Sonntag, 10. Mai 2020

Funkstille Nero Freibauer 1 von Stefan Cammeratt

Inhalt: Nach seinem kurzen, wenn auch sehr lukrativen Abstecher in die Hackerwelt aus dem ein  etwas längerer Aufenthalt im Gefängnis resultierte, arbeitet Nero Freibauer als IT Spezialist und pendelt zwischen Frankfurt am Main und London. Am Flughafen verliebt er sich Hals über Kopf in Mia, die kurz nachdem er herausgefunden hat, wer sie ist, spurlos verschwindet. Bei seiner Suche nach ihr gerät Nero selbst in Gefahr.

Das klingt nach einem recht spannenden Plot und ich möchte auch gleich vorweg erwähnen was mir an dem Buch gefallen hat.
Der Schreibstil ist flüssig und sehr gut lesbar, die einzelnen Elemente sind auch durchaus spannend. Nero ist zunächst recht sympathisch und sein Werdegang vom Hacker zum Sicherheitstechniker ist nachvollziehbar und jeder kennt ja die Geschichten von genialen Hackern die nach ihrer Läuterung Sicherheitslücken in Firmen aufspüren.
Zu Beginn hatte ich nur eine Sache, die mich störte, Nero dachte viel zu oft an Mias Lächeln, ich hatte schon beim ersten, spätestens beim zweiten Mal begriffen, dass er es einfach hinreißend fand. Wäre es dabei geblieben, ich würde Mias Lächeln nicht einmal erwähnen.
Nur leider blieb es nicht dabei, was nach Mias verschwinden geschieht, ist einfach viel zu viel, das reicht für mindestens 3 Bücher. Auf seiner Suche nach Mia, gerät Nero ins Visier des BND, kriminellen Russen die so ziemlich jedes Klischee erfüllen und trifft auf einen radikalen Islamisten,  auf einen Schlepper in den Alpen und zwischendurch treffen wir noch auf den einen oder anderen mehr oder weniger kriminellen Protagonisten in einer Nebenrolle. Natürlich gibt es auch unterstützende Protagonisten, den Freund aus Häckertagen, der mittlerweile für die Telekom arbeitet oder die mütterliche Pensionswirtin, auch hier reiht sich wieder ein Klischee ans andere.
Neros Suche nach Mia ist natürlich von Erfolg gekrönt und was danach passiert ist ebenso rasant wie alles vorher gelesene und das macht es leider nicht besser, hier müsste ich jetzt spoilern, das geht natürlich nicht.
Ich tue mich etwas schwer mit der Bewertung, wie ich schon schrieb, der Schreibstil und die Idee zum Buch sind wirklich gut. Und wer auf übermäßig viel Action steht wird das Buch sehr mögen, es erinnert ein klein wenig an James Bond.
Für mich war das Buch leider nur bedingt etwas.

  • Broschiert: 352 Seiten
  • Verlag: Verlag DeBehr; Auflage: 1 (18. September 2019)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3957536715
  • ISBN-13: 978-3957536716

Freitag, 8. Mai 2020

East of Inferno Ludwig Licht 4 von Thomas Engström

Der Ex- Doppelagent Ludwig Licht lebt mittlerweile in Georgien, in Tiflis und auch dort arbeitet er manchmal für die CIA und manchmal für den privaten Sicherheitsdienst.
In Tiflis wird Ludwig von seiner Stasi Vergangenheit eingeholt und hier trifft er auch auf seinen Sohn Walter.
Ja Ludwig Licht, er wurde mir nicht sympathischer, auch wenn er eine kaum spürbare positive Entwicklung durchgemacht hat, er war und ist ein saufender Ex-Agent.
Sein aktueller Auftrag führt ihn in seine Vergangenheit und ich gehe mal davon aus, dass der Autor gut recherchiert hat, denn das war er schreibt, klingt durchaus glaubwürdig und vorstellbar.
Die Handlung ist wieder spannend und actionreich genug um mich bei der Stange zu halten, aber nicht übertrieben, zu viel Action kann auf mich als Leser leicht ermüdend wirken, wenn sie auf Kosten des Inhalts geht. Thomas Engström hat es geschafft die Balance zu halten, so das ich auch den Abschlussband der Reihe gern las.
Bis zum Epilog:
Noch lieber allerdings hätte ich die Reihe um Ludwig Licht gelesen, wäre er nicht so ein unangenehmer Zeitgenosse, im Epilog schreibt sein Sohn Walter:

In gewisser Weise verlieh der Alkohol meinem Vater übermenschliche Kräfte. Er ermöglichte ihm...

... ein Held zu sein.

Gut Walter stellt auch noch die Worte Mörder und Arschloch in den Satz, aber allein der Gedanke das jemand auch nur ansatzweise denken könnte Alkoholsucht hätte etwas Gutes, lässt bei mir die Haare zu Berge stehen. Egal wie sehr Ludwig seine Sucht unter Kontrolle hat und egal das Walter zuletzt im Mittelpunkt seiner Heldentat steht.
Das Ende der Tetralogie hat mich dann wirklich überrascht und ich bin sehr froh darüber. Warum? Das müsst ihr selber lesen.

  • Broschiert: 384 Seiten
  • Verlag: C. Bertelsmann Verlag; Auflage: Deutsche Erstausgabe (2. März 2020)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3570103048
  • ISBN-13: 978-3570103043
  • Originaltitel: Öster om Avgrunden




Donnerstag, 7. Mai 2020

Christine Bernard Das Mädchen aus einer anderen Welt von Michael E. Vieten

*Sie kommen in der Nacht und stehlen Menschen.
Lina hat einen von ihnen getötet.
Sie werden ihn rächen.
Nun ist Lina allein und nirgendwo sicher.*

Lina Ahlers behauptet von Aliens entführt und untersucht worden zu sein als sie von einer Polizeistreife aufgegriffen wird. Sie behauptet ebenfalls das sie einen von den Außerirdischen getötet hat.
Doch am vermeintlichen Tatort finden die Polizisten keine Leiche.


Im Laufe der Ermittlungen kommt Christine Bernard einem Verbrechen auf die Spur wie es grausamer und perfider kaum sein kann. Mädchenhandel.

Ich mag die Art wie Michael E. Vieten seine Protagonisten handeln lässt, Christine ist gewohnt gefühlvoll, ohne ihre Professionalität aus den Augen zu verlieren, das hat sich seit dem letzten Buch der Reihe nicht geändert und das ist wirklich gut so. Sie weiß Situationen gut einzuschätzen und angemessen zu handeln ganz im Gegensatz zu ihrer Praktikantin Rita, die Christines Gefühlsleben durcheinander bringt und beruflich noch viel zu lernen hat.


In letzter Zeit häufen sich die Krimis und Romane in meiner Leseliste, die sich um Missbrauch drehen, das ist reiner Zufall, ich suche mir dieses schwierige Thema nicht aus, die Bücher kommen einfach so zu mir.
Jedes hat seinen eigenen Stil, seine eigene Geschichte, eins haben allerdings alle Gemeinsam: Sie lassen ihre Leser in die Abgründe der menschlichen Seele blicken.
Michael E. Vieten erspart seinen Lesern die Details, er überlässt es seinen Lesern sich die Grausamkeiten denen die Opfer ausgesetzt vorzustellen und das ist auch gut so, so konnte ich die Bilder in meinem Kopf zeitweise ausschalten.
Vieten zeigt das Verbrechen egal welcher Art nicht vor den Grenzen innerhalb der Gesellschaft halt machen, sie ziehen sich durch alle Gesellschafts- und Berufsgruppen, nicht einmal innerhalb der eigenen Familie machen sie halt.
Das Mädchen aus einer anderen Welt ist ein sehr spannender und lesenswerter Krimi, der aufgrund seines Themas vielleicht nicht für alle Leser geeignet ist, aber für alle die sich gern von einem guten Krimi unterhalten lassen möchten, ohne den Rest der Nacht unter der Bettdecke zu verbringen, ich schrieb ja schon das der Autor seinen Lesern Einzelheiten erspart.
Die Ermittlungen der Polizei sind so weit es möglich ist und soweit ich es beurteilen kann, recht realistisch dargestellt, die ermüdende Schreibtischarbeit erspart der Autor uns verständlicherweise.


Von mir bekommt,
Christine Bernard Das Mädchen aus einer anderen Welt,
eine Leseempfehlung und ich freue mich auf weitere Bücher mit der sympathischen Kommissarin. 



  • Broschiert: 276 Seiten
  • Verlag: Acabus Verlag; Auflage: Originalausgabe (24. Februar 2020)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3862827399
  • ISBN-13: 978-3862827398

Montag, 4. Mai 2020

Der Hexer Zeit der Verachtung von Andrzej Sapkowski

Klappentext:

Ciri wird von allen Seiten gejagt. Auch Hexer Geralt kann sie nur mit Mühe schützen. Als er schwer verwundet wird, kann Ciri zwar fliehen, doch sie findet sich in einer entsetzlichen Wüste wieder – mit einem verirrten Einhorn als einzigem Gefährten.

Meine Meinung: Der Klappentext verrät leider nicht, das furchtbar viel politisiert wird in diesem Band, soviel das ich zwischendurch tatsächlich überlegt habe, ob ich nach diesem Band die Reihe aufgeben sollte und es war und es blieb lange unklar wer gegen wen intrigiert und wer auf wessen Seite steht.

Bündnisse werden geschlossen und gebrochen und es tauchen Verbündete auf, mit denen niemand gerechnet hat.

Jetzt habe ich euch gleich zu Beginn verraten, dass ich zwischendurch kurz davor war abzubrechen, aber da mir Geralt und Ciri doch sehr ans Herz gewachsen sind und ich schon wissen wollte, wie es weiter geht mit ihnen und ob das eine oder andere Geheimnis um das Löwenjunge von Cintra gelüftet wird, habe ich davon abgesehen.

Gespräche über Politik nehmen nicht nur einen großen Raum ein und lassen das Buch in Teilen etwas zäh wirken, sie sind natürlich auch wichtig und am Ende sind sie der rote Faden, der die Geschichte zusammenhält.

Wer auch immer behauptet das Fantasy leichte Kost sei, hat bisher nur die falschen Bücher gelesen, Fantasy kann auch reale Gesellschaftsformen widerspiegeln, sie erzählen von Unterdrückung und Machtgier und von Menschen die zum Spielball in einem perfiden Spiel um Macht und Einfluss werden.

Ciri ist dieser Spielball, wer ihrer habhaft wird erlangt einen großen Vorteil und so haben Geralt und Yennefer nur ein Ziel: Das Löwenjunge von Cintra schützen.

Doch sie verlieren das Mädchen aus den Augen und Ciri ist lange Zeit auf sich allein gestellt, mit Müh und Not überlebt sie die unbarmherzige Wüste, um in die Hände von Kopfgeldjägern zu geraten, die sie an Nilfgaard ausliefern wollen. Doch Ciri kann mit der Hilfe eines weiteren Gefangenen fliehen und schließt sich einer Jugendbande an, die sich die Ratten nennen.

Das ist der kurzweilige Teil des Buches. Der flüssige Schreibstil und die Handlung fesselten mich geradezu an die letzten Kapitel.

Und natürlich werde ich die Reihe weiterverfolgen.



Broschiert: 400 Seiten
Verlag: dtv Verlagsgesellschaft (20. September 2019)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3423262451
ISBN-13: 978-3423262453
Originaltitel: Czas pogardy

Samstag, 2. Mai 2020

Mörderhof von Kriminalinski

Zwei Jahre ist es her seit Kriminalhauptkommissar Stöckmann den Fall  Spix zu den Akten legen musste. Der Schweinebauer verschwand spurlos über Nacht, nichts deutete auf ein Verbrechen hin und so führten seine Frau Jutta und ihre Tochter Seraphina den Hof seitdem mehr schlecht als recht allein. Jutta und ihre Tochter sind nicht besonders klug, bei einem Intelligenztest im Zuge der Ermittlungen wurde ihnen ein IQ an der Grenze zur Debilität bescheinigt. Jutta hatte es nie leicht und die Ehe mit dem tyrannischen Spix war wohl nicht sehr harmonisch, so verwundert es niemanden das sie am Tresen der Dorfkneipe mit steigendem Alkoholspiegel den Mord an ihrem Ehemann quasi gesteht.
"Gaut Schwien fret alls"
Die Staatsanwaltschaft rollt den Fall wieder auf, allerdings ohne Stöckmann zu involvieren denn diesmal wollen sie Ergebnisse sehen und schicken den Verhörspezialisten Malchow, dessen Ruf jeden zu einem Geständnis zu bringen, ihm vorauseilt.
Allerdings haben alle die Rechnung ohne den Dorfpolizisten Willen, von allen nur Pommes genannt, gemacht. Pommes glaubt nicht an die Schuld der Familie und ermittelt auf eigene Faust ohne Rücksicht auf die Konsequenzen die das auf seine Karriere und seinen Ruf haben kann.

Viele halten den Spruch: Ein gutes Schwein frisst alles, für ebendies einen Spruch, aber als Landkind weiß ich, das es stimmt, wenn man eine Leiche verschwinden lassen will, ohne Spuren zu hinterlassen braucht man nur ein paar Schweine.(Oder das war nur eine Mär, die man Kinder erzählt damit sie nicht im Stall spielen.) Ich war also lange von der Schuld Juttas und ihrer Tochter überzeugt, bis ich den Ermittlungen Pommes folgte, der ganz tief in einen Sumpf von Geldgier und behördlichen Auflagen eintaucht und der aufdeckt das auch noch andere ein Motiv für den Mord hätten, der Eierfabrikant der Spix übers Ohr gehauen hat oder der polnische Landarbeiter Marius, dem der Landwirt noch Geld geschuldet haben soll. Und so beschuldigte ich gedanklich mal den  und dann wieder jemand ganz anderen. Die Spannung blieb also bis zum Ende bestehen.
Ich mag Pommes und ich mag es sehr das der Autor den Dorfpolizisten nicht als tumben Deppen dargestellt hat, wie man sie häufiger in Krimis sieht und die nur durch die Unterstützung der richtigen Polizei aus der Stadt einen halbwegs ordentlichen Job machen. Willen weiß was er tut, seine Auffassungsgabe und sein Talent Zusammenhänge zu erkennen sind stehen seinen Kollegen in Nichts nach. Dazu ist er noch sehr sympathisch dargestellt.

Der Schreibstil des Autors ist flüssig und sehr angenehm zu lesen, er verliert sich nicht in unnötigen Beschreibungen und erzählt doch alles was nötig ist, diese Balance zu halten ist sicher nicht immer einfach, hier ist sie sehr gelungen.

Mörderhof bekommt von mir eine Leseempfehlung.

  • Broschiert: 250 Seiten
  • Verlag: edition oberkassel; Auflage: 1 (16. April 2020)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3958131921
  • ISBN-13: 978-3958131927