Dienstag, 30. April 2024

Die Abenteuer von Pina Parasol von Tino Falke

 

Jeder Verlust kann ein Gewinn sein! Pina Parasol ist Expertin im Verschwindenlassen. In ihrem ungewöhnlichen Beruf wird sie beauftragt, Dinge für ihre Kunden verschwinden zu lassen. Ihre Aufträge führen sie an verschiedene Orte: von Paris in die sengende Hitze der ägyptischen Wüste, zu den eisigen Weiten der Antarktis und in die geheimnisvollen Tiefen der Ozeane. Doch das ist erst der Anfang. Ende des 19. Jahrhunderts gibt es noch viele unentdeckte Orte, und Pina ist bereit, sie alle zu erkunden.

In vierzehn spannenden Kurzgeschichten erzählt ein unbekannter Erzähler am Lagerfeuer die Abenteuer von Pina Parasol und die Herausforderungen, denen sie sich stellen muss, während ein nahendes Übel seine Schatten vorauswirft. Die Geschichten nehmen uns mit auf die Reisen von Pina und ihrer fliegenden Lokomotive.

Pina Parasol wuchs in einem Waisenhaus auf und verlor ihre Eltern, bevor sie sie richtig vermissen konnte. Sie verlor ihre linke Hand, bevor sie sie jemandem zum Geleit reichen konnte. Trotz dieser Schicksalsschläge hat Pina ihren eigenen Weg gefunden. Sie ist nun Kapitänin ihrer eigenen fliegenden Lokomotive und hat Freunde, die ihr immer zur Seite stehen: der Erfinder MassiMo, der Schriftsteller Cédille und die Plakatiererin Sabine. Gemeinsam erleben sie die Höhen und Tiefen des Abenteuers und zeigen uns, dass jeder Verlust auch eine Chance für einen Neuanfang sein kann.

Die vierzehn Geschichten bieten eine Vielzahl von spannenden Handlungen und lebendigen Charakteren. Eine der Geschichten, die besonders beeindruckend ist, erzählt, wie Pina zu ihrer Lokomotive kam. Hier erfahren wir, wie sie den berühmten Archäologen Lazarus Dorado auf der Suche nach dem verschollenen Königreich Punt begleitet. L.Dorado reist mit einer Lokomotive, die an Ballons aufgehängt ist, und ist seinem Ziel ganz nah, als Pina von den »Kindern von Punt« den Auftrag erhält, den Weg dorthin zu verlieren, um das Land vor Schatzräubern zu schützen.

Natürlich verrate ich nicht, wie genau sie zu ihrer Lokomotive kam, dann müsstet ihr die Geschichte ja nicht mehr lesen.

In einer anderen Geschichte, »Pina und der Baba-Yaga-Ring«, trifft sie auf Magie, an die sie eigentlich nicht glaubt. In dieser Erzählung reist sie nach Russland, um etwas in den Sümpfen zu verlieren, und trifft dort auf die alte Mergen, die sie dazu bringt, ein Monster aus dem Sumpf zu fangen.

Selbst in ihrer Heimatstadt erlebt Pina Abenteuer.

In »Pina und die Sesampatrouille« wollte sie eigentlich mit ihren Freunden ein Rennen zwischen zwei konkurrierenden Kurierdiensten verfolgen, als eine Giftwolke auf die Stadt zutreibt. Der Pestdoktor Dante scheint die Stadt heimzusuchen.

Die Geschichten von Pina Parasol sind eine faszinierende Mischung aus Abenteuer, Fantasy und Entdeckungsreisen. Mit Pina tauchen wir ein in die spannende Welt des Steampunks. Mich haben die Storys sehr gut unterhalten und ich vergebe eine Leseempfehlung. Tino Falke schafft es, ohne große Worte, eine fesselnde Welt zu schaffen, auch für diejenigen, die mit der Welt des Steampunks nicht vertraut sind. Ebenso erfahren wir, was für ein Mensch Pina Parasol ist: schlagfertig, wagemutig, loyal und prinzipientreu.

Jeder Story wird eine Triggerwarnung vorangestellt und Tino Falke bedient sich unaufdringlich einer gendergerechten Sprache


  • Herausgeber ‏ : ‎ OHNEOHREN; 1. Edition 
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Broschiert ‏ : ‎ 390 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3903296740
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3903296749

Freitag, 26. April 2024

INTOXIKATION. Chemie der Illusionen von Matthias A. K. Zimmermann (Autor), Kristina Schippling (Autorin)

Kara ist eine Ausnahmekünstlerin, ihre Bilder, die sie auf sehr ungewöhnliche unter zu Hilfenahme von giftigen Chemikalien erschafft, verkaufen sich gut. Doch Kara ist nicht glücklich, das wird schon auf den ersten Seiten mehr als deutlich. Kara begibt sich auf einen bewusstseinserweiternden Drogentrip, dieser wird von den Autoren Kristina Schippling und Matthias A. K. Zimmermann, sehr bildgewaltig beschrieben.

Im nachlassenden Drogenrausch, tötet sie ihren Ex-Freund, den sie für einen Einbrecher hält. Da sie eine gewalttätige Vergangenheit mit ihm hat, versucht sie die Leiche loszuwerden, statt die Polizei zu rufen. Was folgt, ist eine sehr ungewöhnliche Story, eine Mischung aus Thriller, Krimi und den Berichten über verstörenden Drogentrips. Als ein Video auftaucht, das sie schwer belastet, gerät Karas Leben mehr und mehr außer Kontrolle, um so mehr als auch noch die verführerische Malina auftaucht.

Dieses Buch liest man nicht gerade mal so zwischendurch, immer wieder verwischen die Grenzen zwischen Realität und Fantasie, ich weiß nicht welches andere Wort ich für die Beschreibungen der Drogentrips nennen soll, da ich persönlich diesen Zustand und auch den Wunsch der Realität auf diese Weise zu entfliehen in keinster Weise nachvollziehen kann.

Der Schreibstil des Autorenduos ist sehr intensiv, er erzeugt eine Atmosphäre der Unruhe und des Unbehagens. Die Sprache sehr bildhaft, die Autoren verwenden viele metaphorische Elemente, die die Gefühle und Erfahrungen der Protagonisten zu beschreiben. Die Intensität ihrer Worte trägt dazu bei, eine surreale und verstörenden Welt zu schaffen, in der die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwimmen. Die Verwendung von kurzen, prägnanten Sätzen verstärkt das Gefühl von Nähe und lässt den Leser direkt in die Gedanken und Empfindungen von Kara eintauchen. Insgesamt vermittelt der Schreibstil eine intensive und verstörende Erfahrung, die den Leser in die psychologische Welt der Hauptfigur eintauchen lässt.

Um sich auf diese ungewöhnliche Story einzulassen, muss man bereit sein, die Grenzen zwischen Realität und Fantasie zu akzeptieren. Der Text enthält mehrere Elemente, die darauf hinweisen, dass die Handlung nicht immer der herkömmlichen Logik folgt: Karas Umgang mit ihren Bildern, die Verwendung von giftigen Chemikalien, ihr Drogentrip und die daraus resultierenden Ereignisse wie der Mord an ihrem Ex-Freund. Diese Elemente erfordern vom Leser eine Bereitschaft, sich auf eine nicht-lineare und manchmal verstörende Erzählweise einzulassen. Die Erzählung wird nicht nur durch die äußeren Ereignisse, sondern auch durch die inneren Konflikte und die psychologische Entwicklung der Hauptfigur vorangetrieben. Es ist wichtig, die surrealen Aspekte der Handlung zu akzeptieren, um die Tiefe der Charaktere und die vielschichtige Atmosphäre des Buches vollständig zu erfassen.



  • Herausgeber ‏ : ‎ Kulturverlag Kadmos; 1. Edition (18. März 2024)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 334 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3865995632
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3865995636

Zu Gast im Bücherhaus die Autorin Kristina Schippling und der Autor Matthias A. K. Zimmermann

Heute darf ich die Autorin Kristina Schippling und den Autor Matthias A. K. Zimmermann, des Psychothrillers INTOXIKATION. Chemie der Illusionen, der im März 2024 im Kuturverlag Kadmos erschienen ist, im Bücherhaus begrüßen. Herzlich willkommen im Bücherhaus, machen sie es sich bequem, Kaffee, Tee, Kekse und alkoholfreie Getränke stehen natürlich bereit.





Bevor wir beginnen, möchten sie sich den Leserinnen und Lesern, die sie noch nicht kennen, kurz vorstellen bitte?

Ich heiße Matthias, ursprünglich komme ich aus der Kunst, habe Game Design, Musik und Kunstpädagogik studiert. Aus meinen künstlerischen Arbeiten, die ich als "Modellwelten" bezeichne und die im Laufe der Jahre immer mehr Textelemente bekommen haben, entwickelte sich eine zunehmende Faszination für das Lesen und Schreiben von Romanen.

Mein Name ist Kristina. Ich bin Filmemacherin, Schriftstellerin und Philosophin. Nach meinen Studien der Philosophie, Psychologie, Pädagogik, Germanistik und Darstellenden Kunst habe ich zu einem interdisziplinären Thema promoviert „Zur Vermittlung von Film im Schulbuch“. Mein Dokumentarlangfilm „The Sound of Cologne“ läuft derzeit noch in den Kinos. Gleichzeitig ist gerade der Spielfilm „Monster on a Plane“ in den Festivals gestartet, bei dem ich in mehreren Positionen beteiligt war. Dann arbeite ich derzeit an einem philosophischen Buch …



1. Wie kam es zu Ihrer Zusammenarbeit? Und wie würden Sie Ihren individuellen Beitrag zum Schreibprozess beschreiben und wie ergänzen sich Ihre jeweiligen Stärken und Perspektiven?


Kristina hatte vor über zehn Jahren einen Artikel über meine Ausstellung im Computerspielemuseum Berlin geschrieben. Hierfür hatte sie mit mir ein Interview gemacht, und so haben wir uns kennengelernt. Es entwickelt sich ein lebhafter Austausch über künstlerische Prozesse, was schließlich zu der Idee geführt hat, gemeinsam einen Roman zu schreiben. INTOXIKATION, unser gemeinsamer Roman, ist ein psychologischer Thriller, in dem einer der Hauptfiguren Künstlerin ist. In dieser Geschichte fließen Kristinas Wissen über die Psychologie aus ihrem Studium so wie meine künstlerische Praxis zusammen.


Matthias und ich haben uns über die Medienwisssenschaft der Humboldt Universität kennengelernt. Damals habe ich zu seinem Werk einen Artikel im Retro-Magazin geschrieben, wie Matthias schon erwähnt hat. Wie ergänzen uns als Autoren wirklich gut. Matthias kann sehr gut Landschaften beschreiben, hat viel für den Roman auch recherchiert. Meine Stärke liegt vor allem in der Entwicklung der Figuren, ihrer Innenwelten und ihrer Beziehungen zueinander. Auch ist Matthias doch sehr perfektionistisch, ich bin dann eher diejenige, die pragmatisch ist, so haben wir wirklich in dem Schaffensprozess mit geballter Kraft das beste Ergebnis erzielt.

2. Welche literarischen Werke oder Autoren haben Sie besonders inspiriert oder beeinflusst und inwiefern spiegelt sich das in Ihrem eigenen Schreibstil wider?


Franz Kafka, Michael Ende, Jorge Luis Borges, Antoine de Saint-Exupéry – all diese Autoren tauchen auch in unserem Roman, INTOXIKATION, auf. Mal sind es Figuren, mal Objekte, mal die Bücher selbst. Doch eher versteckt, sodass die Lesenden sie erst einmal finden müssen.

Ich würde auch noch andere Einflüsse ergänzen: Erst einmal sind wir auch von der Wissenschaft beeinflusst, der Chemie, der Psychologie, dann aber auch von anderen Kulturkreisen und deren Perspektive, aber auch spirituelle, fernöstliche und andere Weisheitslehren sind in den Text verwoben. Und letztendlich spielen die Orte eine besondere Rolle. Sie geben der Handlung eine bestimmte Atmosphäre.


3. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, eine Geschichte zu entwickeln, die sich so stark auf die Welt der Drogentrips und surrealen Erlebnisse konzentriert?



Kristina und ich haben noch nie Drogen genommen, wir rauchen noch nicht einmal. Gerade das war Anreiz, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen.

Da hat Matthias recht. Ich habe nie geraucht, ich trinke keinen Alkohol, nicht einmal Kaffee. Zuerst einmal hätte Kara, unsere Hauptfigur, möglicherweise ihren Ex-Freund nicht getötet, wenn sie nicht unter Drogen gewesen wäre. Dann zerbricht die Beziehung beider Hauptfiguren an einem Drogentrip, Kunstwerke werden zerstört. Innerhalb eines Rauschs wird auch deutlich, dass in dieses Nirvana noch nicht hingehören und sich den Rauschzustand erschlichen haben und es böse Folgen haben wird. Was ich damit sagen will, ist, dass wir ein Anti-Drogenbuch verfasst haben. Die Beschreibung der Drogentrips dient aber auch dazu, ein paar sehr besonders kunstvoll gestaltete literarische Momente zu inszenieren, mit der Sprache zu spielen, in Fantasiewelten zu entführen, wie es sonst im Fließtext nicht möglich gewesen wäre. Das Verfließen von Realität und Fantasie macht natürlich einen besonderen literarischen Reiz aus.



4. Welche Recherche haben Sie für die Beschreibung der Drogentrips durchgeführt, um sicherzustellen, dass sie sowohl realistisch als auch fesselnd sind?


LSD, das ja auch in unserem Roman vorkommt, wurde in Basel entwickelt, meine nächstgrößere Stadt. So wusste ich bereits einiges über diese Substanz. Kristina hat sich durch Filmrecherche und Buchinformationen zu diesem Thema informiert.

Wir haben uns informiert, aber wir haben uns auch über dieses Wissen hinweggesetzt und etwas ganz Eigenes literarisch kreiert. Wir machen ja keinen Dokumentarfilm, sondern haben fiktive Literatur geschrieben, bei der alles erlaubt ist. Ich denke, das Ayahuasca nicht so intensiv wirkt wie im Buch beschrieben, zumindest sagen das die Quellen. Vielleicht hat der Schamane in unserer Story auch noch etwas Anderes hineingemischt? Letztendlich darf der Leser/die Leserin der Fantasie freien Lauf lassen. Wichtig ist, dass durch diese Drogentrips eine andere Möglichkeit des Erzählens entsteht, eine weitere tiefenpsychologische Ebene beschritten wird und auch eine neue literarische Erzählkunst entsteht.


5. Kara ist eine komplexe und vielschichtige Figur. Wie haben Sie Ihre Charakterentwicklung geplant und umgesetzt?

Matthias war die anfängliche treibende Kraft. Er wollte Figuren, die ins wilde, bunte, vielleicht auch kaputte Berlin passen, sozusagen postmoderne Figuren, sicherlich auch politische Figuren, wenn man an die in der Handlung versteckte Kritik denkt, die darauf abzielt, Kunstwerke nur noch auf ihre wirtschaftliche Tauglichkeit zu reduzieren. Ich habe die Figuren dann zum Leben erweckt, sie mit all ihren kleinen Fehlern, Sehnsüchten, ihrer schmerzlichen Tiefe, ihren Verdrängungsstrategien und Wünschen ausgestattet, ihnen eine Vergangenheit gegeben und Zukunftsträume. Matthias hat sozusagen das inhaltliche Grundgerüst, sozusagen die Knochen einer Figur gegeben und ich habe dann das Fleisch dazugebastelt, dass sie leben und atmen.

6. Haben Sie sich von realen Ereignissen oder Personen inspirieren lassen, um die psychologische Welt und die inneren Konflikte von Kara darzustellen?


Ich lasse mich immer von realen Ereignissen und Personen inspirieren, denn dies wirkt viel stärker, geht viel tiefer, als es mit der Imagination möglich wäre. Deshalb ist es nicht weniger Fiktion. Ich greife auch keine einzelne Person aus meinem Bekanntenkreis heraus und setze diese in ein Buch ein. Natürlich nicht. Es ist eher so, dass ich hier und dort ein eigenes Erlebnis oder etwas, dass mir erzählt wurde, aufgreife und literarisch verarbeite. Um ein guter Schriftsteller zu sein, sollte man zumindest ein paar Dinge erlebt haben oder wenigstens so gut erzählt bekommen haben, dass man sie nachfühlen kann. Man muss ein sehr guter Beobachter und Menschenkenner sein. Matthias hat wirklich auch sehr viel Arbeit in der Recherche geleistet. Ich habe mir anhand meines Wissens aus der Psychologie und anhand meiner eigenen Erfahrungen und Erfahrungen von Freunden und Bekannten eine Figur imaginiert und versucht, sie so realistisch wie möglich darzustellen.


7. Welche Herausforderungen gab es beim Schreiben von Szenen, die sich um das Thema Drogenkonsum und dessen Auswirkungen drehen?


Eine Herausforderung war es vor allem, die Auswirkungen von Drogenkonsum und ihre verheerenden Folgen geschickt in die Handlung einzuweben. Einfach nur vor Drogen zu warnen in einem literarischen Werk, schien uns sehr plump. Wir wollten mithilfe der Handlung aufzeigen, wie zerstörerisch sich Drogen auf die konsumierenden Personen, ihre Gesundheit, ihre Bindungen, ihren Werdegang etc. auswirken kann. Die besondere literarische Ausgestaltung und das Nachkonstruieren von psychologischen Zuständen während der Drogentrips hat mir vor allem Spaß gemacht, ich habe es tatsächlich nicht so sehr als Herausforderung erlebt, eher als eine spannende Möglichkeit, literarisch mal etwas ganz Neues zu versuchen.


8. Intoxikation ist kein leicht zu lesendes Buch, manche Szenen sind doch recht verstörend, wie gehen Sie mit Kritik und Feedback um, insbesondere bei einem so komplexen und kreativen Projekt wie diesem Roman?

Da es sich bei INTOXIKATION um einen Psychothriller handelt, nehmen wir das Feedback, dass unser Roman verstörend wirkt, als Kompliment, denn das haben Psychothriller ja so an sich, dass sie auf die Psyche der Leser stark einwirken und düster komponierte Bilder hervorrufen. Ansonsten ist unser Roman in der Tat komplex. Um alle Hinweise, Rätsel und verborgenen, geheimnisvollen Zusammenhänge zu finden, muss man ihn mindestens zweimal gelesen haben. Doch darin liegt ja gerade der besondere Reiz unseres Romans.


Ich kann mich Matthias nur anschließen. Man muss den Grusel und die psychologischen Abgründe eines Psychothrillers mögen und sich darauf einlassen wollen. Ich würde sagen, so viel Grusel und Düsternis in dem Buch steckt, so setzt sich das Buch mindestens ebenso intensiv mit Fragen der Heilung in den verschiedensten Ausformungen auseinander. Wir wollten ein besonderes Werk schaffen, keinen gewöhnlichen Thriller und er ist auf jeden Fall komplex, aber gute Literatur sollte dies auch sein. Sie sollte vielschichtig sein und im Gedächtnis bleiben und sie darf auch mal den Leser/die Leserin fordern und nicht ausschließlich unterhalten wollen. Ein Psychothriller, der nicht verschreckt und nicht in die dunklen Tiefen der Psyche abzusteigen vermag, ist im Grunde ein schlecht gemachter Psychothriller. Insofern haben wir unser Ziel erreicht.


Vielen Dank das sie sich die Zeit genommen und meine Fragen so ausführlich beantwortet haben. Ich hoffe bald wieder ein Buch aus ihrer Feder lesen zu dürfen.
Meine Rezension zu diesem wirklich interessanten und außergewöhnlichen Buch findet hier 

Mittwoch, 24. April 2024

Die Schönheit der Rosalind Bone von Alex McCarthy (Autorin), Silke Jellinghaus (Übersetzerin)



Als ich dieses Buch zum ersten Mal in den Händen hielt, faszinierte mich sofort das Cover. Es zeigt das Gesicht einer wunderschönen Frau, die über ihre Schulter zurückschaut – eine passende Darstellung für den Titel "Die Schönheit der Rosalind Bone". Nach dem ich es gelesen habe, möchte ich nun meine Eindrücke mit euch teilen.

Das Buch beginnt vielversprechend, ähnlich wie eine Pfingstrose, die in ihrer geschlossenen Knospe eine prachtvolle Blüte erwarten lässt. Doch beim Aufblühen zeigt sich, dass die inneren Schichten von Fäulnis und Zerstörung befallen sind, als hätten Würmer die Schönheit verzehrt. Nur wenige Blütenblätter im Inneren sind unversehrt geblieben. Diese düstere Wendung überrascht und wirft ein ganz anderes Licht auf die Geschichte, als man es von außen erwartet hätte.

Kann man eine Geschichte lieben, die von Missbrauch, Armut, Ausbeutung und Drogenhandel handelt? Ich kann, denn die Sprache der Autorin Alex McCarthy hat mich vom ersten Satz an gefesselt. Die deutsche Übersetzung von Silke Jellinghaus trägt dazu bei, indem sie mit großem Feingefühl den Kern der Geschichte bewahrt.

Nun zum eigentlichen Inhalt des Buches. Die Handlung spielt in einem kleinen walisischen Dorf namens Cwmsygod, umgeben von Hügeln und Wäldern. Dort lebt Mary, eine alleinerziehende Mutter, die unter Agoraphobie leidet, während ihre sechzehnjährige Tochter Catrin liebevoll für sie sorgt. In Cwmsygod ist der Klatsch und Tratsch allgegenwärtig – jeder scheint sich für das Leben der Nachbarn zu interessieren. Insbesondere Rosalinds mysteriöses Verschwinden nach dem Tod ihres Vaters bei einem Grubenunglück hat zu zahlreichen Gerüchten geführt.

Auch die Familie Clements, die nach dem Selbstmord des Vaters in Armut verfiel, ist Thema vieler Geschichten. Die Mutter verfiel dem Alkohol, ein Bruder verkauft Drogen, und Daniel, Catrins Kindheitsfreund, spielt mit Feuer. Ein Brand führt dazu, dass eine Obdachlose verletzt wird, die Catrin vor einem Supermarkt trifft und den Notruf wählt.

Damit nimmt die Geschichte eine Wendung, die erschütternde Geheimnisse aus der Vergangenheit aufdeckt und viele Ereignisse, die wir als Leserinnen und Leser aus Marys Perspektive erfuhren, in ein ganz anderes Licht rückt.

Ein Pluspunkt für den Verlag, sie haben die Übersetzerin auf dem Cover erwähnt.


  • Herausgeber ‏ : ‎ GOYA; 1. Edition (17. April 2024)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Gebundene Ausgabe ‏ : ‎ 192 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3833746408
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3833746406

Klappentext:

Nachts sind alle Katzen: Neun Stories von Nina Heller

 

Nina Heller erzählt Geschichten von Frauen, die in einem ständigen inneren Kampf mit sich selbst stehen. Sie hinterfragen ihr eigenes Erscheinungsbild, ihre Gedanken und ihre Handlungen, oft auf eine Weise, die ihre Unsicherheit und Selbstzweifel offenbart. Diese Frauen machen sich klein, versuchen sich den gesellschaftlichen Erwartungen anzupassen und sind gefangen in Verhaltensmustern, die ihnen von klein auf beigebracht wurden. Doch trotz dieser scheinbaren Unterwerfung zeigen sie eine tiefe innere Stärke, eine Entschlossenheit, die sie daran hindert, vollständig aufzugeben.

Die Geschichten in dieser Anthologie sind wie Spiegel, die die Erfahrungen und Kämpfe der Frauen reflektieren. Sie erzählen vom Prozess der Selbstfindung und der inneren Reise, auf der sich die Frauen befinden, um die unsichtbaren Fesseln abzulegen, die sie seit ihrer Kindheit umgeben. Die Protagonistinnen mögen manchmal zerbrochen und wütend erscheinen, aber ihre Geschichten sind letztlich von einem starken Willen geprägt, der ihnen erlaubt, den Alltag und seine Herausforderungen zu überwinden.

Insgesamt bieten Nina Hellers Geschichten eine erfrischend ehrliche und zugleich erschreckende Perspektive auf das Leben von Frauen, indem sie den Horror in der Normalität aufdeckt und die Machtstrukturen infrage stellt, die unser Leben prägen. Ihre Protagonistinnen sind unvergessliche Charaktere, die trotz ihrer Schwächen und Fehler nie aufhören, nach einem Weg zu suchen, sich von den Fesseln der Gesellschaft zu befreien.

Anfangs fiel es mir schwer, in die Geschichten hineinzufinden. Manchmal dauerte es eine Weile, bis ich verstand, was die Autorin sagen wollte. Ich bin mir nicht sicher, ob ich immer alles richtig interpretiert habe. Aber das ist für mich auch nicht das Wichtigste – entscheidender sind die Gedanken und Reflexionen, die bei mir ausgelöst wurden. Die Autorin richtet den Fokus auf das Leben junger Frauen, ihre alltäglichen Erfahrungen und Perspektiven, was die Geschichten durchaus lesenswert macht.


  • Herausgeber ‏ : ‎ Gans Verlag; 1. Edition (1. Oktober 2023)
  • Sprache ‏ : ‎ Deutsch
  • Taschenbuch ‏ : ‎ 232 Seiten
  • ISBN-10 ‏ : ‎ 3946392350
  • ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3946392354