max eine gemeinsame Verabredung zu einer Zaren-Ausstellung am Sonntag absagt, geht Lilly – nach kurzem Zögern – allein dorthin. Besonders diese Szene ist mir im Gedächtnis geblieben, nicht zuletzt wegen dieser Szene: 


„Langsam gehe ich weiter. Nicht mehr auf der Flucht vor der Enttäuschung, sondern auf der Suche nach dem, was bleibt, wenn das Versprechen zerfällt und sich Träume verlieren.“

Die von Astrid Korten gewählten Schauplätze sind eindrucksvoll und atmosphärisch lebendig: Sankt Petersburg hätte ich zur Zarenzeit zu gern besucht, ebenso wie das elegante Paris – beide Städte verleihen dem Roman eine ganz eigene Note. Es gibt keine actiongeladenen Wendungen – und genau das macht für mich den besonderen Reiz des Buches aus. Der Fokus liegt auf Erinnerungen, Andeutungen und den leisen Zwischentönen, die lange nachwirken.

Lillys Beziehung zu Christian, ihrem Begleiter auf dieser Reise, bleibt angenehm subtil und entwickelt Tiefe, ohne jemals ins Klischeehafte abzudriften. Die Figuren sind authentisch gezeichnet, auch wenn mir Lilly zu Beginn etwas naiv vorkam, habe ich sie doch ins Herz geschlossen und auch Coco in ihrer eher nüchternen Art mochte ich sehr. Das Ballkleid als zentrales Symbol ,ein Kleid voller Geheimnisse, das Erinnerungen und Sehnsüchte verkörpert, hat mich sehr beeindruckt.

Der Schreibstil Astrid Kortens passt wunderbar zum Cover, ich war auf der Suche nach den passenden Worten und auch wenn es vielleicht etwas kitschig klingt und so gar nicht nach mir, erinnert er mich an den Flügelschlag eines Schmetterlings, leicht und doch kraftvoll.

Fazit:
„Verlorene Träume“ ist ein leiser, atmosphärischer Roman, der sich Zeit nimmt und trotzdem fesselt. Wer Geschichten über Familiengeheimnisse, präzise gezeichnete Figuren und die Verflechtung von Vergangenheit und Gegenwart liebt, wird in diesem Buch ganz bestimmt etwas Besonderes finden.



  • Herausgeber ‏ : ‎ BoD – Books on Demand
  • Erscheinungstermin ‏ : ‎ 29. Juli 2025
  • Auflage ‏ : ‎ 2.
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Seitenzahl der Print-Ausgabe ‏ : ‎ 304 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3819209360
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3819209369