Zwanzig Autorinnen erzählen als Hommage an Jules Vernes von Tatorten aus der ganzen Welt. Da geht es um den Ravenmaster, der sich um die Raben im Londoner Tower kümmert. Um Sarah, die mit einem Katamaran in der indonesischen Inselwelt kreuzt. Oder um zwei schwarz-weiße Paare in Ghana. Dann um einen Schönheitschirurgen und seinen Patienten in Neu-Dehli. Um die Silvesterreise eines Paares nach Rio de Janeiro. Kann man sich vorstellen, dass es im Wiener Burgtheater hinter der Bühne leidenschaftlicher zugeht als auf ihr? Und schließlich: Was ist der berühmteste Cold Case Australiens? "Es gab nur diesen einen Schlüssel und den besaß sie. Dieser Stollen war ihr Geheimnis. Alle anderen, die davon wussten, waren längst tot. Sie war die Einzige, die Zugang zur Hölle hatte." (Aus: „Dem Himmel so fern“ von Thea Lehmann) Eine Reise rund um den Erdball, infiziert vom Lese-Virus, aber völlig Corona-frei!
Ich muss es euch nicht noch einmal erzählen, ich liebe Kurzgeschichten. Die kann man auch lesen, wenn die Zeit knapp ist, denn eine geht immer.
Und so habe ich gleich zugestimmt, als Heike von Frau Goethe liest, mir vorschlug, wir könnten doch einmal Kurzgeschichten gemeinsam lesen, bzw. sie hört und ich lese. Denn Heike hat das Buch als Hörbuch und ich als Print.
Wir wollten versuchen die Unterschiede bzw. die Vorteile beim *Lesevergnügen* herauszustellen.
Ich höre keine Hörbücher, ich brauche Papier in der Hand und habe mein ganz eigenes Tempo beim Lesen, so manche Geschichte braucht mehr Tempo, die eine oder andere will langsam gelesen werden.
Und das kann ich bei einem Hörbuch ja leider nicht beeinflussen, ebenso wie ich beim Lesen Stimmen im Kopf habe, die je nach Protagonist variieren, und ich höre z.B. die Vögel zwitschern oder den Straßenlärm vor den Fenstern. All das fehlte mir bei den zwei oder drei Hörbüchern die ich ausprobiert habe.
Natürlich kam es auch auf den jeweiligen Vorleser an, schaffte er es mir Bilder in Kopf zu projizieren, rieche ich den Regen am Morgen oder die Gewürze auf dem Basar, oder auch die unangenehmen, der Müll auf den Straßen oder gar die Leiche im Keller.
Aber kommen wir zum Buch.
In 18 Morden um die Welt, ist eine Anthologie die von Fenna Williams und Petra K. Gungl herausgegeben wurde und in der uns 18 Autorinnen rund um die Welt schicken, von Europa über Asien nach Afrika, geht es weiter nach Südostasien über Australien und Nord und Südamerika zurück nach Europa.
Ich hatte eine reine Krimianthologie erwartet, mit spannenden Geschichten und manchmal ungewöhnlichen Arten jemanden zu ermorden, denn Frauen morden besser, wie
Fenna Williams in Grenzgänge, die Story spielt in Französisch - Guayana und Micki lernt, dass ein Flug von dorthin tatsächlich ein Inlandsflug ist.
Nimmerland von Mareike Fröhlich spielt in Kanada, herrliche Wälder und Berge und eine Protagonistin die im Laufe der Zeit feststellt, dass eine Fernbeziehung mit ihrem Mann, der in Deutschland zurückblieb, nicht das ist, was sie will.
Dann kommen wir aber nach Australien, dort lernen wir Ludwig Leichhardt kennen, der Botaniker schreibt an Charlotte was er auf seinen Expeditionen erlebt, bis sich seine Spur in den weiten des Landes verliert.
Leichhardt gilt als Humbold Australiens und sein Leben ist einen weiteren Blick wert. Die Autorin Christiane Geldmacher hat mich mit ihrer Story Totgesagt wirklich neugierig gemacht.
In Afrika genauer gesagt in Namibia lebt Betty mit ihrem alkoholkranken Mann auf einer Farm, der gewalttätige Mann macht ihr das Leben zur Hölle, aber Betty gibt nicht auf, irgendwann findet sie den Mann, der sie glücklich macht. Das klingt jetzt verwirrend, aber wer es makaber mag, so wie ich, wird diese Story lieben.
In Island und Griechenland wird es fantastisch, die isländische Mythologie lässt Elfen lebendig werden und es wird schon seinen Grund haben warum es Elfenbeauftragte gibt, die dafür sorgen, dass sie ungestört leben können und manchmal treffen Sterbliche und Elfen aufeinander und verlieben sich sogar, wie sie zueinander finden können erzählt Yvonne Keller in Johannistagstod oder zwei Fliegen mit einer Klappe.
In Griechenland haben die Götter nur noch begrenzte Macht, reicht sie aus um Schildkröten zu retten? Das erfahren wir in Die grüne Göttin von Ingrid Werner.
Mein Fazit zu meiner literarischen Weltreise:
Ich war gern mit den Autorinnen unterwegs, sie führten mich in wunderbare Landschaften ohne das ich mein Haus verlassen musste, so mag ich Reisen, ankommen ohne losfahren zu müssen.
Ich mochte jede einzelne Geschichte, es gab tatsächlich keine die mir nicht gefallen hätte.
Die Anthologie ist von der ersten bis zur letzten Seite absolut lesenswert.
Ob sie auch Hörenswert ist, erzählt euch Heike auf ihrem Blog.
- Herausgeber : Leinpfad Verlag; 1. Edition (16. März 2021)
- Sprache : Deutsch
- Taschenbuch : 300 Seiten
- ISBN-10 : 3945782716
- ISBN-13 : 978-3945782712






