Mittwoch, 22. Februar 2023

Draußen die Welt von Janet Lewis

 

Mary Perrault, Anfang fünfzig, führt mit ihrem Mann und den vier Kindern ein beschauliches Leben im ländlichen Kalifornien. Aber dann bricht 1929 die New Yorker Börse zusammen: Der Kampf ums nackte Überleben bringt das Fundament der Gesellschaft ins Wanken und bedroht auch das innere Gleichgewicht der Familie Perrault. Immer wieder gerät Mary in Situationen, in denen sie entscheiden muss, ob sie zum eigenen Vorteil oder zum Wohle anderer handeln soll. In leuchtend klarer Sprache und mit unwiderstehlich sanftem Sog erzählt Janet Lewis am Beispiel des scheinbar unspektakulären Lebens einer Frau, wie der Mensch sich im Angesicht von Krisen sein moralisches Wertesystem und seine Würde erhalten kann.


Marys Leben dreht sich komplett um ihre Familie, gemeinsam mit ihrem Mann und ihren vier Kinder lebt sie in  Kalifornien. Sie hat ein schönes Leben, das sich um ihre Familie, ihre Freunde und die Gemeinde, in der sie lebt, dreht. Sie bietet Hilfe an, wo sie gebraucht wird. 

Draußen die Welt ist eine ruhige Geschichte, die vom Leben erzählt, mit all seinen Höhen und Tiefen. In Marys Leben gibt es ein Drinnen. Ihre Familie, ihre Freunde, ihre Gemeinde, für sie lebt Mary ohne sich, wie man bei der Zeit, in der die Geschichte spielt, erwarten könnte, selbst aufzugeben, sie ändert, was sie ändern kann. Aber sie nimmt auch hin, was nicht zu ändern ist, im Großen wie im Kleinen. Ein Beispiel dafür ist die Veranda, vor ihrem Haus, die ihr Mann nie fertig gebaut hat, sie hat sich damit arrangiert. 
Das Leben verläuft in ruhigen Bahnen, bis das Draußen hereinbricht, die Weltwirtschaftskrise erschüttert das Land und auch Marys Familie leidet unter den Umständen.

Der ruhige Erzählstil des Buches hat mich mitgenommen in Marys Leben, ich erlebte mit ihr die traurigen und tragischen Momente, wie den Tod ihrer Freundin. Aber auch die hoffnungsvollen, als Mary die junge Sylvie unterstützt, damit diese eine würdevolle Hochzeit bekommt, trotz der fortgeschrittenen Schwangerschaft, eine Katastrophe in der damaligen Zeit.
Es sind die kleinen und großen Geschichten, die das Leben schreibt, die dieses Buch so besonders machen. 
Die Autorin Janet Lewis war mir bis dato völlig unbekannt, dachte ich, nicht ahnend, dass ich zumindest schon zwei Verfilmungen ihres Romans »Die Frau, die liebte« gesehen hatte. 
Janet Lewis (1899–1998) lebte zumeist in Kalifornien mit ihrem Mann, dem Dichter Yvor Winters. Neben Lyrik schrieb sie vier Romane, darunter eine viel beachtete Trilogie um berühmte historische Justizfälle. Lewis war ihr Leben lang vehemente Kriegsgegnerin und Fürsprecherin der indigenen und schwarzen Bevölkerung.
Ich bin wirklich beeindruckt von ihrer Art zu erzählen, allerdings gebührt hier sicher auch der Übersetzerin Sylvia Spatz ein ganz großes Lob.

  • Herausgeber ‏ : ‎ dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG; 1. Edition (16. Februar 2023)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 368 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3423283181
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3423283182
  • Originaltitel ‏ : ‎ Against A Darkening Sky







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