Posts für Suchanfrage Rigor Mortis werden nach Relevanz sortiert angezeigt. Nach Datum sortieren Alle Posts anzeigen
Posts für Suchanfrage Rigor Mortis werden nach Relevanz sortiert angezeigt. Nach Datum sortieren Alle Posts anzeigen

Samstag, 13. Juli 2019

Rigor Mortis von Faye Hell

Zur Autorenseite
1898 Das kleine unbedeutende Städtchen Dawson City wird zum Paris des Nordens als tausende von Glücksrittern dem Ruf des Goldes folgen, regiert wird die Stadt von Henderson, charismatisch, grausam und nicht von dieser Welt?

*Weshalb kümmert es euch, ob Blut an meinen Händen ist, wenn ich euch zum Gold führen kann?*

2005 bricht die Geschichtsstudentin Rosa mit einer sechsköpfigen Reisegruppe auf, um die Schönheit Alaskas hautnah zu erleben, doch die Idylle trügt, sie werden verfolgt und die Schatten werden mit jedem Tag bedrohlicher.

2017 hat ein Talkmaster die Zeit seines Lebens, seine zynische und menschen verachtende Show wird von den Massen geliebt. Richard Darius *Count Mortis*, suhlt sich in den Peinlichkeiten, denen er seine Gäste aussetzt.

2017, eine Geisterjägerin bekommt den Auftrag ihres Lebens.

All diese Personen und noch einige mehr lernen wir in wechselnden Kapitel kennen, wir erfahren ihr Schicksal, ihre Ängste und ihre Grausamkeiten. Zu wissen das am Ende alle Fäden zusammenkommen verhindert, das man das Buch zur Seite legen will.

Es ist schwierig die Handlung in wenigen Worten zusammenzufassen, deshalb versuche ich es gar nicht erst.

Faye Hell, ist für mich die Königin des literarischen Horrors, ihre Sprache ist geschliffen und trotzdem direkt, sie zieht die Leser in ihren Bann, am Ende des Buches ist es, als erwache man aus einem bösen Traum, fasziniert will man genau dorthin zurück, trotz allen Schreckens und der Bösartigkeit die einem dort begegnet.

In ihrem Vorwort hebt Faye Hell die Person Richard Darius besonders hervor, das habe ich erst nach der Lektüre des eigentlichen Buches gelesen, ich habe immer Angst zu viel zu erfahren.

Sie beschreibt ihn als Zerrbild unserer Gesellschaft und sie hat recht, wir alle weiden uns auf die eine oder andere Art am Leid anderer. Sei es das wir Talkshows schauen, in denen Menschen gedemütigt werden, bei Unfällen Fotos oder Videos machen oder die wohl harmloseste Variante, die uns Bücher lesen lässt, wie Rigor Mortis. Wir können uns getrost weismachen dem Ruf des Goldes nicht zu folgen, aber vielleicht sollten wir doch mal in den Spiegel schauen den Count Mortis uns vorhält.

Von mir bekommt RIGOR MORTIS schattenschwarz und totgeschwiegen, eine absolute Leseempfehlung.

Folgt Faye Hell in die wunderschönen Weiten Alaskas, aber achtet darauf, wer euch folgt.


  • Taschenbuch: 666 Seiten
  • Verlag: Papierverzierer Verlag; Auflage: 1 (14. März 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3959626665
  • ISBN-13: 978-3959626668



Dienstag, 27. November 2018

Blogtour Tag 3 Rigor Mortis



Interview mit Faye Hell
Liebe Faye,
vielen Dank, dass du dich meinen Fragen stellst, im realen Leben würde ich dir jetzt Kaffee und Kekse anbieten, hier geht das leider nicht, also fangen wir am besten gleich an.
Und damit ihr wisst, mit wem ich mich unterhalten habe.


1. Magst du dich meinen Lesern die dich vielleicht noch nicht kennen kurz vorstellen?
Wer ist Faye Hell?

Mhhmmm … keine Kekse. *seufz*
Faye Hell? Nun, das bin ich!
Mag jetzt banal und dämlich klingen, ist es aber nicht. Als ich begonnen habe zu schreiben, habe ich mir ein Pseudonym gesucht. Unter anderem auch deshalb, weil ich ja Lehrerin bin und es in diesem Zusammenhang nicht immer gut ankommt, wenn man ein Horror-Nerd ist. Ich habe mir überlegt, wie diese Faye zu sein hätte … nur um draufzukommen, dass Faye vielmehr die Person ist, die ich eigentlich bin, als zum Beispiel mein Lehrer-Ich. Fast so, als hätte ich Faye erschaffen, um mich wahrhaftig ausleben zu können. Ein blödes Beispiel: Ich war knappe zwanzig Jahre alt, als mir mal jemand gesagt hat, ich könne nicht mehr lange so ein Gothic-Outfit tragen, ohne lächerlich zu sein. Faye kann!
Also, Faye ist Horrorautorin, Horrorfan und Horrorliebhaberin. Ein Leben ohne Horror – egal ob als Buch, Film oder Serie – ist für mich seit meinem elften Lebensjahr undenkbar.

                          

2. Wissen deine Kollegen und vor allem deine Schüler, dass du schreibst und vor allem was du schreibst und wenn ja, was sagen sie dazu?

Die meisten Kollegen wissen es. Vor den jüngeren Schülern versuche ich es (soweit wie möglich) geheimzuhalten. Das ist nicht (nur) meine eigene Entscheidung. Die äußeren Umstände haben das mit sich gebracht und eine gewisse Art von Geheimhaltung notwendig gemacht. Denn nein, es ist nicht selbstverständlich, dass eine Lehrerin eben nicht nur eine Lehrerin ist, sondern sogar ein Privatleben hat. Und sich darüber hinaus vielleicht sogar noch für Horror begeistert! Gott behüte! Eine Horrorautorin als Lehrerin ist für einige Eltern undenkbar. Diese Erfahrung habe ich leider machen müssen.

3. Deine Bücher. Keine Menschenseele und Tote Götter wurden mit Preisen ausgezeichnet, kannst du den Moment beschreiben als du erfahren hast, das du tatsächlich gewonnen hast?

Nahezu alle Menschen werden von Zweifeln geplagt. Im Autorenumfeld bekomme ich häufig den Eindruck, dass sich Autoren dieses Quäntchen mehr quälen als andere. Der Zweifel ist ein fieses Vieh, das nur darauf wartet, dir ins Ohr zu flüstern, dass deine Arbeit nichts wert ist, sich sowieso niemand dafür interessiert und du am besten alles hinwerfen solltest. Ich denke nicht, dass mich irgendeiner der Preise objektiv wirklich weitergebracht hat in meiner (nennen wir es halt mal so …) Karriere. Aber Preise sind richtig gut darin, dem Zweifelsuntier fest in den Arsch zu treten. Und ja, ich habe mich jedes Mal höllisch gefreut. Es ist eine Form der Anerkennung und ich weiß es total zu schätzen, dass mich meine Leser immer so grandios unterstützen.

4. Im November erscheint dein neuestes Buch: Rigor Mortis, kannst du uns schon ein bisschen was verraten?

Ich glaube, Rigor Mortis könnte mein bisher bestes Buch sein. Aber mein Freund und Autorenpartner M. H. Steinmetz hat mir mal gesagt, dass das so sein muss. Wenn dem nämlich nicht so wäre, dann könnte man aufhören zu schreiben. Da hat er sicher recht!
Ich habe vor allem sehr viel Recherchearbeit in diesen Roman investiert, da ja einer der Handlungsstränge im Yukon Territory/in Alaska zur Zeit des Goldrausches spielt und es war mir sehr wichtig, dass ich die Geschichte zwar zu meiner eigenen mache, in den zentralen Punkten aber historisch korrekt bleibe. Dazu habe ich auch direkt vor Ort recherchiert und Sekundärliteratur besorgt. Diese Reise hat den Roman ungemein beeinflusst, nicht nur, was die Fakten angeht. Zum Glück ist es mir gelungen, die Magie dieser besonderen Region treffend zu Papier zu bringen. Und alle Orte, die in Rigor Mortis erwähnt werden, habe ich tatsächlich selbst besucht!
Auch musste ich das erste Mal in meiner Autorenlaufbahn ein Vorwort schreiben, da ich einen Ich-Erzähler erschaffen habe, vor dem mir wahrhaft selbst graut. Er ist meine wahrscheinlich abstoßendste, aber auch vielschichtigste und durchdachteste Figur. Richard Darius ist ein modernes Monster, ein Zerrspiegel unserer Zeit.



Zum Klappentext und zum Cover und zu einer Überraschung, klickt mal auf das Coverbild.

(Das Buch erscheint als E-Book am 02.12.2018, Printliebhaber wie ich müssen noch etwas länger warten)

5. Nach dem Buch ist vor dem Buch: Woran arbeitest du gerade?

Gerade arbeite ich gemeinsam mit M. H. Steinmetz an einem Old-School-Hardcore Roman, der Sommer nächsten Jahres bei Redurm erscheinen wird. Das ist für mich ein neues Genre, auch wenn in all meinen Büchern auch bisher schon Hardcoreszenen zu finden sind. Es ist eine Herausforderung, aber auch saugeil! Mal so richtig auf den Putz klopfen, bis Scheiße und Blut spritzen. Mal etwas weniger literarisch. Und es macht unfassbar viel Spaß, mit einem Kollegen und Freund an einem Roman zu arbeiten. Steinmetz und Hell, das harmoniert. Wie bereits die Anthologie Ghost Stories of Flesh and Blood beweist. Klar gibt es jetzt schon Stimmen, die behaupten, ich würde für ein derartiges Buch meinen guten Namen verkaufen. Aber ich vertraue auf die Mündigkeit meiner Leser und darauf, dass diese selbst erkennen werden, dass dieses Buch wohl von meiner üblichen Schiene abweicht. Steinmetz/Hell ist ja auch so etwas wie eine Marke innerhalb der Marke.
Nebenbei feile ich an meinem zweiten Infotainment Buch. Und an der Idee zu einer Novelle, die ich auch demnächst umsetzen werde. Einen vierten, eigenständigen Roman habe ich auch schon im Sinne und recherchiere eifrig.

6. Hattest du schon mal den Wunsch alles hinzuschmeißen und das Schreiben aufzugeben und was hat dich motiviert weiterzumachen?

Ja, hatte ich. Mehrfach sogar. Niemand ahnt, wie viel Zeit und Herzblut in diese Arbeit fließen und wie wenig oft zurückkommt. Ganz im Gegenteil, oftmals kommt sehr viel Ablehnung auf einen zu. Schnell mal wird man als Horrorautorin als pervers oder abartig abgestempelt. Und ich bin noch nicht so abgebrüht, dass ich das als Adelsprädikat anerkennen könnte. (grins) Es kann hart sein, einem Traum hinterherzujagen und teilweise erschreckend ernüchternd. Was mich grundlegend motiviert, ist die Liebe zur Sache. Der Horror, die Schreiberei. Vincent Voss hat mir in einer Situation des Zweifelns mal gesagt: „Du wirst nicht aufhören. Du wirst schreiben. Du kannst gar nicht anders.“ Besser könnte ich es nicht sagen. Der Drang zu schreiben steckt in mir, seit ich schreiben kann. Wenn ich zweifle, habe ich mein schreibendes Umfeld, das mich aufbaut. Und Mister Hell und Mama Hell. Kein Mensch ist eine Insel, auch Autoren nicht.

7. Diese Frage passt vielleicht zur vorigen. Was rätst du Menschen die davon träumen zu schreiben und vor allem auch zu veröffentlichen?

Genau das, was man mir ganz am Anfang geraten hat: Du brauchst einen langen Atem! Weiterführend: Wer beim ersten Hindernis umdreht, beim ersten Gegenwind die Ohren anlegt und abtaucht, der wird es nicht schaffen. Und tritt die verdammte Eitelkeit in die Tonne! Ich weiß, du bist überzeugt von deiner Arbeit. Das ist die Grundvoraussetzung und schwer genug! Das heißt aber nicht, dass es alle anderen auch sofort sein werden. Absagen sind kein Grund weinend im Selbstmitleid zu versinken und aufzugeben oder (das andere Extrem) aufs Hohe Ross zu steigen und diejenigen schlechtzumachen, die einen abgelehnt haben. Nein, genau dann heißt es sich schütteln wie ein nasser Hund und einfach weitermachen. Und wenn du damit fertig bist, dann machst du weiter. Und weiter. Und weiter. Bis du ein Ziel nach dem anderen erreicht hast. Und übrigens: He Leute, wenn ich das hingebracht habe, dann schafft ihr das auch!

8. Welchen Liebesroman hast du gelesen und geliebt? (Irgendeine Leiche hat doch jeder im Keller).

Hihihi. Das fragst du doch nur, weil du das bereits weißt! (grins) Ja, ich lese auch mal Liebeskram. Sehr selten. So gut wie nie. Weil ich einfach schrecklich unrund werde, wenn Klischees plattgetreten werden. Etwas, dass die Liebe und der Horror übrigens gemein haben, wenn es um die kommerzielle Nutzung geht. Weil die Rezipienten teilweise auf Klischees bestehen! Wenn ich Rezensionen lese, in denen sich ernsthaft Frauen darüber beschweren, dass das „dicke Mädchen“ aus dem Roman wohl niemals so einen klasse Kerl abbekommen würde und dass die Autorin da gewiss nur ihre eigenen Sehnsüchte verarbeitet hat … dann werde ich so aggressiv, dass ich gleich wieder ein paar schöne Hardcoreszenen schreiben muss.
Mein liebster Liebesroman ist von Phoebe Ann Miller „Auf die andere Art“. Kein Klischee, echte Gefühle, viele Tränen!

Danke für das Interview und wehe, du bringst mir in Leipzig keine Kekse ….
(Schnurrrrrrrrrr from Hell)



Ich habe zu Danken, für Deine Zeit und dieses tolle Interview, ich freue mich schon auf ein Wiedersehen in Leipzig, mit Keksen.

Zur Facebook Veranstaltung mit einem tollen Gewinnspiel klickt einfach hier.
Dort findet ihr auch weitere Links zu interessanten Beiträgen.

Freitag, 31. August 2018

The Coven interviewt Faye Hell




Wie vielleicht schon der eine oder andere weiß, bin ich seit kurzem stolzes Mitglied des Bloggerteams der wunderbaren Faye Hell. Und damit ihr die Autorin auch besser kennen lernen könnt, haben wir ihr einige Fragen gestellt.

Die vielen Gesichter der Faye Hell


Das Interview



Wenn dich jemand fragt warum er ausgerechnet deine Bücher lesen soll. Was antwortest du?
Man sollte meine Bücher lesen, weil sie herausfordernd sind. Literarisch komplex auf der einen Seite, erschreckend aufrichtig und direkt auf der anderen. Man sollte sich als Leser nicht nur immer in die Komfortzone zurückziehen, ein Buch kann mehr sein als bloße Unterhaltung.
Ich erfinde meine Geschichten nicht nur, ich spüre sie. Genau so geht es mir auch mit meinen Charakteren und ich denke, das fühlen meine Leser. Lesen sich meine Bücher leicht? Sicher nicht, wenn man dem Leser etwas vermitteln will, dann hat das einfach Gewicht. *zwinker*
Wie bist du zum Schreiben gekommen? Gab‘s Inspiration? Wolltest du nur hobbymäßig schreiben?
Ich habe als Kind bereits geschrieben. Mit elf Jahren wollte ich bereits Horrorautorin werden. Im jungen Erwachsenenalter habe ich allerdings damit aufgehört. „Keine Menschenseele“ hat als therapeutisches Projekt begonnen, das mir dabei helfen sollte, ein Trauma zu bewältigen. Das ist mir auch gelungen. Aber was an Texten da war, war zwar extrem intim, aber dennoch viel zu gelungen für die Schublade. Also habe ich es überarbeitet. Inspiriert hat mich definitiv das Haus, in dem ich lebe. Ein über hundert Jahre altes Kurhotel. „Keine Menschenseele“ spielt in diesem Hotel. Das Schreiben ist für mich deutlich mehr als ein Hobby, es ist ebenso Selbsterfüllung wie Therapie. Möchte ich nur vom Schreiben leben? Zum jetzigen Zeitpunkt wäre das gar nicht mein Ziel, da ich meinen Job als Lehrerin liebe.
Man fragt sich ja immer, wie krank ein Gehirn sein muss, um auf solche Ideen zu kommen, also, woher kommen deine Inspirationen?
Man kann generell nichts schreiben, das nicht in einem drin ist. Ja, es sind meine Fantasien, aber es sind nicht meine Wunschvorstellungen. Dass ich die Fähigkeit habe, mir so etwas auszudenken, heißt noch lang nicht, dass ich mir so etwas auch wünsche. Das verwechseln viele! Beispiel? In „Keine Menschenseele“ wird eine Katze bestialisch ermordet. Eher würde ich mir einen Finger abbeißen, als einer Katze auch nur ein Schnurrbarthaar zu krümmen. Die Inspiration kommt aus einem tiefen, schwarzen Brunnen, voller Schlamm und Dreck. Ich schraube mich ganz hinunter, greife nach dem schlimmsten Monster, das mir zwischen die Finger kommt und zerre es mit mir ans Tageslicht. Ehrlich, so stelle ich mir das immer vor.
Wann kommt endlich der große, romantische Nackenbeißer von dir?
Und ich dachte, mich könnte keine Frage schockieren. In meinen Büchern geht es meist um die Liebe. In „Tote Götter“ ist sie genau genommen sogar eines der zentralen Themen überhaupt. Die stärkste Kraft im Universum, ihr wisst schon Bescheid. Romance werde ich aber garantiert nie schreiben. Warum ich das so genau weiß? Weil ich es einfach nicht kann! Ich habe es sogar mal versucht, eine Kurzgeschichte für die Anthologie einer Freundin. Das war wirklich die Hölle und es war grauenvoll schlecht. Ich habe die Datei sogar ganz gelöscht. Ich bin leider so romantisch wie eine Waschmaschine.
Ich habe selbst schon versucht, mir Horror Stories auszudenken und sie zu schreiben. Allerdings scheitere ich daran, dass mir die ausgedachten Geschichten so eine sch... Angst machen, dass ich irgendwann aufhören muss. Kennst Du das und wenn ja: Wie gehst Du damit um?
In meinem dritten Roman „Rigor Mortis“ (erscheint im November) kommt ein Ich-Erzähler vor, der mich wahrhaftig das Fürchten gelehrt hat. Ich hasse ihn und er hat mich massiv in die Enge getrieben. Ich habe geflucht, geweint, gespuckt … und dann weitergemacht. Weil ich dadurch Macht über ihn hatte! Wie die meisten wissen, liebe ich Amerika. Dieser Ich-Erzähler ist die Personifikation von allem, was mir an meinem geliebten Amerika derzeit Angst macht. Er ist die schlimmste Figur, die mir einfallen konnte, vielleicht ist er deshalb so gut gelungen.
Wie hat dein persönliches/familiäres Umfeld reagiert als du angefangen hast Horror zu schreiben?
Natürlich waren sie nicht überrascht. Immerhin habe ich auch davor kein Geheimnis daraus gemacht, dass ich Horror liebe und dass das einfach meine Welt ist. Teile meiner Familie haben viel mehr ein Problem damit, dass ich in Interviews sehr offen über Persönliches spreche und das mit der Welt teile. Zum Beispiel die Tatsache, dass ich mit schweren Depressionen zu kämpfen hatte. Das war für die viel mehr der Horror als der Horror an sich. Deshalb ist auch der Kontakt abgebrochen, was übrigens immer noch und immer wieder höllisch weh tut. Aber was macht man? Man macht weiter! Und ich werde nichts an dem ändern, wie es ist. Schon gut so. Auch in meinem Job als Lehrerin gab es Probleme. Die Menschen denken in Schubladen, so richtig in die Schublade Lehrer passe ich halt nicht und damit können manche (zum Glück nur sehr wenige) nicht umgehen.
Glaubst du, du wirst irgendwann so eine verrückte Katzenoma sein, die mit ihren 20 Miezen zurückgezogen in einem alten Haus wohnt?
Jeder Mensch braucht doch Ziele, oder? Also ja, verdammte Kacke, natürlich werde ich mal eine verrückte Katzenoma mit zwanzig Miezen sein! Wir werden uns einen alten Bauernhof in Andalusien teilen und uns gemeinsam um meine Seidenhühner und meine Alpakas kümmern. Und natürlich um Mister Hell. Aber sagt ihm das nicht, er weiß das mit den zwanzig Katzen noch nicht, das wird eine schnurrrrrende Überraschung.
Welche Rolle/Protagonist aus deinen Büchern liegt dir am meisten am Herzen? Und warum grade er/sie?
Das wäre dann wohl Hannah aus „Tote Götter“. Als ich begonnen habe, diesen Roman zu schreiben, habe ich auf eine Diagnose gewartet. Es stand der Verdacht auf Multiple Sklerose im Raum. Zum Glück hat sich dieser Verdacht nicht bestätigt, aber ich musste ein Monat auf die entsprechende Untersuchung warten und dann noch eine Woche oder so auf das Ergebnis. Ich habe all diese Angst und überhaupt die gesamte Krankheit meiner Hannah auf den Leib geschrieben. Schlussendlich ist es sogar diese Krankheit, die sie so stark macht. Auch trägt diese Ich-Erzählerin sehr viele Wesensmerkmale, die sie wohl von mir gestohlen hat. Manchmal bedaure ich schon fast, dass ich ihr im Roman so übel mitgespielt habe.
Wie viele Tattoos hast du, wo und was? Haben diese auch eine Bedeutung für dich?
Ich habe wirklich einige Tattoos und die meisten davon gehen ineinander über, also kann ich sie nicht so genau trennen. Gänseblümchen für meine Mama, Vergissmeinnicht für meine Oma, eine Tigerente für meinen Mann, einen Seerose für meine Katze Lilli. Libellen, weil mir mein Mann mal erzählt hat, dass Libellen nie sterben, sondern nur den Winter über nach Afrika fliegen. Deshalb steht unter den Libellen auch indestructible. Ein roter Stern aus meiner Kommunistenphase (habe ich Phase gesagt?!). Eine schwarze Witwe, das erklärt sich selbst. Meine neuesten Tattoos sind Sachmet und Bastet, immerhin bin ich der altägyptischen Mythologie und vor allem Bastet sehr verbunden.
Traust du dich, uns einen der intimsten Momente aus deinem Leben zu verraten, den du in einem Text verarbeitet hast?
Ja, ich trau mich. Es fällt mir aber nicht leicht, das will ich hier zugeben. Es ist auch eines der Themen, die immer tabuisiert werden und das obwohl #metoo grad überall ist. Ich wurde in meinen Zwanzigern vergewaltigt und das hat tiefe Narben hinterlassen. Dieses Trauma habe ich in „Keine Menschenseele“ aufgearbeitet. Also nicht die Fantasien eines potentiellen Triebtäters, sondern der Bewältigungsmechanismus eines Opfers.
Liebe Faye, was macht dich glücklich?
Die Natur, ein ausgedehnter Spaziergang, eine Wanderung. Allein oder mit einem Menschen, den ich liebe. Wenn ich am Wochenende bereits am Morgen zu lesen beginne, während Mister Hell noch stundenlang tief und fest schläft .Wenn ich einen Film sehe, der mich so sehr fesselt, dass ich förmlich den Atem anhalte. Wenn ein Buch mich die Welt um mich vergessen lässt. Wenn sich eine Szene in einem Roman oder einer Geschichte wie von Geisterhand schreibt, weil die Ideen gleich so fließen. Das alles macht mich glücklich. Und ja, ich bin jeden Tag vorsätzlich sehr glücklich, weil sonst die Dunkelheit gewinnen würde und ich wieder depressiv wäre. Glück passiert mir nicht, Glück ist mein Vorsatz!
Schreiben ist ein Teil von dir, das merkt man in jeder Zeile. Doch was wäre, wenn du nicht mehr schreiben dürftest? Wenn du zum Beispiel, einen Menschen retten könntest, indem du es aufgibst?
Wahrscheinlich wäre es total verrückt, wenn ich es aufgeben würde, weil nicht zu schreiben mich auf Dauer zerstören würde. Da sind zu viele Gedanken in meinem Schädel und die meisten davon sind nicht gerade nett und flauschig. Aber ich würde ein Menschenleben gewiss über meine Berufung stellen. Wäre das dann noch das Leben eines Menschen, den ich liebe, dann würde ich nicht mal zögern, das zu tun. Da ich weiß, dass dieser Mensch dann mich retten würde, wenn das “nicht Schreiben” meinen Verstand in Gefahr brächte. Oh, das klingt irre … Was ich eigentlich sagen will: Ich liebe dich, Mister Hell.

Hier noch ein paar Fakten über die Autorin:
Romane

Keine Menschenseele
Tote Götter

Ihre Kurzgeschichten sind vertreten in folgenden Anthologien

Dark Poems
Fleisch 4
Blutgrütze 

Sachbuch

the little Virus Book of Satan

Seit ihrer frühesten Kindheit ist Faye vom Bösen fasziniert. Im Alter von elf Jahren schreibt sie ihre erste Horrorgeschichte. Eltern und Lehrer sind sich sicher: Das ist nur eine Phase, das vergeht. Doch es ist alles andere als eine Phase und vergeht erst recht nicht, viel eher verfeinert sich ihr Hang zum Diabolischen und nimmt professionelle Züge an.

Seit 2007 ist sie Redakteurin des VIRUS Magazins (unter dem Namen Lili Marlene), dort verfasst sie vorrangig Rezensionen zu Horrorfilmen abseits des Mainstreams. In ihrer schriftstellerischen Arbeit verbindet sie subtiles Grauen mit expliziter Gewalt und Obszönität. Ein Leben ohne Horror, das ist für Faye undenkbar.

Warum das Pseudonym Faye Hell? Weil nicht nur das fiktive Leben die Hölle sein kein. Aber auch, weil selbst der schwärzesten Nacht stets etwas Helles innewohnt. Und sogar der Teufel ein Lichtbringer ist.

Ihr Debütroman "Keine Menschenseele" wurde 2016 mit dem Deutschen Phantastik Preis ausgezeichnet.

Quelle: Amazon Autorenseite